Der Präsident. − Als nächster Punkt folgt der Bericht von Marie-Hélène Descamps im Namen des Ausschusses für Kultur und Bildung über i2010: Auf dem Weg zu einer Europäischen Digitalen Bibliothek (2006/2040(INI)) (A6-0296/2007).
Auch hier sind mehr als 50 % der Redner in dieser Aussprache Frauen, die erste ist Marie-Hélène Descamps, die Berichterstatterin.
Marie-Hélène Descamps (PPE-DE), Berichterstatterin. – (FR) Herr Präsident, Frau Kommissarin, werte Kolleginnen und Kollegen! Die Idee einer Europäischen Digitalen Bibliothek stammt von sechs Staats- und Regierungschefs der Union, die den Zugang aller zum europäischen kulturellen Erbe ermöglichen und dessen Bewahrung für die künftigen Generationen gewährleisten wollten. Dieses die Einigung Europas fördernde Projekt wird die Herausbildung einer wirklichen europäischen Identität stärken und die Verbreitung unserer kulturellen und sprachlichen Vielfalt in der Welt fördern. Dieses bislang beispiellose Projekt für Europa verbindet Vergangenheit und Gegenwart, die kulturelle und die digitale Dimension. Es entspricht voll und ganz den Herausforderungen, die die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien heute für unsere Mitbürger darstellen. Das Internet als drittliebstes Medium der jungen Europäer stellt ja eines der wichtigsten Mittel für den Zugang zu Kenntnissen und Wissen dar.
Wenngleich einige wirkliche Fortschritte festgestellt werden können, sind die Tätigkeiten zur Digitalisierung und zur Online-Bereitstellung der kulturellen Ressourcen dennoch sehr zersplittert und hängen von den durch die Mitgliedstaaten geschaffenen Mechanismen ab. Um effizient zu sein und möglichst viele zu erreichen, müssen die Initiativen zur Verbreitung und Förderung unseres kulturellen Erbes koordiniert werden. Das ist das erklärte Ziel der Europäischen Digitalen Bibliothek, das die Kommission mit ihrer wegweisenden Initiative „i2010 Digitale Bibliotheken“ unterstützt.
Der erste Teil dieser Initiative, die Mitteilung vom 30. September 2005, sieht drei Schwerpunkte vor: Digitalisierung, Online-Verfügbarkeit und Bewahrung des digitalen Inhalts. Die Kommission hat in diesem Zusammenhang die wichtigsten technischen, rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Probleme analysiert, die sich bei einem Projekt dieser Größenordnung stellen. Parallel dazu wurde eine öffentliche Online-Konsultation eingeleitet und eine hochrangige Expertengruppe gebildet. Auf der Grundlage dieser einzelnen Elemente verabschiedete die Kommission am 24. August 2006 eine Empfehlung zur Digitalisierung, Online-Verfügbarkeit und digitalen Bewahrung, in der sie die Mitgliedstaaten aufruft, das Tempo der Digitalisierung zu erhöhen und ihre Anstrengungen zu koordinieren, um echte Synergien zu erreichen. Am 13. November 2006 sprach sich der Rat einstimmig für diese Empfehlungen aus. Jetzt ist es am Europäischen Parlament, ein starkes Signal für die Realisierung dieses außerordentlichen Projekts zu setzen.
Das Unternehmen erfordert ein schrittweises Vorgehen. Obgleich von Anfang an an der begrifflichen und technischen Aufarbeitung aller Kategorien des kulturellen Materials zu arbeiten ist, müssen wir uns zunächst mit Hilfe eines einheitlichen, direkten und mehrsprachigen Zugangspunktes auf das Potenzial konzentrieren, das durch das in den Bibliotheken verwahrte gemeinfreie Textmaterial gegeben ist. Unsere Bibliotheken bieten den Vorteil, dass sie auf europäischer Ebene über die im Jahr 2005 durch die nationalen Bibliotheken gegründete Europäische Bibliothek (TEL) koordiniert werden, die über eine große Menge an digitalisierten Werken des gemeinfreien Bereichs, die somit sofort nutzbar sind, verfügt.
In einem zweiten Schritt muss die Bibliothek, um den Erfolg dieses Instruments zu fördern, neben den gemeinfreien Dokumenten auch den Zugang zu jüngeren Werken ermöglichen. Jede Entscheidung in dieser Richtung muss zwangsläufig in Abstimmung mit allen betroffenen Akteuren getroffen werden. So ist der Schutz der Rechte der Autoren und Kulturschaffenden eine unerlässliche Voraussetzung für die Bewahrung und Erhaltung der Kreativität in Europa. Dieses Projekt kann nur den erhofften Erfolg haben, wenn es auf einem kohärenten Wirtschaftsmodell beruht. So schlägt der Bericht vor, dass die Nutzer mit Hilfe der Europäischen Digitalen Bibliothek digitale Dokumente, unabhängig von ihrer Art, ermitteln und frei einsehen können, und zwar vollständig bei den keinen Rechten unterliegenden Werken, aber nur in Form von kurzen Auszügen für die geschützten Werke mit Einverständnis der Rechteinhaber. Darüber hinaus sollen Nutzer, um ein Werk virtuell durchblättern zu können und zu einem geschützten Dokument vollen Zugang zu erhalten, zu privaten Websites gelenkt werden, die auf die abgesicherte digitale Verbreitung spezialisiert sind, wo ihnen gegen ein angemessenes Entgelt für den Rechteinhaber mehrere Optionen angeboten werden.
Darüber hinaus muss die Bibliothek so organisiert werden, dass sie einen Zugang zu zuverlässigen Inhalten hoher Qualität für jedes Publikum ermöglicht. Zu diesem Zweck fordert der Bericht die Bildung eines Lenkungsausschusses, in dem die kulturellen Institutionen eine wichtige Rolle spielen müssen. Dieser Ausschuss soll die Prioritäten und Orientierungen für die Europäische Digitale Bibliothek festlegen und gleichzeitig die Koordinierung, Leitung und Kontrolle ihrer Tätigkeit gewährleisten.
Um Zugang zu allen Kulturen Europas zu ermöglichen, müssen zudem die übrigen kulturellen Institutionen und Bereiche wie Archive, Museen, Film, audiovisuelle Medien und Universitäten in jede Etappe der Realisierung des Projekts einbezogen werden. So wird das Gesicht des vereinten Europas in seiner Vielfalt deutlich werden.
Abschließend möchte ich all meinen Kolleginnen und Kollegen vom Ausschuss für Kultur, insbesondere Herrn Weber und Herrn Graça Moura, für ihre Unterstützung und ihren Beitrag zu diesem Bericht danken. Mein Dank gilt auch der Kommission für ihre ausgezeichnete Kooperation während der gesamten Erarbeitung dieses Dokuments.
Viviane Reding, Mitglied der Kommission. − (EN) Herr Präsident! Dies ist ein großartiger Bericht, und Frau Descamps hat gemeinsam mit ihren Ausschusskolleginnen und -kollegen eine ausgezeichnete Arbeit geleistet.
Die Initiative im Zusammenhang mit den digitalen Bibliotheken ist ein Beispiel dafür, wie Europa mit konkreten Projekten nicht nur zum Wirtschaftswachstum, sondern auch zur Lebensqualität beitragen kann. Indem das kulturelle und wissenschaftliche Erbe Europas online gestellt wird, können wir es in unterschiedlichen Kulturen verbreiten. Indem wir moderne Technologien anwenden, können wir die heute noch existierenden Mauern niederreißen.
Ich bin sehr froh darüber, dass diese von den Nationalbibliotheken unserer Mitgliedstaaten ergriffene und von der Europäischen Kommission über so viele Jahre weiterentwickelte Initiative von politischen Repräsentanten auf höchster EU-Ebene aufgegriffen und unterstützt worden ist. Sie haben das Richtige getan, und auch unsere Staats- und Regierungschefs unterstützen zu Recht diese Initiative, denn unsere Bibliotheken, unsere Archive und unsere Museen bergen einen echten Reichtum. Es sind nicht nur Bücher, sondern auch Zeitungen, Archivaufnahmen und Filme. Sie bedeuten einen multilingualen, einen multikulturellen Reichtum. Wenn wir bedenken, dass erst weniger als ein Prozent dieses Reichtums digitalisiert wurde, wissen wir, was noch vor uns liegt und was für eine Arbeit wir zu leisten haben.
Diese Arbeit ist aus zwei Gründen notwendig. Der erste Grund ist, dass Barrieren überwunden und die Menschen angeregt werden, diese Werke aus ihrer eigenen Kultur und die Werke aus unserer gemeinsamen europäischen Geschichte zu studieren, mit ihnen zu arbeiten und sich an ihnen zu erfreuen, und dann geht es darum, dass diese Elemente unserer nationalen Institutionen für Dienstleistungen und Produkte mit Mehrwert wieder verwendet werden. Und hier kommt die Industrie ins Spiel. Das ist der Grund, warum das Ziel der Initiative der Kommission darin besteht, einen gemeinsamen, mehrsprachigen Zugangspunkt zum digitalisierten Kulturerbe Europas zu schaffen.
Das können wir nicht allein erreichen. Es erfordert die Zusammenarbeit verschiedenartiger kultureller Einrichtungen aus allen europäischen Ländern. Ich sehe mit Freuden, dass das Gestalt annimmt und durch die Errichtung einer rechtlichen Körperschaft formalisiert wird, die die Handlungsfähigkeit der europäischen digitalen Bibliothek erhöht. Dieser gemeinsame Zugangspunkt wird 2008 ins Leben gerufen. In den Folgejahren wird der Inhalt nach und nach in dem Maße erweitert, wie mehr Bibliotheken, mehr Archive und mehr audiovisuelle Archive und Museen ihre digitalisierten Sammlungen einbringen.
Ich bin auch froh darüber, dass sich der Bericht des Parlaments nicht nur mit dem Ergebnis befasst, sondern auch mit den Voraussetzungen zur Erzielung dieses Ergebnisses. Das bedeutet: Verbesserung der generellen Bedingungen zur Online-Einstellung unseres kulturellen Erbes als integralen Bestandteil der Initiativen zu den digitalen Bibliotheken, und es bedeutet, dass die Mitgliedstaaten ihre Digitalisierungsbemühungen verstärken müssen. Ich würde ganz klar sagen: Es bringt nichts, ein großes Kulturereignis zu veranstalten, bei dem alle Regierungschefs schöne Reden halten und dann in ihre Länder zurückreisen und die Budgets kürzen. Das darf nicht sein! Den Worten müssen Taten folgen. Ich möchte, dass das Parlament weiter vorangeht und uns dabei hilft, dass dieses so wunderbare Projekt Wirklichkeit wird.
Wir haben eine hochrangige Gruppe zu den digitalen Bibliotheken, der ich vorstehe und die in dieser Frage nach vorn drängt. Wir sind uns auch völlig bewusst, dass die Erhaltung und Pflege digitalen Materials in der Zukunft eine der wesentlichen Fragen darstellen wird, und daher bin ich froh, dass der Rat das Vorgehen der Kommission im Zusammenhang mit der europäischen digitalen Bibliothek gebilligt hat und das Parlament uns jetzt auf diesem Wege hilft und mit seinem politische Gewicht hinter dieser Zielsetzung steht.
Vasco Graça Moura, im Namen der PPE-DE-Fraktion. – (PT) Herr Präsident, Frau Kommissarin! Ich darf Frau Descamps zu ihrem hervorragenden Bericht beglückwünschen. Dieses Papier wird einen überaus wichtigen Beitrag zu der Frage nach den Beziehungen zwischen Digitaltechnik und kulturellem Erbe leisten. Der Bericht ruft dazu auf, die Bemühungen der nationalen Institutionen, insbesondere der Bibliotheken, und künftig auch anderer Kultureinrichtungen zu koordinieren. Ein Anfang wird sinnvollerweise mit bereits gemeinfreien Werken gemacht. Vorgeschlagen werden die wirksame Nutzung von Synergien und der Austausch bewährter Verfahren zwischen den Prozessbeteiligten auf allen Ebenen. Die Mitgliedstaaten sind aufgefordert, das Projekt zu fördern und Wege zu finden, um Doppelarbeit bei der Digitalisierung von Beständen zu vermeiden. Es ergeht ein Appell zur Koordinierung all dieser Anstrengungen. Der Bericht Descamps wird in dieser Wahlperiode hinsichtlich des Verhältnisses von Spitzentechnologie und europäischer Kultur im Wandel der Zeiten Akzente setzen.
Wenn wir von europäischer Kultur sprechen, dann meinen wir zugleich auch universale Kultur. Und das nicht nur deshalb, weil das kulturelle Erbe Europas diese Bezeichnung verdient, sondern weil die kulturelle Vielfalt Europas ein völlig offenes System bildet, was sich selbstverständlich mit dem Fortschreiten des Projekts positiv auswirken wird. Das Projekt hat sich auch entwickelt. Begonnen hat es als chauvinistischer Irrtum in Konkurrenz zu Google. Nach nochmaligem Überdenken und mehrfachen Änderungen ist es vernünftiger, realistischer und produktiver und nicht mehr, wie es die Financial Times nannte, ein „krasser Fall von fehlgeleitetem und unnötigem Nationalismus“.
Eine Europäische Digitale Bibliothek unterscheidet sich von anderen Lösungen insofern, als es ein Projekt der Europäischen Union ist, sich an alle Bibliotheken wendet, auf bestehenden Initiativen beruhen und sämtliche Kategorien des europäischen Kulturerbes umfassen soll, sich also nicht auf gedruckte Werke beschränkt. Gewiss gibt es nach wie vor Probleme: die Suche nach Finanzierungspartnern im Privatsektor, die größtmögliche Vermeidung unterschiedlicher Geschwindigkeiten bei der Digitalisierung zwischen den Mitgliedstaaten, die Lösung bestimmter technischer Aspekte im Zusammenhang mit der Koordinierung des Zugangs zu den digitalisierten Werken, die digitale Bewahrung, die Lösung des Problems einer integrierten Suchmaschine für die Metainformationen in Bilddokumenten und für die Direktrecherche im Textmodus, Lösungen für die Interoperabilität der Inhalte, die mehrsprachige Suche über Sachgebiete oder Schlagwörter neben der üblichen Suche über Autoren oder Titel. Wir dürfen auch nicht außer Acht lassen, dass der Austausch von Erfahrungen zwischen den Einrichtungen, speziell mit US-amerikanischen Institutionen, unerlässlich ist. Nicht minder wichtig ist eine starke Forschungs- und Entwicklungskomponente, damit das Projekt ansprechende Resultate zeitigt.
In diesem Zusammenhang macht das Parlament, indem es für den Bericht Descamps stimmt, einen positiven Schritt in die Zukunft, ob die Mehrheit nun aus Frauen besteht oder sich einigermaßen aus Männern und Frauen zusammensetzt, Herr Präsident.
Der Präsident. − Ah, aber die Frauen sind sehr froh darüber, dass Sie ein Mann sind!
Christa Prets, im Namen der PSE-Fraktion. – Herr Präsident, Frau Kommissarin! 2010 ist eigentlich schon morgen! Wenn der Titel dieses Berichts „i2010: Auf dem Weg zu einer Europäischen Digitalen Bibliothek“ lautet, dann heißt das, dass wir noch vieles zu erledigen haben, von dem ich meine, dass wir es lange hintangestellt haben. Ich freue mich, dass Frau Descamps einen sehr guten Bericht vorgelegt hat, der ein Wegweiser ist, der zeigt, was man tun kann und tun könnte. Wir müssen uns aber alle anstrengen, um es auch auf den Weg zu bringen. Der Bericht ist eine Herausforderung und eine Antwort auf die neuen Techniken, den neuen Umgang mit Wissen und Information und vor allen Dingen aber auch auf den Zugang der Jugendlichen zum Lernen, zu Information und zum Abruf von Wissen. Hier sind wir einiges schuldig und müssen uns wirklich sputen.
Wir brauchen nicht nur die Konservierung und die Sicherstellung des kulturellen Erbes, sondern wir haben täglich neue Dinge, die wir dazunehmen und mit aufnehmen müssen, denn das, was gestern erfunden und niedergeschrieben worden ist, ist bereits morgen schon kulturelles Erbe. Das heißt, wir haben viel nachzuholen. Wir haben aber auch immer den Blick nach vorne zu richten, um mit dem Tempo Schritt halten zu können.
Es wird sehr wichtig sein, die Koordinierung zu gestalten und die Länder aufzurufen, dass wir nationale Befindlichkeiten – wie es gerade erwähnt wurde – hintanstellen, und dass wir uns gemeinsam auf einen europäischen Weg zur Sicherung der kulturellen Vielfalt machen. Es gibt Hürden zu überwinden. Das eine ist das finanzielle Manko, das wir haben. Die Kommissarin hat das richtig angesprochen. Alle Minister und alle Präsidenten sind sehr groß in Sonntagsreden und stolz über die kulturelle Vielfalt. Wenn es dann aber um die Finanzierung und Realisierung geht, machen sie sehr schnell einen Rückzug und vergessen vieles von dem ganzen Stolz, den sie ausgebreitet haben.
Für mich ist auch ganz wichtig, dass wir die Urheberrechte sichern und dass es hier eine Absprache sowohl mit den Autoren als auch den Verlegern und mit all denjenigen gibt, die eingebunden sind, und dass man gegen ein angemessenes Entgelt auch die Information ins Netz stellt und abrufen kann. Ich denke, dass wir hier einiges berücksichtigen müssen. Das wird sicher nicht leicht sein, aber die Vorschläge liegen auf dem Tisch, und die Länder könnten sich hier sehr vieles abrufen. Ich bin überzeugt, dass wir morgen positiv über diesen Bericht abstimmen.
Ich glaube, dass wir die neuen Technologien nutzen und dieses Projekt fördern müssen, um einen freien Zugang nicht nur für uns Europäerinnen und Europäer zu ermöglichen, sondern unsere Kultur weit darüber hinaus in die ganze Welt hinaustragen zu können.
Jolanta Dičkutė, im Namen der ALDE-Fraktion. – (LT) Meine Damen und Herren! In der ersten Mitteilung der Kommission heißt es, eine europäische digitale Bibliothek baue auf dem reichen Erbe Europas auf und verbinde kulturelle Vielfalt und Vielsprachigkeit mit technologischem Fortschritt und neuen Geschäftsmodellen. Im Kontext der Integration ist das ein nobles und begrüßenswertes Ziel, eine ehrgeizige Zielstellung. Abgesehen von der Erreichung dieser Idealvorstellungen müssen wir realistisch und aufmerksam bleiben und bereit sein, uns den Herausforderungen zu stellen, die zwangläufig mit diesem Prozess verbunden sind.
Die größten Schwierigkeiten bei der Schaffung digitaler Bibliotheken sind universeller Art, obgleich sie unterschiedlich beschrieben werden. Technische Infrastruktur, die Entwicklung digitalisierter Ressourcen, Digitalisierung, die Ermittlung von Urheberrechten, die Erhaltung von Inhalten und Dokumenten sind Fragen, für die richtungweisende Entscheidungen entwickelt werden müssen.
Die Möglichkeit der Bereitstellung virtueller Dienstleistungen und Projekte für ihre Umsetzung gibt es für Bibliotheken aller Art. Allerdings ist klar, dass durch digitales Material mit textuellen, visuellen und auditiven Informationen die traditionellen Funktionen von Bibliotheken erweitert werden, indem ein anderer Inhalt hinzukommt. So wird der Zugriff auf Informationen, die in einer herkömmlichen Bibliothek aufbewahrt werden, von deren Öffnungszeiten bestimmt, die üblicherweise immerhin länger sind, als die anderer öffentlicher Einrichtungen. Bei einer virtuellen Bibliothek ist der Zugang hingegen uneingeschränkt, weil es keine physische Tür gibt, die Informationen von ihren Nutzern trennt. Der Zugriff auf Informationen wird durch die Arbeitszeiten des Servers gewährleistet.
Bibliothekare können traditionelle Fertigkeiten und ihr Wissen nutzen, um virtuelle Dienstleistungen zu entwickeln, aber damit ist es nicht getan. Digitale Bibliotheken sind eine Phänomen des dritten Jahrtausends. Darum muss nicht nur das heute grundlegende Spezialwissen bewertet werden, sondern auch künftiges Wissen, das im Zuge sich verändernder Technik entsteht. Es ist nicht so wichtig, bestimmte Technologien perfekt zu beherrschen, weil jeder flexible, mündige Angestellte in der Lage ist, die für seinen Beruf erforderlichen Fähigkeiten und Erfahrungen zu erwerben.
In Litauen, meinem Heimatland, ist die langfristige Bewahrung des litauischen Erbes durch Nutzung der Informationstechnologien gesetzlich festgeschrieben worden. Allerdings löst man dieses Problem nicht durch Koordinierung der Aktivitäten von „memory institutions“ (Bibliotheken, Museen, Archive). Weder die Bürger Litauens noch die anderer Länder können bislang alle Dienstleistungen nutzen, die digitale Bibliotheken anbieten. Ich hoffe, die heutige Entscheidung wird diese Prozesse beschleunigen.
Mieczysław Edmund Janowski, im Namen der UEN-Fraktion. – (PL) Herr Präsident! Umberto Eco sagte einmal, wer Bücher liest, lebt zweimal. Der Bericht von Frau Descamps gibt einen guten Überblick über den modernen Umgang mit kulturellen Themen und Bildungsfragen. In meinem Bericht über den Beitrag der künftigen Regionalpolitik zur Innovationsfähigkeit der Europäischen Union habe ich auch auf diese Thematik verwiesen.
So wie Gutenbergs Erfindung seinerzeit einen Wendepunkt in der menschlichen Entwicklungsgeschichte markierte, so kann man heute von einer durch das Internet hervorgebrachten kulturellen Revolution sprechen. Dabei geht es um den uneingeschränkten Zugang zum reichen geistigen und materiellen Erbe Europas, ja der ganzen Welt, das neben zeitgenössischen Arbeiten jahrhundertealte Werke aus verschiedensten Kulturen und Sprachen umfasst. Urheberrecht und ähnliche Rechte stellen in diesem Zusammenhang sicher ein Problem dar.
Was in dieser Hinsicht in vielen Mitgliedstaaten bereits erreicht wurde, ist anerkennenswert, so auch die Arbeit der polnischen Nationalbibliothek. Ich möchte diese Möglichkeit nutzen, um die Bedeutung eines umfassenderen Breitbandzugangs zu unterstreichen. Meines Erachtens müssen wir eine Möglichkeit zur Kofinanzierung der Digitalisierung aus europäischen Mitteln finden. Gestatten Sie mir, mit einem Hinweis auf Goethe zu schließen, der meinte, wenn er Buch läse, hätte er das Gefühl, einen neuen Freund gefunden zu haben. Stellen Sie sich vor, wie viele Freundschaften wir mit Hilfe der Europäischen Digitalen Bibliothek schließen könnten!
Mikel Irujo Amezaga, im Namen der Verts/ALE-Fraktion. – (ES) Herr Präsident! Die Kommission hat drei wichtige Achsen definiert, um das Potenzial der digitalen Technologie zu nutzen: die Online-Zugänglichkeit, die Digitalisierung analoger Sammlungen und die Bewahrung und Archivierung digitaler Inhalte, das wissen wir.
Was die Digitalisierung angeht, so ist allgemein bekannt, dass die Kommission durch eine Empfehlung im August letzten Jahres die Mitgliedstaaten aufforderte, ihre Anstrengungen zu koordinieren, um eine europaweite Synergie zu gewährleisten. Der Rat unterstützte einstimmig die Empfehlung, doch ich möchte die Gelegenheit ergreifen – auch wenn der Rat leider nicht anwesend ist –, um die Kommission einerseits zu den tatsächlichen Fortschritten der Mitgliedstaaten auf diesem Gebiet zu befragen und andererseits zu erfahren, ob die nichtstaatlichen Stellen, die bekanntlich in den meisten der dezentralisierten Länder für die Kultur zuständig sind, hinreichend berücksichtigt wurden.
Zu einem anderen Aspekt, der Online-Zugänglichkeit, wie ich sagte, sind wir uns einig, dass eine mehrsprachige Schnittstelle vorhanden sein und der Inhalt garantiert werden muss. Es ist eine wahre Freude, die digitale Bibliotheks-Webseite zu öffnen und zu sehen, dass der Inhalt neben den 23 Amtssprachen der Gemeinschaft auch in Isländisch und Serbisch erscheint.
Heute begehen wir den Europäischen Tag der Sprachen, und Sie, Frau Reding, haben einen sehr großen Beitrag dazu geleistet, dass er ins Leben gerufen wurde. Sie erklärten auch unzählige Male, Frau Kommissarin, und mit Recht, dass es keine großen und kleinen Sprachen gebe, dass sie alle zum Reichtum der europäischen Kultur gehören, und deshalb möchte ich in der digitalen Bibliothek gelegentlich einen Verweis – oder eher den Inhalt als einen Verweis – auf Sprachen wie meine eigene sehen können, die nicht zu den Amtssprachen in der Europäischen Union gehören.
Věra Flasarová, im Namen der GUE/NGL-Fraktion. – (CS) Meine Damen und Herren! Als die Bibliothek in Alexandria bei der Invasion Cäsars in Ägypten abbrannte, ging ein wesentlicher Teil aller literarischen Werke, die die Menschheit jemals verfasst hat, für immer verloren. Ich denke, etwas Ähnliches wird dank der Existenz von digitalen Bibliotheken niemals wieder geschehen.
Ich begrüße das komplexe Herangehen der Berichterstatterin an dieses Thema. Ich komme aus der Tschechischen Republik, wo die Nationalbibliothek in Prag seit einiger Zeit erfolgreich digitalisiert wird. Da die Staaten ihre eigenen nationalen Bibliotheken haben, ist es nur logisch, dass auch die Europäische Union eine ähnliche Einrichtung besitzt, in der auch die Technik auf dem letzten Stand ist. Dabei wird nicht nur zum Schein die Aufgabe der europäischen Integration erfüllt, nein, es ist eine praktische Angelegenheit. Heutzutage werden immer mehr Bücher veröffentlicht. Diese ungeheure Menge an Literatur kann ohne Zuhilfenahme der Computertechnik nicht an einem Ort konzentriert werden. Das ist eine Mammutaufgabe. Der Plan sieht vor, dass die Europäische Digitale Bibliothek alle Quellen aufnimmt, die bereits in digitaler Form vorliegen und rechtlich nicht geschützte Werke umfassen. Neben literarischen Werken werden technische, rechtliche und journalistische Veröffentlichungen sowie audiovisuelle Werke hinzukommen.
Die Schaffung eines Systems, das so universell, aber auch ziemlich einfach ist, stellt für Experten auf dem Gebiet der Digitaltechnik eine interessante Aufgabe dar. Ich bin mir sicher, dass die Europäische Digitale Bibliothek Schluss machen wird mit endlosen Querverweisen und der komplizierten Suche im virtuellen Cyperspace. Sie wird zu einer ungeheuren Bibliothek werden, die wir – bildlich gesprochen – zu Hause haben.
Selbstverständlich birgt das auch Gefahren. Werden wir durch digitale Bibliotheken noch abhängiger von Computern und bedrohen sie die Existenz des gedruckten Buches? Das könnte sein, obwohl ich es nicht für allzu wahrscheinlich halte. Das herkömmliche Buch ist Bestandteil unserer Kultur, so wie das Theater oder die Kunst auch. Es bietet etwas, wozu digitale Bibibiotheken niemals in der Lage sein werden – den Kontakt mit dem Leser aus erster Hand.
Thomas Wise, im Namen der IND/DEM-Fraktion. – (EN) Herr Präsident! Die Wurzeln der British Library reichen bis 300 Jahre vor Christi zurück. Berühmtheiten wie Karl Marx, Oscar Wilde, Mahatma Gandhi, Rudyard Kipling, George Orwell, George Bernard Shaw, ja sogar Wladimir Iljitsch Lenin, sind nur einige der Persönlichkeiten, die in den Lesesälen des British Museum und britischer Bibliotheken studiert haben. Ich frage mich, ob sie so viel Inspiration aus dem Surfen im Internet gezogen hätten. Ich vermute, dass unsere hervorragende Einrichtung mit ihrer einzigartigen Sammlung von Publikationen aus jedem Winkel der Erde und des British Empire – und sogar darüber hinaus – noch lange, nachdem die EU den Weg anderer euroföderalistischer Projekte von Karl dem Großen bis zu den schrecklichen politischen Alpträumen der vergangenen beiden Jahrhunderte gegangen ist, geschätzt werden wird. Viel Glück, Frau Descamps, mit Ihrer digitalen Bibliothek, aber in diesem Bereich würde ich mich, wie in so vielen anderen auch, eher auf den Schutz und die Pflege und die Weiterentwicklung eines Erbes konzentrieren, auf das ich stolz bin, als auf die Schaffung der Insignien eines neuen Staats auf den Ruinen gescheiterter Gebilde.
Piia-Noora Kauppi (PPE-DE). – (EN) Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich zunächst die Kommission und den Bericht von Frau Descamps über digitale Bibliotheken als einen zeitgemäßen und bedeutsamen Beitrag zur Bewahrung digitaler Informationen für künftige Generationen begrüßen.
Fakt ist, dass das Internet zu einem der wichtigsten Medien für den Zugang zu Wissen und Lernen geworden ist. Digitale Bibliotheken wären ganz gewiss für viele Forscher, Studenten, Lehrer und – als eine spezielle Gruppe – für Körperbehinderte von Nutzen. Sie sind also eine perfekte Initiative im Jahr der Chancengleichheit für alle.
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit nur auf einen Aspekt lenken, den man, ehe man eine Entscheidung trifft, gründlich bedenken muss.
Die Kooperation von öffentlichen und privaten Unternehmen sowie das private Sponsoring der Digitalisierung von Europas kulturellem Erbe ist ein wichtiges Element des Systems, wie es zurzeit besteht. Wir müssen sicherstellen, dass neue Verordnungen in diesem Bereich die Vorzüge des gegenwärtigen Systems nicht gefährden, vor allem nicht auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Information. Beispielsweise müssen wir gewährleisten, dass der Gutachtermechanismus erhalten bleibt. Dieser Mechanismus sieht so aus, dass unabhängige Experten in einer wissenschaftlichen Disziplin einen wissenschaftlichen Forschungsbericht kritisch beurteilen.
Dieses Gutachtersystem ist entscheidend für die wissenschaftliche Gemeinschaft, denn es ist ein wichtiger Qualitätskontrollmechanismus, mit dem auf wissenschaftliche Karrieren Einfluss genommen werden kann. Auch müssen wir ein Szenario vermeiden, bei dem die offene Zugänglichkeit die gegenwärtige Verbreitung wissenschaftlicher Forschung durch Abonnementzeitschriften gefährdet. Eine Frage, die auch zu beurteilen ist, betrifft den Schaden, der für die Rentabilität von Zeitschriften kleiner Verlage entsteht.
Kurz, das gegenwärtige System wird von vielen Beteiligten als leicht zugänglich, effizient, kostengünstig und auch qualitativ hochwertig empfunden. Wir müssen sicher sein, dass die Vorzüge, insbesondere für Forscher, überwiegen, und wir müssen jegliche unbeabsichtigten nachteiligen Folgen gerade für die Menschen, denen wir zu helfen hoffen, vermeiden.
Zdzisław Zbigniew Podkański (UEN). – (PL) Herr Präsident! Die Idee der Einrichtung einer Europäischen Digitalen Bibliothek durch die Entwicklung einer Internet-Website, wo Material gespeichert werden würde, auf das jeder Nutzer kostenlos Zugriff hat, ist fraglos ehrgeizig. Die Bibliothek würde eine mehrsprachige Schnittstelle haben, die den direkten Zugriff auf das gewünschte Material ermöglicht. Jeder Bürger hätte selbst Zugriff auf die unbekanntesten Werke der Weltkultur in seiner Muttersprache.
Darüber hinaus sollte angemerkt werden, dass durch diese Initiative eine wichtige Frage angesprochen wird, nämlich der Zugang zum Internet und die Möglichkeit für Bewohner ländlicher Gebiete, Inseln und Menschen mit Mobilitätsproblemen, auf das kulturelle Erbe der Welt zuzugreifen.
Der Zugriff auf kulturelles Material aller Art, einschließlich urheberrechtlich bzw. durch andere Rechte geschützte Werke, stellt eine weitere Problematik dar. Ich vertraue darauf, dass dieses Problem zu gegebener Zeit durch Investitionen in Technik gelöst wird.
Frau Descamps hat einen ausgewogenen Bericht erarbeitet, der meiner Ansicht nach unsere Unterstützung verdient.
Zdzisław Kazimierz Chmielewski (PPE-DE). – (PL) Herr Präsident! Frau Kommissarin! Ich möchte mich meinen Vorrednerinnen und Vorrednern anschließen, die der Berichterstatterin zu ihrem gründlich erarbeiteten Bericht gratuliert haben. Er enthält eine klare Botschaft des Europäischen Parlaments, das die Idee der Einrichtung einer Europäischen Digitalen Bibliothek unterstützt. Es freut mich, das Haus daran erinnern zu dürfen, dass Polen an der Förderung dieses Gedankens beteiligt gewesen ist. Der Vertreter meines Heimatlandes gehörte zu den sechs Staats- und Regierungschefs, die das Projekt ins Leben gerufen haben.
Im Bericht werden überzeugende Argumente für die allmähliche Umsetzung des Projektes dargelegt. So wird die schrittweise Einbeziehung der verschiedenen Kategorien des kulturellen Erbes sowie von Dokumenten, die urheberrechtlich und durch verwandte Schutzrechte geschützt sind, vorgeschlagen, wobei die gesetzlichen Einschränkungen im Hinblick auf das geistige Eigentum stets einzuhalten sind. Die in diesem Vorschlag enthaltene Idee, Einrichtungen, die zwar kulturelle Inhalte verbreiten, jedoch keine Bibliotheken sind, in das Projekt einzubeziehen, ist eine Überlegung wert. Es ist nur recht und billig, dass Museen und Archive in diesem System eine wichtige Rolle spielen, da sie seit Jahrhunderten enge Beziehungen zu Bibliotheken pflegen.
Ich hege große Hoffnungen, insbesondere angesichts der Absicht, nicht nur wissenschaftliche Forschungsarbeiten zur Digitalisierung in das Koordinierungssystem für die Europäische Digitale Bibliothek aufzunehmen, sondern auch die äußerst wichtige Frage des Schutzes digitaler Ressourcen. Nach meinem Dafürhalten ermöglicht dies die Entwicklung von gemeinsamen einheitlichen Anforderungen für die sachgerechte Aufbewahrung von digitalen Materialien, die in Bibliotheken und Archiven aufbewahrt werden, sowie von – ich betone archivierten – digitalen Materialien, die nicht in Archiven gesammelt werden, sondern in Museen und Bibliotheken. Es ist kein Geheimnis, dass diese Einrichtungen jahrhundertelang Schwierigkeiten gehabt haben, Archivmaterial aus unterschiedlichen Quellen ordnungsgemäß zu schützen. Endlich sind wir in der Lage, hier Abhilfe zu schaffen.
Viviane Reding, Mitglied der Kommission. − (FR) Herr Präsident! Ich möchte Frau Descamps und den übrigen Mitgliedern des Ausschusses für Kultur und Bildung sehr herzlich für diesen Bericht danken, der in der Tat von großer Bedeutung ist.
Der eigentliche Reichtum Europas besteht nicht im Euro und auch nicht in unserem wirtschaftlichen Fortschritt, sondern in unserem Erbe, das über Jahrhunderte geschaffen und gestaltet wurde und die wahre, tiefe Quelle für den Reichtum Europas darstellt.
Es ist jedoch in gewisser Weise ein Skandal, dass dieses Erbe verborgen ist in Archiven, in Kellern, an Orten, die für die Öffentlichkeit, die Bürger nicht zugänglich sind, wo sie es nicht anfassen, nicht verstehen und nicht genießen können. Die Digitale Bibliothek möchte genau diese Barriere überwinden.
Das ist nach meinem Dafürhalten einer der großen Fortschritte Europas, und ich möchte die nationalen Bibliotheken, unsere nationalen Bibliotheken würdigen, denn von ihnen ging diese Initiative aus, die so bedeutsam, so wichtig für die europäischen Kulturen ist. Die Direktorinnen und Direktoren dieser Bibliotheken haben Pionierarbeit geleistet. Sie haben begriffen, dass eine Symbiose zwischen der Kultur, die den Reichtum der Bestände ausmacht, und der Technik, die ein Instrument des Zugangs zu dieser Kultur darstellt, erforderlich ist. Und dass sie diese Pionierarbeit geleistet haben, ermöglicht uns im Wesentlichen, im Jahr 2008 über das einheitliche Portal mit mehrsprachigem Zugang zu verfügen.
Ja, ja, ja, das sage ich denen, die diesen Punkt angesprochen haben, wir werden sogar Zugang zur luxemburgischen Literatur haben. Darauf bin ich stolz, denn Letzeburgisch ist meine Muttersprache und somit für mich die wichtigste Sprache der Welt, ebenso wie jede Muttersprache wichtig ist. Und genau deshalb muss es Zugang zu den Kunstwerken, zu der Literatur, die in diesen Sprachen und in dieser speziellen Ausdrucksweise entstanden sind, geben.
Nehmen wir die luxemburgische Kultur: Natürlich haben die Luxemburger Zugang zu ihr, aber Sie hier in diesem Hause, wissen Sie überhaupt, dass es eine luxemburgische Kultur gibt? Nein! Aber das einheitliche Portal wird es Ihnen, wenn wir die Digitale Bibliothek erst einmal haben, ermöglichen zu verstehen, dass es sie wirklich gibt.
Es ist großartig, dass wir zu diesen Kulturen Zugang erhalten, dass alle an diesem Reichtum teilhaben können, auch, und das möchte ich unterstreichen, außerhalb Europas, denn die Kultur macht nicht an unseren Grenzen Halt. Kultur heißt teilen, und deshalb wollen wir diese Bibliothek im Geiste der Öffnung schaffen, weshalb die Interoperabilität ein sehr wichtiger Aspekt sein wird. Das gilt nicht nur für Bücher, sondern auch für alle anderen Formen der Kultur: Filme, Musik, Sammlungen der Museen usw. Es wird also eine außerordentliche kulturelle Öffnung geben, die sowohl mehrsprachig als auch multikulturell sein wird, die wirklich das eigentliche Wesen Europas, diese vereinte Vielfalt zeigen wird.
Gewiss gibt es noch Probleme zu lösen, und die Damen und Herren Abgeordneten haben das ganz klar dargelegt. So stellt sich z. B. das Problem der Finanzierung. Ich appelliere an die Mitgliedstaaten, ihren Worten konkrete Taten folgen zu lassen. Einige von ihnen tun dies bereits, und dafür danke ich ihnen.
Wir werden im Jahr 2008 eine Analyse dessen, was getan wurde, und damit auch dessen, was noch nicht getan wurde, vorlegen. Ich halte das für sehr wichtig, um dieses Vorhaben voranzubringen. Natürlich werden wir uns auch für eine privat-öffentliche Partnerschaft einsetzen, denn sie wird wesentlich für die Digitalisierung sein, die ein sehr teurer Prozess ist. Ich denke auch an die Bewahrung empfindlichen Materials, das zerstört werden kann, wenn man sich seiner nicht annimmt. Wie viele Filmrollen zerfallen zu Staub? Um dieses gemeinsame kulturelle Erbe zu bewahren, müssen wir es digitalisieren, bevor es zu spät ist.
Ich denke natürlich auch an andere Probleme, die wir lösen müssen: die der Urheberrechte – das ist ein harter Brocken –, die der wissenschaftlichen Information. Unsere hochrangige Gruppe arbeitet gegenwärtig an Lösungen für diese Probleme.
Herr Präsident, wir haben es hier mit einem außerordentlichen Projekt zu tun, das den europäischen Mehrwert deutlich macht, und ich erachte es als die schönste Aufgabe, die Europäer um ihre Kulturen im Plural, um ihre Geschichten im Plural, die auf Schönheit und Kreativität beruhen, zusammenzuführen. Das ist das Schönste, was wir haben. Bewahren wir es. Arbeiten wir gemeinsam daran, damit wir es teilen können.
Der Präsident. − Ich möchte allen Rednerinnen und Rednern herzlich danken, vor allem Frau Kommissarin Reding für ihren Charme und ihre Intelligenz. Ich möchte ihr in ihrer eigenen Sprache, auf Luxemburgisch, danken, denn heute ist der Tag der weniger bekannten Sprachen. Merci!