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Plenardebatten
Donnerstag, 13. Februar 2020 - Straßburg Vorläufige Ausgabe

Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ – die wichtige Rolle von Landwirten und des ländlichen Raums (Aussprache)
MPphoto
 

  Norbert Lins, Verfasser. – Frau Präsidentin, Herr Kommissar! Landwirtschaft ist Leidenschaft. Landwirtschaft ist nicht einfach ein Beruf wie jeder andere, bei dem man seinen Job tut, seiner Arbeit nachgeht und einfach ein bisschen Geld nach Hause bringen will, um die Familie zu ernähren. Nein – Landwirte haben eine Mission: Sie wollen die besten hochwertigen, nachhaltigen Lebensmittel produzieren, und das tun sie heute schon. Sie wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher mit den besten Lebensmitteln ausstatten, und sie wollen ihren eigenen Hof weiterentwickeln und sie wollen ihn so weiterentwickeln, dass sie ihn auch einmal an die nächste Generation weitergeben können. Oftmals haben wir Geschichten von Generationen, teilweise Jahrhunderten, wo Menschen auf den gleichen Höfen die gleiche Fläche über Generationen bewirtschaften.

Ich darf Ihnen einfach mal anhand meiner eigenen Geschichte zum Ausdruck bringen, welche Leidenschaft dahintersteht. Ich bin jetzt 42 und ich habe schon über 30 Arbeitsjahre hinter mir, und vor allem deswegen, weil ich auf meinem eigenen Betrieb bei meinen Eltern mitgearbeitet habe, von jungen Jahren an: die Kälber gefüttert, die Kühe gemolken, die Mistgabel in die Hand genommen – einfach dabei geholfen, dass dieser Hof eine Zukunft hat, dass dieser Hof es weiter möglich macht, die besten Lebensmittel zu erzeugen. Ich sage Ihnen, es war manchmal schwer, wenn die anderen im Sommer ins Schwimmbad gegangen sind und ich auf den Traktor musste, helfen musste, die Ernte einzufahren. Aber ich sage Ihnen auch, es war nicht nur deswegen möglich, weil Leidenschaft da war, sondern auch, weil Anerkennung da war, weil Wertschätzung da war, weil ich gemerkt habe, da ist Respekt im Dorf wegen dem, was wir leisten, was unser Betrieb leisten kann.

Und genau dieser Respekt, die Anerkennung, die Wertschätzung – die fehlen zunehmend. Wir müssen aufpassen bei unseren politischen Debatten, die wir über die Landwirtschaft führen, dass wir die Landwirte nicht an den Pranger stellen, nicht von Umweltverschmutzern, von Klimakillern, von Giftmischern reden, sondern dass wir mit ihnen ins Gespräch kommen, dass wir ihnen sagen: Jawohl, Ihr macht einen tollen Job, aber wir müssen noch besser werden. Und dass wir sie in die Lage versetzen, besser zu werden, dass wir nicht in den nächsten Monaten eine Verbotsorgie starten, dass wir nicht in den nächsten Monaten eine Auflagenorgie starten, sondern dass wir Anreize für mehr Klimaschutz setzen: dass wir zum Beispiel die Landwirte in die Lage versetzen, dass sie Humus aufbauen können für mehr Klimaschutz; dass wir sie in die Lage versetzen, weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen – aber mit Anreizen, mit den richtigen Maßnahmen, und nicht mit Verboten. Dass wir in die Diskussion darüber einsteigen – wenn wir in Europa schon die höchsten Umweltauflagen haben –, wie wir unsere Landwirte über die Europäische Union hinaus schützen. Auch diese Frage muss man stellen. Wie schaffen wir es, Herr Kommissar, dass die anderen uns folgen auf der Welt? Also dass wir zum Beispiel die Handelsabkommen weiterentwickeln, von Produktstandards zu Produktionsstandards, auch das ist eine Frage, die ins Zentrum muss.

Es muss noch eine weitere Frage ins Zentrum dieser landwirtschaftlichen Debatte und dieser Debatte um die Farm-to-Fork-Strategie: Es muss auch um den Verbraucher gehen. Wenn wir diesen Transformationsprozess gestalten wollen, dann brauchen wir nichts weniger als eine Verbraucherwende. Wenn in meinem Land 72 % der Verbraucherinnen und Verbraucher sagen: Ja, ich bin bereit, für mehr Tierwohl, für mehr Umweltschutz, für mehr Klimaschutz mehr Geld auf den Tisch zu legen – 72 %!, – aber an der Ladentheke nur 16 % tatsächlich bereit sind, mehr zu bezahlen, dann ist was falsch. Also, das eine ist die Politik, auch auf der europäischen Ebene, das andere ist aber auch die Verbraucherin und der Verbraucher in Europa – auch die müssen bereit sein, da mehr zu bezahlen.

Nehmen wir die Landwirte mit. Ich habe am letzten Wochenende fünf Bauernversammlungen gehabt – ich darf Ihnen sagen, Herr Kommissar, es sind große Sorgen da, dass die Landwirte in die Ecke gestellt werden, und wir müssen das Gegenteil organisieren, sie mitnehmen in dieser Debatte, sagen: „Ihr seid nicht Teil des Problems, Ihr seid Teil der Lösung.“ Deswegen ist es richtig, dass diese Debatte heute im Zentrum dieses Hauses stattfindet, zur Primetime; dass wir die Landwirtschaft genau dahin holen, wo sie hingehört – ins Zentrum der Debatte –, jetzt bevor die Farm-to-Fork-Strategie veröffentlicht wird.

 
Letzte Aktualisierung: 7. April 2020Rechtlicher Hinweis - Datenschutzbestimmungen