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Verfahren : 2006/2135(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A6-0416/2006

Eingereichte Texte :

A6-0416/2006

Aussprachen :

PV 31/01/2007 - 23
CRE 31/01/2007 - 23

Abstimmungen :

PV 01/02/2007 - 7.11
CRE 01/02/2007 - 7.11
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P6_TA(2007)0021

Plenardebatten
Mittwoch, 31. Januar 2007 - Brüssel Ausgabe im ABl.

23. Diskriminierung junger Frauen und Mädchen in der Bildung (Aussprache)
PV
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  Der Präsident. – Als nächster Punkt folgt der Bericht von Věra Flasarová im Namen des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter über die Diskriminierung junger Frauen und Mädchen in der Bildung (2006/2135(INI)) (A6-0416/2006).

 
  
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  Věra Flasarová (GUE/NGL), Berichterstatterin. – (CS) Herr Präsident, Herr Kommissar, verehrte Damen und Herren! Ich freue mich, dass ich die Gelegenheit hatte, einen Bericht über die Diskriminierung junger Frauen und Mädchen beim Zugang zu Bildung zu verfassen, und ich möchte allen im Ausschuss für ihre hilfreiche Mitarbeit danken.

Bildung ist seit jeher von gewaltigem Wert für eine Gesellschaft. In der Vergangenheit sahen die Menschen den Zugang zu Bildung genauso wie den Zugang zu Reichtum: Er war selektiv. Wer ohne Reichtum oder Privilegien war, hatte es schwer, wenn es um den Erwerb von Bildung ging. Noch schlechter waren die Bedingungen für Ausländer, Zuwanderer, Andersdenkende und Menschen anderer Rassen. Auch Frauen wurde durch Vorurteile und das scharf abgegrenzte soziale Umfeld, in dem sich die meisten nur bewegen durften, der Zugang zu Bildung und insbesondere zu höherer Bildung eingeschränkt.

Archaische Stereotypen, die seit Jahrtausenden bestehen, weichen den Anforderungen der Zivilisation nicht so ohne Weiteres. Sie leben in den Gedanken und Verhaltensweisen der Menschen weiter, auch wenn es niemand offen zugibt. Ich möchte ja in niemandes Bewusstsein stöbern, aber vereinzelte Bruchstücke aus dem Mittelalter, wenn ich es einmal so vereinfacht formulieren darf, sind doch immer noch in uns vorhanden. Wenn dem nicht so wäre, wenn unsere Kultur von tief verwurzelten Grundsätzen der Gleichbehandlung geprägt wäre, dann würden wir uns jetzt nicht mit diesem Problem befassen müssen.

Mein Bericht basiert auf dem Grundgedanken, dass Bildung ein lebenslanger Prozess ist. Doch Sie stimmen mir sicher zu, dass die beste Zeit für den Erwerb von Qualifikationen und für die persönliche und berufliche Entwicklung die Jugend ist. Dieser Prozess sollte frei von jeglicher Diskriminierung sein, deren schlimmste Form wirtschaftliche Beschränkungen sind, die vor allem die schwächsten Schichten der Gesellschaft betreffen. Wenn wir es schon nicht schaffen, wirtschaftliche Hemmnisse zu beseitigen, die Jungen und Mädchen gleichermaßen betreffen, dann sollten wir zumindest deren Folgen so weit wie möglich abmildern, und ebenso die anderen Formen von Diskriminierung, die in diesem Bericht angesprochen werden.

Daten aus verschiedenen EU-Ländern zeigen, dass Faktoren der geschlechtsspezifischen Benachteiligung zumindest am Beginn des Bildungsprozesses kaum vorhanden sind. Der Schulbesuch ist obligatorisch, und die Faktoren, die die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen, betreffen beide Geschlechter gleichermaßen. Ich beziehe mich da insbesondere auf diagnostizierte Erkrankungen, Vernachlässigung durch die Eltern und Fehldiagnosen, die dazu führen, dass Kinder aus den normalen Bildungssystemen ausgeschlossen werden. Dies sind hoch signifikante Faktoren. Die Diskriminierung von jungen Frauen und Mädchen in der Bildung findet dennoch nur am Rande Erwähnung. Wir wissen, dass Mädchen und junge Frauen ebenso begabt und motiviert sind, einen höheren Bildungsweg einzuschlagen, wie ihre männlichen Altersgenossen. Das zahlenmäßige Verhältnis von männlichen und weiblichen Studenten ist im Großen und Ganzen ausgewogen. In einigen Bereichen der Hochschulbildung sind die jungen Frauen sogar in der Mehrheit, was ein Ausdruck für die sozialen Stereotype ist, dass einige Berufe als typisch männlich und andere als typisch weiblich gelten. Wir hören ja oft von Systemen, die anderen Formen der Diskriminierung Vorschub leisten, beispielsweise niedrige Löhne in so genannten Frauenberufen. Man kann argumentieren, dass geschlechtsspezifische Hindernisse für Mädchen und junge Frauen aus dem Dilemma erwachsen, ob man eine Familie gründen und Kinder aufziehen oder weiter lernen und eine berufliche Laufbahn anstreben soll. Während junge Männer nach Beendigung ihres Studiums weitere Qualifikationen erwerben können – was sogar von ihnen erwartet wird –, müssen junge Frauen mit diesem Dilemma fertig werden.

Heute besteht bei beiden Geschlechtern die Tendenz, erst später sesshaft zu werden und eine Familie zu gründen. Der Grund dafür sind nicht nur Veränderungen in der Lebensführung, sondern auch die Schwierigkeit, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, vor allem, wenn man sich um kleine Kinder kümmern muss. Die Arbeitswelt ist extrem wettbewerbsorientiert und verlangt unermüdlichen Einsatz. Dort fallen dann Frauen statistisch gesehen hinter die Männer zurück. Im Verhältnis zu den Männern geht die Zahl der Frauen, die es in die oberen Ränge der Hochschulbildung und wissenschaftlicher Institutionen schaffen, zurück. Noch viel kleiner ist die Zahl der Frauen in Führungspositionen. Hier zeigt sich die geschlechtsspezifische Diskriminierung beim Zugang zu Bildung. In gewissem Umfang betrifft die Diskriminierung auch Frauen, die bereits ein hohes Bildungsniveau und eine hohe gesellschaftliche Stellung erreicht haben. Sie können nicht gewinnen, auch wenn sie alle Hindernisse gemeistert haben, denn die Gesellschaft verbindet beruflichen Erfolg nach wie vor automatisch mit Männern und sieht Frauen, die sich in dieser schmalen verbotenen Zone bewegen, als Eindringlinge an.

Trotz aller Probleme, die erfolgreiche Frauen am Arbeitsplatz und zu Hause mit der Familie bewältigen müssen, sehe ich die Situation optimistisch. Meiner Meinung nach wird das Problem mit der Zeit von selbst verschwinden. Allerdings ist es nach wie vor so, dass die Diskriminierung von Frauen beim Zugang zu Bildung und alle damit zusammenhängenden Probleme weiter bestehen werden, wenn wir keine wirksamen Möglichkeiten finden, vor allem jungen Frauen zu helfen, Bildung und Karriere einerseits mit Mutterschaft und Familie andererseits zu verbinden.

 
  
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  Ján Figeľ, Mitglied der Kommission. (EN) Herr Präsident! Ich möchte zunächst einmal Frau Flasarová und dem Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter zu diesem ausgezeichneten Bericht gratulieren. Er bietet einen umfassenden und ausgewogenen Überblick über die Probleme von jungen Frauen und Mädchen in der Bildung und später in ihrem Berufsleben.

Während die Bekämpfung jeder Form von Diskriminierung zu den zentralen Grundsätzen der Europäischen Union gehört, sind wir bei der Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Diskriminierung noch einen Schritt weitergegangen. Alle Dienststellen der Kommission müssen bei der Erarbeitung von Vorschlägen geschlechtsspezifischen Unterschieden Rechnung tragen.

Im Bildungssektor hat – wie auch aus Ihrem Bericht hervorgeht – eine positive Entwicklung stattgefunden. In der Europäischen Union gibt es im Hinblick auf junge Mädchen keine Diskriminierung beim Zugang zur Bildung, wobei Mädchen oftmals sogar bessere Noten erzielen als Jungs. Dennoch treten in einigen Bevölkerungsschichten ernsthafte Schwierigkeiten auf. In dem Bericht werden einige Problemgruppen genannt, bei denen geschlechtsspezifische Unterschiede in Verbindung mit anderen Faktoren dazu führen können, dass Frauen und Mädchen nicht in den vollständigen Genuss einer guten Bildung kommen.

Unser vorrangiges Ziel besteht darin, den Bedürfnissen dieser Gruppen gerecht zu werden und effektive Lösungen zu finden. Mit unserer Arbeit möchten wir Effizienz und Gerechtigkeit in den Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung erreichen. Denn die geschlechtsspezifische Diskriminierung ist Teil eines größeren sozialen und kulturellen Problems und erfordert weit reichende Maßnahmen.

Im Jahre 2007 werden wir zwei bedeutende Mitteilungen vorlegen. In der ersten Mitteilung wird es um das Thema Vorschulbildung gehen. Mit Programmen, die schon ab einem frühen Kindesalter beginnen, können nicht nur kurzfristige Ergebnisse erzielt werden, sondern auch Fähigkeiten zum lebenslangen Lernen entwickelt und Werte vermittelt werden, die frei von Diskriminierung sind.

Die zweite Mitteilung in diesem Jahr ist den Themen Bildung und Zuwanderung gewidmet. Die Zuwanderung trägt in Europa maßgeblich zu Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit bei. Doch aus den Ergebnissen der PISA-Studie geht hervor, dass Zuwandererkinder in der Regel schlechter in der Schule abschneiden als andere Kinder. In einigen Kulturen haben außerdem junge Mädchen mit besonderen Hindernissen zu kämpfen.

In dem neuen Programm für lebenslanges Lernen wird die Chancengleichheit mit in die horizontalen Prioritäten aufgenommen. Der erste Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen wurde gerade erst veröffentlicht. In dem Zwischenbericht zur allgemeinen und beruflichen Bildung 2010, der sich auf das gesamte Jahrzehnt erstreckt, werden noch einmal die Benchmarks für die Bereiche Wissenschaft, Mathematik und Technologie sowie die ausgewogene Vertretung der Geschlechter in diesen Berufszweigen geprüft. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass das erste Ziel erreicht wurde. Allerdings ist das im Grunde genommen auch das einzige Ziel von fünf Benchmarks, bei dem wir in den 27 EU-Mitgliedstaaten ganz gut vorankommen.

Meine Dienststellen und die meines Kollegen, Herrn Potočnik, im Bereich der Forschung arbeiten schon seit längerer Zeit zusammen, um die geschlechtsspezifische Diskriminierung in wissenschaftlichen und technischen Berufszweigen zu bekämpfen. Diese Arbeit kann auch anderen Sektoren zugute kommen, und wir werden darauf aufbauen.

Was das Thema Informationsgesellschaft betrifft, wird die digitale Kluft immer größer. Wie Sie in Ihrem Bericht erwähnen, können Frauen durchaus von den neuen Technologien profitieren. Meine Kollegin, Frau Reding, leitet eine Initiative für digitale Integration, bei der auch Geschlechterfragen berücksichtigt werden. Zudem hat der Europäische Sozialfonds seit jeher eine maßgebliche Rolle bei der Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Diskriminierung gespielt. Mithilfe der Verordnungen für den Zeitraum 2007-2013 können Maßnahmen in all den Bereichen finanziert werden, die in Ihrem Bericht genannt wurden. Somit bieten die Strukturfonds zahlreiche Möglichkeiten, um in den Bereichen der allgemeinen und beruflichen Bildung weiter voranzukommen.

Ich möchte Ihnen noch einmal für Ihren Bericht danken.

 
  
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  Edit Bauer, im Namen der PPE-DE-Fraktion. – (HU) Eine der entscheidenden Fragen in Verbindung mit Humanressourcen ist die der Bildung. Auf allen Gebieten behindert Diskriminierung die Entwicklung der Gesellschaft, ganz besonders aber im Bereich der Bildung. Ich möchte zwei Aspekte dieser Frage herausstellen.

Der Bericht, den ich vor allem wegen seiner Ausgewogenheit schätze, behandelt die häufigsten Formen von Diskriminierung. Es wird jedoch nicht erwähnt, dass durch Kinderarmut und dem damit verbundenen frühzeitigen Schulabbruch eine Situation entsteht, die lebenslanges Lernen unmöglich macht, weil die Grundlagen fehlen und es deshalb nichts gibt, auf dem man in späteren Phasen aufbauen kann. Es stimmt, dass den Statistiken zufolge der frühe Schulabbruch in den EU-Mitgliedstaaten bei Jungen häufiger vorkommt, aber wir müssen beachten, dass der Hauptgrund dafür Armut ist, die Frauen härter trifft als Männer, und das gilt umso mehr für alleinerziehende Eltern, deren signifikante Mehrheit im Ansteigen begriffen ist. In zersplitterten Familien ist auch das Armutsrisiko höher.

Das andere Problem, das im Bericht hervorgehoben wird, ist die Lage derjenigen, die unter mehrfacher Diskriminierung leiden, nämlich Frauen aus den verschiedenen Minderheitengruppen. Ohne Frage ist die Diskriminierung im Bereich der Bildung bei nationalen und ethnischen Minderheiten, den Roma, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen mit Lernstörungen wie Dyslexie, Dyspraxie oder Dyskalkulie in den meisten Mitgliedstaaten ein alltägliches Problem. Die Antidiskriminierungsrichtlinien der Europäischen Union schreiben vor, dass Regierungen Maßnahmen zur Herstellung von Gleichbehandlung ergreifen, doch in mehreren Mitgliedstaaten stehen solche Initiativen einem eng ausgelegten verfassungsmäßigen Verbot der Diskriminierung gegenüber. So haben wir im Falle eines Mitgliedstaates erlebt, dass das Verfassungsgericht den Artikel eines Antidiskriminierungsgesetzes für verfassungswidrig erklärte, der positive Übergangsmaßnahmen im Interesse der Chancengleichheit zugelassen hätte.

Nach meiner Überzeugung ist es ohne solche Übergangsmaßnahmen unmöglich, gleiche Chancen zu schaffen.

 
  
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  Teresa Riera Madurell, im Namen der PSE-Fraktion.(ES) Herr Präsident! Zunächst möchte ich Frau Flasarová zu der guten Arbeit zu solch einem wichtigen Thema wie dem gleichberechtigten Zugang zur Bildung beglückwünschen, die die Voraussetzung dafür ist, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen am Arbeitsplatz und in den meisten Bereichen unseres öffentlichen und privaten Lebens haben.

Von allen noch bestehenden Hindernissen, die im Bericht genannt werden, will ich besonders drei herausgreifen.

Erstens, die geschlechtsbedingte digitale Kluft. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und im Rahmen der Lissabon-Strategie muss die Kommission geeignete Maßnahmen ergreifen, um zu gewährleisten, dass die Frauen Zugang zu den Informations- und Kommunikationstechnologien haben und sie unter gleichberechtigten Bedingungen nutzen können, denn wenn Europa eine wissensbasierte Wirtschaft sein soll, müssen die Informations- und Kommunikationstechnologien eine grundlegende Rolle in unserer Beschäftigungs- und Wettbewerbsstrategie spielen, und die Frauen müssen unter den gleichen Bedingungen wie die Männer daran teilhaben. In diesem Zusammenhang sei betont, dass die Frauen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Technologie in der Minderzahl sind.

Zweitens möchte auch ich, wie meine Vorrednerin, das Thema der vorzeitigen Schulabgänger ansprechen, deren Zahl unter den Mädchen höher ist. Deshalb wird den Mitgliedstaaten empfohlen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Mädchen zu ermutigen, ebenso lange wie die Jungen die Schule zu besuchen und ihre Ausbildung abzuschließen. Weiterhin sind die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, mit denen die Frauen bei ihrer Hochschulausbildung und dem lebenslangen Lernen konfrontiert sind.

Drittens möchte ich, gemäß der im Dezember 2000 im Rat von Nizza verabschiedeten Erklärung über die besonderen Merkmale des Sports, besonders betonen, dass den sozialen, erzieherischen und kulturellen Funktionen des Sports und somit der Notwendigkeit, der Diskriminierung ein Ende zu setzen, der die Frauen auch im Sport ausgesetzt sind, stärkere Beachtung zu schenken ist. Wie wir es schon bei anderen Gelegenheiten getan haben, müssen wir solche Dinge wie die Wimbledon-Preise verurteilen, bei denen die Frauen eindeutig diskriminiert werden.

 
  
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  Eva-Britt Svensson, im Namen der GUE/NGL-Fraktion. – (SV) Herr Präsident! Ich möchte der Berichterstatterin, Frau Flasarová, recht herzlich für einen äußerst wichtigen Bericht über die Diskriminierung junger Frauen und Mädchen in der Bildung danken. In den EU-Mitgliedstaaten gibt es heutzutage keine rechtlichen Beschränkungen mehr, durch die Frauen und Mädchen beim Zugang zur Bildung diskriminiert würden. Aber wie in so vielen anderen gleichstellungsrelevanten Zusammenhängen gelten in der Praxis andere Strukturen als die rein formalen Regeln. Das ist der Grund, warum Mädchen und Frauen trotz ihrer formalen Rechte bei der höheren Bildung oder den weiterführenden akademischen Laufbahnen unterrepräsentiert sind. Es sind also Strukturen und alte, tief verwurzelte geschlechtsstereotype Muster, die den Rahmen für die Bildung von Frauen und Mädchen bestimmen. Deshalb setzt die Berichterstatterin ganz richtig den Schwerpunkt auf die Notwendigkeit einer Strategie, die frühzeitig einsetzen muss und eine Ausbildung von Lehrern und Erziehern in Gleichstellungsfragen fordert. Höheres Bewusstsein, Wissen und Ausbildung ebnen den Weg für eine gerechte Gesellschaft für alle, unabhängig von Geschlecht, Klasse und ethnischer Herkunft.

 
  
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  Urszula Krupa, im Namen der IND/DEM-Fraktion. – (PL) Herr Präsident! Da mir für das Thema Diskriminierung junger Frauen und Mädchen in der Bildung nur eine Minute Redezeit zur Verfügung steht, werde ich diesen Punkt aus polnischer Sicht beleuchten. Ich möchte darauf hinweisen, dass seit dem wirtschaftlichen Wandel in Polen im Zusammenhang mit dem Beitritt des Landes zur Europäischen Union finanzielle Gründe die Hauptursache der Diskriminierung in der Bildung bilden.

Schwindender Zusammenhalt in der Gesellschaft, niedrige Löhne, Rückgang der Industrie, Arbeitslosigkeit und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten nach Abschluss des Studiums – all dies hat dazu geführt, dass eine bisher nie dagewesene Zahl junger Menschen ihr Heimatland verlassen musste, um im Ausland Arbeit zu suchen. Das ist eine demütigende Erfahrung. Verschärft wird die Lage noch dadurch, dass die Zahl der Plätze an staatlichen Hochschuleinrichtungen sinkt, auch wenn das durch die Plätze an privaten Einrichtungen ausgeglichen wird, die sich aber nicht jeder leisten kann. In Anbetracht dessen sind Bemühungen, etwaige kleinere Fälle von Diskriminierung junger Frauen beim Zugang zur Hochschulbildung aufzudecken, eine oberflächliche Herangehensweise. Damit werden Probleme geschaffen, wo es keine gibt. Die Situation der jungen Frauen in Polen ist in der Tat günstiger als anderswo, weil die Polen als Katholiken, die die Mutter Gottes verehren, Frauen mit besonderem Respekt behandeln.

 
  
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  Marie Panayotopoulos-Cassiotou (PPE-DE).(FR) Herr Präsident! Bildung ist ein Grundrecht, das aus keinem Grund, mag er kultureller, sozialer, materieller oder sonstiger Art sein, untergraben werden darf. Sie verkörpert eine wesentliche Voraussetzung für die künftige Entfaltung und vor allem für die wirtschaftliche und soziale Integration eines Menschen. Die Mitgliedstaaten sind dafür verantwortlich, alle Ungleichheiten zu beseitigen und die notwendigen Bedingungen zu schaffen, damit alle – Männer wie Frauen – Zugang zu Bildung haben und sich ihren Beruf und ihren Werdegang aussuchen können, ohne dabei auf irgendeine Form der Diskriminierung zu stoßen.

Auch wenn der Bericht von Frau Flasarová bedauerlicherweise etwas unklar strukturiert ist, enthält er doch viele Vorschläge, um die Gleichstellung von Männern und Frauen im Bereich der Bildung stärker zu fördern. Ich beglückwünsche die Berichterstatterin und hoffe, dass die Annahme des Berichts während des Europäischen Jahres der Chancengleichheit für alle den Vorschlägen des Europäischen Parlaments zur Beseitigung vorherrschender Stereotype mehr Gewicht geben wird.

Auch wenn die Gleichstellung von Männern und Frauen heute ein Grundprinzip unserer Gesellschaften ist, bestehen weiterhin Geschlechterstereotype und Vorurteile gegenüber Frauen, die für Formen der Ausgrenzung und Diskriminierung verantwortlich sind, welche sich wiederum sehr früh auf die Auswahl des Studienfachs sowie die Dauer der Ausbildung von Frauen auswirken. Wenn Geschlechterstereotype unleugbar weiterhin ein Hindernis beim Zugang von Frauen zu Bildung darstellen und ihre Wahl des Studienfachs einschränken, so führt das Weiterbestehen bestimmter Modelle und insbesondere die Tatsache, dass Frauen bei bestimmten Ausbildungen, beispielsweise beim Beruf der Krankenschwester und der Grundschullehrerin, überwiegen, auch zu einem Ungleichgewicht, das Frauen in ihrem Fortschritt behindert.

Die Schule spielt in der Tat eine sehr wichtige Rolle bei der Festlegung und Förderung gleicher Rechte für Mädchen und Jungen, unabhängig von ihrer Herkunft. Nicht nur bei Schülern, sondern auch bei Lehrern muss ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung der Gleichstellung in allen Bereichen geschaffen werden. Die Berichterstatterin geht zu Recht darauf ein, dass die Medien eine wichtige Rolle dabei spielen, die öffentliche Wahrnehmung und Einstellung hinsichtlich der beruflichen Bildung und Entwicklung junger Frauen zu prägen.

Ich möchte abschließend darauf hinweisen, dass der Zugang von Frauen zum lebenslangen Lernen ebenfalls einen Schlüsselfaktor für ihren Beitrag zu einer wissensbasierten Gesellschaft darstellt, ebenso wie die Möglichkeit, weniger gängige Qualifikationen anzuerkennen, die in verschiedenen Lebensphasen erworben wurden.

 
  
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  Silvia-Adriana Ţicău (PSE). – Doresc să o felicit pe dna Vlasarova pentru raportul realizat. Pentru a deveni cea mai dinamică şi competitivă economie bazată pe cunoaştere, este imperativ ca în Uniunea Europeană educaţia şi accesul la cunoaştere să fie prioritare. În Uniunea Europeană familiile cu venituri mici locuiesc în zone mai sărace, adesea situate departe de locul de muncă sau de instituţii educative, fapt ce adânceşte polarizarea socială şi inegalităţile dintre persoane. Statele membre trebuie să se mobilizeze pentru combaterea abandonului şcolar şi ridicarea nivelului de formare al tinerilor.

Pentru ca tot mai multe femei să aibă o activitate profesională, este necesar accesul la învăţarea continuă şi existenţa serviciilor şi infrastructurilor care să permită concilierea vieţii profesionale cu viaţa de familie, în special pentru familiile mono-parentale.

În România, noul stat membru al Uniunii Europene, 55% din absolvenţii de învăţământ superior sunt femei şi 48% din salariaţi, iar 38% din companii sunt conduse de femei. În privinţa rromilor, în România există clase de copii de origine rromă, care învaţă în limba rromani de la grădiniţă şi până la învăţământul profesional. De asemenea, există condiţii create pentru educaţia copiilor cu nevoi speciale încă de la ciclul preşcolar.

Anul 2007 este anul egalităţii de şanse, iar educaţia reprezintă elementul esenţial pentru viitorul Uniunii Europene. Fondurile structurale ar trebui să sprijine învăţarea continuă şi utilizarea noilor tehnologii pentru a combate excluderea socială. Încă odată felicitări raportorului. Mulţumesc.

 
  
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  Anna Záborská (PPE-DE).(SK) Wir treffen oft auf die Meinung, dass Mutterschaft und Familie naturbedingt und sogar unüberwindbare Hindernisse seien, die viele Frauen daran hindern, Hochschulabschlüsse und akademische Grade zu erwerben oder sich lebenslang zu bilden. Sind das wirklich Hindernisse? Ja, sie sind es. Aber sie sind Hindernisse aufgrund unserer Lebensweise, und sie können überwunden werden.

Ich bin Ärztin und Mutter. Ich weiß, dass das Studium der Medizin eine lebenslange Aufgabe ist. Außerdem weiß ich, wie viel Zeit und Energie Frauen für ihre Familien und Kinder aufwenden. Aber ich weiß auch, dass Frauen hervorragende Ärztinnen sein können. Ich möchte, dass jede junge Frau sich frei für ein Medizinstudium entscheiden kann, wenn sie es als ihre Pflicht empfindet, andere Menschen zu heilen. Ich möchte, dass sie sich in dem vollen Bewusstsein entscheiden kann, dass sie später eine gute Ärztin und gleichzeitig eine gute Ehefrau und Mutter sein kann. Der Bericht über die Diskriminierung junger Frauen und Mädchen auf dem Gebiet der Bildung befasst sich auch mit diesen Problemen. Darin wird darauf hingewiesen, dass die Werte von Familie und Mutterschaft denen der Bildung nicht entgegenstehen sollten. Die Mutterschaft ist der natürliche Auftrag und Wunsch jeder Frau. Wenn wir es nicht schaffen, die Rollen von Frauen als Mütter und Berufstätige im Alltag in Einklang zu bringen, wird das europäische Versprechen der Chancengleichheit eine leere Phrase bleiben.

Ich möchte meiner Abgeordnetenkollegin Věra Flasarová meine Anerkennung und meinen Dank aussprechen. Meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter und ich sind ihr sehr dankbar für ihre Arbeit an diesem Bericht. Wir haben sie im Ausschuss für die Rechte der Frau geschlossen unterstützt, und ich möchte das Plenum auffordern, diesen Bericht ebenfalls zu billigen.

 
  
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  Lidia Joanna Geringer de Oedenberg (PSE).(PL) Herr Präsident! Zugang zu Bildung ist ein Grundrecht eines jeden Menschen, doch leider bleibt es hier oftmals nur bei leeren Worten. Beide Geschlechter haben die gleichen Chancen auf höhere Bildung, und es gibt sogar mehr weibliche als männliche Absolventen. Allerdings schlagen weit weniger Frauen als Männer eine höhere akademische Laufbahn ein. So sind nur 43 % der Träger eines Doktortitels und knapp 15 % der Universitätsprofessoren Frauen.

Wegen ihres begrenzten Zugangs zu lebenslangem Lernen und auch wegen ihrer häuslichen Verpflichtungen ist es für Frauen schwerer, ihre Bildung fortzuführen. Die Mitgliedstaaten sollten eine flexible Politik der Erwachsenenbildung umsetzen und vor allem die Lehrpläne den Bedürfnissen von Frauen im Mutterschaftsurlaub anpassen. Ganz entscheidend ist auch, neue Technologien im Bereich Bildung zu nutzen, um den Bedürfnissen der Frauen gerecht zu werden. So könnte zum Beispiel das Internet genutzt werden, um den Fernunterricht zu erleichtern.

Wichtig ist auch, die Politik zur Förderung des gleichberechtigten Zugangs zur Bildung zu bewerten und dieser Bewertung nach Geschlechtern aufgeschlüsselte Statistiken zugrunde zu legen. Das würde helfen, das Problem der nach wie vor bestehenden Ungleichheiten beim Erwerb von Abschlüssen, insbesondere im Bereich der Hochschul- und der Erwachsenenbildung, zu lösen. Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten sollten außerdem vorherrschende Stereotype bekämpfen, die Frauen am Arbeitsplatz diskriminieren. Vor allem sollte Frauen der Zugang zu Entscheidungspositionen im wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Bereich erleichtert werden. Abschließend möchte ich der Berichterstatterin, Frau Flasarová, für den ausgezeichneten Bericht danken.

 
  
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  Zita Pleštinská (PPE-DE).(SK) Wir könnten es den Massenmedien anlasten, aber geschlechtsspezifische Stereotype legen die Rollen von Männern und Frauen in der Gesellschaft im Vorhinein fest. Nur selten stellen Journalisten erfolgreichen Männern in ihren Interviews die Frage „Wie schaffen Sie es, Ihre Karriere und Ihre Familie unter einen Hut zu bringen?“, und sicher nicht so oft, wie sie es bei erfolgreichen Frauen tun. Es gilt als ganz normal, dass es meistens die Frau ist, die ihre Karriere opfert und der Familie den Vorzug gibt. In einigen Fällen ist die Kinderbetreuung ein Faktor, aufgrund dessen Frauen das Interesse an einer Fortführung ihrer Ausbildung verlieren. Viele Frauen unterbrechen ihr Studium, weil sie Mutter werden, und dann geben sie jeden Gedanken an eine weitere Bildung auf.

Es ist doch überraschend, dass die Frauen zu Beginn von Hochschulprogrammen den Männern zwar mit einem Anteil von 59 % zu 41 % zahlenmäßig überlegen sind, aber nur 43 % ein Diplom erwerben und lediglich 15 % das Niveau einer Professur erreichen. In diesem Zusammenhang begrüße ich den Bericht von Frau Flasarová, der eine ausführliche Analyse des Bildungsstandes, den Frauen erreichen, und ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet. Gleichzeitig werden spezielle Faktoren der Diskriminierung von jungen Frauen und Mädchen im Bereich der Bildung herausgearbeitet. Bildung ist ein Grundrecht und ein maßgebendes Instrument für die soziale Integration. Sie ist ein Weg, der Armut zu entkommen, vor allem für Frauen aus benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen.

Deshalb erachte ich es für wichtig, dass die von der Europäischen Union finanzierten Bildungsprogramme durchgeführt und genutzt werden, da sie dazu dienen werden, das Bewusstsein für Probleme der Gleichstellung der Geschlechter und des gleichberechtigten Zugangs zu Bildung auf allen Ebenen zu schärfen. Abschließend möchte ich die Mitgliedstaaten auffordern, den Zugang von Frauen zu Bildung durch flexible Bildungsprogramme zu erleichtern, beispielsweise mithilfe von EDV-gestütztem Fernunterricht, und so für eine bessere Integration von Frauen in die Gesellschaft zu sorgen.

 
  
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  Der Präsident. – Die Aussprache ist geschlossen.

Die Abstimmung findet am Donnerstag um 11.30 Uhr statt.

Schriftliche Erklärungen (Artikel 142)

 
  
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  Lívia Járóka (PPE-DE).(EN) Roma-Kinder in ganz Europa haben nur sehr beschränkten Zugang zu gleicher Bildung, wobei viele von ihnen überhaupt keine Schule besuchen. Die Kinder, die zur Schule gehen, werden in der Regel in Sonderschulen oder „Sonderklassen“ für behinderte Kinder gesteckt, in denen ein niedrigeres Unterrichtsniveau herrscht und die nur unzureichend ausgestattet sind. In einigen Ländern besuchen mehr als 60 % der Roma-Kinder eine Sonderschule oder nehmen an Lernhilfeprogrammen teil. Der Grund hierfür sind unzureichenden Unterrichts- und Prüfmethoden.

Kommissar Figel’ hat oft betont, dass Bildung zweifelsohne die beste Strategie für eine erfolgreiche Integration darstellt. Meines Erachtens sollte Europa aber nicht nur eine Grundlage für weitere Diskussionen zu diesem Thema schaffen, sondern diese Debatte auch auf eine europäische Strategie für die Rechte der Roma ausrichten. Das Ziel muss darin bestehen, die Ausgrenzung der Roma zu bekämpfen. Das entsprechende Instrument dafür – die Bildung – steht uns schließlich schon zur Verfügung, nur muss es noch wirksamer eingesetzt werden.

Getrennte Bildungssysteme sind ein Instrument der sozialen Ausgrenzung und kosten die europäischen Steuerzahler eine Menge Geld. Insbesondere angesichts des demografischen Wandels sollten die Roma als eine Bevölkerungsgruppe mit enormem Wirtschaftspotenzial betrachtet werden. Allerdings können die Roma dieses Potenzial nur nutzen, wenn die Regierungen auch die notwendigen Schritte ergreifen, um ihnen den Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

 
  
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  Zita Gurmai (PSE).(HU) Die Basis der europäischen Gesellschaft, die sich auf Solidarität gründet, ist der diskriminierungsfreie Zugang zu Rechten, Ressourcen und Dienstleistungen, einschließlich zu verschiedenen Formen von Bildung. Der Zugang aller Schichten der Gesellschaft zu Bildung und Ausbildung sowie die Abschaffung geschlechtsspezifischer Stereotype sind die Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum und eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Sie sind außerdem zur Förderung der sozialen Integration notwendig, um zum Erreichen der bevölkerungs- und wettbewerbspolitischen Ziele Europas beizutragen.

Bildung trägt dazu bei, das Potenzial der Menschen auszuschöpfen, sie zu befähigen, sich an die immer neuen Herausforderungen eines wissensbasierten Arbeitsmarktes anzupassen, marktfähig zu bleiben, die Gefahr der Ausgrenzung zu vermeiden und nützliches Wissen zu erwerben, um die sich ständig verändernden Anforderungen des Marktes zu erfüllen. Frauen streben dies ebenfalls an, aber hartnäckige geschlechtsspezifische Stereotype machen eine berufliche Karriere für sie in nahezu allen Bereichen schwieriger, auch in der Bildung.

Der niedrige Stand der Grundausbildung, Arbeitslosigkeit oder ansonsten begrenzte Lebensalternativen aufgrund verschiedener Faktoren können zur Ausgrenzung großer Gruppen von Menschen führen, vor allem bei Frauen. Deshalb spielt der Zugang zu vielfältigen Bildungsformen und –chancen eine maßgebende Rolle im Kampf gegen soziale Ausgrenzung, im Kampf für eine Einbeziehung von Frauen in den Kreis der Erwerbstätigen und im Kampf gegen die Gefahren einer Entfremdung.

Da sich Investitionen in Bildung und Ausbildung erst nach langer Zeit auszahlen, müssen Regierungen sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene langfristige Pläne aufstellen und dabei Entscheidungen über ihre Ausgabenprioritäten treffen. Es ist die Sache wert, denn es ist im Dienste Europas, auf Solidarität und Wohlstand zu bauen.

 
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