Parlamentarische Anfrage - E-4368/2005Parlamentarische Anfrage
E-4368/2005

    Das Fehlen von Warnhinweisen vor aus dem Krieg stammenden Minen in den zunehmend von Touristen besuchten Küstengebieten Kroatiens

    SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-4368/05
    von Erik Meijer (GUE/NGL)
    an die Kommission

    1. Ist der Kommission bekannt, dass in Kroatien nicht nur im Binnenland, entlang der Fronten aus dem Zeitraum 1992-1995 mit den durch serbische Einwohner und die jugoslawische Armee von dem neuen Staat abgeschirmten Gebieten, noch immer Minen liegen, sondern dass in diesem Zeitraum auch Minen in größerer Entfernung um militärische Stützpunkte auf den Inseln in der Adria und entlang der Küste gelegt wurden?

    2. Ist der Kommission ferner bekannt, dass nach 1995 in Kroatien fast 500 Menschen mit explodierenden Minen in Berührung gekommen sind, die meist zum Verlust eines Fußes und Unterschenkels und manchmal zu weiteren Verletzungen oder zum Tode geführt haben, darunter inzwischen auch fünf Personen auf der in der Nähe von Split weit vor der Küste in der Adria gelegenen Insel Vis?

    3. Hat die Kommission das Schicksal des jungen niederländischen Archäologen Tesse Stek zur Kenntnis genommen, der im Juli 2005 auf der Insel Vis in der Umgebung von Komiža neben der Straße ein Gebiet ohne Verbote, Warnhinweise oder Markierungen betrat und dort nach einer Explosion ein Bein verlor?

    4. Ist der Kommission bekannt, dass sich das in Punkt 3 erwähnte Unglück in der Nähe eines touristischen Aussichtspunkts (Panorama) ereignete und dass dort auch viele Touristen als Paraglider mit ihren Gleitschirmen entlang der Berghänge fliegen, wobei sie an nicht vorherzusehenden Orten den Boden berühren können?

    5. Ist der Kommission ferner bekannt, dass der Gemeindeverwaltung von Vis diese Tatsachen nicht bekannt waren und das kroatische Verteidigungsministerium das Vorhandensein von Minen ausdrücklich in Abrede stellte, die Anwohner jedoch erklären, dass jeder davon weiß? Warum haben die zuständigen Behörden es versäumt, ortsfremde Besucher auf eine für sie sichtbare Weise vor dem Vorhandensein gefährlicher Kriegsrückstände zu warnen und auf die Notwendigkeit hinzuweisen, noch nicht völlig geräumte Gebiete zu meiden?

    6. Beabsichtigt die Kommission, in dieser Angelegenheit Kontakt mit der kroatischen Regierung aufzunehmen, um sowohl auf die unvertretbare Gefahr für die vielen Touristen aus den derzeitigen Mitgliedstaaten der EU als auch auf die Nachteile für die weitere Entwicklung des touristischen Potentials in dem voraussichtlichen künftigen EU-Mitgliedstaat Kroatien hinzuweisen, falls dieses verborgene Problem noch bekannter wird, jedoch eine völlige Räumung und gut sichtbare Warnhinweise für noch nicht geräumte Gebiete unterlassen werden?

    7. Welche Unterstützung können die EU und ihre Mitgliedstaaten Kroatien im Vorfeld des Beitritts für eine beschleunigte Räumung von Minen und eine bessere Information von Besuchern bieten?

    Quelle: Niederländischer Fernsehsender Nederland 3, Nachrichtensendung Nova, 12.11.2005.

    ABl. C 327 vom 30/12/2006