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Verfahren : 2008/0146(CNS)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A6-0391/2008

Eingereichte Texte :

A6-0391/2008

Aussprachen :

PV 18/11/2008 - 5
CRE 18/11/2008 - 5

Abstimmungen :

PV 18/11/2008 - 7.15
Erklärungen zur Abstimmung
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P6_TA(2008)0542

Plenardebatten
Dienstag, 18. November 2008 - Straßburg Ausgabe im ABl.

5. Schulobstprogramm (Aussprache)
Video der Beiträge
PV
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  Der Präsident. − Als nächster Punkt folgt der Bericht (A6-0391/2008) von Niels Busk im Namen des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zum Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1290/2005 über die Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik sowie der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 über eine gemeinsame Organisation der Agrarmärkte und Sondervorschriften für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse (Verordnung über die einheitliche GMO) zur Einführung eines Schulobstprogramms (KOM(2008)0442 – C6-0315/2008 – 2008/0146er(CNS)).

 
  
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  Niels Busk, Berichterstatter. (DA) Herr Präsident, Frau Kommissarin Fischer Boel, Herr Minister Barnier, meine Damen und Herren! Die Kommission hat einen außerordentlich konstruktiven Vorschlag zur Einführung eines Schulobstprogramms vorgelegt, um den besorgniserregenden Trend zu einer zunehmenden Fettleibigkeit unter europäischen Schulkindern zu begegnen. Diesen Vorschlag möchte ich nachdrücklich begrüßen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Kinder täglich 400 g Obst und Gemüse essen sollten. Leider gibt es nur sehr wenige Kinder, die das auch tun. In der EU sind 22 Millionen Kinder übergewichtig und ca. 5 Millionen Kinder schwer übergewichtig. Am schlimmsten ist, dass diese Zahl jährlich um 400 000 Kinder steigt. Ein höherer Verzehr von Obst und Gemüse vermindert das Risiko einer Vielzahl von Erkrankungen und schützt vor Übergewicht und schwerem Übergewicht. Die Ernährungsgewohnheiten werden in der Kindheit geschaffen. Es gibt Anzeichen dafür, dass Menschen, die bereits im Kindheitsalter lernen, viel Obst und Gemüse zu essen, dies auch als Erwachsene tun. Deshalb ist es wichtig, dass wir bereits in einer frühen Phase eingreifen, wenn wir die Ernährungsgewohnheiten unserer Kinder erfolgreich beeinflussen möchten.

Bei Übergewicht besteht ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck und bestimmten Krebsarten. Diese Krankheiten stellen eine wachsende Gefahr für die Volksgesundheit in der EU dar, und die Kosten für die Behandlung dieser Krankheiten wirken sich erheblich auf die Gesundheitsbudgets der Mitgliedstaaten aus. Die Kommission verweist auf ihre Folgenabschätzung, in deren Rahmen zwei Untersuchungen durchgeführt wurden, die den Zusammenhang zwischen den Aufwendungen im Gesundheitswesen und einer zu geringen Ernährung mit Obst und Gemüse beleuchteten. Vor diesem Hintergrund sollten auch die Kosten für das Schulobstprogramm betrachtet werden, das zu wirklichen Einsparungen in den Gesundheitsbudgets der Mitgliedstaaten führen wird. Die Auswirkungen dieses Programms werden insgesamt positiv sein, vor allem in Bezug auf die Volksgesundheit, aber auch in Bezug auf die europäische Wirtschaft. Bis wir das Ziel erreicht haben, die Kinder dazu zu bringen, täglich 400 g Obst zu verzehren, gilt die Faustregel: Je mehr Obst die Kinder essen, desto größer sind die Einsparungen. Das heißt, Vorbeugen ist billiger als Heilen.

Ich als Berichterstatter habe vorgeschlagen, dass wir den im Gemeinschaftshaushalt vorgesehenen Betrag vervierfachen. Die von der Kommission ursprünglich vorgeschlagenen 90 Millionen Euro würden leider nur dafür reichen, dass alle Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren 30 Wochen lang einmal pro Woche ein Stück Obst erhalten. Das ist bei Weitem nicht genug, wenn dieses Programm messbare Auswirkungen auf die Ernährungsgewohnheiten der Kinder haben soll. Ein Stück Obst einmal pro Woche reicht zur Veränderung der Ernährungsgewohnheiten nicht aus und hätte auch keine Auswirkungen auf die Volksgesundheit. Die optimale Lösung wäre, dass alle Kinder an jedem Schultag ein Stück Obst erhalten. Deshalb ist es wichtig, dafür mehr Mittel im Gemeinschaftshaushalt zu mobilisieren.

Eine Mehrheit im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung erklärte sich einverstanden damit, 500 Millionen Euro zu mobilisieren und auf eine nationale Kofinanzierung zu verzichten. Dem stimme ich nicht zu. Ich hoffe deshalb, dass wir in der heutigen Abstimmung diese Angelegenheit klären können, denn ich habe im Namen meiner Fraktion einen Vorschlag eingereicht, der auf die Mobilisierung von 360 Millionen Euro abzielt. Dieser Betrag sollte um einen Beitrag der Mitgliedstaaten ergänzt werden, sodass insgesamt ein Betrag von weit über 500 Millionen Euro zusammenkommen würde.

Eine Mehrheit im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung hat darüber hinaus beschlossen, dass im Rahmen dieses Programms nur Obst und Gemüse aus EU-Ländern verteilt werden soll. Das ist meines Erachtens viel zu protektionistisch und ließe dieses Programm auch sehr bürokratisch werden. Deshalb müssen die Mitgliedstaaten selbst entscheiden können, welches auf einer von der Kommission zusammengestellten Liste aufgeführte Obst verteilt werden kann und welches Obst in das Programm aufgenommen werden soll.

 
  
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  Michel Barnier, amtierender Präsident des Rates. – (FR) Herr Präsident! Wir in der Präsidentschaft sind sehr froh darüber, über dieses Programm mit dem Europäischen Parlament diskutieren zu können, das von der Europäischen Kommission vorgeschlagen wurde und für das sich Frau Fischer Boel – und dafür möchte ich ihr recht herzlich danken – persönlich sehr eingesetzt hat. Dabei handelt es sich um ein wichtiges Programm für die Ernährung der jüngsten Bürger sowie um einen praktischen und effektiven Schritt im Kampf gegen die zunehmende Fettleibigkeit unter jungen Menschen.

Herr Busk hat jüngst die Zahlen genannt, die ich untermauern kann: Eines von fünf Kindern in Europa ist übergewichtig oder gefährdet, fettleibig zu werden. Insgesamt wächst die Fettleibigkeit unter Kindern in Europa jährlich um 2 %. Wir müssen deshalb junge Menschen dazu anhalten, ihre Ernährung zu verändern und mehr Obst und Gemüse zu verzehren.

Ich glaube, meine Damen und Herren, dass eine Umsetzung dieses Programms, das jeder befürwortet, zeigt, welch wichtige Rolle die gemeinsame Agrarpolitik dabei spielen kann und spielt, den Verzehr und – noch einfacher – die Herstellung gesunder, hochwertiger Produkte zu fördern. Die Landwirtschaft verfügt über die natürlichen Voraussetzungen, dieser doppelten Herausforderung gerecht zu werden. Die erste dieser beiden Herausforderungen, die Quantität, war übrigens auch im ersten mit Landwirten abgeschlossenen Vertrag in den Sechzigerjahren formuliert. Die zweite Herausforderung ist die Frage der Qualität und Sicherheit der Produkte.

Meine Damen und Herren! Das ist der Beweis dafür, dass Europa auf die konkreten Anliegen unserer Einwohner reagieren kann und reagiert und dass die Landwirtschaft eindeutig im Mittelpunkt der großen Herausforderungen steht, mit denen unsere Gesellschaft konfrontiert ist. Wenn wir über dieses Programm für Obst und Gemüse diskutieren, sprechen wir auch über ein greifbares Europa, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht. Das erwarten die Europäer von uns.

Meine Damen und Herren! Dieses Programm wurde im Ministerrat sehr gut aufgenommen, und die bisher geführten Debatten, die heute und morgen fortgesetzt werden, zeigen, dass wir in dieser Frage insgesamt alle Fortschritte machen. Meine Absicht ist es, in dieser Woche mit dem Rat eine politische Einigung zu erzielen. Deshalb verfolge ich selbstverständlich mit großer Aufmerksamkeit, welche Position das Parlament in dieser Frage einnimmt, sodass ich Ihre Position und Ihre Unterstützung im Rahmen der Debatten im Rat zur Sprache bringen kann.

Abschließend, Herr Präsident, möchte ich dem Berichterstatter, Herrn Busk, für seine sehr detaillierte und engagierte Arbeit in dieser Frage danken, und freue mich nun, Ihnen und der Kommissarin zuhören zu können.

 
  
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  Mariann Fischer Boel, Mitglied der Kommission. − Herr Präsident! Zunächst ist es ein gutes Gefühl, das Parlament bei dem Vorschlag zum Schulobstprogramm hinter sich zu haben. Wie immer möchte ich dem Ausschuss und dem Berichterstatter, Niels Busk, für die getane Arbeit danken.

Ehe ich mich zu einigen der hier und im Parlament vorgebrachten Punkte äußere, möchte ich noch etwas zu einem Thema sagen, das kürzlich im Rat recht ausführlich diskutiert wurde. Einige Mitgliedstaaten haben vorgeschlagen, in bestimmten Fällen von den Eltern einen Beitrag zum Schulobstprogramm fordern zu können. Es fällt nicht leicht, die für und gegen eine solche Idee sprechenden Argumente zu bewerten. Schließlich hat die Kommission zugestimmt, dass die Mitgliedstaaten die Freiheit haben sollten, in bestimmten Fällen von Eltern eine Kofinanzierung zu fordern.

Andererseits sehe ich keinen Anlass, dies von allen Mitgliedstaaten zu verlangen. Deshalb möchten wir den Mitgliedstaaten ermöglichen, selbst zu entscheiden, ob sie diese Möglichkeit nutzen möchten. Wenn wir dann dieses Programm 2012 überprüfen, können wir auch analysieren, wie hoch schließlich die von den Eltern tatsächlich erhobenen Beiträge waren.

Ich habe von Anfang an gesagt, dass das, was wir jetzt auf den Tisch legen, das Problem der Fettleibigkeit junger Menschen in Europa nicht lösen kann. Ich glaube jedoch, dass es sich dabei um eine helfende Hand und ein klares Signal der Kommission handelt, mit dem vermittelt wird, wie wichtig es ist, unseren jungen Menschen gute Ernährungsgewohnheiten beizubringen.

Was den Gesamthaushalt betrifft, so haben wir 90 Millionen Euro vorgesehen. Ich habe auch andere Zahlen gesehen, wie Niels Busk richtigerweise sagte – von 500 Millionen Euro bis zu 360 Millionen Euro –, doch die von uns vorgeschlagenen 90 Millionen Euro sind mit Sicherheit nicht für alle Zeit in Stein gemeißelt. Ich glaube, wir sollten bei unserer Überprüfung des gesamten Programms im Jahr 2012 auch die Frage berücksichtigen, ob das Budget erhöht werden sollte. Meines Erachtens ist es wichtig, dass wir gezeigt haben, dass wir zur Umverteilung des Geldes bereit sind. Wenn in einem Mitgliedstaat Geld übrig bleibt, kann es umverteilt werden. Das bedeutet hoffentlich, dass wir das Geld auf die bestmögliche Art und Weise ausgeben.

Die Beantwortung der Frage nach der Art des zu verteilenden Obsts und Gemüses sollten wir unbesorgt der Kompetenz der Mitgliedstaaten überlassen. Ob sie eher verarbeitete Lebensmittel, lokal angebautes Obst und Gemüse oder möglicherweise auch Bananen aus den AKP-Staaten an ihre Kinder verteilen möchten, sollte definitiv von den Mitgliedstaaten selbst entschieden werden. Ich glaube, auf diese Art und Weise erreichen wir die bei Weitem besten Ergebnisse. Ich freue mich auf eine fruchtbare Diskussion zu diesem Thema.

 
  
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  Maria Petre, im Namen der PPE-DE-Fraktion. – (RO) Herr Präsident, Frau Kommissarin, Herr Barnier! Zunächst möchte ich unserem Berichterstatter für die getane Arbeit und seine Anstrengungen bei der Zusammenführung der unterschiedlichen Ansichten danken.

Wir sind uns alle einig, wie wichtig dieses Programm ist, damit wir unseren Kindern gesunde Ernährungsgewohnheiten beibringen und auf diese Weise Fettleibigkeit bekämpfen können. Das gilt jedoch auch in Bezug auf die Unterstützung für Familien, die sich nicht leisten können, ihren Kindern Obst zu kaufen.

Ich unterstütze den Vorschlag der Kommission, glaube aber, dass er unbedingt verbessert werden muss. Die vorgeschlagenen 90 Millionen Euro finanzielle Mittel reichen nicht aus. Eine Ergänzung der bereits zugewiesenen Mittel ist eine der Bedingungen für den Erfolg dieses Programms. Ich denke auch, dass der vom Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung eingebrachte Vorschlag, den Eltern einen Beitrag abzuverlangen, zumindest in der ersten Zeit der Umsetzung dieses Programms realisiert werden sollte.

Ich möchte auch dazu ermutigen, im Rahmen des Programms frisches, traditionelles Obst zu verteilen, das auf dem Gebiet der Gemeinschaft produziert wurde. Darüber hinaus möchte ich betonen, dass die Mitgliedstaaten selbst festlegen müssen, welches Obst zu verteilen ist. Dabei ist auch zu berücksichtigen, welches saisonale Obst- und Gemüse jeweils vor Ort zur Verfügung steht.

Wie entsprechend dem Prinzip der Subsidiarität verlangt, sollte den Mitgliedstaaten bei der Festlegung der Zielgruppe eine ausreichende Flexibilität eingeräumt werden. Dann sind sie in der Lage, entsprechend den bestehenden Notwendigkeiten einen möglichst großen Kreis von Kindern mit Schulobst zu versorgen. Das Programm sollte auch dazu führen, dass junge Verbraucher Obst und Gemüse schätzen lernen. Dies hätte extrem positive Auswirkungen auf die Volksgesundheit und den Kampf gegen Kinderarmut, insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten.

Es könnten auch gemeinsame Maßnahmen vorgesehen werden, um den Verzehr bestimmter Produkte zu fördern. Diese Maßnahmen ließen sich mit einer zusätzlichen didaktischen Komponente im Bereich der Gesundheit und Ernährung kombinieren. Auch regionale Produzenten könnten auf diese Weise unterstützt werden, insbesondere in den Gebirgsregionen.

 
  
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  María Isabel Salinas García, im Namen der PSE-Fraktion.(ES) Herr Präsident! Dieses Programm wurde vom Obst- und Gemüsesektor schon lange erwartet, nicht nur aufgrund der Schwierigkeiten, mit denen dieser Sektor konfrontiert ist, sondern auch aufgrund des beunruhigenden Rückgangs beim Verzehr von Obst und Gemüse.

Mit diesem Programm wird eine Verbesserung der Volksgesundheit beabsichtigt. Deshalb sollte es ein europäisches Programm sein, das von der Gemeinschaft vollständig finanziert wird. Dem Vorschlag, dass die Eltern einen Beitrag zur Finanzierung dieses Programms leisten sollten, stimme ich nicht zu, denn dann wäre es so wie immer: Die Kinder, deren Eltern sich den Beitrag leisten können, essen in der Schule Obst und Gemüse, während die anderen von diesem Programm ausgeschlossen bleiben.

Deshalb muss dieses Programm so von der Gemeinschaft finanziert werden, dass es einheitlich angewandt werden kann. Darüber hinaus möchte ich auch darauf hinweisen, dass ein besonderer Schwerpunkt bei pädagogischen Maßnahmen liegen muss. Dieses Programm darf nicht einfach nur zur Folge haben, dass Kinder Äpfel essen. Sie müssen auch wissen, welche Sorte sie essen, welche Nährwerteigenschaften diese Früchte haben, und sie müssen die nützlichen Auswirkungen dieser Früchte auf ihre Gesundheit und ihre allgemeine Entwicklung kennen.

Natürlich muss die Qualität dieser Produkte uneingeschränkt garantiert sein, wobei der Schwerpunkt möglichst auf saisonalen Früchten liegen sollte. Auch ich unterstütze den Vorschlag, möglichst Obst und Gemüse zu verteilen, das in der Gemeinschaft seinen Ursprung hat.

Ich glaube, dass die positiven Auswirkungen dieses Programms, das ich sehr begrüße und zu dem ich der Kommissarin gratuliere, bald sichtbar sein werden. Die Ergebnisse werden sich nicht nur auf den aktuellen und zukünftigen Gesundheitszustand unserer Kinder und ihre Ernährungskompetenz auswirken, sondern auch, und das ist ebenfalls sehr wichtig, im Obst- und Gemüsesektor. Hierbei handelt es sich um einen produktiven Sektor, der ein wirklicher Bestandteil unseres europäischen kulturellen Erbes ist und der uns eine ausgewogene, gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ermöglicht.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt, auf dieses Programm zur Verteilung von Obst und Gemüse an unseren Schulen zu vertrauen und in das Programm zu investieren. Meines Erachtens ist der Haushalt etwas knapp. Deshalb möchte ich wiederholen, dass ich eine vollständige Finanzierung eines so ehrgeizigen Programms durch die Gemeinschaft unterstütze.

 
  
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  Donato Tommaso Veraldi, im Namen der ALDE-Fraktion. (IT) Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die positive und intelligente Arbeit, die Herr Busk im Zusammenhang mit diesem Vorschlag geleistet hat, weiß ich sehr zu schätzen. Dieser Vorschlag ist Teil der Reform der gemeinsamen Organisation des Markts für Obst und Gemüse und zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors und seine Marktorientierung zu stärken sowie dem Rückgang beim Verzehr von Obst und Gemüse entgegenzuwirken.

Das vorgeschlagene Programm zur Förderung des Verzehrs von Obst und Gemüse in Schulen würde helfen, die jungen Menschen dazu anzuregen, mehr Obst zu essen. Ein Ziel der kostenlosen Verteilung von Obst und Gemüse in Schulen sollte jedoch auch darin bestehen, das Problem des Übergewichts von Schulkindern zu bekämpfen. Schließlich ist die traurige Tatsache allgemein bekannt, dass 22 Millionen Kinder von Fettleibigkeit betroffen sind.

Damit das Programm zur Verteilung von Obst und Gemüse an Schulen effektiv umgesetzt werden kann, müssen auch Beihilfen der Gemeinschaft bereitgestellt werden, um die mit diesem Programm verbundenen logistischen Kosten zu decken. Dazu zählt beispielsweise der Kauf der notwendigen Automaten, die anderenfalls aus den Budgets der Schulen oder von den Familien der Schulkinder finanziert werden müssten. Deshalb sollte die nationale Finanzierung lediglich ergänzenden Charakter haben und auf neue Programme sowie die Erweiterung der bestehenden Programme beschränkt sein.

 
  
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  Alyn Smith, im Namen der Verts/ALE-Fraktion. – Herr Präsident! An diesem Vorschlag gibt es nichts auszusetzen. Ich empfehle unserem Berichterstatter, ihn insbesondere angesichts der bevorstehenden Wahlen offensiv zur Sprache zu bringen. Ich glaube, jeder Politiker in diesem Raum, der auf den Juni des nächsten Jahres blickt, spricht sich dafür aus, dass die Kinder in Europa sich besser ernähren und Früchte essen, die hier in Europa vor Ort wachsen. Das ist eine gute Nachricht für die europäischen Landwirte, denn damit wird auch ein lokaler Markt geschaffen. Es ist aber auch eine gute Nachricht für das künftige Gesundheitsbudget und, was noch wichtiger ist, es ist eine gute Nachricht für die Kinder selbst.

Wenn die Kinder bereits in jungen Jahren beginnen, sich gesund zu ernähren, behalten sie diese Gewohnheit bei. Finnland hat demonstriert und bewiesen, dass energische Eingriffe in einem frühen Alter von entscheidender Bedeutung sind, und eine solche Vorgehensweise ist nur zu begrüßen. Was wir heute im Rahmen des Agrarbudgets ausgeben, steht uns morgen beim Gesundheitsbudget mehr zur Verfügung. Ich komme aus Schottland und es ist mir peinlich, sagen zu müssen, dass wir ein besonderes Interesse an diesem Programm haben, denn von unseren Grundschülern sind 21 % – jedes fünfte Kind – übergewichtig. Das ist völlig untragbar. Auf eine Zukunft, die von zunehmender Fettleibigkeit geprägt ist, können wir uns nicht freuen. Dieses Programm ist ein Teil der Lösung dieses Problems, und deshalb freue ich mich, es dem Haus zu empfehlen. Dieses Programm ist eine rundum gute Nachricht.

 
  
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  Bairbre de Brún, im Namen der GUE/NGL-Fraktion. – (GA) – Herr Präsident! Dieser Vorschlag entspricht den Zielen, die die Union in Bezug auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) verfolgt. Er bietet einen Finanzierungsrahmen für Initiativen, die zum Ziel haben, den Verzehr von Obst und Gemüse bei Kindern zu erhöhen. Damit könnte ein Beitrag zum Kampf gegen die Fettleibigkeit von Kindern geleistet werden, und auch unsere Obst- und Gemüsebauern werden langfristig davon profitieren.

Die Ernährungsgewohnheiten und -muster werden in den ersten Lebensjahren ausgeprägt. Deshalb ist es wichtig, dass wir gesündere Ernährungsgewohnheiten unter Kindern fördern. Die Mitgliedstaaten sollten in der Lage sein, die beste Methode zu wählen.

Forschungen zeigen, dass die Ernährungsgewohnheiten tendenziell in Haushalten mit geringem Einkommen am ungesündesten sind. Deshalb bietet die Verteilung von kostenlosem Obst und Gemüse in den Schulen eine gute Möglichkeit, die Ernährungsgewohnheiten der Kinder zu verändern.

Ich begrüße den Bericht von Herrn Niels Busk und danke ihm und der Kommissarin für die von ihnen geleistete Arbeit.

 
  
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  Jeffrey Titford, im Namen der IND/DEM-Fraktion. Herr Präsident! Dieses Projekt wird so verkauft, als stünde allein das Wohlergehen der Kinder im Mittelpunkt. Die Realität ist jedoch ein irritierendes Gemisch aus der Kinderfrau Brüssel, Kontrollwahn, unverhohlener Propaganda und Marktfixierung. Die Kinderfrau Brüssel liebt es, alles selbst zu regeln, und auch zu bestimmen, was wir essen. Sich sogar dafür als verantwortlich zu erklären, was die Kinder in der Schule essen, ist der erste wichtige Schritt in diesem Prozess. Der propagandistische Aspekt besteht darin, dass auf jedem Stück Obst das EU-Logo prangen und das gesamte Projekt von einer massiven Werbekampagne unterstützt werden wird.

Was den Markt für Obst betrifft, so ist klar, dass dieses Programm gewaltige Möglichkeiten bietet, Unfug anzurichten. Das gilt beispielsweise für die Vorschrift, dass das gesamte Obst aus der EU stammen muss. Zum Thema Bananen: Damit könnten auf einen Schlag alle britischen Lieferanten von diesem Programm ausgeschlossen werden, denn sie beziehen ihre Bananen aus den Karibikstaaten des britischen Commonwealth. Auf diese Weise ergäbe sich eine neue lukrative Gelegenheit für die französischen Inseln Guadeloupe und Martinique.

 
  
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  Christa Klaß (PPE-DE). - (DE) Herr Präsident, Frau Kommissarin, Herr Minister, meine Damen und Herren! Die Schlagzeilen häufen sich. Wir sind zu dick, unsere Kinder sind zu dick, wir ernähren uns falsch, und wir essen zu wenig frisches Obst und Gemüse.

Fünfmal am Tag oder etwa 400 g Obst und Gemüse, das ist die allgemein empfohlene Tagesmenge für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dies einzuhalten, ist nicht immer ganz einfach. Lebensmittel sollen gesund und lange haltbar sein, gut schmecken und möglichst wenig kosten. Da es in unserer schnelllebigen Zeit aber oftmals schwierig ist, Familie und Beruf zu vereinbaren, fehlt manchmal einfach die Zeit zum Kochen, und man weicht auf halbfertige Produkte oder Fertigprodukte aus. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, solange das Bewusstsein für die Wichtigkeit von frischem Obst und Gemüse präsent ist.

Wer früh lernt, sich obst- und gemüsereich zu ernähren, der wird auch später eine gesunde Ernährung beibehalten. Ich unterstütze daher ausdrücklich den Vorschlag der Kommission, ein mit 90 Millionen Euro ausgestattetes Schulobstprogramm einzuführen. Eine gute Idee, Frau Kommissarin! Nationale Gestaltungsmöglichkeiten müssen aber gegeben sein, und Sie haben es eben auch eingeräumt. Es muss möglich sein, die jeweiligen regionalen und saisonalen Produkte anzubieten. Die Mitgliedstaaten müssen auch eine Strategie entwickeln, die festlegen soll, wie ein Schulobstprogramm am besten umgesetzt und in den Lehrplan integriert wird. Gesunde Ernährung ist Allgemeinbildung. Die Kinder müssen lernen, dass man z. B. Möhren nicht nur als warmes Gemüse, sondern auch in Form von Suppe, Salat, Kuchen oder Auflauf zubereiten kann und wie eine Kartoffel schmeckt, wenn sie nicht zu Chips oder Pommes Frites verarbeitet wird. Kinder müssen auf vielfältige Weise für die Zubereitung regionaler Produkte interessiert werden.

Nur durch Information kann man die Grundlagen gesunder Ernährung vermitteln. Fundiertes Wissen ist die Basis für eine gesunde Lebensweise. Das Schulobstprogramm kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten!

 
  
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  Csaba Sándor Tabajdi (PSE).(HU) Herr Barnier, Frau Kommissarin! Wie jede Initiative, so hat auch diese viele Väter. Das verwundert nicht, schließlich konkurrieren auch sieben Städte darum, Homers Geburtsort zu sein. Viele Leute denken, dieses Programm ginge auf ihre Initiative zurück. Ich bin jedoch stolz darauf, dass aus den Sitzungsberichten hervorgeht, dass ich dieses Programm am 10. Mai 2005 in der Debatte über die Reform des Markts für Obst und Gemüse vorgeschlagen habe, und ich danke der Kommissarin dafür, dass es nun Realität werden soll.

Meine Vorredner haben bereits erläutert, warum dieses Programm so wichtig ist. Die Bedeutung dieses Programms erklärt sich nicht nur aus einer sozialen Perspektive, sondern beruht auch darauf, dass damit jungen Menschen Ernährungskultur beigebracht werden kann. Dies ist eine französische Birne, die ich jedoch jetzt nicht essen werde, weil es verboten ist, hier zu essen. Sehr wichtig ist auch, dass junge Menschen, die Schulobst mit dem EU-Logo erhalten, wissen und sich merken sollten, dass dieses Obst sicher und nicht vollgepumpt mit Chemikalien ist, sondern dass es – wann immer es geht – aus biologischem Anbau stammt.

Bringen wir unseren Kindern Ernährungskultur bei, denn diese Aufgabe ist sehr wichtig. Ich gratuliere Herrn Busk zu seiner Arbeit. Ich werde [diese Birne] jetzt nicht essen, denn ich möchte nicht gegen die Regeln verstoßen, doch ich denke, auf dieses Programm können wir alle stolz sein. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 
  
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  Marian Harkin (ALDE). - Herr Präsident! Manchmal ist es toll, in dieses Parlament zu kommen und einen wirklich positiven europäischen Vorschlag unterstützen zu können. Trotz Herrn Titfords Versuch, unserer guten Laune einen Dämpfer zu versetzen, behaupte ich: Heute ist solch ein Tag. Dieser Vorschlag wirkt sich in vielfältiger Hinsicht positiv aus. Er fördert gesunde Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Erwachsenen. Er verbessert den allgemeinen Gesundheitszustand junger Europäer. Durch den Vorschlag wird sichergestellt, dass EU-Gelder in ein Projekt investiert werden, das in vielen Mitgliedstaaten nachweislich bereits gute Ergebnisse bringt. Der Vorschlag ist praktisch, realistisch und praktikabel.

Ein vergleichbares irisches Programm mit der Bezeichnung „Food Dudes“ kenne ich recht gut, denn mein Enkelsohn hält mich da auf dem Laufenden. Es hat sich gezeigt, dass dieses Programm effektiv ist, da es in der Altersgruppe zwischen 4 und 12 Jahren dauerhafte Ergebnisse bringt, und zwar unabhängig vom Geschlecht, von der Größe der Schule und von sozioökonomischen Faktoren. Das heißt, wir bauen auf soliden Fundamenten auf.

Ich bin froh, eine erhöhte Finanzierung durch die Gemeinschaft unterstützen und im Rahmen dieses Programms vor allem biologisch und vor Ort produziertes Obst und Gemüse berücksichtigen zu können. Ich möchte Ihnen, Frau Kommissarin, und unserem Berichterstatter, Herrn Niels Busk, gratulieren und freue mich schon sehr auf die Antwort des Rates. Dieser Vorschlag wird sich positiv auf die Lebensqualität und die Gesundheit in der EU auswirken.

 
  
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  Hélène Goudin (IND/DEM). - (SV) Herr Präsident! Die Tatsache, dass Obst und Gemüse für den Menschen wichtig sind, ist nichts Neues. Gleiches gilt für die Tatsache, dass es sich dabei um wichtige Nahrungsmittel für Kinder handelt. Es ist gut, wenn Kinder in der Schule Obst erhalten. Das ist gut für die Gesundheit und versorgt die Kinder mit der so dringend benötigten Energie.

Doch was beinhaltet der von uns momentan debattierte Vorschlag wirklich? Im Grunde handelt es sich dabei um einen reinen Propagandavorschlag der EU. Der wichtigste Zweck dieser Initiative besteht darin, auf billige Art und Weise politische Punkte zu sammeln, während vermutlich gleichzeitig die Kinder von den hervorragenden Qualitäten der EU überzeugt werden. Der Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung hat schon einige absurde Vorschläge vorgelegt. Dazu zählt auch die Behauptung, europäisches Obst sei besser als anderes Obst. Nur EU-Obst soll verteilt werden, beispielsweise Bananen aus entfernten Regionen. Das ist reiner Protektionismus. Die eigentliche Absicht besteht darin, dass die Kinder lernen, dass die EU gut und Obst aus der EU noch besser ist. Die Kommission und das Europäische Parlament sollten sich für sich selbst schämen.

 
  
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  James Nicholson (PPE-DE). - Herr Präsident! Ich esse einen Apfel, den mir Herr Busk geschenkt hat. Er verschenkt draußen Äpfel. Wer also einen möchte – ich bin sicher, Herr Busk wird Ihnen gern einen schenken!

Ich denke, es handelt sich hier um einen hervorragenden Bericht. Wie Frau Harkin sagte, kommen wir oft in dieses Parlament, ohne dass wir so begeistert sein und uns über solch eine gute Initiative freuen können. Wir müssen jedoch mehr Mittel bereitstellen, um dafür zu sorgen, dass alle unsere jungen Menschen an diesem Programm teilnehmen und die gebotene Möglichkeit uneingeschränkt nutzen können, denn dies ist einer der seltenen Fälle, in denen wir etwas anbieten können. Wir beschweren uns über die Situation und lesen in der Presse und erfahren über andere Medien, wie schlimm Fettleibigkeit und ähnliche Probleme unter Schulkindern sind. Unsere jungen Leute sind trotzdem ganz hervorragende Menschen, aber es lastet ein erheblicher Druck auf ihnen, den wir möglicherweise in der Vergangenheit nicht hatten. Ich glaube, das ist eine Möglichkeit, ihnen zu einem guten, gesunden Essen zu verhelfen. Das begrüße und unterstütze ich, weshalb ich zu diesem Vorschlag gratulieren möchte.

 
  
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  Silvia-Adriana Ţicău (PSE). – (RO) Herr Präsident, Frau Kommissarin! Die Europäische Kommission hat die Zuweisung von 90 Millionen Euro aus dem Gemeinschaftshaushalt für ein Programm vorgeschlagen, in dessen Rahmen jedes Kind im Alter von 6-10 Jahren einmal wöchentlich eine Portion Obst oder Gemüse erhält.

Ich möchte dringend an die Mitgliedstaaten appellieren, dieses Programm und die damit verbundene Finanzierung zu erweitern, und zwar sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene, sodass alle Kinder, darunter auch jene im Vorschulalter, täglich eine Portion Obst bekommen können. Ich hoffe, dass wir alle einer Erhöhung der Haushaltsmittel auf 500 Millionen Euro zustimmen. Ich begrüße die Tatsache, dass im Rahmen des Programms nur frisches Obst und Gemüse abgegeben werden darf, das in der Europäischen Union produziert wurde. Es sollte sich dabei um saisonale Produkte von lokalen biologischen Erzeugern handeln.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen von einer ähnlichen Initiative der rumänischen Regierung aus dem Jahr 2003 berichten. Im Rahmen dieser Initiative erhalten alle Kinder im Vor- und Grundschulalter täglich ein Glas Milch und ein frisches Brötchen. Vorschul- und Schulkinder über die Grundsätze einer gesunden Ernährung zu informieren, ist Teil der Gesundheitserziehung, die wir der jungen Generation zuteilwerden lassen müssen.

 
  
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  Zdzisław Zbigniew Podkański (UEN).(PL) Herr Präsident! An Kinder im Schulalter Obst abzugeben, ist zweifellos die richtige Idee, denn sie hat nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine bedeutend breitere soziale Dimension. Auf diese Weise werden gesunde Ernährungsgewohnheiten entwickelt, und damit wird ein Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit der Gesellschaft geleistet. Zweifellos sind 90 Millionen Euro zu wenig, um ein ordnungsgemäßes Funktionieren des Programms zu gewährleisten. Die Einbeziehung nationaler Behörden und Schulträger sowie der Gesellschaft als Ganzes wäre deshalb wünschenswert. Ich hoffe, dass das Schulobstprogramm breite Unterstützung findet und die Anstrengungen von Herrn Busk nicht umsonst waren.

 
  
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  Ilda Figueiredo (GUE/NGL).(PT) Wir möchten die Bedeutung eines geeigneten Programms zur täglichen kostenlosen Verteilung von saisonalem frischem Obst und Gemüse an Schulen, primär an Kinder im Vor- und Grundschulalter, hervorheben. Angesichts seiner positiven Auswirkungen auf eine gesunde Ernährung, die Volksgesundheit und den Kampf gegen Kinderarmut, aber auch die damit verbundene Förderung und Stimulation des Absatzes regionaler Produkte, die unsere Landwirte lokal produziert haben, darunter auch in den Gebirgsregionen, handelt es sich hierbei um ein extrem wichtiges Programm.

Dieses Programm erfordert erheblich mehr finanzielle Mittel, als von der Europäischen Kommission vorgeschlagen. Deshalb, Frau Kommissarin, sollten auch die vom Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung vorgelegten Vorschläge, an denen wir ebenfalls mitgearbeitet haben, berücksichtigt werden. Unserem Berichterstatter möchte ich für die geleistete Arbeit gratulieren.

 
  
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  Neil Parish (PPE-DE). - Herr Präsident! Ich begrüße den Vorschlag der Kommissarin zu Schulobst. Es ist sehr wichtig, dass dieses Programm in Gang kommt. Ich stimme auch darin mit der Kommissarin überein, dass dieses Programm Subsidiarität erfordert, denn wir wünschen uns ein System, das nicht zu bürokratisch ist, sodass wir es tatsächlich in unsere Schulen bringen können. Ich glaube auch, dass wir in Bezug auf die Art des Obstes Flexibilität brauchen, denn in einigen Jahreszeiten kann es sehr schwierig sein, frisches Obst zu beschaffen. Möglicherweise müssen wir gelegentlich auch verarbeitetes Obst verteilen. Allerdings sollten jetzt nicht zu viele präskriptive Änderungsanträge eingereicht werden, sondern wir sollten dafür sorgen, dass dieses Programm akzeptiert wird.

Ich glaube auch, dass ein oder zwei Vorschläge des Parlaments zum Finanzierungsbedarf zu weit gehen. Wenn wir in diesem Parlament eine Mitentscheidungsbefugnis hätten, müssten wir dem Haushalt wie auch dem Verfahren zustimmen. Wenn wir in diesem Parlament glaubwürdig sein wollen, dann lassen Sie uns ein Programm vorlegen, das finanzierbar ist und den Kindern, die es am nötigsten brauchen, zu Schulobst verhilft. Dann werden sie auch später weiter Obst essen. Das ist ein Programm.

Herrn Titford möchte ich sagen, dass es mir gleichgültig ist, ob das Obst von Europa, Großbritannien oder Frankreich zur Verfügung gestellt wird. Was wir sicherstellen müssen, ist, dass an unseren Schulen überhaupt Obst verteilt wird.

 
  
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  Christel Schaldemose (PSE). - (DA) Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich bin wirklich gegen Agrarhilfen und ihre Erweiterung, doch wenn es um die Verbesserung der Gesundheit unserer Kinder geht, können wir gar nicht genug tun. Alle Organisationen, die gegen Krankheiten kämpfen, empfehlen einhellig die Einführung eines Programms zur Abgabe von Obst an Schulen. Selbst kleine Mengen Obst wirken sich offensichtlich positiv auf die Gesundheit aus. Deshalb unterstütze ich den Vorschlag der Kommission von ganzem Herzen. Ich glaube jedoch, dass das Obst und die Gesundheit im Mittelpunkt stehen sollten. Deshalb bin ich gegen den Vorschlag des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, dass das Obst ausschließlich aus der EU stammen sollte. Das wäre völlig falsch. Ich denke, Schwerpunkt sollte die Gesundheit der Kinder sein und nicht die wirtschaftlichen Kennzahlen der Landwirtschaft.

 
  
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  Michel Barnier, amtierender Präsident des Rates. – (FR) Herr Präsident! Lassen Sie mich einige Worte sagen, mit denen ich zum Abschluss dieser sehr lebhaften, von Konsens geprägten Debatte meine Gefühle zum Ausdruck bringen möchte. Allgemein bin ich der Meinung, dass dieser Vorschlag die ursprüngliche Initiative von Herrn Busk und Frau de Lange widerspiegelt. Die Debatte zeigt, dass dieses von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Programm zur Förderung des Verzehrs von mehr Obst und Gemüse durch junge Europäer praktisch einhellig unterstützt wird. Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen sagen, dass der Ministerrat sich hier ebenfalls engagiert, und wir werden uns bemühen, einen Konsens in dieser Frage zu erreichen, der im Wesentlichen auf der von Ihnen und dem Rat zu vereinbarenden Position basiert.

Ich möchte nun noch auf vier Ihrer Bemerkungen eingehen, die ich für wichtig halte. Der erste Punkt betrifft die Frage des für dieses Programm zur Verfügung gestellten Haushalts. Die vom Parlament gezeigte proaktive Vorgehensweise zeigt eindeutig, dass Sie sich dieser Initiative verpflichtet fühlen, und darüber bin ich sehr froh. Ich werde dem Rat von diesem Vorschlag berichten und stimme Frau Fischer Boel zu, dass die im Vorschlag genannte Summe von 90 Millionen Euro nicht, wie sie sagte, in Stein gemeißelt ist.

Der zweite Punkt, den ich hervorheben möchte, ist, dass unser aller Hauptanliegen darin besteht, jungen Menschen gesundes Obst zu geben und ihnen gesunde Produkte ohne Zuckerzusatz anzubieten.

Der dritte Punkt betrifft die Unterstützung lokaler Produkte, um das Bewusstsein für die Qualität der Produkte aus der Gemeinschaft zu vertiefen. Ergänzen möchte ich auch, und damit nehme ich Bezug auf die Besorgnis, die kürzlich von Herrn Cacasa in Zusammenhang mit Gebieten in äußerster Randlage geäußerte wurde, dass es auf dem Gemeinschaftsmarkt Produkte gibt, die aus diesen Gebieten in äußerster Randlage kommen – welche integraler Bestandteil unserer Europäischen Union sind – und eine hohe Qualität aufweisen. Das spiegelt sich auch in Ihren Überlegungen wider, und dieses Anliegen findet auch Unterstützung im Ministerrat.

Schließlich haben Sie eine Position geäußert, die sich mit der des Rates deckt: Für Maßnahmen dieser Art wird ein Gemeinschaftsrahmen benötigt wie der, der Ihnen vorgelegt wurde. Wir müssen aber auch den Mitgliedstaaten die erforderliche Anpassungsfähigkeit und Flexibilität einräumen, die notwendig ist, damit dieses Programm möglichst nahe bei den Gemeinden, Verbänden und Bürgern umgesetzt wird.

Um diese vier Punkte zusammenzufassen, meine Damen und Herren, möchte ich wiederholen, dass diese zeitgemäße Initiative sicherlich hinsichtlich ihres Haushalts begrenzt ist. Doch es handelt sich hierbei um eine Initiative, die ein Europa symbolisiert, das positiv und proaktiv ist, ein Europa, das den neuen Herausforderungen unserer Gesellschaft gerecht wird, und vor allem, meine Damen und Herren, ein Europa, das in die Schulen geht und über das die jungen Europäer positiv sprechen und denken.

Ich glaube, das Bild, das wir mit dieser Initiative der Kommission projizieren, ist das eines positiven Europas, das auf seine Bürger fokussiert ist. Und genau das erwarten die Bürger Europas.

 
  
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  Mariann Fischer Boel, Mitglied der Kommission. − Herr Präsident! Ich möchte Ihnen für die überwältigende Unterstützung dieses wichtigen Vorschlags danken.

Gestatten Sie mir, Herrn Titford und Frau Goudin zu sagen, dass es völliger Nonsens ist, diesen Vorschlag als Propaganda abzutun.

(Beifall)

Anliegen dieses Vorschlags ist es – wie viele von Ihnen erwähnt haben –, unseren Schulkindern gute Ernährungsgewohnheiten anzuerziehen. Ich bin ziemlich sicher: Wenn wir klug vorgehen und auf den Erfahrungen aufbauen, die wir bereits mit dem irischen Programm „Food Dudes“ sammeln konnten, können wir eine Menge tun. Dann können wir 2012 prüfen, ob wir das System weiter verbessern können.

Ich stimme Frau Salinas García voll und ganz zu, dass wir dieses Programm didaktisch nutzen können, nicht nur, um den Kindern beizubringen, dass sie mehr Obst und Gemüse essen sollen, sondern auch, um zu versuchen, ihnen zu erklären, woher das Obst und Gemüse kommt, wie wichtig es ist usw.

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Michel Barnier im Rat die richtige Balance zu finden und damit zur Gesundheit unserer jungen Menschen beizutragen.

 
  
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  Niels Busk, Berichterstatter. (DA) Herr Präsident! Ich möchte für die vielen positiven Beiträge danken. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch Ihnen, Frau Kommissarin, für die besonders konstruktive Zusammenarbeit meinen Dank aussprechen. Das war zu erwarten, da wir mit Ihnen und Ihrem Kabinett immer gut zusammenarbeiten. Ich möchte aber auch Ihnen, Herr Minister, danken. Es war ein großes Vergnügen, mit Ihnen und der französischen Präsidentschaft zusammenzuarbeiten, denn Sie haben sich ungewöhnlich viel Zeit genommen, um die Probleme wirklich tiefgründig zu besprechen. Die Präsidentschaft hat nicht immer die Zeit dafür. Ich möchte Sie auch alle in diesem Hause daran erinnern, dass in allen Redebeiträgen verlangt wurde, mehr als 90 Millionen Euro zu mobilisieren. Diesen Hinweis möchte ich um die simple Feststellung ergänzen, dass dieses Programm – wenn wir nicht mehr Geld zur Verfügung stellen – einen gewaltigen Verwaltungsaufwand erfordern wird, aber nur sehr wenig Obst verteilt wird. Das dürfen wir nicht zulassen, wenn wir tatsächlich die Ernährungsgewohnheiten der Kinder verändern möchten, was leider extrem notwendig ist.

 
  
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  Der Präsident. − Die Aussprache ist geschlossen.

Die Abstimmung erfolgt am Dienstag, den 18. November 2008.

Schriftliche Erklärungen (Artikel 142)

 
  
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  Ivo Belet (PPE-DE), schriftlich. (NL) Wir sind davon überzeugt, dass wir Projekte unterstützen müssen, die allen jungen Menschen bis zum Alter von 12 Jahren täglich ein Stück Obst in der Schule garantieren. Schulen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, jungen Menschen eine gesunde Lebensweise anzuerziehen. Eine gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung tragen dazu bei, Fettleibigkeit zu verhindern. Kinder, die in der Schule lernen, Obst zu schätzen, werden auch als Erwachsene Obst essen. Viele Schulen unternehmen bereits gewaltige Anstrengungen, um ihren Kindern täglich Obst anbieten zu können, doch die dafür bereitstehenden Mittel sind begrenzt. Deshalb ist die von der Europäischen Union gewährte finanzielle Unterstützung für die Verteilung von Obst in Schulen wichtig.

Aus diesem Grund möchten wir einen emotionalen Appell an die Europäische Kommission und den Rat richten, diesen Haushaltsanstieg zu unterstützen. Schließlich steht die Gesundheit unserer jungen Menschen auf dem Spiel, und die Kosten dieses Programms werden sich eines Tages amortisieren.

 
  
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  Šarūnas Birutis (ALDE), schriftlich.(LT) Es ist wichtig, dass bei der Umsetzung dieses Programms das Prinzip der Subsidiarität angewandt wird, sodass die Mitgliedstaaten selbst entscheiden können, an welche Altersgruppe der Kinder sich dieses Schulobstprogramm richten und welches Obst und Gemüse verteilt werden soll. Ich bin auch der Meinung, dass Produkte, die ihren Ursprung in der Gemeinschaft haben, unterstützt werden sollten. Wir sollten jedoch Produkte von außerhalb der Gemeinschaft nicht völlig ausschließen, denn das würde dem Wettbewerb und den Regeln der Welthandelsorganisation widersprechen.

Ich denke, die Verwaltung dieses Programms sollte möglichst einfach sein, weshalb ich vorschlage, die Vorschriften zur Erarbeitung einer Strategie zu streichen. Die Erarbeitung einer nationalen Strategie zur Umsetzung einer Maßnahme mit einem kleinen Haushalt ist eine zu strikte Auflage. Stattdessen könnte die Auflage erteilt werden, nationale Verwaltungsregeln mit speziellen Bestimmungen zu erarbeiten, die auch in den von der Kommission vorgelegten Vorschriften zur Strategieumsetzung enthalten sind. Ich möchte Sie alle nachdrücklich bitten, bei der Erarbeitung der Durchführungsbestimmungen für dieses Programm über die Notwendigkeit einer strategischen Organisation nachzudenken (dieser Punkt ist aus Verwaltungsgründen für Litauen wichtig).

Die Umsetzung des Schulobstprogramms erfordert zusätzliche Mittel aus den nationalen Haushalten, denn es soll von den Mitgliedstaaten kofinanziert werden. Selbst auf dem Höhepunkt der aktuellen Finanzkrise müssen wir jedoch auch an die langfristigen Vorteile denken, die der Schutz der Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen bietet. Werfen wir das Gewicht unserer Verantwortung nicht einfach ab.

 
  
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  Magor Imre Csibi (ALDE), schriftlich. – (RO) Der Vorschlag für eine Verordnung zur Verteilung von Obst an Schulkinder ist Teil einer Reihe von Initiativen der Kommission mit dem Hauptziel, Fettleibigkeit zu bekämpfen und eine gesunde Ernährung zu fördern.

Das von der Kommission vorgeschlagene Budget von 90 Millionen Euro wäre unzureichend, um dieses Ziel zu erreichen. Die Initiative die ALDE-Fraktion zur Erhöhung der Gemeinschaftsmittel auf 360 Millionen Euro ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Mitgliedstaaten wiederum leisten ihren Beitrag zum Erreichen eines endgültigen Budgets von 720 Millionen Euro. Ich glaube fest daran, dass sich das Programm nur mit einem solchen Budget als effektiv erweisen wird. Wir werden damit in der Lage sein, Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren wöchentlich eine akzeptable Anzahl von Obstportionen zur Verfügung zu stellen.

Gleichzeitig möchte ich die Bildungseinrichtungen auffordern, Ernährungsunterricht in die Lehrpläne aufzunehmen, um auch die theoretischen Grundlagen einer gesunden Ernährung zu vermitteln. Nur durch gemeinsame, koordinierte Anstrengungen wird es uns gelingen, die Ernährungsgewohnheiten zukünftiger Generationen zu verändern.

 
  
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  Urszula Gacek (PPE-DE), schriftlich. Ich bin sehr froh, das Programm zur Versorgung von Schulkindern mit Obst zu unterstützen, um auf diese Weise gesündere Ernährungsgewohnheiten bei den jungen Menschen zu fördern. Hoffentlich kann dieses Projekt einen gewissen Beitrag zur Veränderung der Ernährungsgewohnheiten der jüngsten Mitglieder der europäischen Gesellschaft leisten. Langzeitstudien haben gezeigt, dass die in der Kindheit erworbenen Ernährungsgewohnheiten Modell für das gesamte Leben bleiben. Sie haben das Potenzial, nicht nur diese Generation von Kindern, sondern auch deren Kinder zu beeinflussen. Noch interessanter ist, dass auch festgestellt wurde, dass die Ernährungspräferenzen der Kinder Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten ihrer Eltern haben. Hoffen wir, dass dieses lobenswerte Programm dazu beiträgt, uns alle gesünder und fitter zu machen.

 
  
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  Bogdan Golik (PSE), schriftlich.(PL) Ich freue mich, dass wir ein Gemeinschaftsprogramm zur Förderung des Verzehrs von Obst an Schulen auflegen. Die positiven Auswirkungen dieses Programms sind auf vielen Ebenen anzusiedeln, auf sozialer, wirtschaftlicher und finanzieller Ebene.

Als Mitglied des Parlamentsausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sehe ich, dass dieses Programm eindeutig positive Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft und den Obstanbau hat, denn dadurch wird die Nachfrage nach Obst erhöht und ein Beitrag dazu geleistet, dass in Europa hohe Produktionsniveaus aufrechterhalten bleiben. Als Vater sehe ich in diesem Programm auch ein weiteres positives Ergebnis, das kaum zu quantifizieren ist: die Gesundheit der jungen Generation. Die Erhöhung des Anteils von Obst und Gemüse an der Ernährung von Kindern im Schulalter ist von großer Bedeutung, da ihre Ernährungsgewohnheiten in dieser Zeit ausgeprägt werden.

In Polen liegt der durchschnittliche tägliche Verbrauch an Obst und Gemüse bei ca. 250 g. Dieses Niveau gehört zu den niedrigsten in der Gemeinschaft. Nur in der Tschechischen Republik, in Lettland und in der Slowakei ist es noch niedriger. Der Durchschnittswert der Gemeinschaft liegt bei 380 g, während die Weltgesundheitsorganisation bzw. die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft empfehlen, täglich mindestens 400 g Obst und Gemüse zu essen. Länder wie Polen brauchen eine große Schulkampagne zur Förderung des Verzehrs von Obst.

Ich hoffe, dass das Schulobstprogramm schon bald erfolgreich bei allen Bildungseinrichtungen in der gesamten Europäischen Union eingeführt wird und ein dauerhaftes Element ihrer Bildungspolitik bleibt.

 
  
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  Gyula Hegyi (PSE), schriftlich. – (HU) Der Wunsch der Europäischen Union, den Verzehr von Obst an Schulen zu fördern, ist mit Sicherheit zu begrüßen. Eine ausgewogene Ernährung in der Kindheit erhöht die Wahrscheinlichkeit einer gesunden Lebensweise im Erwachsenenalter, und ein Kind mit dem entsprechenden Wissen wird die gesunde Ernährung auch in seiner Familie und im Kreise seiner Freunde popularisieren. Die Verantwortlichen für dieses Programm müssen auch sehr genau darauf achten, welche Art von Obst sie den Kindern anbieten.

Es wäre ein schwerer Fehler, wenn die Schulen Obst erhielten, das hohe Pestizidrückstände aufweist und deshalb schwer verkäuflich ist. Deshalb muss dieses Programm so organisiert werden, dass die Schulen nur gesundes Obst mit einem Pestizidgehalt erhalten, der deutlich unterhalb der zulässigen Obergrenzen liegt. Im Interesse einer gesunden Ernährung ist es auch wünschenswert, die Mittel der Gemeinschaft primär für den Kauf von einheimischem Obst einzusetzen, das einen niedrigeren Zucker- und einen höheren Ballaststoffgehalt aufweist, und beispielsweise in den Schulen keine Bananen anzubieten.

 
  
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  Marusya Ivanova Lyubcheva (PSE), schriftlich. (BG) Frau Kommissarin!

Das Schulobstprogramm ist in vielerlei Hinsicht ein besonders wichtiger Schritt, denn:

- es trägt zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung der Kinder bei;

- es verhindert Krankheiten;

- es schafft ein neues Modell und eine neue Methodik in der Ernährung der jungen Generation, wodurch Fastfood allmählich ersetzt wird.

Es geht aber nicht nur um den Verzehr von Obst, sondern auch um den Aufbau gesunder und ausgewogener Ernährungsgewohnheiten. Viele Fachleute sind in der Lage, auf der Grundlage entsprechender Kriterien festzustellen, welches Obst dafür geeignet ist.

Andererseits stellt das Schulobstprogramm auch eine reale Unterstützung der landwirtschaftlichen Erzeuger sowie eine finanzielle Hilfe für die Mitgliedstaaten dar. Dies ist insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten wichtig, die trotz aller Anstrengungen Probleme haben, die Essensversorgung an den Schulen zu gewährleisten. In Bulgarien beispielsweise existiert ein Programm zur staatlichen Subventionierung von Schulmahlzeiten, doch den Bedürfnissen aller Schüler kann damit nicht entsprochen werden. Deshalb ist die Hilfe der Europäischen Union außerordentlich nützlich. Selbstverständlich müssen wir darauf bestehen, dass im Rahmen des Programms biologische Produkte abgegeben werden, und dafür sorgen, dass das Programm effektiv umgesetzt wird.

 
  
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  Dumitru Oprea (PPE-DE), schriftlich. – (RO) Die Krankheiten, an denen der moderne Mensch leidet, sind auf die Ernährung zurückzuführen, können jedoch auch durch die richtige Ernährung geheilt werden.

Ich unterstütze die Verteilung von Obst in Schulen. In diesem Zusammenhang muss ich zwangsläufig daran denken, dass an den rumänischen Schulen seit 2002 täglich ein Glas Milch und ein Brötchen kostenlos abgegeben werden. Zunächst waren wir zufrieden, dies wenigstens den Kindern in den Grundschulen anbieten zu können. Seit 2006 wurde diese Maßnahme auch auf Kinder im Vorschulalter und seit 2007 auf die Kinder an den Sekundarschulen ausgeweitet. Mit dem europäischen Schulobstprogramm werden also, zumindest in Rumänien, Programme wie das oben genannte ergänzt.

Das hat eine Vielzahl von Vorteilen. Ich möchte nur zwei davon nennen:

- Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass Kinder bis zum Alter von 11 Jahren täglich 400 g Obst und Gemüse verzehren. Ich glaube, diese Empfehlung wurde auch in der Entschließung des Europäischen Parlaments vom 25. September 2008 zum Weißbuch zu ernährungsbezogenen Gesundheitsproblemen gegeben. Wir dürfen nicht vergessen, dass Lebensmittel und die Art und Weise der Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung unserer Gesundheit spielen.

- Ungleichheiten werden reduziert: Die Kinder haben einen unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergrund, einige von ihnen sind extrem benachteiligt.

 
  
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  Siiri Oviir (ALDE), schriftlich. (ET) In dem in diesem Jahr vom Europäischen Parlament verabschiedeten Weißbuch „Ernährung, Übergewicht, Adipositas“ hoben Experten die Tatsache hervor, dass es derzeit in Europa 22 Millionen übergewichtige und 5 Millionen fettleibige Kinder gibt. Die Experten sind der Meinung, dass diese Zahl im nächsten Jahr um weitere 1,3 Millionen zunehmen wird.

Im Weltgesundheitsbericht der Weltgesundheitsorganisation wird ein mangelnder Verzehr von Obst und Gemüse als eines der sieben Gesundheitsrisiken aufgeführt. In Verbindung mit diesem Thema hat das Parlament der Europäischen Kommission vorgeschlagen, die dafür notwendigen finanziellen Ressourcen in den EU-Haushalt aufzunehmen.

Heute hat die Europäische Kommission eine Sicherungsmaßnahme zur Unterstützung unserer früheren Initiative erarbeitet. Durch diese Maßnahme wird es – ähnlich dem Schulmilchprogramm – möglich, in der EU den sechs- bis zehnjährigen Kindern an den Schulen ab dem Schuljahr 2009/2010 Obst und Gemüse anzubieten.

Das ist definitiv eine Investition in die Zukunft, durch die ein Beitrag dazu geleistet wird, dass Aufwendungen im Gesundheitswesen, die auf ungesunde Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen sind, verhindert oder vermindert werden können. Ich hoffe, dass die Europäische Kommission bereit ist, die eingereichten Vorschläge nochmals zu prüfen und die Finanzierung im Rahmen des bestehenden Programms zur Versorgung mit Obst und Gemüse von 90 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro zu erhöhen, wodurch es möglich würde, diese Maßnahme den Kindern an allen Schultern anzubieten und eine breitere Zielgruppe von Kindern einzubeziehen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 
  
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  Daciana Octavia Sârbu (PSE), schriftlich. – (RO) Der Vorschlag der Kommission zur Verabschiedung eines Programms über die Abgabe von Obst an Schulen wird sich positiv auf die Gesundheit der Bürger in der Europäischen Union auswirken und einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung aller Mitgliedstaaten leisten. Die Ernährungsgewohnheiten werden während der Kindheit ausgeprägt und können lebenslang erhalten bleiben.

Schulen sind der am besten geeignete Ort, solche Verhaltensweisen auszuprägen, denn die Schulen sind nach der Familie die zweite Instanz, die direkten Kontakt zu den Kindern hat und sie erheblich beeinflusst.

Zusammen mit der Einführung eines Programms zur Ernährungserziehung in Schulen kann dieses Programm weitere Ergebnisse bei der Entwicklung der Präferierung einer gesunden Ernährung bringen, zu der auch Obst und Gemüse gehören. Kindern muss in erster Linie beigebracht werden, Produkte mit einem höheren Nährwert zu bevorzugen, damit dieses Programm auch sein beabsichtigtes Ziel erreicht, im Erwachsenenalter auftretende Erkrankungen im Zusammenhang mit Fettleibigkeit und falscher Ernährung sowie Diabetes zu verhindern.

Die im Parlament eingebrachten Änderungsanträge führen zu einer erheblichen Verbesserung des von der Kommission vorgelegten Texts, denn damit würden jährlich 500 Millionen Euro für die Versorgung von Schulkindern mit Obst und Gemüse bereitgestellt, was schließlich auch der landwirtschaftlichen Produktion in der Europäischen Union neuen Schwung verleihen wird.

 
  
  

VORSITZ: LUIGI COCILOVO
Vizepräsident

 
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