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Verfahren : 2007/2206(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A6-0165/2008

Eingereichte Texte :

A6-0165/2008

Aussprachen :

PV 20/05/2008 - 20
CRE 20/05/2008 - 20

Abstimmungen :

PV 21/05/2008 - 5.10
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P6_TA(2008)0221

Plenardebatten
Dienstag, 20. Mai 2008 - Straßburg Ausgabe im ABl.

20. Frauen und Wissenschaft (Aussprache)
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  Der Präsident. – Als nächster Punkt folgt der Bericht von Britta Thomsen im Namen des Ausschusses für Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter über das Thema „Frauen und Wissenschaft“ (2007/2206(INI)) (A6-0165/2008).

 
  
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  Stavros Dimas, Mitglied der Kommission. − (EL) Herr Präsident! Zunächst möchte ich dem Europäischen Parlament und insbesondere der Berichterstatterin, Frau Thomsen, für ihre Unterstützung der Politik der Kommission im Bereich Frauen und Wissenschaft danken. Mein Dank gilt auch dem Berichterstatter des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie, Herrn Dover, für seine konstruktive Herangehensweise.

Wir teilen Frau Thomsens Erklärung, dass die Beseitigung der geschlechtsbedingten Diskriminierung in der Wissenschaft eine neue Ära der Spitzenleistungen in der europäischen Forschung und des akademischen Wachstums einläutet und der Innovationstätigkeit einen neuen Schub verleiht. Die Kommission ist sich der Tatsache bewusst, dass zahlenmäßig ein deutliches Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Forschern besteht. Aus den neusten verfügbaren Statistiken geht hervor, dass Frauen über die Hälfte der Absolventen aller universitären Fachbereiche stellen, aber nur 15 % der Professuren von Frauen besetzt werden. In den Natur- und Ingenieurwissenschaften und in der Technik sind es 34 % weibliche Absolventen und 9 % weibliche Professoren. Die Kommission teilt die Ansicht, dass dies eine enorme Verschwendung von Talenten und Ressourcen darstellt, die dem Prinzip der Gleichheit entgegensteht.

Seit 1999 beschäftigt sich die Europäische Kommission mit der Frage des Frauenmangels in der Forschung. Im Fünften Rahmenprogramm gewährte die Kommission finanzielle Unterstützung für Studien und Projekte im Bereich Frauen und Wissenschaft. Seit 2003 veröffentlicht die Kommission zudem die Statistik „She Figures“, die den Anteil von Frauen in der europäischen Forschung ausweist. Die nächste Ausgabe erscheint 2009.

Wichtiger noch, in ihrem Bericht unterstützt Frau Thomsen das Ziel einer Quote von mindestens 40 % Frauen und 40 % Männer bei der Besetzung verschiedenster Ausschüsse auf der Grundlage des Rahmenprogramms. Dieses unverbindliche Ziel gilt seit 2000 und hat zu ausgezeichneten Ergebnissen geführt. So ist beispielsweise der Anteil von Frauen in Gremien, die Forschungsarbeit auswerten, von 10 % im Vierten Rahmenprogramm auf 34 % im Sechsten Rahmenprogramm angestiegen. Damit wird verdeutlicht, dass bei entsprechender Schwerpunktsetzung selbst dann Fortschritte erzielt werden können, wenn keine verbindlichen Ziele existieren. In der Tat könnten sich verbindliche Ziele langfristig als kontraproduktiv erweisen, da sie ein Zeichen der Diskriminierung von Männern sind und die meisten Männer und Frauen solche Ziele ablehnen.

Der Bericht unterstreicht die negativen Auswirkungen von Unterbrechungszeiten in den wissenschaftlichen Laufbahnen von Frauen. Im Kontext des Europäischen Forschungsraumes teilt die EU-Kommission diesbezügliche Bedenken und unterstützt die Annahme von politischen Maßnahmen, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Die Vernetzung von Wissenschaftlerinnen kann ebenfalls erheblich dazu beitragen, die Attraktivität wissenschaftlicher und anderer Schlüsselberufe für Frauen zu steigern. Darum haben wir die Europäische Plattform für Wissenschaftlerinnen geschaffen, die als Katalysator dient und Rollenmodelle in der wissenschaftlichen Forschung entwickelt.

Eines unserer vorrangigen Ziele besteht in der Erhöhung der Zahl von Frauen in Schlüsselpositionen der Forschung. Dieses Anliegen ist direkt mit der von den Mitgliedstaaten 2005 vereinbarten Zielstellung verknüpft, wonach 25 % der Leitungspositionen in öffentlichen Forschungsorganisationen von Frauen besetzt sein sollten. Ein diesbezüglicher Bericht wurde kürzlich unter dem Titel „Mapping the maze: getting more women to the top in research“ veröffentlicht. Darin wurde geschlussfolgert, dass eine transparente und faire Bewertung an sich nicht ausreicht, um den Anteil von Frauen in Entscheidungsprozessen zu erhöhen. Die vorherrschenden Ansichten müssen sich ändern. Fachleute unterbreiten zwar Vorschläge, wie die bestehende Wissenschaftsmentalität und -kultur erweitert und geöffnet werden kann, aber die eigentliche Herausforderung besteht in der Umsetzung. Entsprechende Projekte finden im Siebten Rahmenprogramm ihre Fortsetzung und sind jetzt mit der Umsetzung des Europäischen Forschungsraums verbunden. Die Konferenz, die im Mai 2009 unter der Schirmherrschaft des tschechischen Vorsitzes stattfinden soll, wird eine Bestandsaufnahme der Erfolge der vergangenen 10 Jahre vornehmen und außerdem die Bereiche ermitteln, in denen es weiterer Anstrengungen bedarf. Das Europäische Parlament kann hierzu einen unschätzbaren Beitrag leisten.

Im März 2006 verabschiedete die Kommission den Fahrplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2006-2010. Er bildet den Handlungsrahmen der Kommission und ist gleichzeitig Ausdruck unserer Verpflichtung, die Gleichstellung der Geschlechter in all unseren Politiken, sowohl intern als auch extern, voranzutreiben. Unsere Prioritäten beinhalten: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Förderung der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsgremien sowie in der Wissenschaft und Technik und die Beseitigung von geschlechterspezifischen Stereotypen in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Kultur sowie auf dem Arbeitsmarkt.

 
  
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  Britta Thomsen, Berichterstatterin. (DA) Herr Präsident! Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, das Wort zu ergreifen. Ich bin froh darüber, dass heute das Thema Frauen und Forschung ganz weit oben auf der Tagesordnung steht, denn in meinen Augen ist dies mit Blick auf die Lissabon-Strategie ein zentrales Thema für Europa. In Europa müssen mehr Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden, es müssen bessere Arbeitsplätze entstehen, und wir müssen auf dem Gebiet der Forschung und Innovation mehr leisten. Bei jeder dieser drei Aufgaben spielen Frauen eine maßgebliche Rolle. Es sollten mehr Frauen einer Erwerbstätigkeit nachgehen, aber auch häufiger Führungspositionen einnehmen und in Entscheidungsgremien vertreten sein. Wenn wir in den nächsten Jahren in Europa bis zu 700 000 Stellen im Forschungsbereich schaffen wollen, müssen wir auch das Reservoir an weiblichen Talenten besser ausschöpfen.

Für die Erstellung dieses Berichts hatte ich mir zwei allgemeine Ziele gesetzt. Zunächst wollte ich eine Bestandsaufnahme vornehmen. Wie hoch ist der Frauenanteil in der Forschung, und warum stehen die Dinge so schlecht? Als zweites wollte ich den Blick in die Zukunft richten und Lösungen für Verbesserungsvorschläge anbieten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Situation nicht zufriedenstellend. Im öffentlichen Dienst sind durchschnittlich 35 % der Frauen mit Forschungstätigkeiten betraut, während in der Privatwirtschaft nur 18 % in diesem Bereich arbeiten. Darüber hinaus sind lediglich 15 % der Frauen in einer leitenden wissenschaftlichen Stellung tätig, obwohl mehr als 50 % der Studenten in der EU und 43 % der Doktoranden Frauen sind. Bei den Führungs- und Entscheidungspositionen besteht also ein deutliches Missverhältnis.

Selbst in unseren eigenen Institutionen neueren Datums, wie z. B. dem Europäischen Forschungsrat, hapert es mit der Einhaltung der Gleichstellungskriterien. Nur fünf von insgesamt 22 Mitarbeitern des Forschungsrats sind Frauen. Ich habe zudem die Tatsache herausgestellt, dass in den meisten europäischen Ländern Frauen in Wissenschaftsgremien immer noch deutlich unterrepräsentiert sind. Dies ist ein weiteres Beispiel für die mangelnde Mitwirkung von Frauen an Entscheidungsprozessen.

Ich würde gern noch einige Ausführungen zu meinem zweiten, vielleicht sogar interessanteren Teil des Berichts machen, nämlich zu den zukunftsgerichteten Lösungen und Vorschlägen. Ich habe aufmerksam die Beiträge im Rahmen des Konsultationsprozesses des Ausschusses für Frauenrechte und Geschlechtergleichstellung verfolgt. Klarheit bestand darüber, dass es bei diesem Thema vor allem um die Ausarbeitung entsprechender Konzepte geht. Wenn das Problem auf nationaler wie institutioneller Ebene ignoriert wird, kann sich an diesem Zustand nichts ändern. Deshalb heißt es in meinem Bericht, dass sämtliche Mitgliedstaaten und die Kommission für alle Einstellungs- und Beurteilungsgremien einen Frauenanteil von mindestens 40 % vorgeben sollten. Ich halte dies für äußerst wichtig, denn wenn wir etwas an der Situation verbessern wollen, müssen wir alles daran setzen, mehr Frauen in Entscheidungsorgane zu bringen, damit über einen „Top-down“-Ansatz ein Umdenken herbeigeführt werden kann. Ich plädiere auch für transparentere Stellenbesetzungsverfahren. Die Erfahrung lehrt, dass bei nichtöffentlichen Verfahren Frauen im Nachteil sind, da Männer in der Regel andere Männer für am besten geeignet halten.

Des Weiteren habe ich in meinem Bericht herausgestellt, dass wir uns nicht gegen konkrete Fördermaßnahmen sträuben dürfen, wenn wir die Hoffnung haben, dass sich die Dinge relativ schnell ändern. Alle verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass Verbesserungen nicht von selbst eintreten. Ich habe deshalb die Empfehlung abgegeben, ein spezielles Förderprogramm für Forscherinnen ins Leben zu rufen, Netzwerke zu bilden und Vorbilder zu schaffen. Diese einfachen Initiativen sind in den Mitgliedsstaaten bereits auf fruchtbaren Boden gefallen. Auch ganz simple Maßnahmen wie der Einleitungssatz einer Ausschreibung, in dem zum Ausdruck gebracht wird, dass sich insbesondere Frauen bewerben sollten, haben bereits positive Resultate hervorgebracht.

Meine Arbeit an diesem Bericht hat auch deutlich gemacht, dass noch viele Hindernisse bestehen. Besonders wichtig sind die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familienleben sowie die Möglichkeit, Erziehungsurlaub nehmen zu können – trotz Doktorstudium. Aber dies ist auch eine Frage der Mentalität. Kulturelle Schranken lassen sich nur schwer auf einen kurzen Nenner bringen, aber im Grunde geht es darum, wie bei den konkreten Hindernissen, einige Ungleichgewichte ins Visier zu nehmen. An dieser Stelle möchte ich dazu keine weiteren Ausführungen machen, denn ich sehe voller Erwartung Ihren Stellungnahmen zum Bericht entgegen.

 
  
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  Den Dover, Verfasser der Stellungnahme des mitberatenden Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie.(EN) Herr Präsident! Es ist mir eine überaus große Freude, jedes Wort gutheißen zu können, dass der Kommissar am heutigen Abend gesprochen hat, und auch Frau Thomsen beglückwünschen zu können, die als Berichterstatterin zu diesem überaus wichtigen Thema eine wunderbare Arbeit geleistet hat. Als Angehöriger des Mitte-Rechts-Lagers dieses Plenums ist es mir eine Freude, einer Sozialistin der anderen Seite und aus einem anderen Land als meinem Heimatland Beifall zu spenden und ihr Anerkennung zu zollen, denn es ist ihr gelungen, den gesamten Ansatz im Gleichgewicht zu halten: Sie hat die wichtigsten Faktoren im Hinblick auf die Tatsache hervorgehoben, dass Frauen das Teenageralter früher erreichen als Männer.

Sie sind intelligenter, sie sind fleißiger, sie können sich selbst gut verkaufen, und dennoch bleiben sie, selbst wenn sie eine Hochschulbildung genossen haben und eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen, manchmal auf der Strecke. Das ist häufig auf den Druck zurückzuführen, den sie zu Hause, in ihrem persönlichen Umfeld, erfahren. Frau Thomsen hat Recht, sich in ihrem Bericht und am heutigen Abend auf diese Probleme zu konzentrieren.

Der Bericht enthält konstruktive Ideen. Die einzige Sache, die ich ablehne, ist die Festlegung konkreter Ziele für den Anteil der Frauen, die diesen oder jenen Abschluss oder diese oder jene Position erreichen sollten. Das klingt zu sehr nach Vorschrift. Andererseits hat dieser Bericht jedoch meine volle Unterstützung. Es war mir eine Ehre, die Stellungnahme für den mitberatenden Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie zu verfassen. Ich danke den Schattenberichterstattern des Berichtes selber und meiner Stellungnahme für ihre volle Unterstützung. Dies ist ein Beispiel für ein Gesetz und einen Bericht hier im Europäischen Parlament, die sicherstellen, dass wir uns von unserer besten Seite zeigen, indem wir unseren Zusammenhalt beweisen und demonstrieren, dass wir uns auf die Bedürfnisse des Forschungssektors konzentrieren.

Ich möchte abschließen, indem ich erwähne, dass ich vergangenen Donnerstagabend mit einem meiner Kollegen, Lambert van Nistelrooij aus den Niederlanden, die Universität in Oxford besuchte. Alle dortigen Wissenschaftler und Forscher waren Frauen. Das begrüße ich sehr.

 
  
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  Der Präsident. – Vielen Dank, Herr Dover. Ich danke Ihnen besonders, weil Sie, abgesehen von Kommissar Dimas, der einzige Mann auf der Rednerliste von heute Abend sind. Ansonsten gibt es nur Rednerinnen.

 
  
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  Edit Bauer, im Namen der PPE-DE-Fraktion. (SK) Herr Präsident, Herr Kommissar, meine Damen und Herren! Herzlichen Dank! Gestatten Sie mir, Frau Thomsen im Namen der Schattenberichterstatterin für die PPE-DE-Fraktion, Frau Sartori, sowie in meinem eigenen Namen zu gratulieren. Ich sehe Parallelen zwischen der Stellung von Frauen in der Wissenschaft und Frauen in der Politik, obwohl Frauen in wissenschaftlichen Einrichtungen etwas stärker vertreten sind. Dabei stellen Frauen etwa 60 % aller Hochschulabsolventen. Eine wissenschaftliche Tätigkeit ist mehr als ein geregelter Acht-Stunden-Job, sie ist auch vom Konkurrenzdenken geprägt. Um erfolgreich zu sein, müssen Frauen oft bessere Leistungen erbringen als ihre männlichen Kollegen. Schon vor vielen Jahren, als ich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlug, wies mich eine ältere Kollegin darauf hin.

Ist es angebracht zu fragen, warum Frauen in der Wissenschaft so unterrepräsentiert sind, warum es nach geraumer Zeit wieder weniger junge Frauen in diesem Bereich gibt und wir somit talentierte Wissenschaftlerinnen verlieren? Die Schaffung der notwendigen Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Frauen in der Wissenschaft von zentraler Bedeutung. In diesem Kontext ist es besonders wichtig, dass die Barcelona-Ziele erreicht werden. Wenn Frauen in der Wissenschaft erfolgreich sein sollen, müssen die für sie verfügbaren Einrichtungen gut zugänglich, hochwertig und zuverlässig sein, dem Charakter und den Erfordernissen wissenschaftlicher Arbeit entsprechen und hinreichend flexibel sein.

Außerdem müssen wir die Frage der generellen Förderung von Wissenschaft und Entwicklung berücksichtigen. Bei niedrigen bis sehr niedrigen Gehältern kann niemand erwarten, dass derartige Berufe jungen Frauen oder auch Männern, die gerade eine Familie gründen, noch attraktiv erscheinen. Besonders in den neuen Mitgliedstaaten, wo nicht einmal 1 % des Bruttoinlandsprodukts für die Förderung von Wissenschaft und Forschung aufgewandt wird, stellt dies ein echtes Problem dar. Lassen sie mich zum Abschluss festhalten, dass sich die Situation nicht durch Quotenregelungen, sondern nur durch Änderung der Bedingungen zum Besseren wenden lässt.

 
  
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  Zita Gurmai, im Namen der PSE-Fraktion. – (HU) Herr Präsident, Herr Kommissar, meine Damen und Herren! In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Frauen an den Hochschulen dramatisch erhöht. Dies hat allerdings nicht dazu geführt, dass sich in den Naturwissenschaften das Verhältnis der Anzahl von Frauen und Männern verbessert. Auch die Zahl der Frauen in den technischen Fächern ist in den letzten zwanzig Jahren gestiegen, doch nicht so sehr wie in anderen Berufen und wissenschaftlichen Fachgebieten.

Aufgrund dieser Schwierigkeiten gibt ein hoher Prozentsatz von Frauen im Laufe der Jahre die wissenschaftliche Tätigkeit auf, was nicht hinnehmbar und unvernünftig ist. Für Frauen ist ein berufliches Fortkommen schwieriger als für Männer. Dies wird besonders anhand der Löhne deutlich. Frauen sind in wissenschaftlichen Institutionen weniger gut vertreten. Forscherinnen werden gezwungen, sich zwischen Karriere und Familie zu entscheiden. Die vorübergehenden Unterbrechungen der wissenschaftlichen Karriere von Frauen aus familiären Gründen erschwert es ihnen, befördert zu werden. Wir müssen uns mit Methoden befassen, mit denen Ausgewogenheit zwischen Berufs- und Privatleben geschaffen werden kann, und bewährte Verfahren anwenden.

Die Lissabon-Strategie verlangt von uns darüber hinaus die Anwendung der Grundsätze der Gleichstellung im Bereich Forschung und Entwicklung. Wir müssen in allen Bereichen der Wissenschaft effektiver handeln und Einstellungsverfahren bzw. Beförderungsbedingungen transparenter gestalten. Wir müssen darauf hinarbeiten, in der universitären und nicht-universitären Forschung und in den Leitungsgremien dieser Institutionen eine Gleichstellung der Geschlechter zu erzielen.

Der Bericht ist hervorragend und ich empfehle, ihn anzunehmen. Darüber hinaus gratuliere ich meiner Kollegin Britta Thomsen, die sich als Forscherin äußerst eingehend mit diesem Thema beschäftigt hat. Vielen Dank dafür!

 
  
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  Siiri Oviir, im Namen der ALDE-Fraktion. (ET) Herr Kommissar, Herr Präsident, meine Damen und Herren! Durch neue und verbesserte Produkte und Dienstleistungen sowie durch die gesamte technische Entwicklung ist unser Leben immer enger mit Wissenschaft und Technologie verknüpft. Europas Wissenschaftlerinnen tragen zweifellos zu dieser Entwicklung bei.

Wie bereits erwähnt, sind Studentinnen an den Universitäten in der Überzahl, sowohl beim Erststudium als auch bei weiterführenden Studiengängen und Promotionen. Trotzdem beträgt der Anteil der Frauen mit einer leitenden Funktion im Wissenschafts- und Bildungsbereich nur ein Siebtel. Warum ist das so? Die Welt der Wissenschaft ist seit Urzeiten eine Männerdomäne. Dieser Zustand wurde damit begründet, dass die Aneignung unverfälschten Wissens durch die präzise Anwendung objektiver Methoden und logischer Argumente erfolgt, die Männern leichter fällt als Frauen.

Die Tatsache, dass wissenschaftliche Institutionen auch heute noch größtenteils von Männern dominiert werden, ist weniger auf die genannte Begründung zurückzuführen als darauf, dass das Männlichkeitsbild bereits im wissenschaftlichen Denken verankert ist. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Gleichsetzung von Objektivität und Männlichkeit nichts als ein Mythos ist. Allerdings sieht die heutige Realität so aus, dass dieser Mythos zweifellos Einfluss auf die Verteilung der Aufgaben und Entscheidungsprozesse bei wissenschaftlichen Förderprogrammen ausübt.

Diese herabsetzende Betrachtungsweise wird auch durch die Medien genährt, in denen Frauen eindimensional und tendenziös dargestellt werden. Die Medien zeigen Frauen vielfach in veralteten Bildern, hauptsächlich als Angehörige von Frauengruppen und nicht als Experten in ihrem Fach. Gleichzeitig wurde wenig getan, um an der Situation etwas zu ändern bzw. wurden kaum bessere Arbeitsmöglichkeiten für Frauen geschaffen. Um die alte und weit verbreitete Sichtweise zu korrigieren, muss die Wissenschaft beiden Geschlechtern schon frühzeitig als interessantes Arbeitsfeld nähergebracht werden. Kinderbücher, die Frauen mit Schürzen und Männer in Raumschiffen zeigen, darf es nicht mehr geben.

Ich befürworte die im Bericht genannten positiven Maßnahmen zur Förderung von Wissenschaftlerinnen, sei es in Form von Berufsberatung oder Sonderprogrammen zur Förderung des beruflichen Interesses von Mädchen und jungen Frauen an der Wissenschaft. Ich kann mich jedoch nicht für mechanistische Quotenregelungen erwärmen, da diese uns zu sehr an bestimmte zeitliche Vorgaben binden und im Ergebnis mehr Quantität als Qualität produzieren würden. Ich danke der Berichterstatterin für ihre präzise Arbeit und bitte um Nachsicht.

 
  
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  Hiltrud Breyer, im Namen der Verts/ALE-Fraktion. – Herr Präsident! Die Gleichstellung der Geschlechter ist Wert und Ziel der Europäischen Union. Doch auf dem Papier steht viel, in der Praxis ist die tagtägliche Diskriminierung hingegen Alltag.

Die gefühlte Gleichstellung gibt es leider auch im Bereich der Wissenschaft. Wir wissen, mehr Mädchen als Jungen machen Abitur, mehr Mädchen als Männer haben einen Hochschulabschluss. Das weibliche Geschlecht ist also topgebildet, stößt aber nach dem Uni-Abschluss an die gläserne Decke. Und wir haben ganz ernüchternde Zahlen: Nur 15 % aller Professorinnen sind Frauen. Lediglich 15 % der Top-Jobs werden von Frauen besetzt, obwohl die Mehrzahl der Universitätsabsolventen und fast die Hälfte der Doktoranden Frauen sind.

Lohndiskriminierung gibt es auch in der Wissenschaft: weniger als 20 % Frauen in Gremien, die über Forschungsvorhaben entscheiden. Man kann schon fast eine These aufstellen: Je mehr Geld für ein Forschungsprojekt ausgegeben wird, umso weniger Frauen sind daran beteiligt.

Was wir also brauchen, damit die Gleichstellung kein Lippenbekenntnis bleibt, sind Quoten. Doch wir brauchen ambitionierte Quoten, damit sich etwas bewegt. Die Gleichstellung der Geschlechter muss für alle Bereiche der Wissenschaft gelten, und die Gleichstellung sollte mindestens 40 % des unterrepräsentierten Geschlechts, also der Frauen, betreffen und nicht lediglich 25 %. Daher sollten wir uns genau dieses ambitionierte Ziel setzen, damit sich etwas bewegt.

Lassen Sie mich zum Schluss noch ein Herzensanliegen erwähnen: Wir wissen, dass bis zum Jahr 2010 in der Europäischen Union 700 000 Forscherinnen und Forscher fehlen. Es bedarf also unserer ganzen Anstrengung, damit die Europäische Union nicht zur Wissenschaftswüste wird. Doch leider werden schon sehr früh hochbegabte Mädchen übersehen. Die Hochbegabung gerade auch von Mädchen zu fördern, wäre mir ein großes Herzensanliegen, und ich bitte die Berichterstatterin, das deutlicher zu berücksichtigen.

 
  
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  Ewa Tomaszewska, im Namen der UEN-Fraktion. – (PL) Herr Präsident! In Polen, dem Land, das ich vertrete, ist das durchschnittliche Bildungsniveau bei Frauen höher als bei Männern. Als Physikerin mit einer Anstellung an der Universität Warschau habe ich nie Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts erlebt. Ich hätte es als erniedrigend empfunden, wäre ich nicht aufgrund meines Wissens und meiner geistigen Leistungsfähigkeit, sondern aufgrund eines sekundären Merkmals wie des Geschlechts, in meine Stellung berufen worden.

Marie Skłodowska-Curie hat durch ihre Arbeit und ihre Leidenschaft für Entdeckungen Ergebnisse erzielt, für die sie zweimal mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Auch die Rektorin meiner Universität, die im Ranking der Universitäten in Polen an erster Stelle liegt, ist eine Frau, eine Professorin für Physik.

Die Realität, die die Situation von Frauen in der Welt der Wissenschaften bestimmt, ist jedoch nicht überall gleich. Die Probleme sind offensichtlich, wenn man sich vor Augen führt, dass in der EU nur 35 % der wissenschaftlichen Mitarbeiter im staatlichen Sektor und im Hochschulbereich Frauen sind. Im privaten Sektor sind es gar nur 18 %. Manchmal ist das auf familiäre Pflichten zurückzuführen, die dem Ruf der Wissenschaften übergeordnet werden, aber das ist nicht immer der Fall.

Meines Erachtens sind die Erkenntnisse von Ziffer 2 und 3 dieses Berichts wichtig. Es ist in der Tat in der ersten Bildungsphase am einfachsten zu zeigen, dass Wissenschaft zwar schwer sein kann, aber immer auch spannend ist, und aus diesem Grunde lohnt sich die Mühe, das zu entdecken, was wir als interessant empfinden und was wir nur auf dem Wege der wissenschaftlichen Forschung erreichen können. Jeder, der eine wissenschaftliche Tätigkeit aufzunehmen beabsichtigt, sollte dazu ermutigt werden. Viele Frauen haben die Fähigkeiten dazu, und es wäre eine Schande, dieses Potenzial zu vergeuden. Die in Ziffer 3 aufgeführten Beispiele haben hier eine gewisse Bedeutung, da sie zeigen, Bemühungen dieser Art lohnen sich.

Im Rahmen der Lissabon-Strategie, aber auch unabhängig davon, ist es unermesslich wichtig, in Menschen und ihre Bildung zu investieren, denn dadurch werden ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Das trifft auch auf den ganz konkreten Arbeitsmarkt zu, den die Wissenschaft bildet. Aus diesem Grunde ist es im Hinblick auf alle Praktika, Austauschprogramme zwischen Bildungseinrichtungen und andere derartige Möglichkeiten zur Verbesserung der beruflichen Situation einer Person ganz wichtig, dass die Zugangskriterien frei von Diskriminierung sind.

 
  
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  Eva-Britt Svensson, im Namen der GUE/NGL-Fraktion. – (SV) Mein Dank gilt der Berichterstatterin, Frau Thomsen, für die Beleuchtung des Problems der mangelnden Gleichstellung in Wissenschaft und Forschung. Die Ungleichbehandlung durchzieht die gesamte Gesellschaft. Engagement und Meinungsbildung, u. a. durch Frauenorganisationen, haben jedoch das Bewusstsein für eine unzureichende Gleichstellung auf vielen Gebieten geschärft, und viele erkennen die negativen Folgen für die gesamte Gesellschaft. Aber gerade im Bereich der Wissenschaft ist die Ungleichbehandlung lange Zeit totgeschwiegen worden. Darum ist dieser Bericht von besonderer Bedeutung.

Obwohl die EU die Bedeutung der Forschung für die wirtschaftliche Entwicklung betont, ist diese oftmals nur einem Geschlecht vorbehalten. Im öffentlichen Sektor sind 35 % der Forscher Frauen, im privaten Sektor nur 18 %. Von den 22 Mitgliedern des Wissenschaftlichen Rates des Europäischen Forschungsrates sind lediglich fünf Frauen.

Dieser Bericht lenkt die Aufmerksamkeit auf die Problematik, was aber meiner Ansicht nach nicht ausreichend ist. Wir müssen die Ansprüche weiter hochschrauben.

Noch ein Kommentar zur Diskussion über die Gleichstellung: Wir müssen auch weiterhin die Forderung nach Gleichstellung verteidigen, indem wir erklären, dass wir sie für Wirtschaftswachstum und Entwicklung brauchen. Wann werden wir sagen können, dass die Gleichstellung ein Ziel an sich ist, für das man nicht aus wirtschaftlicher Sicht eintreten muss? Gleichstellung ist ein Menschenrecht!

 
  
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  Urszula Krupa, im Namen der IND/DEM-Fraktion. – (PL) Herr Präsident! Die Rolle von Frauen in der Wissenschaft scheint in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich zu sein. Selbst in den sehr schwierigen Zeiten des Kommunismus hatten die Frauen in Polen politische Rechte und Zugang zur Wissenschaft und das bedeutend früher als in vielen Ländern der alten EU. Nicht nur früher – auch heute noch – bestand das Problem eher in der schlechten wirtschaftlichen Lage und in den undurchsichtigen Kriterien für die Vergabe von Mitteln für die wissenschaftliche Forschung, war aber in der Regel geschlechterunabhängig.

Ungeachtet dieser Hindernisse gibt es viele Frauen, die, als Ehefrauen und Mütter, wichtige gesellschaftliche Funktionen erfüllen, die als Ministerinnen, Direktorinnen, Rektorinnen und Professorinnen an Hochschuleinrichtungen arbeiten oder als Ärztinnen tätig sind, ohne das Gefühl zu haben, von Männern diskriminiert zu werden. Anders als von lautstarken Feministinnen behauptet, werden Frauen in meinem Land generell geachtet, sie haben keine Komplexe, sondern sind sich ihres Wertes und ihrer Stärken bewusst und überzeugt, dass sie in Zusammenarbeit mit den Männern eine wichtige Rolle in allen Lebensbereichen spielen, wobei sie jedoch dem Schutz des Lebens sowie der Ehe und Familie und anderen edlen Werten den höchsten Wert beimessen.

Der Prozentsatz der weiblichen Studierenden nimmt ständig zu und lag bis zu den 1990er-Jahren schon bei 51 %. Berichten zufolge beläuft sich der Anteil von Wissenschaftlerinnen in EU-Ländern Mittel- und Osteuropas auf 38 %, wenngleich viele von ihnen in Bereichen arbeiten, in denen die Ausgaben für wissenschaftliche Forschung niedrig sind. Aus diesem Grunde scheint der Vorschlag richtig zu sein, mehr Gelder zur Verfügung zu stellen und Frauen gleichzeitig zu ermuntern, eine wissenschaftliche Arbeit aufzunehmen und die Stellung von Frauen weiter zu stärken, insbesondere durch rechtliche Regelungen, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Dazu gehört auch die finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung von Hausarbeit mit dem Ziel, Frauen wirklich die freie Wahl zu lassen, aber ohne Parität oder Änderung der Definition von Spitzenforschung.

Die prozentuale Differenzierung bei Leitungsfunktionen könnte mit den erheblichen mentalen und physischen Belastungen zusammenhängen, die oft eine zu große Bürde darstellen. Aus diesem Grunde sollte die Vertretung von Frauen durch Anerkennung und Nutzung ihrer Kenntnisse und der individuellen Neigungen sowie durch eine Verbesserung der rechtlichen und ökonomischen Bedingungen und der Infrastruktur für Hilfeleistungen in die Praxis umgesetzt werden, um dadurch die Vereinbarkeit von Familienleben und Berufstätigkeit zu erleichtern.

 
  
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  Zita Pleštinská (PPE-DE). – (SK) Um die in der Lissabon-Strategie festgelegten Ziele zu erreichen, muss die Europäische Union für einen breiten Stamm von Wissenschaftlern sorgen, der in der Lage ist, die anspruchsvollsten Forschungsarbeiten auf höchsten internationalen Niveau durchzuführen. Die Rolle der Frauen in der Wissenschaft entspricht nicht den Erfordernissen der Forschung, obwohl Frauen höhere Bildungsabschlüsse als Männer erzielen und mehr Frauen im Hochschulbereich tätig sind. Daher ist es notwendig, den Akzent stärker auf die Ausbildung und Förderung erstklassiger Wissenschaftlerinnen zu legen und talentierte Frauen für eine wissenschaftliche Karriere zu begeistern. Dies kann durch günstige Rahmenbedingungen für hochwertige Forschung, angemessene Aufstiegschancen und Gehälter erreicht werden. Jedoch gibt es noch heute eine Reihe von Hürden, die Frauen den Einstieg in die Wissenschaft erschweren. Auch psychologische Faktoren spielen hier eine Rolle, ebenso mangelnde Solidarität unter den Frauen.

Fest steht, dass es Frauen in wissenschaftlichen Berufen schwerer fällt, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren, als Männern. Die Erwerbsunterbrechungen, die Frauen während ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit aus familiären Gründen einlegen, wirken sich negativ auf ihre weitere Karriere aus. Da die wissenschaftliche Arbeit nie aufhört, wäre es für die Frauen von Vorteil, wenn sie ihren Beruf von zu Hause ausüben könnten, sofern nicht ihre Anwesenheit am Arbeitsplatz unabdingbar ist. Mobilitätsprobleme betreffen zumeist Frauen, da sie diejenigen sind, die sich im Allgemeinen um die Kinder oder ältere bzw. andere hilfsbedürftige Familienangehörige kümmern. Frauen würden daher Kindertagesstätten an den wissenschaftlichen Einrichtungen begrüßen.

Ich glaube, dass Quotenregelungen den Frauenmangel in der Wissenschaft nicht beheben können, sofern die Frauen selbst nichts am Status quo ändern wollen. Ihnen muss ein entsprechendes Umfeld geboten werden, sie müssen selbstbewusster auftreten und mehr Solidarität füreinander zeigen. Ich vertraue darauf, dass das 7. Rahmenprogramm und wissenschaftliche Forschungsprogramme Projekte fördern werden, die Frauen zu einer wissenschaftlichen Laufbahn animieren. Damit die Projektauswahl transparent bleibt, sollten Frauen auch zu gleichen Anteilen in Beurteilungs- und Auswahlgremien vertreten sein.

 
  
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  Lidia Joanna Geringer de Oedenberg (PSE).(PL) Zwar sind mehr als 50 % der Studierenden in der EU Frauen und 43 % aller Promotionen entfallen auf Frauen, aber ihr Anteil in leitenden wissenschaftlichen Positionen liegt im Durchschnitt nur bei 15 %, und unter Mitarbeitern in der Forschung sind sie in der Minderzahl. Im staatlichen Sektor und im Hochschulbereich haben Forscherinnen im Durchschnitt einen Anteil von 35 %, im Privatsektor liegt dieser nur bei 18 %.

Analysen haben gezeigt, dass die vorhandenen Einstellungssysteme nicht geschlechterneutral sind. Das Vorhandensein einer „gläsernen Decke“, die es Frauen erschwert, in leitende Positionen aufzusteigen, ist gut belegt und betrifft alle Bereiche der Wirtschaft, vor allem die mit Wissenschaft und Technologie verbundenen Gebiete. Die Kommission und die Mitgliedstaaten sollten so schnell als möglich transparente Einstellungsverfahren durchsetzen, um in Einstellungsgremien ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu garantieren.

Da die Forschung einen äußerst wichtigen Sektor für die wirtschaftliche Entwicklung der Europäischen Union bildet und Europa 700 000 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Forschung im Rahmen der Umsetzung der Lissabon-Strategie für Wachstum und Entwicklung einstellen muss, kommt es in erster Linie darauf an, die Wissenschaft zu einem Bereich werden zu lassen, der beiden Geschlechtern offen steht, und dafür zu sorgen, dass Frauen einen angemessenen Anteil am Forschungspersonal ausmachen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, für Wissenschaftlerinnen geeignete Arbeitsbedingungen und eine Infrastruktur zu schaffen, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen.

Zum Schluss möchte ich der Berichterstatterin, Frau Thomsen, herzlich für dieses vorzüglich ausgearbeitete Dokument danken.

 
  
  

VORSITZ: Edward McMILLAN-SCOTT
Vizepräsident

 
  
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  Danutė Budreikaitė (ALDE).(LT) Trotz aller EU-Rechtsvorschriften, aller Erklärungen und Diskussionen ist in Wissenschaft und Forschung, aber auch in anderen Bereichen in der Frage der Geschlechtergleichstellung keine zufriedenstellende Lage zu verzeichnen.

Obwohl viele Frauen an den Hochschulen der EU-Staaten studieren, üben lediglich 18 % der Frauen im privatwirtschaftlichen Bereich Forschungstätigkeiten aus. Nur 15 % der leitenden wissenschaftlichen Positionen sind mit Frauen besetzt. In staatlichen Stellen und Hochschuleinrichtungen kommen Frauen lediglich auf einen Anteil von 35 %. Darüber hinaus erhalten Wissenschaftlerinnen ein deutlich geringeres Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Außerdem konzentriert sich ihre Arbeit mehr auf die Lehrtätigkeit als auf die Forschungsarbeit, weshalb Frauen nur selten Anerkennung erfahren.

Ich ersuche die Kommission und die Mitgliedstaaten dringend, sich verstärkt dafür einzusetzen, dass Frauen eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen. Bei der Überlegung, wie die Frauen am besten unterstützt werden können, müssen auch familiäre Belange, flexible Arbeitszeitmodelle sowie verbesserte Kinderbetreuungsangebote und die Flexibilität der Familie berücksichtigt werden.

 
  
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  Avril Doyle (PPE-DE). – (EN) Herr Präsident! Da ich selbst aus der Wissenschaft komme, begrüße ich diese wichtige Diskussion über Frauen in Wissenschaft und Technologie. Grundsätzlich stimme ich mit Frau Thomsens Bericht überein, in dem versucht wird, die Hindernisse zu ergründen, an denen es liegt, dass Frauen in der Wissenschaft unterrepräsentiert sind, und ich teile die Auffassung, dass die meisten Bildungssysteme in Europa noch immer an geschlechtsspezifischen Klischees festhalten.

Ihr Bericht weist auf andere Faktoren hin, die dazu beitragen, dass Frauen auf diesem Gebiet und bedauerlicherweise auch in vielen anderen Berufen unterrepräsentiert sind. Zu diesen Faktoren gehören die negativen Auswirkungen einer Unterbrechung der Erwerbstätigkeit aus familiären Gründen sowie Einschränkungen der Mobilität aufgrund familiärer Verpflichtungen. Ich begrüße den Aufruf an die Kommission und insbesondere die Mitgliedstaaten, Fördermaßnahmen an vielen Fronten einzuleiten – Bildung, Kinderbetreuung, soziale Sicherheit, Elternurlaub – sowie angemessene finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Perspektiven für Frauen zu verbessern, die ihre berufliche Entwicklung in der Wissenschaft ohne Unterbrechung oder nach dem Großziehen ihrer Kinder fortsetzen möchten.

Wir brauchen fachkundige Frauen auf allen Ebenen der Gesellschaft – und in der Tat brauchen wir auch in der Politik Frauen mit einem wissenschaftlichen Hintergrund –, aber ich glaube nicht, dass wir das jemals erreichen werden, indem wir Quoten für die Beteiligung von Frauen festlegen. Stattdessen sollten wir uns für mehr Transparenz bei der Einstellung, Mentoring-Programme, die Verstärkung des Netzwerks weiblicher Wissenschaftlerinnen, die Förderung weiblicher Forscher als Vorbilder sowie natürlich die angemessene Verfügbarkeit finanzieller Mittel einsetzen, um die Beschäftigung von Frauen in der Wissenschaft zu fördern und dabei gleichzeitig Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu wahren. Ich glaube, die meisten Wissenschaftlerinnen würden mir in diesem Punkt zustimmen.

2003 wurde in meinem Heimatland Irland ein Ausschuss für Wissenschaft, Ingenieurwesen und Technologie eingerichtet, der Empfehlungen für Strategien erarbeiten soll, mit denen sich die Teilnahme von Frauen und Mädchen an wissenschaftlichen Fächern und höherer Mathematik in den weiterführenden Schulen, sowie die Zahl weiblicher Teilnehmer an Studiengängen für Wissenschaft, Ingenieurwesen und Technologie an Hochschulen erhöhen ließe. Vorsitzende dieses Ausschusses ist Professor Jane Grimson vom Trinity College, Dublin, die selbst eine bedeutende Akademikerin ist.

Wir haben außerdem eine als WITS – „Women in Technology and Science“ (Frauen in Technologie und Wissenschaft) – bekannte Organisation, die 1999 gegründet wurde. Wir haben das „Wiser Workforce“-Projekt, eine Initiative, die weibliche Wissenschaftler bewegen möchte, in ihren Beruf zurückzukehren. Wir haben die „Science Foundation Ireland“, die vier Programme ins Leben gerufen hat, um Lösungen für das Problem zu erarbeiten, dass Frauen in Wissenschaft und Ingenieurwesen unterrepräsentiert sind.

Diese Programme – dies sei abschließend festgestellt – zielen darauf ab, die Entwicklung nachhaltiger Mechanismen und Verfahren zu fördern und zu unterstützen, die sicherstellen, dass weibliche Forscher die gleichen Chancen haben, aufgrund ihres wissenschaftlichen Fachwissens und ihres Potenzials in der Wissenschaft zu bestehen.

 
  
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  Marusya Ivanova Lyubcheva (PSE). – (BG) Herr Präsident, Herr Kommissar! Der Bericht über das Thema „Frauen und Wissenschaft“ beschreibt in einem sorgfältig abgesteckten Rahmen die Tätigkeit der Frauen in einem der wichtigsten Entwicklungsprozesse, nämlich der wissenschaftlichen Forschung. Er beleuchtet die Strukturen innerhalb der wissenschaftlichen Entwicklung und hält Lösungen für die Zusammensetzung der personellen Ressourcen in der Wissenschaft bereit. Frauen spielen eine bedeutsame Rolle in Hochschulen, an Forschungsinstituten und im Privatsektor. Dass Frauen in der Wissenschaft nur unzureichend in leitenden Positionen vertreten oder in Entscheidungsprozesse einbezogen sind, dass nur eine geringe Anzahl von Frauen promoviert, eine Professur übernimmt oder einer Akademie angehört, ist auf weit verbreitete Klischeevorstellungen zurückzuführen, aber auch auf Hindernisse, die Frauen bei der Verfolgung einer wissenschaftlichen Laufbahn in den Weg gelegt werden..

Wir müssen zum einen flexible Arbeitszeiten einführen, frauengerechte Leistungsangebote und Wahlmöglichkeiten schaffen, aber auch Raum für Selbstverwirklichung bieten. Eine verstärkte Rolle der Frau in der Wissenschaft sollte nicht als weitere gleichstellungspolitische Maßnahme angesehen werden. Vielmehr ist dies eine Aufgabenstellung mit dem Ziel, das Potenzial von Frauen stärker auszuschöpfen, ohne in das entgegengesetzte Extrem zu verfallen. Frauen sollten wegen ihres Engagements für die Wissenschaft nicht darauf verzichten, ihrer natürlichen Bestimmung gemäß eine Familie zu gründen und ihre Mutterrolle wahrzunehmen. Bei jungen Wissenschaftlerinnen sollten Familie und Beruf den gleichen Stellenwert genießen.

 
  
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  Erna Hennicot-Schoepges (PPE-DE). – (FR) Herr Präsident, Herr Kommissar! Ich denke, unser Ziel ist dasselbe: Wir wollen Parität erreichen, aber wir sind uns nicht einig über den Weg dahin.

Herr Kommissar, Ihre Statistiken sind gut gemacht, sie zeigen, dass der Weg lang und schwierig ist. Es war richtig, dass Sie Quoten für die Besetzung der Ausschüsse aufgestellt haben, denn ohne eine gezielte Politik werden wir keine Frauen finden, und um welche zu finden, muss zuerst der Wille dazu da sein.

Je höher der zu besetzende Posten angesiedelt ist, je größer werden die Vorbehalte gegen die Ernennung von Frauen, und es ist völlig unangepasst und unlogisch, dass die Frauen im Schulwesen deutlich in der Mehrheit sind, während sie im Hochschulbereich fehlen.

Warum ist das so? Ich denke, es müsste eine Analyse gemacht werden. Die Mitgliedstaaten müssten aufgefordert werden – und vielleicht könnte der Kommissar etwas Druck auf sie ausüben –, ein gewisses Benchmarking durchzuführen, um Erkenntnisse über die Lage an ihren Universitäten zu gewinnen.

Oft gelten bei den Auswahlverfahren für Professoren nicht dieselben Kriterien. Den Frauen wird immer die Frage gestellt: Wo bringen Sie Ihre Kinder unter? Männern wird diese Frage nie gestellt, und auch in dieser Debatte sprechen wir immer von unserer Verantwortung für die Betreuung der Kinder. Wäre dies auch der Fall, wenn es um Männer ginge? Warum kehren wir das Problem nicht um, das im Grunde überhaupt kein Problem ist, denn eine Familie zu haben, ist eine große Freude, eine große Bereicherung, auch für Männer. Warum verändern wir also nicht unsere Ausdrucksweise?

Ich denke, die Ernennung von Professoren sollte verändert werden, insbesondere das Verfahren und die gestellten Fragen. Um im Bereich der neuen Techniken voranzukommen, sollte die Kommission gezielte Maßnahmen ergreifen. Bei den Exzellenzkriterien dürfen wir jedoch keine Abstriche machen.

 
  
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  Gabriela Creţu (PSE).(RO) Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte kurz auf drei Punkte eingehen. In den ehemaligen sozialistischen Ländern scheint die Lage noch dramatischer zu sein, da deren frühere Geschlechterpolitik dazu geführt hat, dass eine erhebliche Anzahl an Frauen in der Wissenschaft tätig war. Hier hat der Wandel vielmehr dazu geführt, dass die für die Forschung bereitgestellten Finanzmittel brutal gekürzt wurden und sich somit auch die Anzahl der Forscher verringert hat. Heute verkaufen die einstigen Forscherinnen Versicherungspolicen, sind Beamtinnen oder haben ihr Herkunftsland verlassen, was in mehrfacher Hinsicht negative Folgen wie Verschwendung von Humanressourcen, hohe Unzufriedenheit und Entwicklungshemmnisse nach sich zog.

Zweitens spielen heutzutage Tätigkeiten im Bereich Massenkommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung eine – auch wirtschaftlich – wichtige Rolle, was das Bruttoinlandsprodukt betrifft. In diesen Bereichen ist man auf die Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften angewiesen, in denen viele Frauen tätig sind. Dennoch verschafft die traditionelle Hierarchie der Wissenschaften den Frauen nicht genügend soziale Anerkennung und führt zur mittelbaren Diskriminierung der in diesen Bereichen tätigen Forscherinnen.

 
  
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  Marie Panayotopoulos-Cassiotou (PPE-DE).(EL) Herr Präsident! Frau Kommissarin! Der Bericht von Britta Thomsen spricht einen sensiblen Aspekt meiner eigenen Erfahrungen an. Ich habe an der Sorbonne promoviert, als ich bereits Mutter von drei Kindern und mein Mann vierfacher Vater war. Einer weiteren Forschungsarbeit musste ich komplett entsagen. Das Streben nach akademischen Spitzenleistungen geht einem in Fleisch und Blut über, und wenn man zur Aufgabe gezwungen ist, fühlt man sich elend. Nun muss ich einräumen, dass ich zu einem viel späteren Zeitpunkt und nach weiteren Kindern die Chance hatte, an einer deutschen Universität, die ein besonderes Programm für Mütter anbot, meine Forschungsarbeit fortzusetzen, die ich freiwillig bis heute betreibe. Es gibt also Möglichkeiten und aus diesem Grund sollte der Aspekt der Familie in die Planung von Forschungsprogrammen und Forschungsstellen einbezogen werden, so dass Humanressourcen in Gänze genutzt werden. Meines Erachtens sind verbindliche Ziele nicht länger erforderlich. Die Wahrnehmung des Beitrags der Frauen in der Forschung wird sich verändern.

Aus diesem Grund bedarf es der Planung, damit Frauen entsprechend dem jeweiligen Abschnitt in ihrer Berufslaufbahn angenommen werden können. Wegen der wenigen Jahre, in denen eine Frau keine Wahl hat und ausgeschlossen ist, wird sie für den Rest des Lebens den Freuden der akademischen Welt beraubt und die Gesellschaft verliert, was die Person zu bieten hat. Folglich sollten Forscherinnen die Gelegenheit haben, an Programmen teilzunehmen, und zu einem späteren Zeitpunkt sollte die Teilnahme von Forscherinnen an Forschungsprogrammen als ein Kriterium für die Bewertung der Qualität von Universitäten dienen.

Darf ich Sie auch an den im vergangenen Jahr vorgelegten Bericht erinnern, in dem wir darlegt haben, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab dem Grundstudium möglich sein sollte.

 
  
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  Małgorzata Handzlik (PPE-DE).(PL) Herr Präsident! Ich gratuliere meiner Kollegin zu diesem sehr guten Bericht. Eine stärkere Beteiligung an der wissenschaftlichen Forschung ist unbedingt notwendig, wenn die Ziele der Lissabon-Strategie erreicht werden sollen. Nach Aussage der Berichterstatterin braucht Europa zur Umsetzung dieser Prinzipien zusätzlich 700 000 Mitarbeiter in der Forschung. Ich bin der Meinung, schon allein die Einbeziehung und das Potenzial von Frauen könnte einen hohen Prozentsatz davon abdecken.

Allerdings beunruhigt mich der Vorschlag, ein Geschlechtergleichgewicht in den Evaluierungs- und Einstellungsgremien zu gewährleisten. Als Politikerin möchte ich meine Aktivitäten nicht einzig und allein durch das Prisma meines Geschlechts beurteilt wissen. Mir wäre es lieber, man beurteilte meine Arbeit nach ihrer Qualität und anhand der Ergebnisse meiner Tätigkeit.

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Vorschlag, das Interesse junger Menschen an einem Hochschulstudium in naturwissenschaftlichen und technischen Richtungen zu wecken. Diese Maßnahme sollte begleitet werden durch eine Aktion zur Förderung der Wissenschaft als einen Sektor, der für beide Geschlechter, Frauen und Männer, als Tätigkeitsfeld und für die berufliche Weiterentwicklung interessant ist. Ich meine, Vorschläge zur Gewährleistung der Vereinbarkeit von beruflicher Entwicklung und Familienleben sind es wert, in Erwägung gezogen zu werden. Sie sollten in einem breiteren Kontext betrachtet werden – einem Kontext, in dem die Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt unterstützt und gefördert wird.

 
  
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  Miroslav Mikolášik (PPE-DE). – (SK) Wie meine Kollegin gerade zum Ausdruck brachte, benötigt Europa heute weitere 700 000 Wissenschaftler. Ich finde dies alarmierend. Frauen könnten diese Lücke schließen. Aktuellen Statistiken zufolge erzielen Frauen höhere Bildungsabschlüsse als Männer, aber machen nur ein Drittel der im staatlichen Bereich tätigen Wissenschaftlerinnen aus. In der Privatwirtschaft sind es gar nur 18 %. Zuallererst müssen wir die Klischeevorstellungen von den beiden Geschlechtern beseitigen, denn sie haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Wahl des Studiums und die Berufswahl junger Frauen, aber auch auf die Stellenbesetzung, die Finanzierung von Forschungsarbeiten und die Einstellungskriterien.

Auch ich bin dafür, dass wir Frauen die Teilnahme an EU- und Länderprogrammen ermöglichen müssen, doch glaube ich nicht, dass eine Quotenregelung die beste Lösung darstellt. Ich befürworte innovative Möglichkeiten zu einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung für Frauen, die ihnen nach der Geburt eines Kindes die Fortsetzung ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit erleichtert. Dies könnte deutlich mehr Frauen den Weg in wissenschaftliche Spitzenpositionen ebnen.

 
  
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  Monica Maria Iacob-Ridzi (PPE-DE).(RO) Dieser Bericht hat wichtige finanzielle Auswirkungen, sowohl auf die Gemeinschaftsmittel, die zur Bekämpfung der Ungleichbehandlung der Geschlechter in der Wissenschaft verwendet werden könnten, als auch auf die nationalen Haushaltspläne der Mitgliedstaaten.

Zuallererst muss daran erinnert werden, dass es nicht ausreicht, nur über die im Rahmen des Siebten Rahmenprogramms für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehenden Mittel zu sprechen. Hier könnten wichtige Beträge aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung oder dem Europäischen Sozialfonds die Forschung und Entwicklung fördern. Daher sollten wir die Frauen nicht dadurch benachteiligen, dass wir in den Ausschreibungen, anhand derer diese Programme umgesetzt werden, diskriminierende Bedingungen festlegen. Ferner müssen einige Haushaltslinien eine stärkere Beteiligung von Frauen an den Forschungsprogrammen oder die einschlägigen Stipendien mit Gemeinschaftsmitteln finanzieren.

Darüber hinaus sollten wir, sobald das Europäische Technologieinstitut eingerichtet ist, bei der akademischen Zusammensetzung des neuen Instituts für ein ausgewogenes Verhältnis junger Doktorandinnen und Doktoranden sorgen.

 
  
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  Marios Matsakis (ALDE). – (EN) Herr Präsident! Als einer der wenigen männlichen Teilnehmer dieser Aussprache und in meiner Eigenschaft als Wissenschaftler, möchte ich Folgendes sagen:

In meinen langen Jahren als praktischer Arzt habe ich festgestellt, dass weibliche Wissenschaftler ebenso gut sind wie männliche, wenn nicht besser. Das einzige Problem, das Frauen im Weg steht, wenn es um eine führende Stellung geht, besteht meiner Meinung nach in der schweren Entscheidung, die es zu treffen gilt, wenn sie sich festlegen, ob sie eine Vollzeitmutter und eine Teilzeitwissenschaftlerin sein möchten oder umgekehrt. Frauen haben sich immer dafür entschieden, Vollzeitmütter zu sein.

Daher bin ich der Ansicht, dass dies ein sehr wichtiger Bericht ist. Ich beglückwünsche die Berichterstatterin, aber wir brauchen praktische Lösungen, die den Frauen wirklich helfen, führende Positionen zu erlangen, und nicht nur theoretische Ideen.

 
  
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  Stavros Dimas, Mitglied der Kommission. (EN) Herr Präsident! Ich möchte allen Rednern der heutigen Debatte für ihre äußerst konstruktiven Beiträge danken. Die Politik der Kommission im Hinblick auf die Geschlechterfrage in der Forschung besteht aus zwei wichtigen Strängen: der Beteiligung von Frauen an der Forschung und der geschlechtsspezifischen Dimension der Forschung. Mit dem ersten Strang bemühen wir uns zu erreichen, dass Frauen auf allen Stufen der Karriereleiter vertreten sind, und befassen uns mit den geschlechtsspezifischen Unterschieden in verschiedenen wichtigen Bereichen. Im zweiten Strang konzentrieren wir uns auf die Gestaltung der Forschung und darauf, wie sehr Geschlechtsunterschiede in der Forschung Berücksichtigung finden. Die Kommission setzt sich unverändert stark für die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft ein.

Im Hinblick auf die Quoten glauben wir, dass Ziele wie die 40%-Regelung für jedes Geschlecht für diverse Expertengruppen und Bewertungsgremien im Siebten Rahmenprogramm objektiv und ausgewogen sind und gute Ergebnisse hervorbringen. Wir werden uns weiter darum bemühen, diese Ziele zu erreichen, und wir hoffen, auf diese Weise die Zahl der Frauen in der Wissenschaft erhöhen zu können. Unsere Bemühungen tragen schon erste Früchte, und ich möchte Ihnen dafür danken, dass Sie unsere Anstrengungen zur Verbesserung der Lage unterstützen, damit Frauen in Wissenschaft und Forschung künftig stärker vertreten sind.

Vielen Dank für Ihre Meinungsäußerungen und Ihre gute Zusammenarbeit.

 
  
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  Britta Thomsen, Berichterstatterin. – (DA) Herr Präsident! Vielen Dank für die Gelegenheit, hier das Wort zu ergreifen. Herr Kommissar, verehrte Damen und Herren, Ihnen möchte ich für Ihre Meinungsäußerungen danken. Ich bin erfreut, dass Sie meine Ansichten und Zielvorstellungen über die Zukunft der Wissenschaft in Europa teilen. Mit Blick auf die besagte Quotenregelung befürchte ich, ein wenig missverstanden worden zu sein. Es ging mir nicht um Quoten für weibliche und männliche Wissenschaftler. Vielmehr bildet die Zusammensetzung der für die Personalbeschaffung zuständigen Gremien ein entscheidendes Hindernis für die Ausschöpfung des weiblichen Potentials. Dies hängt damit zusammen, dass diese Gremien nicht „geschlechtsneutral“ sind. Ich sehe daher Handlungsbedarf. Wir können das Problem nicht einfach ignorieren und hoffen, dass morgen alles besser wird und sich von selbst regelt. Es ist politisches Handeln erforderlich. Die Kommission fungierte in dieser Angelegenheit wieder einmal als Vorreiter, denn vor einigen Jahren wurde nämlich in der Generaldirektion Forschung eine Gruppe für Frauen und Forschung ins Leben gerufen. Nachholbedarf besteht bei den Mitgliedstaaten. Nur durch ihr Engagement lässt sich ein echter Wandel an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen erreichen.

Ich möchte meinen Kolleginnen und Kollegen, dem Sekretariat und der Kommission für ihre Mitwirkung danken. Sehr erfreulich war die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern und insbesondere der European Platform of Women Scientists. Ihnen gebührt mein besonderer Dank.

 
  
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  Der Präsident. − Die Aussprache ist geschlossen.

Die Abstimmung findet morgen statt.

Schriftliche Erklärungen (Artikel 142 der Geschäftsordnung)

 
  
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  Mihaela Popa (PPE-DE), schriftlich. – (RO) Als Mathematiklehrerin habe ich mich direkt mit der immer geringer werdenden Anzahl junger Frauen in der Wissenschaft befasst.

In Anbetracht dessen, dass den Statistiken zufolge sich immer weniger Frauen für wissenschaftliche Fachbereiche entscheiden, in denen sie eine intensive Ausbildung in Mathematik, Physik, Biologie oder Chemie erhalten, halte ich den Entwurf eines Berichts des Europäischen Parlaments über Frauen und Wissenschaft für angebracht.

Aufgrund meiner Erfahrungen im Ausbildungsbereich kann ich sagen, dass die immer geringere Mitwirkung von Frauen in der Wissenschaft eine Sache der Mentalität und keinesfalls der Fähigkeiten ist.

Aus diesem Grund halte ich es für wichtig, dass die Europäische Union mehr Programme auflegt, die die Chancengleichheit und einen Mentalitätswandel in Bezug auf den Zugang junger Frauen zur Wissenschaft fördern. Die Organisation von Programmen zum Austausch von Erfahrungen und Wettbewerbe auf europäischer Ebene, an denen man sogar schon in jungem Alter teilnehmen kann, können Vertrauen schaffen und junge Menschen ermutigen, wissenschaftliche Hochschulen zu besuchen.

Wir brauchen so viele europäische Programme wie möglich, um durch Anregung der Kreativität, des logischen Denkens und der Intuition sowie den Austausch von Ideen auf europäischer Ebene zur Chancengleichheit beizutragen.

 
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