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Parlamentarische Anfragen
PDF 29kWORD 40k
13. August 2009
E-4142/09
SCHRIFTLICHE ANFRAGE E-4142/09
von Anja Weisgerber (PPE)
an die Kommission

 Betrifft: Orphanet-Datenbank für seltene Krankheiten — Lyme-Borreliose (ORPHA91546)
 Schriftliche Antwort 

Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die die Organe, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befallen kann. Die Übertragung erfolgt vor allem durch den Holzbock, eine Zeckenart.

In der Orphanet-Datenbank der Europäischen Union wird die Lyme-Borreliose als seltene Erkrankung ohne statistische Zahlenangaben geführt. Eine Erkrankung wird in der Europäischen Union allgemein als seltene Krankheit eingestuft, wenn in der EU weniger als 5 von 10 000 Personen betroffen sind.

Aktuelle Zahlen der gesetzlichen deutschen Krankenkassen AOK, Barmer, DAK und Techniker Krankenkasse, die mit 45,1 Millionen Versicherten mehr als die Hälfte aller Bundesbürger repräsentieren, weisen eine Infektionsrate ihrer Versicherten von durchschnittlich 0,4 % aus. Hochgerechnet auf 82 Millionen Bundesbürger in Deutschland ergeben sich daraus wenigstens 326 680 Erkrankungen, die 2008 durch eine Wanderröte eindeutig diagnostiziert wurden. Da sich jedoch nur die Hälfte aller Infektionen durch eine Wanderröte bemerkbar macht, ist von einer Verdoppelung der Borreliose-Infektionen auszugehen.

Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien in Oberschleißheim räumt seit Jahren ein, dass zehn Prozent aller Borreliose-Fälle nicht mehr geheilt werden können, also chronisch krank bleiben. Die ärztliche Fachgesellschaft Deutsche Borreliose-Gesellschaft e. V. geht davon aus, dass in Deutschland mehr als eine Million Menschen von chronischer Borreliose betroffen sind, wovon ein Großteil gar nicht weiß, woran er leidet und auch nicht therapiert wird. Diese Zahlen sind in vielen weiteren EU-Staaten vergleichbar hoch.

Wieso wird die Infektionskrankheit Lyme-Borreliose trotz anderslautender aktueller Zahlen offiziell immer noch verharmlosend als „seltene Krankheit“ eingestuft?

Besteht nach Einschätzung der EU-Kommission die Aussicht, dass die Einstufung der Lyme-Borreliose korrigiert und die Krankheit künftig als „chronische Krankheit“ geführt wird und damit mehr öffentliche Förderung erhält?

 ABl. C 10 E vom 14/01/2011
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