Parlamentarische Anfrage - E-1927/2006Parlamentarische Anfrage
E-1927/2006

Landstraßenprojekte auf Fuerteventura

SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-1927/06
von David Hammerstein Mintz (Verts/ALE)
an die Kommission

In der Planungsphase befinden sich Landstraßenabschnitte der so genannten Inselachse von Fuerteventura, für die im Anhang II des Kooperationsabkommens zwischen der Zentralregierung und der Regierung der Kanarischen Inseln (Gesetzblatt Nr. 45 vom 4. März 2006) für den Abschnitt Costa Calma — Pecenescal und für den Abschnitt Caldereta — Corralejo eine staatliche Finanzierung vorgesehen ist.

Der geplante Abschnitt zwischen Costa Calma und Pecenescal könnte Einfluss auf die Dünen im Park von Jandía haben, der mit Gesetz 12/1987 vom 19. Juni zum Naturpark erklärt und auch mit Gesetz 12/1994 vom 19. Dezember ein weiteres Mal so eingestuft wurden. Außerdem wurde das für die Bauarbeiten vorgesehene Gebiet zum Vogelschutzgebiet im Sinne der Richtlinie 79/409/EWG[1] erklärt und gilt als Gebiet von geologischer, biologischer und landschaftlicher Bedeutung, dessen Flora und Fauna zahlreiche Endemismen sowie bedrohte und geschützte Arten aufweist. Das ist ein Gebiet von besonderer Bedeutung und als solches anerkannt durch die Abkommen von Bern und Bonn und die Richtlinie 92/43/EWG[2].

Nach einer Studie von Professor P. W. Höllermann vom Institut für Geografie der Universität Bonn „könnte die geplante Straße die Dünendynamik und insbesondere den Sandnachschub für das Lee- und Echodünensystem beeinflussen“. „Die Fahrbahn, die sich durch das ganze Gebiet bis hin zum Morro Jable zieht, ist insbesondere in dem erhöht gebauten Teil zu einem Deich geworden, der kaum Wasser und Sand durchlässt. Mit der noch nicht fertig gebauten künftigen Schnellstraße würde das Problem weiter vertieft, weil der Sandnachschub zum Strand und zu den Dünen beträchtlich verringert würde.“

Der Bau des Abschnitts Caldereta — Corralejo, der am Rande des Dünennaturparks verläuft, könnte in den Steppen Fuerteventuras einen prioritären Lebensraum bedrohter Vögel, zum Beispiel der Großtrappen, zerstören. Dies wäre ein Verstoß gegen die Richtlinien 79/409/EWG, 92/43/EWG und 85/337/EWG[3].

In erst kürzlich vorgelegten Studien wird eine sehr kleine, aber wichtige Großtrappen- population in diesem Gebiet erwähnt. Die Schnellstraße würde diese Population zweiteilen und viele Verkehrunfälle provozieren, und von Ausgleichmaßnahmen zur Eindämmung des Schadens ist nichts bekannt.

Ist der Europäischen Kommission bekannt, dass die Straßenbauprojekte für die so genannte Inselachse von Fuerteventura zwischen Costa Calma und Pecenescal und zwischen Caldereta und Corralejo durch das Gemeinschaftsrecht geschützte Gebiete und Arten beeinflussen könnten? Was gedenkt die Kommission zu unternehmen, damit geltendes Umweltrecht eingehalten wird?

ABl. C 328 vom 30/12/2006