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Verfahren : 2009/2221(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A7-0197/2010

Eingereichte Texte :

A7-0197/2010

Aussprachen :

PV 05/07/2010 - 21
CRE 05/07/2010 - 21

Abstimmungen :

PV 06/07/2010 - 6.15
CRE 06/07/2010 - 6.15
Erklärungen zur Abstimmung
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P7_TA(2010)0262

Plenardebatten
Montag, 5. Juli 2010 - Straßburg Ausgabe im ABl.

21. Förderung des Zugangs Jugendlicher zum Arbeitsmarkt, Stärkung des Status von Auszubildenden, Praktikanten und Lehrlingen (kurze Darstellung)
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PV
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  Der Präsident. Der nächste Punkt der Tagesordnung ist die Aussprache über den Bericht von Emilie Turunen, im Namen des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, über die Förderung des Zugangs Jugendlicher zum Arbeitsmarkt, Stärkung des Status von Auszubildenden, Praktikanten und Lehrlingen (2009/2221(INI)) (A7-0197/2010).

 
  
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  Emilie Turunen, Berichterstatterin.(DA) Herr Präsident! Ich stehe hier heute vor Ihnen als junge Politikerin und Berichterstatterin mit einem besonderen Anliegen. Im letzten Jahr wurden immer mehr meiner Freunde arbeitslos. Dies sind motivierte junge Leute, die etwas zur Gesellschaft beitragen wollen, die sich stattdessen aber jetzt in die Schlange vorm Arbeitsamt einreihen müssen, weil es keine Jobs gibt. Es gibt Millionen von Beispielen für diese jungen Menschen in Europa, und sie werden immer mehr. Mit seinem Initiativbericht nimmt das Europäisches Parlament eine Führungsposition bei einer neuen politischen Agenda ein. Wir wollen Jugendarbeitslosigkeit ausmerzen. Wir wehren uns dagegen, dass die Jugendarbeitslosigkeit eine ganze Generation vereinnahmt, und wir werden alles tun, um mit Bildung und Beschäftigung jungen Menschen aus den Startlöchern zu helfen.

Laut Statistiken sind rund 5,5 Millionen junge Menschen unter 25 in der EU arbeitslos geworden. Arbeitslosigkeit trifft somit junge Menschen doppelt so hart wie den Rest der Bevölkerung.

Der Grund, warum insbesondere die Jungendarbeitslosigkeit mir Sorgen bereitet, ist der, dass sie ein Leben lang eine Narbe beim Einzelnen und in der Gesellschaft hinterlassen kann. Wir wissen nur zu gut, was passiert, wenn wir nicht handeln, so wie in den 80er-Jahren, als uns eine Generation in die Langzeitarbeitslosigkeit abgerutscht ist, von der sozialen Stütze abhängig wurde und sozial ausgegrenzt wurde. Das ist ein viel zu hoher Preis. Es geht aber nicht nur um Wirtschaftsprognosen; es geht um Menschen aus Fleisch und Blut. Es geht um junge Leute, die hohe Erwartungen an sich selbst haben und die glauben, dass sie nicht gut genug sind. Junge Leute, für die der Weg zurück auf den Arbeitsmarkt schwer sein wird, wenn wir ihnen jetzt nicht helfen.

Wir als Europäisches Parlament fordern deshalb alle Mitgliedstaaten auf, der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit Vorrang einzuräumen und in die Bildung zu investieren. Deshalb ist es auch überaus wichtig, dass sich die EU gerade jetzt die strategische Priorität setzt, sich auf gemeinsame Strategien zu konzentrieren. Wir brauchen ein integriertes und ehrgeiziges Konzept, eine Kombination von Bildungs-, Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik. Wir können das auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene umsetzen.

Mit diesem Initiativbericht unterbreitet das Europäische Parlament der Kommission, dem Rat und den Mitgliedstaaten eine Reihe konkreter Vorschläge. Lassen Sie mich einige der wichtigsten hervorheben:

1. Wir schlagen die Schaffung einer Jugendgarantie vor, die sicherstellen wird, dass jeder junge Mensch unter 25 nach einer Arbeitslosigkeit von 4 Monaten einen Arbeitsplatz, eine Schulung oder eine Möglichkeit zur Weiterbildung angeboten bekommt.

2. Wir schlagen die Einrichtung einer Europäischen Qualitätscharta vor, die gewährleisten soll, dass Praktika im Zusammenhang mit der Ausbildung absolviert werden und dass Praktikanten nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Gleichzeitig empfehlen wir mehr und bessere Ausbildungsplätze für junge Menschen während der beruflichen Bildung.

3. Wir schlagen die Bildung von Arbeitsgruppen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in allen Mitgliedstaaten der EU vor, sowie die gemeinsame Einrichtung einer EU-Arbeitsgruppe für Koordination, Wissensaustausch und neue Initiativen.

4. Wir schlagen vor, dass mehr Mittel für den Europäischen Sozialfonds zur Verfügung gestellt werden und dass 10 % – mindestens 10 % – dieser Mittel jugendspezifischen Projekten zugewiesen werden.

Außerdem wollen wir der Diskriminierung von jungen Leuten am Arbeitsmarkt ein Ende bereiten, denen einzig aus Altersgründen der Zugang zu Sozialleistungen und einem anständigen Gehalt vorenthalten wird.

Diese und alle anderen Vorschläge in diesem Bericht sind unser Versuch, die Krise der Jugend umzukehren. Mit den richtigen Strategien und Investitionen können wir einen Wandel auf dem europäischen Arbeitsmarkt erreichen und eine bessere Zukunft für die jungen Menschen in Europa aufbauen. Wir hier im Europäischen Parlament sind bereit, unseren Teil zu Schaffung von Arbeitsplätzen sowie besseren Ausbildungsstellen und Praktika beizutragen. Und wir sind bereit, für die jungen Menschen in Europa etwas zu bewegen.

 
  
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  Elena Băsescu (PPE).(RO) Die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen unter 25 hat auf europäischer Ebene die Fünf-Millionen-Marke überschritten, was einer Quote von rund 20 % entspricht.

Aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage haben junge Menschen nun noch mehr Probleme, einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden. Und daher denke ich, dass die Mitgliedstaaten die aktive Integration junger Menschen in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt fördern müssen. Dies wird jedoch nicht ohne eine solide und qualitativ hochwertige Bildung erfolgen.

Das Potenzial junger Menschen ist eine Ressource, die nicht ausreichend genutzt wird. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels können sie aktiv zur Stärkung der Sozialsysteme beitragen.

Schließlich möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf die Situation der jungen Leute in ländlichen Gebieten lenken. Statistiken zufolge sind diese benachteiligt. Sie haben mehr Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, als junge Menschen aus den Städten.

 
  
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  Sidonia Elżbieta Jędrzejewska (PPE).(PL) Herr Präsident! Mobilität und die Bildung junger Menschen sind haushaltspolitische Schwerpunkte des Europäischen Parlaments für 2011. Erst vor wenigen Wochen haben wir hier in diesem Plenum unser Verhandlungsmandat für den Haushaltsplan der Europäischen Union für 2011 verabschiedet. Der Bericht von Frau Turunen zeigt für mich sehr deutlich, dass diese Bereiche – die Mobilität und Bildung junger Menschen – dringend mehr Aufmerksamkeit und aktive Maßnahmen erfordern.

Es muss betont werden, dass Frau Turunens Bericht ein weiterer Beleg dafür ist, wie überaus wichtig es für die Umsetzung der Strategie Europa 2020 ist, günstige Bedingungen für Bildung zu schaffen und alle praktischen Formen der Mobilität junger Menschen zu unterstützen. Jungen Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern, ist eine weitere entscheidende Maßnahme, um die Gesamtarbeitslosenquote in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu senken; denn diese Arbeitslosigkeit ist die größte Schwierigkeit und die größte Hürde für wirtschaftliches Wachstum. Umso wichtiger ist es, dass der Haushaltsplan, über den verhandelt wird, entsprechende Mittel für die Umsetzung der in diesem Bericht dargelegten Ziele vorsieht.

 
  
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  Jarosław Kalinowski (PPE).(PL) Herr Präsident! Arbeitslosigkeit ist ein Problem, das die Europäische Union in den letzten Jahren besonders schwer getroffen hat und das sich durch die Wirtschaftskrise noch weiter verschlimmert hat. Noch schlimmer ist es, wenn immer mehr junge Menschen betroffen sind – Menschen, die ihre Schul- oder Universitätsausbildung abschließen und anfangen wollen, für sich selbst zu sorgen. Neben den ernsten sozialen und psychologischen Folgen der Arbeitslosigkeit für einen jungen Menschen hat dieses Phänomen auch äußerst negative Auswirkungen auf die Wirtschaft der betroffenen Länder. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich über die nachfolgenden Generationen von Bürgerinnen und Bürgern der EU der Schatten sozialer Diskriminierung und einer miserablen Wirtschaftslage legt. Deshalb müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um den jungen Menschen solide Bildung und berufliche Erfahrung sowie ein faires Einkommen zu garantieren, um ihnen menschenwürdige Lebensbedingungen und einen guten Start in ihr Erwachsenenleben zu ermöglichen.

 
  
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  Sergio Gaetano Cofferati (S&D).(IT) Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich möchte Frau Turunen für ihre Arbeit danken. Wie uns die Statistiken traurigerweise vor Augen führen, waren es in ausnahmslos allen Ländern der Europäischen Union die Menschen mit einer befristeten Stelle, Frauen und Immigranten, die am schlimmsten von der Krise getroffen wurden.

Und meist sind es junge Menschen, die einen befristeten Job haben, und daher gibt es einen schockierend hohen Anteil junger Menschen, die keinen Arbeitsplatz finden, wie wir es schon lange nicht mehr gesehen haben. Das langsame Wachstum, das nach Meinung Vieler noch mindestens zwei Jahre lang anhalten wird, und die Tatsache, dass alte Menschen, wie wir alle wissen, aufgrund von Rentenreformen länger arbeiten müssen, wird dazu führen, dass sich dieses Problem in den kommenden Jahren noch ausweiten wird.

Aus diesem Grund ist die geleistete Arbeit sehr wichtig, und ich meine, dass es entscheidend ist, dass alle Mitgliedstaaten die Jugendarbeitslosigkeit als ein besonderes Problem sehen, das durch politisches Eingreifen bekämpft werden muss.

 
  
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  Sylvana Rapti (S&D).(EL) Herr Präsident! Das Europäische Parlament fordert in diesem sehr guten Initiativbericht von Frau Emilie Turunen, zu dem ich ihr gratulieren möchte, vom Rat und von der Kommission eine bessere Beschäftigungsstrategie. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Junge Menschen brauchen Europa, aber Europa braucht auch junge Menschen.

Es ist eine wechselseitige Beziehung, die jedoch äußerst wichtig ist und aus einem sehr einfachen Grund gut funktionieren muss: Wenn diese Beziehung nicht funktioniert, werden beide Seiten verlieren. Auch wenn junge Menschen ihr ganzes Leben noch vor sich haben und eine zweite und dritte Chance haben werden, Europa ist ziemlich alt und wird in diesen schwierigen Zeiten der Wirtschaftskrise keine weitere Chance haben.

 
  
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  Ilda Figueiredo (GUE/NGL).(PT) Herr Präsident, wie dieser Bericht zeigt, wird es für junge Leute immer schwieriger, Arbeit zu finden, und das ist eine sehr ernste Situation.

Die Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union liegt im Durchschnitt schon bei über 21 %, in einigen Ländern sogar noch höher, und es wird immer schwieriger für junge Menschen, ihr Studium abzuschließen und einen Arbeitsplatz zu finden, der ihnen auch Rechte einräumt und sie angemessen entlohnt. In der Regel werden ihnen – oftmals unbezahlte – Praktikumsstellen angeboten, in denen junge Menschen, die darauf angewiesen sind, eine Arbeitsstelle zu finden, ausgebeutet werden. Sogar diese Praktika sind unbezahlt, und wenn sie eine Stelle bekommen, ist diese unbefristet und schlecht bezahlt, und sie haben keinerlei Rechte.

Diese Situation ist nicht hinnehmbar, und deshalb bedarf es Strategien, um derartige Ausbeutung in Zukunft zu verhindern, um Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen, aber auch um die Rechte zu schützen, die ihnen zustehen.

 
  
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  Oreste Rossi (EFD).(IT) Herr Präsident, meine Damen und Herren! Es ist unumgänglich, junge Menschen bei ihrem Weg in die Arbeitswelt zu unterstützen. Die Schule reicht nicht aus, um die Arbeitnehmer der Zukunft auszubilden; stattdessen sollten wir Ausbildungsplätze in den Unternehmen fördern.

Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, denen die Europäische Union gegenübersteht. Und genau aus diesem Grund müssen wir vorsichtig sein und – beispielsweise beim Kampf gegen den Klimawandel – nicht zu viel von den Unternehmen verlangen, denn wenn sie schließen müssen, wird es keine Zukunft für unsere Arbeitnehmer geben. Konzentrieren wir uns lieber auf den Kampf gegen Einfuhren von Billigprodukten aus Drittländern, die unsere Regeln und Arbeitnehmerrechte, insbesondere im Fall der Kinderarbeit, nicht achten.

 
  
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  Angelika Werthmann (NI). - Herr Präsident! Die anhaltende wirtschaftliche Situation in der EU hat gezeigt, wen es wirklich trifft: die jungen Menschen, jünger als 25 Jahre, von denen 21,4 % arbeitslos sind. Das sind doppelt so viele wie die Gesamtarbeitslosenquote in der EU! Junge Arbeitslose leiden auch später unter den Folgen der Arbeitslosigkeit. Die Jugendarbeitslosigkeit birgt aber auch erhebliche soziale und wirtschaftliche negative Auswirkungen für unsere Gesellschaft, vor allem aber für die wirtschaftliche Entwicklung. Die Jugend ist unsere Zukunft. Geben wir den Jungen eine gute und faire Chance, zum Beispiel durch Investitionen in u. a. eine bessere Bildung und eine gute Ausbildung, um ihnen dadurch eine gute Basis zu ermöglichen.

 
  
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  Elisabeth Köstinger (PPE). - Herr Präsident! Die europäische Jugend braucht klare Perspektiven. Mit diesem Bericht wird der erste Schritt in die richtige Richtung gesetzt. Die Aussicht auf eine gesicherte Zukunft, weg von der finanziellen Abhängigkeit von anderen hin zu einer geregelten Selbständigkeit kann eine solche Perspektive sein.

Dabei spielt der Einstieg ins Berufsleben eine wichtige Rolle. Oft sollen Berufspraktika diesen Schritt erleichtern. Allzu oft werden diese missbraucht. Es muss daher einen geregelten rechtlichen Rahmen geben, der nicht nur junge engagierte Frauen und Männer schützt, sondern auch die Qualität der Praktika, die sie absolvieren, sichert. Ein Praktikum muss als Teil des Ausbildungsprozesses der Jugend verstanden werden und nicht als Möglichkeit eines Arbeitgebers, billige Arbeitskräfte zu lukrieren. Es darf nicht sein, dass junge, motivierte und engagierte Frauen und Männer auf diese oder eine andere Weise ausgenutzt und benachteiligt werden. Der Altersdiskriminierung muss entschieden entgegengewirkt werden, denn Jugend ist unsere Zukunft. Schützen und fördern wir sie!

 
  
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  Wojciech Michał Olejniczak (S&D).(PL) Herr Präsident! Auch ich habe den Bericht von Frau Turunen sorgfältig gelesen, und ich muss sagen, dass es sich hierbei um ein außerordentlich kompliziertes Problem handelt. Jugendarbeitslosigkeit hat zwei Aspekte.

Erstens, was wir tun müssen, damit diejenigen, die ihre schulische oder berufliche Ausbildung abgeschlossen haben, auch wirklich einen Arbeitsplatz finden. In allen Politikbereichen der EU, einschließlich der Agrarpolitik, sollte dazu beigetragen werden, dieses Ziel zu erreichen. Bei der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik sollten wir darauf achten, dass im Gesamthaushaltsplan der Europäischen Union geeignete Programme, Projekte und die Finanzierung dieser Ziele berücksichtigt werden.

Ein zweiter Aspekt sind soziale Projekte, die es jungen Menschen ermöglichen, ihre Wohnsituation zu gestalten und ihnen ein hohes Niveau an öffentlichen Dienstleistungen bietet. Hierbei denke ich an Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten. Es besteht ein erheblicher Mangel an solchen Einrichtungen, sogar in den Großstädten, ganz zu schweigen von den Kleinstädten und Dörfern überall in der Europäischen Union.

 
  
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  Seán Kelly (PPE). – Herr Präsident! Die Jugendarbeitslosigkeit ist derzeit ein Hohn in der Europäischen Union. Es ist eine absolute Tragödie, dass 20 % der jungen Menschen arbeitslos sind. Viele von ihnen sind sehr gut ausgebildet, hoch qualifiziert und wollen unbedingt arbeiten, aber sie bekommen keine Arbeit, weil sie für die Sünden anderer bezahlen müssen – die Sünden von Finanzterroristen, gierigen Spekulanten, überbezahlten Bänkern, Golf spielenden, dem Nichtstun frönenden Regulierern. Daher bekommen junge Menschen keinen Arbeitsplatz.

Dagegen müssen wir etwas tun. Wir müssen Praktikumsstellen für sie schaffen und ihnen Arbeit geben. Das müssen nicht unbedingt hoch bezahlte Stellen sein, und es müssen auch nicht einmal Vollzeitarbeitsplätze sein, aber sicher ist, dass diese jungen Menschen anfangen müssen, zu arbeiten, denn je länger ein Mensch ohne Arbeit ist, desto schwieriger wird aus ihm ein guter Arbeitnehmer. Wir müssen jetzt handeln. Dadurch werden wir der Jugend dieser Union einen großen Dienst leisten, der nie in Vergessenheit geraten wird.

 
  
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  Frédéric Daerden (S&D). (FR) Herr Präsident, Herr Kommissar, meine Damen und Herren! Ich begrüße die Annahme dieses Textes durch den Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten sehr. Angesichts der Tatsache, dass wir uns derzeit im Verhandlungsprozess für den EU-Haushalt für 2011 befinden, kommt dieser Bericht genau im richtigen Moment. Das Parlament hat zum Ausdruck gebracht, dass es der Politik für junge Leute Vorrang geben will. Wir begrüßen diesen Schritt. Jedoch sollte solch eine Politik sich nicht nur auf das Thema der Mobilität junger Menschen beschränken. Sie sollte sich auch mit deren Rechten befassen. Und genau darum geht es hier.

Die Ausbeutung von Praktikanten ist Besorgnis erregend und erhöht das Risiko, dass ein paralleler Arbeitsmarkt für junge Leute entsteht. Die prekäre Situation junger Praktikanten, die dort arbeiten, wo sie später vielleicht angestellt werden könnten, schadet der europäischen Wirtschaft, besonders hinsichtlich der Finanzierung der sozialen Sicherheitssysteme.

Deshalb begrüße ich es, dass mein Änderungsantrag, durch den Maßnahmen zur Gewährleistung akzeptabler Arbeits- und Lebensbedingungen für Praktikanten aufgenommen werden sollen, im Bericht berücksichtigt wurde. Meiner Ansicht nach ist dieser Bericht ein Schritt zur Schaffung eines echten europäischen Statuts für Praktikanten.

 
  
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  Katarína Neveďalová (S&D). (SK) Endlich ein Zeichen für junge Menschen. Die Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union beträgt derzeit durchschnittlich rund 21 %, in einigen Ländern erreicht sie allerdings um die 40 %; dies ist eine gewaltige Zahl und diese Entwicklung muss definitiv gestoppt werden.

Junge Menschen sind zurzeit die am meisten gefährdete Gruppe in der Gesellschaft, denn ohne Arbeit können sie kein selbständiges Leben führen und keine Familien gründen, was sich wiederum auf das Demografieproblem der EU auswirkt. Wir müssen allerdings den jungen Menschen echte Hilfe anbieten und nicht nur darüber reden, dass wir etwas tun, sondern Maßnahmen ergreifen, die wirklich etwas ändern.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise die Kürzung von Bildungsausgaben der mit Sicherheit dümmste Weg ist, denn das wird nur dazu führen, dass wir in Zukunft eine ungebildete Bevölkerung haben werden.

 
  
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  Maroš Šefčovič, Vizepräsident der Kommission. – Herr Präsident! Lassen Sie mich zu Beginn Ihrer Berichterstatterin, Frau Turunen, für ihren Bericht danken, der genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Wie einige Redner bereits betont haben, wurde die junge Generation eindeutig besonders hart von der Wirtschaftskrise getroffen, und die Arbeitslosenquote junger Menschen ist völlig inakzeptabel. Wir dürfen das Talent junger Menschen nicht vergeuden, wo jeder fünfte junge Europäer ohne Arbeit oder vernünftige Perspektiven ist.

Die Kommission und ich persönlich sind besonders erfreut über den sehr guten Titel dieses Berichts, da es ganz klar ist, dass wir höherwertigere Arbeitsplätze für junge Menschen brauchen und dass diese entsprechende Berufserfahrungen sammeln müssen. Wie kann man wohl besser Arbeitserfahrung sammeln, als durch qualitativ hochwertige Lehrstellen oder Praktika? Deshalb teile ich voll und ganz die Ansicht, dass diese Arten der beruflichen Ausbildung am Arbeitsplatz richtig genutzt werden müssen und nicht dazu dienen dürfen, reguläre Arbeitsplätze zu ersetzen, wie auch schon von einigen Rednern betont wurde.

Die umfassende Anerkennung der negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die junge Generation kommt im Vorschlag der Kommission für die Strategie Europa 2020 in vollem Umfang zum Ausdruck. Es ist kein Zufall, dass sich zwei der wichtigsten Ziele der Strategie Europa 2020 mit jungen Menschen und der Bedeutung von besserer Bildung beschäftigen und sicherstellen sollen, dass die Zahl der jungen Menschen mit Universitätsabschluss erhöht und die der Schulabbrecher in der Primar- und Sekundarstufe gesenkt wird.

Die Kommission wird daher einen konkreten Vorschlag vorlegen, um die Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, diese Ziele zu erreichen. Im September werden wir unsere Pilotinitiative „Jugend in Bewegung“ vorstellen, und wir werden den Schwerpunkt auf die Entwicklung voll integrierter Strategien legen, die Bildung, Ausbildung und Beschäftigung zusammenbringen.

Ziel wird es sein, einen europäischen Rahmen zur Förderung der Beschäftigung von jungen Menschen zu schaffen, unter anderem durch Strategien, die sicherstellen sollen, dass jungen Menschen die Fähigkeiten und Kompetenzen vermittelt werden, die sie brauchen und die für den Arbeitsmarkt erforderlich sind. Dies soll durch konkrete Maßnahmen erreicht werden, die jungen Menschen bei der Suche nach einem ersten Arbeitsplatz helfen und ihnen dann auf dem Arbeitsmarkt den Aufstieg erleichtern sollen.

Wir werden Maßnahmen zur Unterstützung junger Unternehmer und zum Anstieg der Selbstständigkeit von jungen Menschen vorstellen, und wir werden gezielte Maßnahmen für nicht oder gering qualifizierte junge Menschen vorschlagen, um ihnen bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu helfen.

Wie ich anfangs bereits gesagt habe, stimme ich mit den Rednern darin überein, dass wir konkrete und positive Maßnahmen finden müssen, um der Vergeudung junger Talente und Energie ein Ende zu bereiten und jungen Menschen in Europa zu helfen. Ich bin mir sicher, dass wir mit der Unterstützung des Europäischen Parlaments einen geeigneten Weg finden werden, diese überaus schwere Krise zu überwinden.

 
  
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  Der Präsident. – Die Aussprache wird geschlossen.

Die Abstimmung findet morgen statt (Dienstag, 6. Juli 2010).

Schriftliche Erklärungen (Artikel 149)

 
  
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  Liam Aylward (ALDE), schriftlich. Die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen steigt weltweit rapide an und gegenwärtig gibt es nur wenige Möglichkeiten für junge Menschen, eine regelmäßige unbefristete Beschäftigung zu finden. Junge Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, werden aufgrund ihres Alters diskriminiert, daher begrüße ich den Inhalt des Berichts und die Ermutigung junger Menschen hinsichtlich ihres Zugangs zum Arbeitsmarkt.

Ich begrüße insbesondere den Vorschlag, die Arbeitgeber dahingehend zu motivieren, mehr Arbeitsplätze zu schaffen und in junge Menschen zu investieren. Weiterbildung und Unterricht sind extrem wichtig, um jungen Menschen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, und die Fach- und Hochschulausbildung ist in diesem Zusammenhang sehr wertvoll.

Praktikanten und Auszubildende müssen ermutigt werden, damit sichergestellt ist, dass sie nicht ausgebeutet werden, und junge Menschen müssen in der Lage sein, ihre Grundlebenshaltungskosten zu decken und zukünftig in den Arbeitsmarkt zu gelangen, ohne in irgendeiner Weise diskriminiert zu werden. Der Rat, die Kommission und die Mitgliedstaaten müssen mit jungen Menschen in Kontakt treten, damit ihre Bedürfnisse und Prioritäten bei der Entwicklung politischer Strategien berücksichtigt werden können.

 
  
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  Corina Creţu (S&D), schriftlich. Der beunruhigend hohe Prozentsatz arbeitsloser junger Menschen, der die allgemeine Arbeitslosenquote in der EU verdoppelt, spiegelt wider, wie schwierig es für junge Menschen ist, Arbeit zu finden. Dieser Trend wurde durch die Rezession noch erheblich verschärft. Die heutige junge Generation leidet unverhältnismäßig an den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und ist von sozialer Ausgrenzung bedroht. Über 5,5 Mio. junger Menschen stehen nach ihrem Schulabgang ohne Arbeit da und sind in einer finanziellen Notlage und von Armut bedroht. Junge Menschen sind gezwungen, unsichere Arbeitsplätze mit niedrigen Löhnen und gekürzter Sozialversicherung zu akzeptieren, wodurch ihre Gesundheit und die Sicherheit am Arbeitsplatz gefährdet sind. Ein noch höheres Maß an Gefährdung zeigt sich in ländlichen Gebieten, wo in Ländern wie Rumänien Armut, Arbeitslosigkeit, Arbeitsaufnahme in sehr jungem Alter und Schulabbrüche die Zukunft zahlloser Kinder und junger Menschen ruinieren.

Zusätzlich zu den Strategien, die wir für den Wirtschaftsaufschwung und die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Anpassung des Ausbildungssystems ausgearbeitet haben, um zu verhindern, dass wir am laufenden Band junge Menschen ohne Beschäftigung generieren, und um Schwarzarbeit und die Ausbeutung junger Menschen zu verhindern, bin ich der Überzeugung, dass eine Europäische Beschäftigungsgarantie für Jugendliche eingeführt werden muss, die jedem Jugendlichen das Recht auf einen Arbeitsplatz oder eine Kombination aus Arbeit und Weiterbildung gewährt, wenn er länger als vier Monate arbeitslos war.

 
  
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  Petru Constantin Luhan (PPE), schriftlich. Die Wirtschaftskrise hat zu einem enormen Anstieg der Arbeitslosenquote unter Jugendlichen geführt und dies zu dem dringendsten Problem gemacht, dem Europa gegenübersteht. Gegenwärtig sind über 5,5 Mio. junge Menschen unter 25 ohne Arbeitsplatz, das entspricht einer Quote von 21,4 %, die damit doppelt so hoch ist wie die allgemeine Arbeitslosenquote. Frühere Rezessionen haben gezeigt, dass junge Menschen am schlimmsten betroffen sind, da sie als Letzte eingestellt und in vielen Fällen als Erste entlassen werden.

Viele junge Menschen, insbesondere in Südeuropa, haben befristete Arbeitsverhältnisse, wodurch es einfach ist, sie in Krisenzeiten zu entlassen.

Die Europäische Kommission muss den Europäischen Sozialfonds aufstocken und mindestens 10 % dieses Fonds für Projekte verwenden, deren Zielgruppe junge Menschen sind, und sie muss den Zugang zu diesem Fonds erleichtern.

Ich denke, die wichtigsten Themen auf EU-Ebene, um jungen Menschen zu helfen, sind: die Europäische Qualitätscharta für Praktika, die sicherstellt, dass in Fällen, in denen praktische Erfahrungen in das Ausbildungssystem integriert werden, bestimmte Bedingungen eingehalten werden müssen, und die Einführung einer Europäischen Beschäftigungsgarantie für Jugendliche, die jedem jungen Menschen in der EU das Recht garantiert, nach einer Arbeitslosigkeit von maximal vier Monaten einen Arbeitsplatz angeboten zu bekommen.

 
  
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  Rovana Plumb (S&D), schriftlich. Junge Menschen sind die Zukunft Europas, aber sie sind die verletzlichste Gruppe unserer Gesellschaft, insbesondere in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Arbeitslosenquote liegt bei den Jugendlichen in Süd- und Osteuropa bei fast 30 %. Jungen Menschen müssen bessere Chancen in Ausbildung und Beschäftigung geboten werden, und sie müssen von einer besseren Förderung der sozialen Eingliederung und der aktiven Teilnahme an der Gesellschaft profitieren.

Die Mitgliedstaaten müssen folgende Maßnahmen ergreifen, um bei der Schaffung eines „Europas der jungen Generation“ auf dem Arbeitsmarkt mitzuwirken: Sie müssen für einen reibungslosen Übergang zwischen Ausbildungssystem und Arbeitsmarkt sorgen, indem sie Maßnahmen wie bezahlte Praktika und berufsbezogene Beratungsdienste fördern und unterstützen;sie müssen jungen Menschen und jungen Müttern den Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Fürsorgeeinrichtungen bereitstellen;sie müssen Arbeitgeber ermutigen, jungen Menschen stabile und unbefristete Arbeitsplätze sowie Gehälter anzubieten, die ihrer Leistung sowie ihren beruflichen und intellektuellen Fähigkeiten entsprechen;sie müssen junge Menschen vor Verträgen mit Klauseln schützen, die sie in eine prekäre Situation gegenüber ihren Arbeitgebern bringen. Es ist Zeit, dass das Wohlergehen junger Menschen gefördert wird und dass sie ein zivilisiertes, wahrhaft europäisches Arbeits- und Lebensumfeld erhalten.

 
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