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Angenommene Texte
Dienstag, 21. September 2010 - Straßburg
Entwurf des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010: OLAF und Überprüfung der Eigenmittel
 Vollendung des Binnenmarktes für den elektronischen Handel
 Untersuchung und Verhütung von Unfällen und Störungen in der Zivilluftfahrt ***I
 Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung ***I
 Rückübernahmeabkommen EG/Pakistan ***
 Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei
 EU-Rechtsvorschriften zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
 Gemeinschaftskonzept zur Verhütung von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen
 Verringerung der Armut und Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern

Entwurf des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010: OLAF und Überprüfung der Eigenmittel
PDF 206kWORD 33k
Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zu dem Standpunkt des Rates zu dem Entwurf des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010 der Europäischen Union für das Haushaltsjahr 2010, Einzelplan III – Kommission (13473/2010 – C7-0260/2010 – 2010/2091(BUD))
P7_TA(2010)0319A7-0249/2010

Das Europäische Parlament,

–  gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, insbesondere auf Artikel 314, und auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 106a,

–  gestützt auf die Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1605/2002 des Rates vom 25. Juni 2002 über die Haushaltsordnung für den Gesamthaushaltsplan der Europäischen Gemeinschaften(1), insbesondere auf die Artikel 37 und 38,

–  unter Hinweis auf den Gesamthaushaltsplan der Europäischen Union für das Haushaltsjahr 2010, der am 17. Dezember 2009 endgültig festgestellt wurde(2),

–  gestützt auf die Interinstitutionelle Vereinbarung vom 17. Mai 2006 zwischen dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission über die Haushaltsdisziplin und die wirtschaftliche Haushaltsführung(3),

–  in Kenntnis des Entwurfs des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010 der Europäischen Union für das Haushaltsjahr 2010, der von der Kommission am 15. Juni 2010 vorgelegt wurde (KOM(2010)0320),

–  in Kenntnis des Standpunkts des Rates zum Entwurf des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010, der vom Rat am 13. September 2010 festgelegt wurde (13473/2010 – C7-0260/2010),

–  gestützt auf die Artikel 75b und 75e seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Haushaltsausschusses (A7-0249/2010),

A.  in der Erwägung, dass der Standpunkt des Rates zum Entwurf des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010 Änderungen am Stellenplan von OLAF, ohne zusätzliche Mittelzuweisungen, sowie die Überarbeitung der Vorausschau der traditionellen Eigenmittel (TEM, d.h. Zölle und Zuckerabgaben), die Mehrwertsteuer- und Bruttonationaleinkommen-Grundlagen, die haushaltsmäßige Erfassung der einschlägigen Korrekturen des Vereinigten Königreiches sowie deren Finanzierung und die Überarbeitung der Finanzierung von BNE-Minderungen zugunsten der Niederlande und von Schweden im Jahr 2010 abdeckt, was zu einer Veränderung der Verteilung der Eigenmittelbeiträge der Mitgliedstaaten zum EU-Haushalt führt,

B.  in der Erwägung, dass der Zweck des Entwurfs des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010 darin besteht, diese Haushaltsanpassung förmlich in den Haushaltsplan 2010 aufzunehmen,

C.  in der Erwägung, dass der Rat seinen Standpunkt am 13. September 2010 festgelegt hat,

1.  nimmt Kenntnis von dem Entwurf des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010;

2.  billigt den Standpunkt des Rates zu dem Entwurf des Berichtigungshaushaltsplans Nr. 5/2010 ohne Abänderungen und beauftragt seinen Präsidenten, festzustellen, dass der Berichtigungshaushaltsplan Nr. 4/2010 endgültig erlassen ist, und seine Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union zu veranlassen;

3.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission zu übermitteln.

(1) ABl. L 248 vom 16.9.2002, S. 1.
(2) ABl. L 64 vom 12.3.2010.
(3) ABl. C 139 vom 14.6.2006, S. 1.


Vollendung des Binnenmarktes für den elektronischen Handel
PDF 376kWORD 113k
Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zur Vollendung des Binnenmarktes für den elektronischen Handel (2010/2012(INI))
P7_TA(2010)0320A7-0226/2010

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Urteile des EuGH in den Rechtssachen Google (Verbundene Rechtssachen C-236/08 bis C-238/08, Urteil vom 23. März 2010) und BergSpechte (Rechtssache C-278/08, Urteil vom 25. März 2010), in denen als durchschnittlicher Internet-Verbraucher ein „normal informierter und angemessen aufmerksamer Internetnutzer“ bezeichnet wird,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 9 . März 2010 zum Verbraucherschutz(1),

–  unter Hinweis auf den Jahresbericht von SOLVIT für 2008 über die Entwicklung und die Leistung des SOLVIT-Netzwerks (SEK(2009)0142), das Arbeitspapier der Kommissionsdienststellen vom 8. Mai 2008 über einen Aktionsplan zu einem integrierten Ansatz für die Bereitstellung von Binnenmarktunterstützungsdiensten für Bürger und Unternehmen (SEK(2008)1882) und die Entschließung des Parlaments vom 9. März 2010 zu SOLVIT(2),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 3. März 2010 mit dem Titel „Europa 2020: Eine Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“ (KOM(2010)2020),

–  in Kenntnis des Arbeitsdokuments der Kommissionsdienststellen vom 3. Dezember 2009 mit dem Titel „Leitlinien zur Durchführung/Anwendung der Richtlinie 2005/29/EG über unfaire Handelspraktiken“ (SEK(2009)1666),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 22. Oktober 2009 über den grenzüberschreitenden elektronischen Handelsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrauchern in der EU (KOM(2009)0557),

–  unter Hinweis auf die im Auftrag der Kommission (GD SANCO) von dem Unternehmen YouGovPsychonomics durchgeführte und am 20. Oktober 2009 veröffentlichte Studie mit dem Titel „Bewertung von Testkäufen im Rahmen des grenzüberschreitenden elektronischen Handels in der EU“,

–  in Kenntnis des Arbeitsdokuments der Dienststellen der Kommission vom 22. September 2009 über Folgemaßnahmen zum Verbraucherbarometer in Bezug auf Finanzdienstleistungen für Privatkunden (SEK(2009)1251),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 7. Juli 2009 über eine harmonisierte Methodik zur Klassifizierung und Meldung von Verbraucherbeschwerden und Verbraucheranfragen (KOM(2009)0346) und des dazugehörigen Entwurfs einer Empfehlung der Kommission (SEK(2009)0949),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 2. Juli 2009 zum Stand der Durchsetzung des gemeinschaftlichen Besitzstands im Verbraucherschutz (KOM(2009)0330),

–  in Kenntnis des Berichts der Kommission vom 2. Juli 2009 über die Anwendung der Verordnung (EG) Nr. 2006/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Oktober 2004 über die Zusammenarbeit zwischen den für die Durchsetzung der Verbraucherschutzgesetze zuständigen nationalen Behörden („Verordnung über die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz“) (KOM(2009)0336),

–  in Kenntnis des Arbeitsdokuments der Dienststellen der Kommission vom 5. März 2009 mit dem Titel „Bericht über grenzüberschreitenden elektronischen Handelsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrauchern in der EU“ (SEK(2009)0283),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 5. Februar 2009 zum internationalen Handel und zum Internet(3),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 28. Januar 2009 mit dem Titel „Überwachung von verbraucherrelevanten Ergebnissen im Binnenmarkt: Zweite Ausgabe des Verbraucherbarometers“ (KOM(2009)0025) und des dazugehörigen Arbeitsdokuments der Dienststellen der Kommission mit dem Titel „Zweites Verbraucherbarometer“ (SEK(2009)0076),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 21. Juni 2007 zu dem Vertrauen der Verbraucher in das digitale Umfeld(4),

–  unter Hinweis auf Artikel 20 Absatz 2 der Richtlinie 2006/123/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 über Dienstleistungen im Binnenmarkt(5),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2006/114/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 über irreführende und vergleichende Werbung (kodifizierte Fassung)(6),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. März 2006 zum europäischen Vertragsrecht und zur Überarbeitung des gemeinschaftlichen Besitzstands: weiteres Vorgehen(7) und seine Entschließung vom 7. September 2006 zum europäischen Vertragsrecht(8),

–  unter Hinweis auf das geltende Gemeinschaftsrecht im Bereich des Verbraucherschutzes, des elektronischen Geschäftsverkehrs und der Entwicklung der Informationsgesellschaft,

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission über die Überprüfung des EU-Rechtsrahmens für elektronische Kommunikationsnetze und -dienste (KOM(2006)0334),

–  unter Hinweis auf den Ersten Anwendungsbericht vom 21. November 2003 über die Richtlinie zum elektronischen Handel (KOM(2003)0702),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2002/65/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. September 2002 über den Fernabsatz von Finanzdienstleistungen an Verbraucher und zur Änderung der Richtlinie 90/619/EWG des Rates und der Richtlinien 97/7/EG und 98/27/EG(9),

–  unter Hinweis auf das UNCITRAL-Modellgesetz von 1996 über den elektronischen Handel, das UNCITRAL-Modellgesetz von 2001 über elektronische Signaturen und das UNCITRAL-Übereinkommen von 2005 über die Nutzung elektronischer Kommunikation beim Abschluss grenzüberschreitender Verträge(10),

–  gestützt auf Artikel 11 AEUV, in dem folgendes verfügt wird: „Die Erfordernisse des Umweltschutzes müssen bei der Festlegung und Durchführung der Unionspolitiken und -maßnahmen insbesondere zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung einbezogen werden“,

–  gestützt auf Artikel 12 AEUV, in dem folgendes verfügt wird: „Den Erfordernissen des Verbraucherschutzes wird bei der Festlegung und Durchführung der anderen Unionspolitiken und –maßnahmen Rechnung getragen“,

–  gestützt auf Artikel 14 AEUV und das dazugehörige Protokoll Nr. 26 betreffend Dienstleistungen von allgemeinem (wirtschaftlichem) Interesse,

–  gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz sowie der Stellungnahmen des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie und des Rechtsausschusses (A7-0226/2010),

A.  in der Erwägung, dass Europa nicht nur nach Wegen zur Weiterentwicklung des Binnenmarktes für den elektronischen Handel suchen, sondern sich auch mit der Frage befassen sollte, wie der Binnenmarkt durch die Weiterentwicklung des elektronischen Handels nachhaltig wiederbelebt werden könnte,

B.  in der Erwägung, dass in dem Bericht von Mario Monti „Eine neue Strategie für den Binnenmarkt“ vom 9. Mai 2010 darauf hingewiesen wird, dass der Binnenmarkt nie zuvor so unpopulär gewesen ist, gerade jetzt aber stärker denn je gebraucht wird; in der Erwägung, dass in dem Bericht ebenfalls darauf hingewiesen wird, dass der elektronische Handel in Verbindung mit innovativen Diensten und der Ökoindustrie künftig die größten Wachstums- und Beschäftigungsdividenden zu verzeichnen haben wird und daher eine neue Grenze des Binnenmarkts darstellt,

C.  in der Erwägung, dass der elektronische Handel eine treibende Kraft des Internet und ein wichtiger Katalysator für die Verwirklichung der Zielvorgaben der Strategie EU 2020 für den Binnenmarkt ist; in der Erwägung, dass es für alle Akteure wichtig ist, bei der Überwindung verbleibender Barrieren zusammenzuarbeiten,

D.  unter Hinweis darauf, dass der elektronische Geschäftsverkehr die Entwicklung neuer Marktnischen, die andernfalls nicht existieren würden, für kleine und mittlere Unternehmen erleichtert und fördert,

E.  in der Erwägung, dass im elektronischen Handel tätige Unternehmen mit Blick auf die Erschließung des uneingeschränkten Potenzials des EU-Binnenmarkts dazu angehalten werden sollten, mit Direktwerbung oder anderen Vermarktungsmethoden in allen EU-Mitgliedstaaten für ihre Produkte zu werben,

F.  in der Erwägung, dass der elektronische Handel ein Schlüsselmarkt des 21. Jahrhunderts für die Europäische Union ist, der Möglichkeiten bietet, den europäischen Binnenmarkt neu zu gestalten, einen Beitrag zur wissensbasierten Wirtschaft zu leisten, für die europäischen Verbraucher und Unternehmen in dieser Zeit der finanziellen Belastung nützliche Vorteile und Chancen zu schaffen und die Beschäftigung und das Wachstum beträchtlich und positiv zu beeinflussen; in der Erwägung, dass die Wirtschaft der EU durch die Weiterentwicklung des elektronischen Geschäftsverkehrs im Rahmen der Strategie der Kommission „EU 2020“ wettbewerbsfähiger werden kann, u. a. durch die Entwicklung und Förderung neuer Formen des Unternehmertums in kleinen und mittelständischen Unternehmen,

G.  in der Erwägung, dass es von ausschlaggebender Bedeutung ist, ein effektives Funktionieren des Binnenmarktes herbeizuführen, um die Zielvorgaben der Agenda von Lissabon – Steigerung von Wachstum, Wettbewerb und Schaffung integrativer und wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze – im Dienste der 500 Millionen Verbraucher in der EU und im Interesse von deren Wohlstand zu verwirklichen; in der Erwägung, dass der grenzüberschreitende elektronische Handel den europäischen Verbrauchern bedeutende sozioökonomische Vorteile bringt, wie größere Erleichterungen und Handlungsfreiheit, eine Stärkung der Verbraucherrechte, mehr Transparenz und Wettbewerb, Zugang zu einer breiteren Palette von Produkten und Dienstleistungen, die zur Auswahl stehen und miteinander verglichen werden können, sowie erhebliche Einsparungsmöglichkeiten,

H.  in der Erwägung, dass während der jüngsten Wirtschaftskrise die Entwicklung der digitalen Gesellschaft und die Vollendung des Binnenmarktes für den IT-Sektor dem Sektor des elektronischen Handels weiteres Wachstum und die weitere Schaffung von Arbeitsplätzen ermöglicht haben und damit zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Tätigkeit der Online-Unternehmen beigetragen und es den Verbrauchern ermöglicht haben, sich eine größere Auswahl und günstigere Preise zunutze zu machen; in der Erwägung, dass der grenzüberschreitende elektronische Handel bedeutende Vorteile für die Unternehmen in der EU – insbesondere KMU – aufweist, die innovative, qualitativ hochwertige und verbraucherfreundliche Dienstleistungen und Produkte im gesamten europäischen Online-Binnenmarkt bereitstellen können und dadurch ihre Position stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Wirtschaft erhalten können,

I.  unter Hinweis darauf, dass der elektronische Geschäftsverkehr eine größere Auswahl für die Verbraucher möglich macht, insbesondere für diejenigen, die in schwer zugänglichen oder abgelegenen Gebieten wohnen, und Personen mit eingeschränkter Mobilität, die andernfalls keinen Zugang zu einem breiteren Warenangebot hätten; in der Erwägung, dass der elektronische Handel insbesondere Bürgern in den ländlichen Gebieten, entlegenen Regionen und den Randregionen zugute kommt, die andernfalls keinen so leichten Zugang zu einer breiten Produktpalette oder entsprechenden Preisangeboten hätten,

J.  in der Erwägung, dass der Zweite Bericht über die Anwendung der Richtlinie zum elektronischen Handel seit 2005, also seit fünf Jahren (Artikel 21 der Richtlinie 2000/31/EG), aussteht,

K.  in der Erwägung, dass in der Digitalen Agenda für Europa vernünftige Leistungsvorgaben für die flächendeckende Bereitstellung schneller und ultraschneller Breitbanddienste und die Verbreitung des elektronischen Handels festgelegt sind,

L.  in der Erwägung, dass das Vertrauen der europäischen Verbraucher und Unternehmen in das digitale Umfeld aufgrund unnötiger Hindernisse für den elektronischen Geschäftsverkehr, wie die Fragmentierung des EU-Marktes, die Verunsicherung der Verbraucher in Bezug auf den Datenschutz, die Sicherheit von Transaktionen und ihre Rechte im Problemfall, gering ausgeprägt ist und dass Europa in bestimmten Aspekten des elektronischen Geschäftsverkehrs gegenüber den Vereinigten Staaten und Asien ins Hintertreffen geraten ist; in der Erwägung, dass die Schaffung eines „digitalen Binnenmarkts“, der grenzübergreifende Transaktionen in einer Online-Umgebung für alle Verbraucher in der Europäischen Union erleichtert, entscheidend zur Stärkung des Binnenmarkts beiträgt, da den Bürgern dadurch ein größeres Warenangebot zur Verfügung steht; in der Erwägung, dass eine Beseitigung der Hindernisse für den grenzüberschreitenden elektronischen Handel und die Stärkung des Vertrauens der Verbraucher von wesentlicher Bedeutung sind, um einen attraktiven, integrierten digitalen Binnenmarkt für Europa zu verwirklichen und die Verbrauchermärkte und die Wirtschaft allgemein zu beleben,

M.  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission zu der digitalen Agenda, in der eingeräumt wird, dass sich die Verbraucher in der EU oft für Geschäfte mit außerhalb der EU, etwa in den USA, ansässigen Anbietern entscheiden, woran sich zeigt, wie wichtig es ist, eine Politik zur Förderung eines weltweiten elektronischen Geschäftsverkehrs zu formulieren, und wie notwendig es ist, die Bedeutung der Internationalisierung der Internet-Governance entsprechend der Agenda von Tunis herauszustellen; in der Erwägung, dass weder die Verbraucher noch die Unternehmen die Vorteile eines digitalen Binnenmarkts in vollem Umfang genießen können, da nur sehr wenige Online-Einzelhändler ihre Produkte oder Dienstleistungen in andere Mitgliedstaaten verkaufen, und wenn, dann meist nur in eine begrenzte Zahl von Mitgliedstaaten; in der Erwägung, dass Diskriminierungen der Verbraucher angegangen werden müssen, auch bei der Zahlung, indem dafür gesorgt wird, dass Bestimmungen für die Zahlung, den Zahlungseingang und die Lieferung festgelegt werden; in der Erwägung, dass der elektronische Handel zu einem bedeutenden Zweig des normalen Wirtschaftsablaufs geworden ist und die Verbraucher zunehmend sowohl online als auch offline Geschäfte abschließen, je nachdem, was für sie günstiger ist,

N.  in der Erwägung, dass der elektronische Geschäftsverkehr international ist und sich nicht auf die Grenzen der EU beschränken lässt,

O.  in der Erwägung, dass in der Digitalen Agenda für Europa vernünftige Leistungsvorgaben für die flächendeckende Bereitstellung schneller und ultraschneller Breitbanddienste und die Verbreitung des elektronischen Handels festgelegt sind,

P.  in der Erwägung, dass die teilweise Zersplitterung des elektronischen Marktes in der EU die im gemeinschaftlichen Besitzstand verbrieften Rechte gefährdet,

Q.  in der Erwägung, dass die europäischen Verbraucher und Unternehmen wenig Rechtssicherheit haben, was den grenzüberschreitenden elektronischen Handel betrifft, und eine einzige elektronische Transaktion einer Vielfalt von Rechtsvorschriften mit unterschiedlichen Auflagen unterliegt, was weder den Unternehmern noch den Verbrauchern klare und leicht durchzuführende Vorschriften an die Hand gibt,

R.  in der Erwägung, dass dasselbe auch für den außereuropäischen elektronischen Handel gilt, da die europäischen Verbraucher beim Onlinekauf oder -verkauf oft nicht zwischen europäischen Staaten und Drittstaaten unterscheiden; in der Erwägung, dass daher auch Drittländer in die Bemühungen um einen transparenteren, zuverlässigeren und verantwortungsvolleren elektronischen Handel einbezogen werden müssen,

S.  in der Erwägung, dass die wachsende grenzüberschreitende Dimension der Verbrauchermärkte neue Herausforderungen für die für die Rechtsdurchsetzung zuständigen Behörden mit sich bringt, denen durch territoriale Zuständigkeit und die Fragmentierung des Regelungsrahmens Grenzen gesetzt sind,

T.  in der Erwägung, dass die Entstehung rechtmäßiger Märkte für bestimmte digitale Dienste, vor allem für Musik, Filme sowie zunehmend auch für Bücher und Zeitschriften, durch online bereitgestellte illegale Dienste schwer behindert wird; in der Erwägung, dass das geistige Eigentum eine entscheidende Rolle in der digitalen Welt spielt und dass daher seine Sicherung, insbesondere im Internet, weiterhin eine besondere Herausforderung darstellt,

U.  in der Erwägung, dass Nutzer des elektronischen Geschäftsverkehrs im Falle rechtswidriger Praktiken zwar ein Recht auf Schadensersatz haben, in der Praxis jedoch infolge von Unkenntnis der in den einzelnen Mitgliedstaaten geltenden Rechtsvorschriften, langwierigen und komplexen Verfahren und den mit einem Rechtsstreit verbundenen Risiken – insbesondere in grenzüberschreitenden Fällen – sowie infolge von hohen Kosten erhebliche Hindernisse zu überwinden haben, wenn sie in einem solchen Fall vor Gericht gehen,

V.  in der Erwägung, dass die Durchsetzung des Grundrechtes auf Achtung der Privatsphäre und auf den Schutz personenbezogener Daten eine wichtige Vorbedingung für den elektronischen Handel darstellt,

W.  in der Erwägung, dass trotz des Potenzials der alternativen Streitbeilegung nur 5 % der Einzelhändler regelmäßig die Systeme der alternativen Streitbeilegung in Anspruch nehmen und 40 % der Einzelhändler nichts über die Möglichkeiten der Inanspruchnahme solcher Instrumente wissen,

X.  in der Erwägung, dass die Vereinheitlichung der wesentlichsten Verbraucherrechte sowie der Post- und Bankgebühren, der Urheberrechtsabgaben, der MwSt.-Verfahren und der Datenschutzpraktiken ein sehr weitreichender Schritt hin zur Schaffung eines wirklichen Binnenmarktes für Unternehmen und Verbraucher wäre; unter nachdrücklichem Hinweis darauf, dass die Zuständigkeit für die umsatzsteuerliche Behandlung nach wie vor den Mitgliedstaaten vorbehalten sein muss,

Y.  in der Erwägung, dass die verschiedenen Systeme zur Erhebung von Urheberrechtsgebühren in den einzelnen Mitgliedstaaten vereinfacht und klarer gestaltet werden müssen, so dass es für Online-Anbieter einfacher wird, ihre Waren und Dienstleistungen den Verbrauchern in verschiedenen Mitgliedstaaten anzubieten; in der Erwägung, dass die Überarbeitung der Systeme zur Erhebung von Urheberrechtsgebühren größere Rechtssicherheit für Online-Anbieter von Waren und Dienstleistungen schaffen würde; in der Erwägung, dass unbedingt ein hohes Maß an Verbraucherschutz gewährleistet werden muss, damit das Vertrauen in Online-Waren und -Dienstleistungen gestärkt wird und gewährleistet ist, dass auf dem Online-Markt die Gepflogenheiten des Handels beachtet werden; in der Erwägung, dass es noch eine Reihe gravierender struktureller und ordnungsrechtlicher Hindernisse gibt, die einem voll funktionierenden europäischen Binnenmarkt für den elektronischen Handel im Wege stehen, beispielsweise die nationale Fragmentierung der Verbraucherschutzvorschriften und der Bestimmungen über Mehrwertsteuer, Recycling-Gebühren und Abgaben, sowie die missbräuchliche Anwendung von Regeln über Vereinbarungen über den ausschließlichen und selektiven Vertrieb von Waren,

Z.  in der Erwägung, dass der Zugang zu erschwinglichen, zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Postdiensten in der gesamten Europäischen Union bei der Verwirklichung eines funktionsfähigen Binnenmarkts für den elektronischen Handel eine Priorität darstellt; unter Hinweis darauf, dass die gegenwärtigen vertikalen Vertriebsvereinbarungen oft herangezogen werden, um den Online-Absatz zu unterbinden oder einzuschränken, wodurch den Einzelhändlern der Zugang zu umfassenderen Märkten verwehrt und den Verbrauchern der Anspruch auf eine größere Auswahl und bessere Preise versagt wird, sodass Hindernisse für die Expansion des Handels geschaffen werden; in der Erwägung, dass der grenzüberschreitende elektronische Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen fördern kann, indem er es ihnen ermöglicht, Bauteile, Dienstleistungen und Know-how problemlos auf dem gesamten Binnenmarkt zu beschaffen (und damit auch neue größenbedingte Kosteneinsparungen zu erzielen), und dass der grenzüberschreitende elektronische Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen außerdem eine Chance für Unternehmen und insbesondere KMU darstellt, sich einen internationalen Kundenstamm zu verschaffen, ohne in einem anderen Mitgliedstaat physisch präsent sein zu müssen,

AA.  in der Erwägung, dass der elektronische Handel durch den Einsatz von kohlenstoffarmen und umweltfreundlichen Technologien, Standards, Gütezeichen, Produkten und Dienstleistungen die Entwicklung eines ökologischen Binnenmarktes fördert,

AB.  in der Erwägung, dass der Rechtsschutz und das Vertrauen der Käufer im elektronischen Handel gestärkt werden müssen, dabei aber auch nicht vergessen werden darf, dass auch die Verkäufer und Gewerbetreibenden rechtlichen Schutz brauchen,

AC.  in der Erwägung, dass Wachstum am besten durch Flexibilität auf den Märkten gefördert werden kann, sowie in der Erwägung, dass die europäischen Institutionen dafür sorgen sollten, dass die Online-Märkte möglichst flexibel sind, damit umfangreichere Unternehmungen und Expansionen in diesem Sektor möglich sind; in der Erwägung, dass der digitale Binnenmarkt nur dann vollendet werden kann, wenn grundlegende Rechtsvorschriften über den Binnenmarkt einschließlich der Dienstleistungsrichtlinie in allen EU-Mitgliedstaaten korrekt umgesetzt werden; in der Erwägung, dass unbedingt für Rechtssicherheit und Transparenz bei der Abgeltung von Rechten zu sorgen ist, wenn ein Internet-Einzelhändler urheberrechtlich geschützte Inhalte auf eine Website hochlädt; in der Erwägung, dass das Internet zwar der Vertriebsweg im Einzelhandel ist, dessen Anteil am schnellsten wächst, und der elektronische Handel auf nationaler Ebene kontinuierlich zunimmt, dass sich jedoch der Abstand zwischen dem inländischen und dem grenzüberschreitenden elektronischen Handel in der EU weiter vergrößert und die europäischen Verbraucher in einigen Mitgliedstaaten der EU mit geografischen, technischen und organisatorischen Einschränkungen ihrer Auswahlmöglichkeiten konfrontiert sind,

AD.  in der Erwägung, dass das Verbraucherbarometer der Kommission gut dafür geeignet ist, den Stand des grenzüberschreitenden elektronischen Handels in der EU zu beobachten, da es Angaben dazu beinhaltet, in welchem Umfang Verbraucher die Waren und Dienstleistungen im Binnenmarkt nutzen können,

AE.  in der Erwägung, dass der Ausbau der Breitband-Internetdienste in allen EU-Mitgliedstaaten im Rahmen der für 2013 gesetzten Zielvorgabe entscheidend ist, um sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen den Zugang zur digitalen Wirtschaft zu ermöglichen,

Einleitung

1.  begrüßt die Mitteilung der Kommission vom 22. Oktober 2009 über den grenzüberschreitenden elektronischen Handelsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrauchern in der EU;

2.  begrüßt die Mitteilung der Kommission vom 19. Mai 2010 „Eine Digitale Agenda für Europa“ und die darin skizzierte Strategie der Kommission, die unter anderem darauf abzielt, Online-Transaktionen überschaubar zu gestalten und das Vertrauen in digitale Vorgänge zu stärken;

3.  fordert die Kommission auf, der dringenden Aufforderung im Bericht von Mario Monti „Eine neue Strategie für den Binnenmarkt“, die EU müsse die verbleibenden Hindernisse für die Schaffung eines gesamteuropäischen Online-Einzelhandelsmarkts bis 2012 im Interesse der Zukunft des Binnenmarkts unbedingt abbauen, Folge zu leisten;

4.  begrüßt die in der Strategie EU-2020 geplante Förderung einer wissensbasierten Wirtschaft und fordert die Kommission auf, zügig Maßnahmen zu ergreifen, um die Bereitstellung von Breitbanddiensten zu beschleunigen und die mit diesen Diensten verbundenen Gebühren in der Union zu vereinheitlichen, um auf diese Weise die Verwirklichung eines Binnenmarkts für den elektronischen Handel voranzubringen;

5.  fordert die Kommission auf, alle grundlegenden Begriffsbestimmungen auf diesem Gebiet innerhalb eines angemessenen Zeitraums zu harmonisieren und gleichzeitig die schwierige Arbeit anzuerkennen, die in verschiedenen für den elektronischen Handel relevanten Bereichen bereits geleistet worden ist;

6.  unterstreicht, dass zur Vollendung des Binnenmarkts für den elektronischen Handel eine horizontale Vorgehensweise durch die Kommission erforderlich ist, wobei sich die Generaldirektionen wirksam abstimmen müssen; begrüßt deshalb die jüngste Initiative der Kommission (in ihrem Bericht „Eine Digitale Agenda für Europa“), eine Gruppe von Kommissionsmitgliedern einzusetzen, um eine wirksame und geschlossene Vorgehensweise sicherzustellen;

7.  weist darauf hin, dass der elektronische Handel nicht als Selbstzweck, sondern als zusätzliches Hilfsmittel betrachtet werden sollte, das es KMU ermöglicht, sich besser im Wettbewerb zu behaupten;

8.  unterstreicht, dass es im Rahmen der Bemühungen um eine Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der EU gilt, das Potenzial des elektronischen Handels in vollem Umfang zu nutzen;

9.  fordert die Kommission auf, die Förderung eines reibungslos funktionierenden digitalen Binnenmarkts für Waren und Dienstleistungen als dringliche Angelegenheit zu behandeln, um das riesige, bisher unerschlossene Potenzial dieses Marktes für Wachstum und Beschäftigung zu nutzen;

10.  unterstreicht die Notwendigkeit einer aktiven Politik, um die Bürger und die Unternehmen in die Lage zu versetzen, uneingeschränkt Nutzen aus dem Binnenmarkt zu ziehen, der hochwertige Waren und Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen anbietet; ist der Auffassung, dass dies in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise um so wichtiger ist als Instrument, um gegen zunehmende Ungleichheiten vorzugehen und verwundbare, an entlegenen Orten wohnende Verbraucher oder Verbraucher mit eingeschränkter Mobilität, Gruppen mit niedrigem Einkommen sowie kleine und mittlere Unternehmen, die großes Interesse zeigen, sich am elektronischen Geschäftsverkehr zu beteiligen, zu schützen;

Vorgehen gegen die Fragmentierung des Online-Binnenmarktes

11.  fordert eine bessere Angleichung der vorvertraglichen Informationen für den elektronischen Handel, ein hohes Maß an Verbraucherschutz und – insoweit dies möglich ist – eine Anpassung dieser Harmonisierung, um eine größere Transparenz und Vertrauen zwischen Verbrauchern und Verkäufern zu gewährleisten, während gleichzeitig an dem Ansatz der minimalen Harmonisierung für Verträge in spezifischen Bereichen festzuhalten ist;

12.  verweist darauf, dass erhebliche Unterschiede bei den Vorschriften und Praktiken von Versandhändlern bestehen, was die Garantien und die Haftung betrifft, die sie innerhalb ihrer nationalen Grenzen und darüber hinaus bieten, und den Nutzen, den sie aus einer Harmonisierung ziehen würden; fordert eine eingehende Abschätzung der Folgen, die eine Harmonisierung der Vorschriften bezüglich der rechtlichen Garantie für die Konformität mit den geltenden nationalen Bestimmungen für den elektronischen Handel hätte;

13.  fordert die Vereinheitlichung der Vorschriften und Praktiken, um Versandhändlern zu ermöglichen, sich im Hinblick auf die angebotenen Garantien und die Haftung über ihre nationalen Grenzen hinweg zu bewegen;

14.  befürwortet die Entwicklung eines geeigneten, effizienten, sicheren und innovativen Online-Zahlungsverfahrens, das den Verbrauchern bezüglich der Zahlungsart Freiheit und Auswahl lässt, bei dem keine Gebühren erhoben werden, die diese Auswahl wertlos machen oder einschränken, und bei dem der Schutz der Daten der Verbraucher gewährleistet ist;

15.  betont, dass es wichtig ist, das Vertrauen in die grenzüberschreitenden Internet-Zahlungssysteme (z. B. Kredit- und Debitkarten und elektronische Geldbörsen) zu verstärken, indem eine Reihe von Zahlungsmethoden gefördert wird, die Interoperabilität und gemeinsame Standards vorangetrieben werden, technische Hindernisse angegangen werden, die sichersten Technologien für elektronische Geschäftsvorgänge unterstützt werden, die Rechtsvorschriften, die den Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit betreffen, harmonisiert und verschärft werden, betrügerische Aktivitäten bekämpft werden und die Öffentlichkeit unterrichtet und aufgeklärt wird;

16.  fordert die Kommission auf, einen Vorschlag für die Einführung eines europäischen Finanzinstruments für Kredit- und Debitkarten vorzulegen, um die Online-Bearbeitung von Kreditkartentransaktionen zu erleichtern;

17.  unterstreicht erneut, wie wichtig der grenzübergreifende elektronische Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen als Instrument für europäische Unternehmen, insbesondere KMU ist, das ihnen Wachstum, größere Wettbewerbsfähigkeit und die Entwicklung innovativerer Waren und Dienstleistungen ermöglicht; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, einen zuverlässigen und sicheren rechtlichen und ordnungspolitischen Rahmen zu schaffen, damit die Unternehmen die Garantien erhalten, die sie für eine vertrauensvolle Abwicklung des grenzüberschreitenden elektronischen Geschäftsverkehrs untereinander benötigen;

18.  begrüßt den Vorschlag der Kommission zur Förderung der elektronischen Rechnungsstellung und fordert den Rat auf, zügig zu einer Einigung mit dem Parlament zu gelangen; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Maßnahmen vorzuschlagen und Vereinbarungen abzuschließen mit dem Ziel, die Mehrwertsteuermeldepflichten für den grenzüberschreitenden elektronischen Handel zu vereinfachen und zu straffen, und die Verfahren für die Mehrwertsteuerregistrierung zu vereinfachen;

19.  begrüßt den Vorschlag der Kommission zur Vereinfachung der Mehrwertsteuermeldepflichten und zur „vereinfachten Rechnung“ für den Versandhandel und betont, dass im Bereich von Rechtsvorschriften über Steuern einschließlich der Mehrwertsteuer das Subsidiaritätsprinzip geachtet werden sollte;

20.  fordert die Kommission auf, ein integriertes System zur Einziehung der Mehrwertsteuer zur Verfügung zu stellen, damit KMU dazu ermutigt werden, angesichts des geringeren Verwaltungsaufwands grenzüberschreitend Handel zu treiben;

21.  unterstreicht die Notwendigkeit, die Auswirkungen des Mehrwertsteuer-Pakets auf die über Grenzen hinweg erbrachten Postdienste zu klären, damit es nicht zu Rechtsunsicherheit und Preiserhöhungen kommt; vertritt die Auffassung, dass die Befreiung der Universal-Postdienste von der Mehrwertsteuer in Übereinstimmung mit der EU-Mehrwertsteuerrichtlinie nicht den Auswirkungen einer neuen steuerlichen Regelung ausgesetzt sein darf, die sich auf den Ort der Erbringung der Dienstleistung stützt;

22.  fordert die Kommission auf, eine Folgenabschätzung zur Einrichtung oder Benennung nationaler Stellen vorzunehmen, welche die Anträge von Unternehmern oder Unternehmen aus ihren Mitgliedstaaten auf Eintragung für den grenzübergreifenden elektronischen Handel bearbeiten könnten, sowie zur Einrichtung einer europäischen Behörde, die die nationalen Behörden vernetzt, um die rasche Vollendung des Binnenmarktes zu gestatten;

23.  unterstreicht die Notwendigkeit, die Maßnahmen zu Elektro- und Elektronikabfällen, zum grenzüberschreitenden Management von Urheberrechtsgebühren auf unbeschriebene Datenträger und Aufzeichnungsgeräte und zur EU-weiten Lizenzierung von Inhalten sowie die EU-Vorschriften für auf elektronischem Weg übermittelte grenzüberschreitende Rechnungen (sogenanntes „e-invoicing“) für Fernverkäufe zu vereinfachen und zu straffen;

24.  spricht sich für eine Vereinfachung der derzeit geltenden Urheberrechtsgebühren aus, da das derzeitige System ein ernsthaftes Hindernis für die Verbraucher und das Funktionieren des Binnenmarkts darstellt;

25.  fordert die Kommission auf, Maßnahmen zur Unterstützung der Initiative für elektronische Rechnungen vorzuschlagen, um sicherzustellen, dass bis 2020 in ganz Europa elektronische Rechnungen verwendet werden;

26.  empfiehlt die Schaffung einer „einzigen Anlaufstelle“, die den Weg zu länderübergreifenden Lösungen für die Verwaltung der unterschiedlichen Vorschriften und Normen der Mitgliedstaaten ebnet, etwa bezüglich der Erklärung und Entrichtung der Mehrwertsteuer oder anderer geltender Steuern;

27.  fordert die Kommission auf, zu untersuchen, wie ein besserer Zugang zu kreativen Online-Inhalten wie Musik und audiovisuellen Inhalten gefördert und der Nachfrage der Bürger nach verbraucherfreundlichen grenzüberschreitenden Diensten entsprochen werden kann;

28.  fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission zur besseren Integration der Binnenmarktzentren unter Einbeziehung von SOLVIT, der zentralen Ansprechpartner (entsprechend den Bestimmungen der Dienstleistungsrichtlinie) und der Produktzentren (wie sie in der Verordnung über die gegenseitige Anerkennung vorgeschrieben werden), sowie zur Bereitstellung weiterführender Informationen auf, u. a. über rechtliche Auflagen, die Unternehmen beachten müssen, wenn sie ihre Waren grenzüberschreitend und über das Internet vertreiben; hält eine solche funktionierende „einzige Anlaufstelle“ für einen wesentlichen Faktor bei der Vollendung des Binnenmarktes für den elektronischen Handel;

29.  weist die Kommission darauf hin, dass es noch immer Lücken im Rechtsrahmen für Online-Dienste gibt, und fordert die Kommission auf, gezielte Legislativvorschläge vorzulegen, um den Zugang der Verbraucher zu online gehandelten Produkten und Dienstleistungen zu verbessern sowie ihr Vertrauen in diese Produkte und Dienstleistungen zu stärken und den Verbrauchern eine einzige Anlaufstelle als einfache Lösung zu bieten;

30.  weist auf die Notwendigkeit hin, die grenzüberschreitenden Vorschriften zu vereinfachen und die den Einzelhändlern und Unternehmen entstehenden Kosten für die Einhaltung der Vorschriften dadurch zu verringern, dass praktische Lösungen zu Fragen geboten werden wie der MwSt.-Meldepflicht und der Ausweisung der MwSt. bei der Rechnungsstellung, Elektronik-Altgeräten und Recycling-Gebühren, Urheberrechtsabgaben, Verbraucherschutz und Kennzeichnungsvorschriften sowie branchenspezifische Vorschriften; fordert hierzu die Einrichtung zentraler Anlaufstellen und die Förderung von Lösungen für grenzüberschreitende Behördendienste, wie z.B. elektronische Rechnungsstellung und elektronische Beschaffung;

31.  bedauert, dass die Dienstleistungsrichtlinie in einigen Mitgliedstaaten immer noch nicht vollständig umgesetzt worden ist; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, der Diskriminierung von Verbrauchern aufgrund ihrer elektronischen Anschrift oder ihres Wohnortes ein Ende zu bereiten und die effektive Durchsetzung von Artikel 20 Absatz 2 der Dienstleistungsrichtlinie zu gewährleisten sowie dafür zu sorgen, dass die nationalen Bestimmungen zur Übernahme dieses Diskriminierungsverbots in die Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten von den nationalen Behörden und Gerichten ordnungsgemäß durchgesetzt werden;

32.  betont die Bedeutung des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs für die weitere Entwicklung des elektronischen Geschäftsverkehrs unter besonderer Hervorhebung des Grundsatzes der Nichtdiskriminierung innerhalb des Binnenmarktes aufgrund von Nationalität oder Wohnsitz eines Empfängers; bekräftigt, dass dieser Grundsatz der Nichtdiskriminierung mit zusätzlichen rechtlichen und administrativen Auflagen für Angehörige anderer Mitgliedstaaten, die eine Dienstleistung oder günstigere Geschäftsbedingungen oder Preise in Anspruch nehmen wollen, unvereinbar ist; fordert daher die Kommission auf, auf der Grundlage von Artikel 20 Absatz 2 der Dienstleistungsrichtlinie gegen eine solche Diskriminierung vorzugehen;

33.  betont, wie wichtig es ist, eine unterschiedliche Behandlung von Online-Verbrauchern (je nach ihrem Herkunftsland) zu verhindern, indem Bestimmungen für Online-Zahlungen aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten festgelegt werden, wobei den Verbrauchern auch die freie Wahl zwischen den unterschiedlichen Online-Zahlungsmodalitäten gegeben werden muss;

34.  verlangt einen integrierten politischen Ansatz für die Vollendung des Verkehrsbinnenmarkts unter Abdeckung sämtlicher Verkehrsträger (einschließlich der Kabotage im Straßengüterverkehr, Schienengüterverkehr usw.) sowie für das Umweltrecht, damit keine Ineffizienz in der Lieferkette und keine unnötigen Mehrkosten für die Anbieter im Fernabsatz und die Kunden des elektronischen Geschäftsverkehrs entstehen;

35.  vertritt die Auffassung, dass die Reform des Postwesens und die Förderung der Interoperabilität und Zusammenarbeit von Postsystemen und Postdiensten bedeutende Auswirkungen auf die Entwicklung des grenzüberschreitenden elektronischen Handels haben können, der ein kostengünstiges und effizientes System für den Vertrieb und die Verfolgbarkeit von Produkten erfordert; hebt daher mit Nachdruck die Notwendigkeit einer raschen Durchführung der dritten Postrichtlinie (2008/6/EG) hervor;

Vollendung des Binnenmarktes durch den elektronischen Handel

36.  fordert, dass Maßnahmen ergriffen werden, um zu einer Erhöhung der Zahl der Internet-Nutzer und zur Verbesserung der Qualität, des Preises und der Geschwindigkeit des Netzes in den Ländern und Regionen innerhalb der Union beizutragen, die keine hochwertige Verbindung haben, wobei zu gewährleisten ist, dass bis 2013 in der gesamten EU Zugang zur Breitband-Kommunikation besteht; unterstreicht die Notwendigkeit, die Verfügbarkeit des Breitband-Zugangs für jeden Bürger zu entwickeln, und hebt hervor, dass in ländlichen und entlegenen Gebieten bzw. in Randregionen ebenfalls der Zugang zu einer schnellen Internet-Verbindung möglich sein sollte, wobei Verbrauchern und Unternehmen in Berggebieten oder Inselregionen besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist, da sie neben einem beschränkten Zugang zum Internet äußerst hohe Versandkosten und sehr lange Versandzeiten für erworbene bzw. verkaufte Waren hinnehmen müssen;

37.  weist darauf hin, dass bei der Revision der Universaldienst-Richtlinie der vordringlich erfolgende weitere Ausbau eines schnellen und erschwinglichen Breitbandzugangs von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des elektronischen Handel ist, da ein fehlender Internetzugang nach wie vor eines der bedeutendsten Hindernisse für die europäischen Bürger bei der Nutzung des elektronischen Handels ist;

38.  unterstützt die Breitbandziele der Kommission, nach denen alle EU-Bürger bis 2013 Zugang zu Basis-Breitbanddiensten und bis 2020 Zugang zu Breitbanddiensten mit mindestens 30 Mbit/s haben sollen, wobei die Hälfte der Bürger der EU einen Breitband-Zugang mit 100Mbit/s haben soll, und fordert konkrete Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass diese Ziele verwirklicht werden; betont, dass besondere Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ergriffen werden müssen, vor allem durch die Entwicklung von Systemen zur Überprüfung des Alters und das Verbot von Formen der Online-Vermarktung, die das Verhalten von Kindern negativ beeinflussen;

39.  fordert die Kommission auf, mit der Formulierung von europäischen Normen zu beginnen, um den grenzüberschreitenden elektronischen Handel zu erleichtern, Differenzen zwischen den in den verschiedenen Mitgliedstaaten geltenden Gesetzen zu überbrücken und die Verpflichtung abzuschaffen, innerhalb eines selektiven Vertriebsnetzes über ein Offline-Geschäft zu verfügen, ehe online verkauft werden darf, da sich gezeigt hat, dass eine solche Verpflichtung im Widerspruch zum Wettbewerbsrecht steht und sich nicht durch die Art der verkauften Waren und Dienstleistungen rechtfertigen lässt, damit Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen das Potenzial des Binnenmarkts im elektronischen Umfeld voll ausschöpfen können; äußert seine Besorgnis angesichts der Entscheidung der Kommission in Bezug auf die zwingend vorgeschriebene physische Existenz eines Geschäfts als Voraussetzung für Online-Verkäufe, da diese Auflage den Online-Absatz erheblich behindert;

40.  ist der Auffassung, dass Online-Plattformen eine wichtige Rolle für die Förderung des (vor allem grenzüberschreitenden) elektronischen Geschäftsverkehrs in Europa spielen, indem sie Hunderttausenden von KMU einen Zugang zum Markt ermöglichen und Verbrauchern eine größere Auswahl bieten sowie zahlreiche Beispiele für vorbildliche Verfahren zur Förderung des Vertrauens und transparenter Informationen über Rechte und Pflichten sowie die Erleichterung der Beilegung von Streitigkeiten zwischen den an Online-Transaktionen Beteiligten liefern; fordert, dass die über Online-Plattformen angebotenen Waren und Dienstleistungen ohne diskriminierende gebietsmäßige Beschränkungen auf der Grundlage der Mitgliedstaaten für alle europäischen Verbraucher zugänglich sind;

41.  betont, wie wichtig offene Formate für den Dokumentenaustausch für den elektronischen Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen sind, und fordert die Kommission auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Entwicklung solcher Formate zu unterstützen und sie zu verbreiten;

42.  betont, wie wichtig eine bessere Orientierungshilfe und zugängliche Finanzierungsinstrumente für KMU sind, um ihnen dabei zu helfen, sich zusätzlich zu einem Offline-Geschäft am elektronischen Handel zu beteiligen;

43.  betont die Wichtigkeit eines offenen und neutralen Zugangs zum Hochgeschwindigkeits-Internet, ohne den der elektronische Geschäftsverkehr unmöglich wäre;

44.  betont, dass sich die Vollendung des Binnenmarktes für den elektronischen Handel nicht auf legislative Maßnahmen und Kontrollen beschränken darf, sondern dass zusätzlich andere Bereiche des Internets wie e-government und e-learning gestärkt werden müssen;

45.  unterstreicht die Notwendigkeit, die Anwendung der vor kurzem durch die Verordnung (EU) Nr. 330/2010 der Kommission vom 20. April 2010 eingeführten Vorschriften über den ausschließlichen und selektiven Vertrieb auf der Grundlage der Marktinformationen der Interessenträger und der nationalen Wettbewerbsbehörden zu überwachen und erforderlichenfalls diese Vorschriften zu überarbeiten , um Hindernisse für Online-Verkäufe abzubauen; fordert die Kommission auf, vor Ende des Jahres 2011 Vorschläge zur Behebung dieser Probleme vorzulegen;

46.  fordert die Kommission auf, die Privatsphäre der Verbraucher zu stärken und dafür zu sorgen, dass sämtliche Verbraucherdaten, einschließlich Daten zu Kaufvorgängen und zum Datenabruf, den Verbrauchern auf Anfrage zur Verfügung gestellt und von den Händlern für einen nach EU-Recht zulässigen Zeitraum gespeichert werden;

47.  fordert die Kommission zudem auf, auf die Ausarbeitung von Vorschriften und Normen hinzuarbeiten, damit die Verbraucher aufgrund der mangelnden Kompatibilität von Software auf kommerziellen Websites und Websites sozialer Netzwerke nicht davon abgehalten werden, ihre Kaufentscheidung zu ändern;

48.  hebt hervor, wie wichtig elektronische Signaturen und die Private-Key-Infrastruktur (PKI) für europaweite, sichere elektronische Behördendienste sind, und fordert die Kommission auf, einen European Validation Authorities Gateway zur Sicherstellung der grenzüberschreitenden Interoperabilität elektronischer Signaturen einzurichten;

49.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, dafür Sorge zu tragen, dass in Einklang mit dem auf der Ministerkonferenz zum Thema e-Government in Manchester im Jahre 2005 beschlossenen Aktionsplan bis 2015 mindestens 50 % aller öffentlichen Aufträge auf elektronischem Wege vergeben werden, da es wichtig ist, das Potenzial des Binnenmarktes voll auszuschöpfen;

50.  ist der Ansicht, dass der mobile Geschäftsverkehr (m-commerce) ein bedeutender Bestandteil des elektronischen Handels sein kann und von den Millionen von europäischen Bürgern in Anspruch genommen werden kann, die Mobiltelefone, aber keine PCs benutzen, und somit die Konvergenz der Internet- und der Mobilfunktechnologien vorantreiben und die führende Rolle der EU im Bereich der Mobilkommunikation fördern kann;

51.  vertritt die Auffassung, dass der grenzüberschreitende elektronische Handel durch die Entwicklung und Förderung gemeinsamer, offener technischer und funktioneller Spezifikationen und Standards (für Kompatibilität, Interoperabilität, Zugänglichkeit, Sicherheit, Logistik, Versand usw.) erleichtert werden wird, indem die Verbraucher, insbesondere gefährdete und unerfahrene Computerbenutzer, unterstützt werden und die operationellen, technischen, kulturellen und sprachlichen Barrieren, die zwischen den verschiedenen Mitgliedstaaten bestehen, überwunden werden;

52.  erkennt die besonderen rechtlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Binnenmarktes für den mobilen Geschäftsverkehr an, in dem die Verbraucherrechte sowie die Achtung der Privatsphäre und der Schutz minderjähriger Kunden gewährleistet werden können; fordert die Kommission auf, diesen Sachverhalt eingehend zu prüfen;

53.  unterstreicht die Notwendigkeit, die Lieferkette im elektronischen Handel transparenter zu gestalten, damit der Verbraucher immer die Identität des Lieferanten kennt, also dessen Geschäftsnamen, Anschrift, Kontaktdaten und Steuernummer, und weiß, ob der Lieferant ein Zwischen- oder ein Endhändler ist, was im Zusammenhang mit Online-Versteigerungen besonders wichtig ist;

54.  fordert die Kommission auf, auf der Ebene der EU klare Normen festzulegen, die im grenzübergreifenden elektronischen Handel erfüllt sein müssen, wie zum Beispiel die Verpflichtung der Händler, ihren Kunden und den öffentlichen Stellen einen leichten, direkten, ständigen und gebührenfreien Zugang zu Informationen über den Namen und die Registriernummer des Händlers oder Dienstleistungserbringers, über die Preise der angebotenen Waren und Dienstleistungen sowie über etwaige zusätzliche Lieferkosten, die in Rechnung gestellt werden könnten, zu gewähren;

55.  fordert die Kommission auf, die Unternehmer, die freiwillig standardisierte Verträge und standardisierte allgemeine Geschäftsbedingungen verwenden, dazu zu verpflichten, abweichende Vertragsbestimmungen hervorzuheben;

56.  ist der Auffassung, dass die Bestimmungen über Fernverträge auch für das Vertragsverhältnis zwischen Verbrauchern und gewerblichen Unternehmern bei Online-Auktionen gelten sollten, und fordert die Kommission auf, die Vorschriften für Vertragsabschlüsse im Fernabsatz für individuell über das Internet bestellte touristische Dienstleistungsangebote (Flugtickets, Hotelunterkunft, Autovermietung, Freizeitangebote etc.) weiter zu prüfen und zu bewerten, in erster Linie mit dem Ziel, die Haftung bei Online-Auktionen im Sinne eines besseren Schutzes der Verbraucherrechte zu verstärken;

57.  fordert die Kommission auf, die Vorschriften über die (direkte oder indirekte) Werbung um Kundschaft unter Nutzung des Internets in anderen Mitgliedstaaten zu klären;

Stärkung des Rechtsschutzes der Nutzer im grenzüberschreitenden elektronischen Handel

58.  fordert die Einführung einer Auflage, wonach externe Audits für einige spezifische elektronische Dienste durchgeführt werden, bei denen eine größere Notwendigkeit besteht, dafür Sorge zu tragen, dass diese Dienste völlig sicher sind, und gleichzeitig personenbezogene Informationen und Daten zu schützen (beispielsweise im Falle des Internet-Banking);

59.  betont, dass die Nutzer (Verbraucher und Händler) Rechtssicherheit bei Online-Transaktionen benötigen, und begrüßt die von der Kommission in ihrer Mitteilung „Eine digitale Agenda für Europa“ ausgesprochene Empfehlung, dass im Rahmen der Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr die Bestimmungen über die Einschränkung der Haftung bei Dienstleistungen der Informationsgesellschaft entsprechend dem Stand des technologischen Fortschritts aktualisiert werden sollen (Fußnote 13 der Mitteilung);

60.  fordert die Kommission nachdrücklich auf, auf Rechtssicherheit hinzuwirken und die jetzige starke Zersplitterung der Verfahren zur Abgeltung von Rechten und die in Bezug auf das Hochladen von Medieninhalten auf Websites höchst unterschiedliche Rechtslage in den Mitgliedstaaten in Angriff zu nehmen;

61.  vertritt die Auffassung, dass der Beseitigung administrativer und ordnungspolitischer Hindernisse für den grenzüberschreitenden elektronischen Handel bis 2013 durch die Einführung eines einheitlichen Regelwerks für die Verbraucher und Unternehmen in allen 27 Mitgliedstaaten der EU Vorrang eingeräumt werden sollte, welches ein günstiges digitales Umfeld schafft, sowohl den Unternehmen als auch den Verbrauchern Rechtsicherheit bietet, vereinfachte Verfahren mit sich bringt, die Kosten für die Einhaltung der Vorschriften senkt, unlauteren Wettbewerb mindert und das Potenzial des EU-Marktes für den elektronischen Handel zur Entfaltung bringt; weist mit Nachdruck darauf hin, dass hierbei die einheitliche Auslegung und Anwendung legislativer Instrumente wie einer Richtlinie über Verbraucherrechte, der Richtlinie 2000/31/EG über den elektronischen Geschäftsverkehr, von Artikel 20 Absatz 2 der Dienstleistungsrichtlinie (Richtlinie 2006/123/EG) und der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken (2005/29/EG) von großer Bedeutung sein kann; fordert die Kommission daher auf, ihre derzeitige Auswertung des gemeinschaftlichen Besitzstandes hinsichtlich seiner Auswirkung auf den digitalen Binnenmark voranzutreiben und einen gezielten Legislativvorschlag zu den wichtigsten Hindernissen vorzulegen;

62.  ist der Auffassung, dass eine verstärkte Marktaufsicht, eine größere Transparenz der Vorschriften und verstärkte Durchsetzungsmechanismen zur Förderung des Verbrauchervertrauens wichtig sind, da kauffreudige Verbraucher entscheidend für die wirtschaftliche Erholung sein werden; vertritt den Standpunkt, dass den Behörden mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen, um rechtswidrige Praktiken zu untersuchen und ihnen letztendlich Einhalt zu gebieten; fordert die Kommission auf, ein europäisches Frühwarnsystem, einschließlich einer Datenbank zur Bekämpfung betrügerischer Handlungen auf dem digitalen Markt einzurichten; fordert die Kommission auf, das Frühwarnsystem RAPEX erforderlichenfalls zu aktualisieren; betont, dass bei diesen Initiativen die Datenschutzvorschriften einzuhalten sind;

63.  fordert die staatlichen Behörden auf, rasch gegen betrügerische Websites vorzugehen und den Verbraucherrechten mehr Beachtung zu schenken, z. B. mit Maßnahmen zur Kennzeichnung von sicheren Websites und der Gewähr, dass Unternehmen, die Werbedienstleistungen anbieten, keine Werbung für illegale Websites machen;

64.  ist der Ansicht, dass das Vertrauen der Verbraucher durch Standards und Verhaltenskodizes gestärkt werden kann, die es Anbietern von Online-Diensten ermöglichen, mit den zügig voranschreitenden technologischen Neuerungen Schritt zu halten;

65.  betont, dass beim Online-Targeting und -Profiling die Datenschutzvorschriften uneingeschränkt einzuhalten sind;

66.  betont, dass die EU-Datenschutzvorschriften einheitlich ausgelegt werden müssen, um für einen besseren Datenschutz zu sorgen und das Vertrauen der Verbraucher in Online-Zahlungssysteme zu stärken;

67.  ist der Ansicht, dass eine Verbesserung der Verbraucherschutzregelungen in der EU, einschließlich des Schutzes vor Kreditkartenbetrug, das Vertrauen der Verbraucher in grenzüberschreitende Online-Transaktionen sicherstellen kann;

68.  fordert die Kommission auf, dafür Sorge zu tragen, dass im Bereich des elektronischen Handelsverkehrs eine konsequente Rechtsdurchsetzung von Urheberrechten nicht unterlaufen wird;

69.  ist der Ansicht, dass die grenzüberschreitende Suche und Werbung im Internet den Verbrauchern und den Händlern eine bessere Information ermöglichen sollte und ihre Möglichkeiten, grenzüberschreitende Vergleiche anzustellen und grenzüberschreitende Angebote zu ermitteln, vergrößern sollte; ist diesbezüglich über etwaige Wettbewerbsverzerrungen besorgt, die in einigen Mitgliedstaaten der EU für die Verbraucher und die Unternehmer spürbar werden könnten; fordert die Kommission auf, in Zusammenarbeit mit der Branche die Mängel der Plattformen für die Internet-Suche und -Werbung zu beheben und ihren grenzüberschreitenden Betrieb, zum Beispiel durch die Förderung von .eu-Domänen, zu fördern;

70.  fordert die Kommission auf, mit Hilfe von Überwachungsmaßnahmen sicherzustellen, dass die in sich schlüssige Anwendung des Urheberrechts beim elektronischen Handel nicht umgangen wird;

71.  fordert die Kommission auf, die Initiative zu ergreifen und unverzüglich eine Folgenabschätzung zum geeignetsten Vorgehen in Bezug auf die Urheberrechtsgebühren durchzuführen, einschließlich der Möglichkeit, die Gebühr zu erheben, wenn das Produkt zum ersten Mal in der Europäischen Union auf den Markt gebracht wird, da sich die Akteure nicht einigen können;

72.  teilt die Ansicht der Kommission, dass alternative Streitbeilegungsmechanismen (ADR) wie Schlichtungs- und Schiedsverfahren oder außergerichtliche Regelungen eine zügige und attraktive Option für die Verbraucher sein können; stellt fest, dass einzelne private Akteure, wie etwa Online-Plattformen, erfolgreiche Initiativen zur Förderung des Vertrauens bei den Verbrauchern ergriffen und dabei interne Streitbeilegungsverfahren herangezogen haben; fordert die Mitgliedstaaten mit Nachdruck auf, die Entwicklung alternativer Streitbeilegungsmechanismen zu ermutigen, um das Niveau des Verbraucherschutzes zu erhöhen und die Einhaltung der Rechtsvorschriften zu optimieren; verweist auf die positiven Erfahrungen mit SOLVIT und dem Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren; fordert die Schaffung eines europäischen Informationssystems „e-Verbraucher“, das detaillierte Anleitungen und Informationen über Rechte und Pflichten auf dem digitalen Markt bieten würde; betont jedoch, dass solche Mechanismen einander ergänzen und nicht an die Stelle von gerichtlichen oder administrativen Instrumenten der Durchsetzung treten sollten;

73.  weist darauf hin, dass es wichtig ist, das derzeit geringe Vertrauen der Verbraucher in grenzüberschreitende Geschäfte zu verbessern, indem die im Internet und grenzüberschreitend erfolgende Durchsetzung der bestehenden Vorschriften verstärkt wird, die Verbraucherschutzbehörden gestärkt werden, die Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Stellen gefördert wird und effiziente EU-weite Mechanismen für die Marktüberwachung und -prüfung, die Bearbeitung von Beschwerden und für Streitschlichtungsverfahren eingeführt werden;

74.  regt an, auf alternative Streitbeilegungsmechanismen zurückzugreifen, die mit Hilfe eines Online-Verfahrens in Anspruch genommen werden können und dann auch ohne zeitliche Verzögerung über das europäische Portal „e-Justice“ zugänglich sein sollten, sobald es freigeschaltet ist;

75.  unterstreicht die Notwendigkeit, Regeln zu entwickeln und zu standardisieren, die ein hohes Maß an Rechtsschutz für Minderjährige bieten, und ermutigt die Einleitung von Informations- und Fortbildungsmaßnahmen für Eltern, Lehrer und Erziehungspersonal, um sie für ihre Verantwortung bei der Erziehung von Kindern im Umgang mit den Risiken bei der Nutzung des Online-Handels sowie die Bedeutung einer Überwachung der Nutzung des Internets durch Kinder zu sensibilisieren;

76.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, rasch Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Online-Dienste zu ergreifen, die nicht den Vorschriften über den Verbraucherschutz, den Schutz Minderjähriger und des Urheberrechts sowie des Steuerrechts und dem Großteil der anderen geltenden Gesetze entsprechen;

77.  hebt hervor, dass eine gewisse Sorgfalt walten sollte, um Risiken im Zusammenhang mit illegalen Warenangeboten, insbesondere von gefälschten Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, im Internet zu vermeiden, indem die gesundheitliche Aufklärung gefördert und auf besonderen Internetseiten der .eu-Domänen auf irreführende Informationen aufmerksam gemacht wird;

78.  fordert, dass die Kommission einen Vorschlag vorlegt, in dem sie angemessene Maßnahmen bzw. Strafen im Zusammenhang mit dem elektronischen Handel von gefälschten Produkten und Arzneimitteln festlegt, einschließlich der Kennzeichnung sicherer Websites, z. B. Zertifizierungssysteme für zugelassene Apotheken;

79.  betont, dass Beamte und Justizbehörden eine angemessene Ausbildung und Schulung hinsichtlich der EU-Rechtsvorschriften für den Verbraucherschutz erhalten müssen;

Eine Strategie des „elektronischen“ Vertrauens zur Steigerung des Vertrauens der Nutzer des elektronischen Handels

80.  fordert die Schaffung eines einzigen Rechtsinstruments, in dem die unterschiedlichen geltenden Texte zusammengestellt werden, um die für den elektronischen Handel geltenden Vorschriften klarer zu gestalten; begrüßt den Vorschlag der Kommission für eine Richtlinie über Verbraucherrechte und fordert gegebenenfalls ein angemessenes Maß der Harmonisierung bestimmter Aspekte des Verbrauchervertragsrechts, insbesondere was den Umgang mit bestimmten Typen von Gewährleistungsansprüchen betrifft; ist der Auffassung, dass dies andere Richtlinien einschließen sollte wie die Fernabsatzrichtlinie für Finanzdienstleistungen und die Richtlinie über den elektronischen Handel;

81.  fordert die Kommission auf, zu bewerten, ob die Einrichtung eines Portals für den elektronischen Handel unter Aufsicht der Kommission und unter Beteiligung der Interessenträger und der Mitgliedstaaten besser dazu beitragen könnte, dass vorbildliche Verfahren und Informationen verbreitet werden und so das Vertrauen der Verbraucher gestärkt wird und der grenzüberschreitende elektronische Handel größeren Aufschwung nimmt;

82.  fordert die Kommission auf, Studien über die entscheidenden Gründe für die Abneigung der Verbraucher gegen den elektronischen Geschäftsverkehr mit dem Ziel durchzuführen, wirkungsvolle Leitlinien für geeignete Rechtsvorschriften zu konzipieren, und empfiehlt die Schaffung einer ausschließlich dem elektronischen Geschäftsverkehr gewidmeten „Anzeigetafel“, die dazu dient, Verhaltensmaßregeln für die Verbraucher im Online-Handel auszuarbeiten und die Faktoren, die Verbraucherentscheidungen beeinflussen und bestimmten, zu ermitteln;

83.  räumt ein, dass die Bürger ohne ausreichendes Vertrauen in den Rechtsrahmen für den neuen digitalen Raum von Kommunikation, freier Äußerung ihrer Meinung und Geschäftsabschlüssen Abstand nehmen werden; ist der Auffassung, dass die Gewährleistung und Durchsetzung grundlegender Rechte auf diesem Gebiet eine wesentliche Bedingung für das Vertrauen der Bürger ist; ist der Auffassung, dass die Gewährleistung des Schutzes der Rechte des geistigen Eigentums und anderer Rechte eine wesentliche Bedingung für das Vertrauen der Unternehmen ist;

84.  fordert die Kommission auf, die obligatorische Vorschrift über die physische Existenz eines Geschäfts als Voraussetzung für Online-Verkäufe aufzuheben, da diese Auflage Online-Verkäufe radikal behindert;

85.  hebt mit Nachdruck hervor, dass es für die weitere Entwicklung des grenzüberschreitenden elektronischen Handels wichtig ist, innerhalb der Grenzen des gemeinschaftlichen Besitzstandes einen in sich schlüssigen EU-weiten Rahmen zum Schutz und zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums zu schaffen, die Bekämpfung illegaler und gefälschter Waren zu intensivieren und die europäischen Verbraucher für diese Fragen zu sensibilisieren;

86.  hebt hervor, dass Rechtsvorschriften eingeführt werden müssen, die für sämtliche elektronische Transaktionen gelten, da dies für den Schutz der Rechte der Nutzer von elektronischen Dienstleistungen unerlässlich ist;

87.  fordert, dass im Rahmen der Forschungsrahmenprogramme innovative Forschungsprojekte entwickelt werden, die auf die Förderung und Vereinheitlichung des EU-Marktes für den elektronischen Handel durch Stärkung des Vertrauens, der Position und der Wahlmöglichkeiten der Verbraucher im digitalen Umfeld abzielen;

88.  fordert eine wirksame Überwachung der rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen im elektronischen Handel und weist auf die Notwendigkeit einer Folgenabschätzung bei allen Entscheidungen hin, die den digitalen Binnenmarkt und die Informationsgesellschaft betreffen; diesbezüglich wäre ein „Anzeiger für den elektronischen Handel“ zur Bewertung des europäischen Online-Marktumfelds ein nützliches Instrument;

89.  glaubt, dass das Verbrauchervertrauen durch die Beseitigung der Hindernisse für den grenzübergreifenden elektronischen Handel gestärkt werden kann, wobei ein höchstmögliches Niveau des Verbraucherschutzes zu gewährleisten ist, und mit Hilfe von Zertifizierungsinstanzen in Europa oder von Gütesiegeln aufgebaut werden kann, die die Zuverlässigkeit und die Qualität der auf den grenzüberschreitenden elektronischen Markt gebrachten Waren gewährleisten; ist der Auffassung, dass mit Hilfe eindeutiger und transparenter Regeln und unter der Kontrolle der Kommission ein nachhaltiges europäisches Gütesiegel geschaffen werden muss; ist der Auffassung, dass ein derartiges europäisches Gütesiegel auf einem standardisierten Kontrollsystem bzw. Durchsetzungsmechanismus beruhen muss, wie es bereits in einigen Mitgliedstaaten auf nationaler Ebene der Fall ist; räumt ein, dass ein grenzübergreifendes europäisches Gütesiegel nur im Rahmen des EU-Rechts funktionieren kann, auf dem dieses Gütesiegel beruht; glaubt, dass jedwede Regelung für ein europäisches Gütesiegel einer eingehenden Folgenabschätzung unterliegen muss und in Zusammenarbeit mit den in den Mitgliedstaaten bestehenden Gütesiegeln umgesetzt werden muss;

90.  hebt die Bedeutung der Förderung und Verwendung EU-weiter Embleme, Gütesiegel und Qualitätskennzeichnungen hervor, die den Verbrauchern helfen sollen, seriöse Internethändler zu ermitteln, vorbildliche Geschäftspraktiken zu honorieren und Innovationen zu fördern, und die die Unternehmen in der EU bei ihren Bemühungen unterstützen sollen, über ihren Inlandsmarkt hinaus tätig zu werden;

91.  betont, dass in der Online-Umgebung, in der sich Käufer und Verkäufer nicht am selben Ort befinden und der Käufer kaum in der Lage ist, die physischen Eigenschaften von Produkten zu beurteilen, der Zugang zu genauen und klaren Informationen wesentlich für die Transparenz ist;

92.  weist nachdrücklich auf die Bemühungen der Kommission und der nationalen Regulierungsbehörden für den Postsektor um die korrekte und fristgerechte Umsetzung der dritten Richtlinie über Postdienste (2008/6/EG) in den 27 Mitgliedstaaten hin, durch die eine Förderung des Wettbewerbs, niedrigere Preise und bessere Dienstleistungen sowie bessere Bedingungen für die Lieferung von Waren, die im Rahmen des grenzübergreifenden elektronischen Handels erworben wurden, erreicht werden sollen; betont ferner, dass Versicherungen für die Zustellung von Paketen und Päckchen verfügbar sein müssen;

93.  fordert, dass ein Programm mit Zuschüssen eingeführt wird und dass bestehende Finanzinstrumente für Vorhaben eingesetzt werden, die darauf abzielen, das Vertrauen der Verbraucher in den elektronischen Handel zu stärken, einschließlich Bildungs- und Informationskampagnen sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene, und Vorhaben zur praktischen Überprüfung von Online-Diensten (z. B. Testkäufe); unterstreicht die Notwendigkeit, Online-Instrumente für die Aufklärung der Verbraucher über den elektronischen Handel und die neuen digitalen Technologien (wichtigste Rechte der das Internet nutzenden Verbraucher, elektronischer Handel, Datenschutzbestimmungen usw.) wie das Projekt Dolceta (Development of On-Line Consumer Education Tools for Adults – Entwicklung von Online-Instrumenten zur Verbrauchererziehung für Erwachsene) zu entwickeln, das es den Bürgern ermöglicht, ihre digitalen Kompetenzen und ihre Kenntnisse in Bezug auf ihre Rechte und Pflichten zu verbessern und die Vorzüge des elektronischen Handels in einer digitalen Gesellschaft zu nutzen;

94.  ist der Auffassung, dass das Vertrauen der Verbraucher weiter gestärkt werden kann, indem das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Online-Umfeld sichergestellt wird, Datenschutzbedenken Rechnung getragen wird, die Datenerfassung, die individualisierte Werbung, die Erstellung von Nutzerprofilen und die allgemeine Werbung reguliert werden und die Sensibilisierung der Verbraucher durch Aufklärungs- und Informationskampagnen verstärkt wird; fordert die Kommission auf, einen Vorschlag zur Anpassung der Datenschutz-Richtlinie an das aktuelle digitale Umfeld vorzulegen;

95.  betont die Notwendigkeit, die Absatzkette und die Bestimmungen und Bedingungen für den grenzüberschreitenden Online-Handel dadurch einfacher und transparenter zu gestalten, dass Vorschriften über irreführende oder unvollständige Informationen über Verbraucherrechte und Gesamtkosten sowie Kontaktangaben des Händlers eingeführt und vorbildliche Geschäftspraktiken, lautere Handelsgepflogenheiten sowie Empfehlungen und Leitlinien für Online-Shops gefördert werden; erkennt die von der EU in diesem Bereich unternommenen Anstrengungen an, die Modalitäten, Bedingungen und Preise im Flugverkehr zu präsizieren, und sieht sie als ein positives Beispiel an, dem man folgen sollte;

96.  weist mit Nachdruck auf die Bedeutung hin, die der raschen und wirksamen Verwirklichung des Europäischen Progress-Mikrofinanzierungsinstruments zukommt, das ab Juni 2010 funktionsfähig sein soll und das der Gründung von Online-Unternehmen, insbesondere durch Arbeitslose, die erst vor kurzem ihre Beschäftigung verloren haben, neue Impulse geben könnte;

97.  ist der Auffassung, dass Medien- und Computerkompetenz und –verständnis von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des europäischen digitalen Umfelds sind; fordert deshalb, dass auf der Ebene der EU und der Mitgliedstaaten ein „Aktionsplan für Kenntnisse und Integration im IKT-Bereich“ ins Leben gerufen wird, der sich insbesondere auf folgende Bereiche erstreckt: gezielte IKT-Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitslose und vom Ausschluss bedrohte Gruppen, Anreize für Initiativen im Privatsektor, allen Arbeitnehmern Fortbildungsangebote zum Erwerb von Kenntnissen im IKT-Bereich zu unterbreiten, eine europaweite Initiative mit dem Titel „Mach Dich schlau fürs Internet!“ („Be smart online!“), deren Ziel es ist, alle Lernenden, einschließlich jener, die Angebote des lebenslangen Lernens und der beruflichen Fortbildung wahrnehmen, mit der sicheren Nutzung von IKT und Internet-Diensten vertraut zu machen, und eine gemeinsame Zertifizierungsregelung für IKT auf EU-Ebene;

98.  begrüßt die Zusage der Kommission, bis 2012 einen Kodex der EU-Online-Rechte herauszugeben, der die geltenden digitalen Nutzerrechte und -pflichten in der EU in einer klaren und verständlichen Weise zusammenfasst, wobei dieser Kodex durch eine jährliche Überprüfung der Verletzungen der Online-Verbraucherrechte und geeignete Durchsetzungsmaßnahmen in Abstimmung mit dem europäischen Netz der Verbraucherschutzverbände vervollständigt wird;

99.  ist der Überzeugung, dass mit der Einführung von Verhaltenskodizes für die Selbstkontrolle durch Handels-, Berufs- und Verbraucherverbände sowie der Umsetzung des Berichts des Parlaments „über eine neue Digitale Agenda für Europa: 2015.eu“, in dem die Schaffung einer europäischen Charta der Bürger- und Verbraucherrechte im digitalen Umfeld und die Einführung einer „Fünften Freiheit“, die den freien Verkehr von Inhalten und Wissen möglich macht, gefordert werden, das Vertrauen der Verbraucher in den elektronischen Handel durch eine Klärung der Rechte und Pflichten aller Akteure der Informationsgesellschaft gestärkt würde;

100.  fordert die Kommission auf, zügig zu handeln und 2012 über ihre Fortschritte bei der Beseitigung der zehn Hindernisse für den grenzübergreifenden elektronischen Handel, wie sie in ihrer Mitteilung vom 22. Oktober 2009 über den grenzüberschreitenden elektronischen Handelsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrauchern in der EU (KOM(2009)0557) ermittelt wurden, Bericht zu erstatten; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, ein hohes Niveau des Verbraucherschutzes im elektronischen Handel sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass die Hindernisse für die Entwicklung des elektronischen Handels, wie sie in den Mitteilungen der Kommission von 2010 zur Digitalen Agenda und von 2009 zum grenzüberschreitenden elektronischen Handelsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrauchern in der EU ermittelt wurden, sowohl durch legislative als auch durch nichtlegislative Maßnahmen beseitigt werden; fordert die Kommission auf, einen Dialog der Interessenträger mit den USA einzuleiten, um Mittel und Wege für den Aufbau eines transatlantischen elektronischen Marktes zu untersuchen;

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o   o

101.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission und den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1) Angenommene Texte, P7_TA(2010)0046.
(2) Angenommene Texte, P7_TA(2010)0047.
(3) ABl. C 67 E vom 18.3.2010, S. 112.
(4) ABl. C 146 E vom 12.6.2008, S. 370.
(5) ABl. L 376 vom 27.12.2006, S. 36.
(6) ABl. L 376 vom 27.12.2006, S. 21.
(7) ABl. C 292 E vom 1.12.2006, S. 109.
(8) ABl. C 305 E vom 14.12.2006, S. 247.
(9) ABl. L 271 vom 9.10.2002, S. 16.
(10) http://www.un.or.at/unictral.


Untersuchung und Verhütung von Unfällen und Störungen in der Zivilluftfahrt ***I
PDF 206kWORD 40k
Entschließung
Text
Legislative Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Untersuchung und Verhütung von Unfällen und Störungen in der Zivilluftfahrt (KOM(2009)0611 – C7-0259/2009 – 2009/0170(COD))
P7_TA(2010)0321A7-0195/2010

(Ordentliches Gesetzgebungsverfahren: erste Lesung)

Das Europäische Parlament,

–  in Kenntnis des Vorschlags der Kommission an das Parlament und den Rat (KOM(2009)0611),

–  gestützt auf Artikel 251 Absatz 2 und Artikel 80 Absatz 2 des EG-Vertrags, auf deren Grundlage ihm der Vorschlag der Kommission unterbreitet wurde (C7-0259/2009),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission an das Parlament und den Rat mit dem Titel „Auswirkungen des Inkrafttretens des Vertrags von Lissabon auf die laufenden interinstitutionellen Beschlussfassungsverfahren“ (KOM(2009)0665),

–  gestützt auf Artikel 294 Absatz 3 und Artikel 100 Absatz 2 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union,

–  in Kenntnis der Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses vom 27. Mai 2010(1),

–  nach Anhörung des Ausschusses der Regionen,

–  in Kenntnis der Stellungnahme des Europäischen Datenschutzbeauftragten vom 4. Februar 2010(2),

–  in Kenntnis der vom Vertreter des Rates mit Schreiben vom 30. Juni 2010 gemachten Zusage, den Standpunkt des Europäischen Parlaments gemäß Artikel 294 Absatz 4 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union zu billigen,

–  gestützt auf Artikel 55 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Verkehr und Fremdenverkehr (A7-0195/2010),

1.  legt den folgenden Standpunkt in erster Lesung fest;

2.  fordert die Kommission auf, es erneut zu befassen, falls sie beabsichtigt, diesen Vorschlag entscheidend zu ändern oder durch einen anderen Text zu ersetzen;

3.  beauftragt seinen Präsidenten, den Standpunkt des Parlaments dem Rat und der Kommission sowie den nationalen Parlamenten zu übermitteln.

Standpunkt des Europäischen Parlaments festgelegt in erster Lesung am 21. September 2010 im Hinblick auf den Erlass der Verordnung (EU) Nr. .../2010 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Untersuchung und Verhütung von Unfällen und Störungen in der Zivilluftfahrt und zur Aufhebung der Richtlinie 94/56/EG

P7_TC1-COD(2009)0170


(Da Parlament und Rat eine Einigung erzielt haben, entspricht der Standpunkt des Parlaments dem endgültigen Rechtsakt, Verordnung (EU) Nr. 996/2010.)

(1) Noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht.
(2) ABl. C 132 vom 21.5.2010, S. 1.


Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung ***I
PDF 217kWORD 83k
Entschließung
Text
Anlage
Legislative Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung und zur Aufhebung der Richtlinie 2004/67/EG (KOM(2009)0363 – C7-0097/2009 – 2009/0108(COD))
P7_TA(2010)0322A7-0112/2010

(Ordentliches Gesetzgebungsverfahren: erste Lesung)

Das Europäische Parlament,

–  in Kenntnis des Vorschlags der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat (KOM(2009)0363),

–  gestützt auf Artikel 251 Absatz 2 und Artikel 95 des EG-Vertrags, auf deren Grundlage ihm der Vorschlag der Kommission unterbreitet wurde (C7-0097/2009),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat mit dem Titel „Auswirkungen des Inkrafttretens des Vertrags von Lissabon auf die laufenden interinstitutionellen Beschlussfassungsverfahren“ (KOM(2009)0665),

–  gestützt auf Artikel 294 Absatz 3 und Artikel 194 Absatz 2 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union,

–  in Kenntnis der Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses vom 20. Januar 2010(1),

–  nach Anhörung des Ausschusses der Regionen,

–  in Kenntnis der vom Vertreter des Rates mit Schreiben vom 25. Juni 2010 gemachten Zusage, den Standpunkt des Europäischen Parlaments gemäß Artikel 294 Absatz 4 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union zu billigen,

–  gestützt auf Artikel 55 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie sowie der Stellungnahmen des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, des Ausschusses für Wirtschaft und Währung, des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (A7-0112/2010),

1.  legt den folgenden Standpunkt in erster Lesung fest;

2.  nimmt die dieser Entschließung beigefügten Erklärungen der Kommission zur Kenntnis;

3.  fordert die Kommission auf, es erneut zu befassen, falls sie beabsichtigt, diesen Vorschlag entscheidend zu ändern oder durch einen anderen Text zu ersetzen;

4.  beauftragt seinen Präsidenten, den Standpunkt des Parlaments dem Rat, der Kommission und den nationalen Parlamenten zu übermitteln.

Standpunkt des Europäischen Parlaments festgelegt in erster Lesung am 21. September 2010 im Hinblick auf den Erlass der Verordnung (EU) …/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung und zur Aufhebung der Richtlinie 2004/67/EG des Rates

P7_TC1-COD(2009)0108


(Da Parlament und Rat eine Einigung erzielt haben, entspricht der Standpunkt des Parlaments dem endgültigen Rechtsakt, Verordnung (EU) Nr. 994/2010.)

ANHANG

Erklärung der Kommission über Maßnahmen zur Gewährleistung der langfristigen Versorgungssicherheit, einschließlich einer Diversifizierung der Erdgasversorgungsquellen und -wege sowie der regionalen und internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Energieeffizienz

Die Kommission unterstreicht, dass die Diversifizierung der Erdgasversorgungsquellen und -wege von zentraler Bedeutung für die Verbesserung der Sicherheit der Erdgasversorgung in den einzelnen Mitgliedstaaten sowie in der Union als Ganzes ist.

Die Kommission anerkennt die Notwendigkeit der Entwicklung einer Strategie für die langfristige Versorgungssicherheit und wird bis Ende 2010 ein umfassendes Energieinfrastrukturpaket verabschieden, in dem die Prioritäten bei der Entwicklung der Erdgasinfrastrukturen in den nächsten Jahrzehnten und die bisherigen Fortschritte in Bezug auf die bei der zweiten Überprüfung der EU-Energiestrategie bestimmten Prioritäten bewertet werden. In dem Energieinfrastrukturpaket wird festgelegt, mit welchen Instrumenten und Maßnahmen Anreize für Investitionen in Gasinfrastrukturen gesetzt werden sollen, insbesondere einschließlich der Diversifizierung von Versorgungswegen, der Integration so genannter „Erdgasinseln“ sowie der Schaffung von Einrichtungen für Flüssiggas (LNG) und Speicherkapazitäten.

Die Kommission unterstützt ferner eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten auf allen Ebenen – Mitgliedstaaten, unabhängige Regulierungsbehörden, Erdgasbranche und Verbraucher – im Rahmen der regionalen Initiativen. Im Jahr 2010 wird die Kommission in einer Mitteilung über die regionalen Initiativen Leitlinien für möglichst baldige Fortschritte und die zügige Weiterentwicklung bestehender regionaler Initiativen zur Zusammenarbeit vorlegen. Eine enge regionale Zusammenarbeit ist entscheidend für den Aufbau eines voll funktionsfähigen Energiebinnenmarktes. Die Mitteilung über regionale Initiativen wird auch Vorschläge zu gemeinsamen Zielen und bewährten Verfahren enthalten.

Schließlich unterstreicht die Kommission die Bedeutung der Energieeffizienz bei der Gewährleistung einer langfristigen Sicherheit der Energieversorgung. Die Kommission wird sich weiterhin für eine enge Zusammenarbeit mit Drittländern einsetzen, um eine Verbesserung der Energieeffizienz durch den Austausch von Informationen über Energiesparstrategien, die Forschung im Bereich energieeffizienter Technologien, die Verbreitung bewährter Verfahren sowie im Rahmen der internationalen Partnerschaft für die Zusammenarbeit im Bereich der Energieeffizienz und im Rahmen bilateraler Übereinkünfte zu ermöglichen.

Erklärung der Kommission zum Wettbewerb im Hinblick auf Erwägungsgrund 45

Nach Auffassung der Kommission gilt der Verweis auf Wettbewerbsverzerrungen in Erwägungsgrund 45 für alle Formen der Wettbewerbsbeschränkung, z.B. Gebietsschutzklauseln.

Die Kommission bestätigt ferner, dass die Anwendung von Artikel 101 AEUV, auf die im Erwägungsgrund 45 Bezug genommen wird, durch die Kommission bzw. eine oder mehrere zuständige Wettbewerbsbehörden der Mitgliedstaaten jeweils in Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 1/2003 des Rates vom 16. Dezember 2002 zur Durchführung der in den Artikeln 81 und 82 des Vertrags niedergelegten Wettbewerbsregeln erfolgen wird(2).

(1) Noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht.
(2) ABl. L 1 vom 4.1.2003, S. 1.


Rückübernahmeabkommen EG/Pakistan ***
PDF 206kWORD 34k
Entschließung
Anlage
Legislative Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zu dem Entwurf eines Beschlusses des Rates über den Abschluss des Abkommens zwischen der Europäischen Union und der Islamischen Republik Pakistan über die Rückübernahme von Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung (05942/2010 – C7-0264/2009 – 2009/0036(NLE))
P7_TA(2010)0323A7-0231/2010

(Zustimmung)

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf den Entwurf eines Abkommens zwischen der Europäischen Gemeinschaft und der Islamischen Republik Pakistan über die Rückübernahme von Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung (08793/2009),

–  in Kenntnis des Vorschlags für einen Beschluss des Rates (KOM(2009)0106),

–  gestützt auf Artikel 63 Absatz 1 Nummer 3 Buchstabe b und Artikel 300 Absatz 2 Unterabsatz 1 erster Satz und Artikel 300 Absatz 3 Unterabsatz 1 des EG-Vertrags, gemäß denen es vom Rat konsultiert wurde (C7–0264/2009),

–   in Kenntnis der Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat mit dem Titel „Auswirkungen des Inkrafttretens des Vertrags von Lissabon auf die laufenden interinstitutionellen Beschlussfassungsverfahren“ (KOM(2009)0665),

–  in Kenntnis des Entwurfs eines Beschlusses des Rates (05942/2010),

–  gestützt auf Artikel 79 Absatz 3 und Artikel 218 Absatz 6 Unterabsatz 2 Buchstabe a Ziffer v des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union,

–  gestützt auf Artikel 81 und Artikel 90 Absatz 8 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis der Empfehlung des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres und der Stellungnahme des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten (A7-0231/2010),

1.  gibt seine Zustimmung zum Abschluss des Abkommens;

2.  nimmt die dieser Entschließung beigefügte Erklärung der Kommission zur Kenntnis;

3.  beauftragt seinen Präsidenten, den Standpunkt des Parlaments dem Rat und der Kommission sowie den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten und der Islamischen Republik Pakistan zu übermitteln.

ANLAGE

ERKLÄRUNG DER KOMMISSION

Die Kommission weist darauf hin, dass die Mitgliedstaaten aufgrund der Rechtsvorschriften der Europäischen Union gehalten sind, dafür Sorge zu tragen, dass Angehörige aus Drittstaaten, die im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten leben, internationalen Schutz beantragen können, wenn sie dies möchten, und dass insbesondere aus dem Vertrag, aus der Richtlinie über Asyl und aus der Rückführungsrichtlinie eindeutig hervorgeht, dass die Mitgliedstaaten den Grundsatz der Nichtzurückweisung gemäß ihren internationalen Verpflichtungen beachten müssen.

Die Kommission weist ferner darauf hin, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union insbesondere verpflichtet sind, in allen Fällen sicherzustellen, dass keine Rückführungen unter Verstoß gegen Artikel 3 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten und gegen Artikel 19 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union erfolgen, denen zufolge die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, dafür Sorge zu tragen, dass eine Person nicht rückgeführt werden sollte, wenn sie bei ihrer Rückkehr in ihr Herkunftsland oder in das Land ihrer Durchreise vermutlich schwerwiegenden Schäden ausgesetzt wäre.

Pakistan hat zeitweise mehr als 3 Millionen Flüchtlingen aus dem Konflikt in Afghanistan Zuflucht gewährt und damit mehr als viele andere Mitglieder der Vereinten Nationen zur Aufnahme von Flüchtlingen beigetragen. Die Kommission erkennt zwar die diesbezüglichen Leistungen Pakistans an, fordert aber Pakistan weiterhin auf, die Genfer Flüchtlingskonvention (Abkommen der Vereinten Nationen von 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und das entsprechende Protokoll aus dem Jahre 1967) zu ratifizieren.

Die Kommission ist verpflichtet, das Europäische Parlament regelmäßig über alle von der EU abgeschlossenen Rückübernahmeabkommen zu unterrichten. Die Kommission wird insbesondere

   dem Europäischen Parlament alle sechs Monate über die Umsetzung der Rückübernahmeabkommen der Europäischen Union unter besonderer Bezugnahme auf die laufende Arbeit der Gemeinsamen Rückübernahmeausschüsse Bericht erstatten,
   zu den in Pakistan tätigen wichtigen internationalen Organisationen Kontakte aufbauen, um möglichst umfassend verfügbare Informationen über die Lage der gemäß dem EU-Abkommen rückübernommenen Menschen in Pakistan (sowohl Pakistani als auch gegebenenfalls Angehörige von Drittstaaten) zusammenzutragen.


Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei
PDF 134kWORD 48k
Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zu den Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei (2009/2200(INI))
P7_TA(2010)0324A7-0238/2010

Das Europäische Parlament,

–  in Kenntnis des von der Kommission vorgelegten Fortschrittsberichts 2009 über die Türkei (SEK(2009)1334),

–  gestützt auf das Abkommen zur Gründung einer Assoziation zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Türkei vom 12. September 1963,

–  unter Hinweis auf das Zusatzprotokoll zu diesem Abkommen vom 23. November 1970, insbesondere auf Artikel 41 Absatz 1 (Stillhalteklausel),

–  unter Hinweis auf den Beschluss Nr. 1/80 des Assoziationsrates EG–Türkei vom 19. September 1980,

–  unter Hinweis auf den Beschluss Nr. 1/95 des Assoziationsrates EG–Türkei vom 22. Dezember 1995 über die Durchführung der Schlussphase der Zollunion (96/142/EG),

–  in Kenntnis der Urteile des Europäischen Gerichtshofs betreffend die vier Grundfreiheiten, insbesondere in den Rechtssachen Demirel, Sevince, Savas, Abatay-Sahin, Tum-Dari und Soysal,

–  in Kenntnis des aktuellen WTO-Handelsberichts zur Türkei, der 2007 veröffentlicht wurde,

–  unter Hinweis auf seine früheren Entschließungen zur Türkei,

–  unter Hinweis auf die von der Abteilung Politik erstellte Analyse des Jahresprogramms 2009 für die Türkei im Rahmen des Heranführungsinstruments (IPA) und des Erweiterungspakets von 2009,

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 11. Dezember 2006,

–  gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für internationalen Handel (A7-0238/2010),

A.  in der Erwägung, dass die Zollunion mit der Türkei eine der fortgeschrittensten und engsten Formen der Handelsbeziehungen darstellt, die die EU mit einem Drittstaat unterhält,

B.  in der Erwägung, dass nach statistischen Angaben der Weltbank die Türkei in Bezug auf die Größe ihrer Wirtschaft im weltweiten Vergleich an 7. Stelle steht und über die sechstgrößte Volkswirtschaft in Europa verfügt, wobei mehr als 90 % der türkischen Exporte Industriegüter sind, und, was den Zufluss ausländischer Direktinvestitionen betrifft, weltweit an 20. Stelle steht und sich die ausländischen Direktinvestitionen, die in das Land flossen, 2008 auf 18 Milliarden beliefen,

C.  in der Erwägung, dass die Türkei der siebtgrößte Handelspartner der EU und die EU der wichtigste Handelspartner der Türkei ist,

D.  in der Erwägung, dass die Türkei im Jahr 2009 Waren im Wert von 33,6 Milliarden Euro in die EU exportiert und Waren im Wert von 40,4 Milliarden Euro aus der EU importiert hat,

E.  in der Erwägung, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote in der Türkei 2009 auf besorgniserregende 12,5% angestiegen ist und nach Angaben der OECD bis April 2010 auf 10,8 % zurückgegangen ist, die Jugendarbeitslosigkeit 25 % beträgt und aus dem Bericht 2010 über die Millenniums- Entwicklungsziele hervorgeht, dass in der Türkei der Anteil der Menschen in extremer Armut 17,1 % beträgt,

1.  begrüßt es, dass die Handelsbeziehungen der EU zur Türkei weit entwickelt sind; fordert die Türkei auf, eine Vereinfachung der Verfahren und Verringerung der Bürokratie vorzunehmen und die verbleibenden tarifären und nichttarifären Hemmnisse zu beseitigen; betont die Bedeutung eines konstruktiven Dialogs zwischen beiden Seiten im Hinblick darauf, diese Beziehungen weiter zu vertiefen;

2.  weist darauf hin, dass gemäß Artikel 205 des Vertrags über die Arbeitweise der Europäischen Union in Verbindung mit Artikel 21 des EU-Vertrags durch das auswärtige Handeln der Union, einschließlich der gemeinsamen Handelspolitik, „Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, die universelle Gültigkeit und Unteilbarkeit der Menschenrechte und Grundfreiheiten, die Achtung der Menschenwürde, der Grundsatz der Gleichheit und der Grundsatz der Solidarität sowie die Achtung der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts“ gefördert sowie Partnerschaften mit Drittländern, die die genannten Grundsätze teilen, aufgebaut werden sollen;

3.  fordert die Kommission auf, ihre Bemühungen und ihren Dialog mit der Türkei in Handelsfragen fortzusetzen, insbesondere im Rahmen des Paritätischen Beratenden Ausschusses und des Gemischten Ausschusses der Zollunion EG–Türkei; bestärkt beide Seiten darin, diese Plattformen effizienter zu nutzen, indem offene Fragen, wie z. B. das türkische Einfuhrverbot für Rindfleisch, lebende Rinder und Rindfleischerzeugnisse und die in einigen Mitgliedstaaten geltenden Straßennutzungskontingente für in der Türkei registrierte Fahrzeuge, rasch angegangen werden;

4.  weist auf das langfristige Wachstumspotenzial der Türkei und ihre demografischen Besonderheiten hin; bestärkt sowohl die EU als auch die Türkei darin, ihren miteinander verbundenen Wirtschaftszweigen gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, offene und transparente Handels- und Investitionsregelungen aufrechtzuerhalten, ihre Fähigkeit beizubehalten, in Einklang mit ihren im Rahmen zahlreicher internationaler Plattformen eingegangenen Verpflichtungen dem einheimischen protektionistischen Druck zu widerstehen, und handelspolitische Schutzinstrumente gemäß den WTO-Bestimmungen einzusetzen;

5.  ist besorgt über die geringe Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und ihre Beschäftigung im informellen Sektor; bestärkt die Türkei darin, die Beschäftigung von Frauen in den Mittelpunkt ihrer Wirtschafts-, Sozial- und Beschäftigungspolitik zu stellen;

6.  hebt den Ernst der Beschäftigungslage bei Jugendlichen und das Fehlen von spezifischen Maßnahmen zur Bewältigung dieses Problems hervor; weist auf eine neuere Studie der IAO hin, in der die Schaffung von Arbeitsplätzen im Allgemeinen und die Beschäftigung von Frauen und Jugendlichen im Besonderen als wichtigste arbeitsmarktpolitische Herausforderung für die Entwicklung der Türkei bezeichnet wird; fordert daher eine beschäftigungspolitische Strategie, die sich auf die Beschäftigung von Jugendlichen im Allgemeinen und die Lage junger Frauen im Besonderen konzentriert;

7.  begrüßt die Errichtung der Zollunion im Jahr 1996, durch die ein besserer Marktzugang ermöglicht wurde und beim Handelsvolumen zwischen der EU und der Türkei im Jahre 2008 ein Spitzenwert von 100 Milliarden Euro erzielt werden konnte;

8.  betont, dass sich die Zollunion auf Industrieerzeugnisse und landwirtschaftliche Verarbeitungserzeugnisse erstreckt; hofft, dass auch Agrarerzeugnisse möglichst bald in die Zollunion einbezogen werden; ist der Ansicht, dass die Zollunion vertieft werden kann und damit weitere Bereiche wie Dienstleistungen und öffentliches Beschaffungswesen einbezogen werden können;

9.  bedauert es, dass laut der letzten WTO-Überprüfung der durchschnittliche Zollsatz der Türkei für Agrarerzeugnisse relativ hoch und in einigen Fällen sogar extrem hoch ist (so gilt z.B. für Mais ein Zollsatz von 130 %); fordert die türkische Regierung auf, diese Handelshemmnisse in erheblichem Umfang abzubauen;

10.  begrüßt die Anpassung des türkischen Zollkodex an den Zollkodex der EU, und insbesondere die Annahme des Allgemeinen Präferenzsystems (APS); fordert, dass die türkischen Rechtsvorschriften in Bezug auf Handelsfreiheit, die Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie, nachträgliche Kontrollen und die Zulassung von Duty-free-Shops stärker an den gemeinschaftlichen Besitzstand angeglichen werden;

11.  bedauert, dass die Türkei weder das Zusatzprotokoll zu dem Assoziierungsabkommen vollständig umgesetzt noch sämtliche Hindernisse für den freien Warenverkehr beseitigt hat; fordert die Türkei auf, unverzüglich alle sich aus diesem Protokoll ergebenden Verpflichtungen uneingeschränkt in nicht diskriminierender Weise umzusetzen, was zur Weiterentwicklung ihrer Handelsbeziehungen zu allen Mitgliedstaaten der EU beitragen wird, und weist darauf hin, dass der Verhandlungsprozess noch stärker beeinträchtigt werden könnte, falls die Türkei dies unterlässt;

12.  bekräftigt, dass die vollständige Einhaltung der Verpflichtungen, die die Türkei im Rahmen der Zollunion eingegangen ist, von grundlegender Bedeutung ist; ist ferner der Auffassung, dass in einigen Bereichen wie Freihandelszonen und Zollvergünstigungen eine weitere Harmonisierung mit dem gemeinschaftlichen Besitzstand der EU erforderlich ist;

13.  betont, dass die Zollunion erheblich von einer Überprüfung des Streitbeilegungsmechanismus profitieren würde, womit eine schnelle und gerechte Lösung offener Fragen ermöglicht würde;

14.  fordert, dass alle dem Handel zwischen der EU und der Türkei im Weg stehenden überflüssigen Hindernisse entsprechend den WTO-Bestimmungen beseitigt werden, so auch die technischen Hindernisse, wie z. B. Nichtanerkennung der Zertifizierung, Doppelprüfungen, Doppelinspektionen und obligatorische technische Bestimmungen und Normen; fordert die Kommission auf, bewährte Verfahren in diesem Bereich auszutauschen;

15.  ist sich der Schwierigkeiten bewusst, mit denen die Türkei in Bezug auf den Abschluss von Freihandelsabkommen mit Drittstaaten konfrontiert ist, was sich auf die türkische Wirtschaft negativ auswirkt, weil dadurch Freihandelspartner der EU, mit denen die Türkei bisher noch keine Freihandelsabkommen unterzeichnen konnte, einseitig privilegierten Zugang zum türkischen Markt erhalten; fordert die Kommission und den Rat auf, dafür zu sorgen, dass die Türkei in die Studien zur Abschätzung der Folgen künftiger Freihandelsabkommen zwischen der EU und Drittstaaten einbezogen wird, und die Übermittlung von Informationen über die Position der EU und den Stand der Verhandlungen über Freihandelsabkommen weiter zu verstärken; fordert die Kommission auf, in den Freihandelsabkommen der Zollunion zwischen der EU und der Türkei Rechnung zu tragen;

16. fordert die Türkei auf, die verbleibenden Einfuhrlizenzen für Waren, die den Verpflichtungen im Rahmen der Zollunion zuwiderlaufen, abzuschaffen und einer Aktualisierung des Beschlusses Nr. 2/97 des Assoziationsrates EG-Türkei über die Beseitigung technischer Handelshemmnisse zuzustimmen;

17.  begrüßt die von der türkischen Regierung im Jahr 2009 erlassenen Rechtsvorschriften zur Normung im Bereich des Außenhandels; weist jedoch auf die Einführung von Konformitätsbewertungsverfahren und Warenzollkontrollen hin; bestärkt die EU und die Türkei darin, den Grundsatz der gegenseitigen Anerkennung uneingeschränkt anzuwenden;

18.  fordert die Türkei auf, die umständlichen Einfuhrverfahren zu beseitigen und ihre Regelung über zollfreie Kontingente für landwirtschaftliche Verarbeitungserzeugnisse anzugleichen, da diese nicht mit der Zollunion übereinstimmen;

19.  begrüßt die positiven Schlussfolgerungen im aktuellen WTO-Handelsbericht zur Türkei; fordert die türkische Regierung jedoch nachdrücklich auf, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die darin enthaltenen Empfehlungen umzusetzen und die Struktur- und Gesetzesreformen zu beschleunigen;

20. fordert die Türkei auf, die neuen Vorschriften bezüglich guter Herstellungspraxis auszusetzen, da sie de facto ein Einfuhrverbot für bestimmte pharmazeutische Erzeugnisse bewirken, und an internationalen Initiativen zur Harmonisierung der guten Herstellungspraxis sowie –normen, wie jenen der WHO und der EU, teilzunehmen und diese einzuhalten;

21.  verweist auf die dynamische Strategie der Türkei im Bereich des internationalen Handels und den Abschluss von bislang 16 Freihandelsabkommen; bestärkt die EU und die Türkei darin zusammenzuarbeiten, um die Handelsbeziehungen zu Zentralasien zu vertiefen;

22.  weist darauf hin, dass 88 % der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei aus der EU stammen; weist jedoch darauf hin, dass der Anteil der ausländischen Direktinvestitionen am BIP der Türkei verhältnismäßig gering ist;

23.  weist auf die Rolle hin, die die Türkei bei regionalen Plattformen, wie der Wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Schwarzmeerraum, der Schwarzmeer-Handels- und Entwicklungsbank und dem Südosteuropäischen Kooperationsprozess, spielt; bestärkt die Türkei darin, eine führende Rolle bei der Förderung eines offenen und fairen Handels zu übernehmen, bei dem soziale, wirtschaftliche und ökologische Faktoren gebührend Berücksichtigung finden;

24.  weist auf die Rolle hin, die die Türkei als Gründungsmitglied des Barcelona-Prozesses im Mittelmeerraum spielt, und fordert die Türkei auf, alle an dem Prozess beteiligten Partnerstaaten in jeder Hinsicht zu respektieren; betont, dass enorme Möglichkeiten bestehen, um den Handel der Türkei im Mittelmeerraum auszubauen;

25.  weist darauf hin, dass die EU zwar nach wie vor der größte Handelspartner der Türkei ist, Russland, China, die Vereinigten Staaten und der Iran aber zu den wichtigsten Handelspartnern der Türkei 2009 zählen; betont, dass das Handelsvolumen zwischen der Türkei und der EU im Laufe des Jahres 2009 zurückgegangen ist, jedoch in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2010 ein Aufwärtstrend zu verzeichnen war; stellt außerdem fest, dass die Türkei ihre Handelspartner diversifiziert; fordert die Kommission auf, eine Studie durchzuführen, die sich mit den Gründen – zu denen auch die Finanzkrise zählen könnte – und den wirtschaftlichen Auswirkungen des relativen Rückgangs des EU-Anteils am türkischen Außenhandelsvolumen befasst;

26.  weist darauf hin, dass die Türkei und die EU ähnlichen Herausforderungen im Bereich der Energieversorgung gegenüberstehen; unterstreicht die Bedeutung des Nabucco-Pipeline-Projekts für eine gesicherte Energieversorgung und ruft die Türkei aus diesem Grund auf, das zwischenstaatliche Abkommen über die Nabucco-Pipeline zügig umzusetzen; betont, dass eine gemeinsame Strategie im Bereich der Energieaußenpolitik festgelegt und das Energiekapitel eröffnet werden muss, womit die Zusammenarbeit im Energiebereich weiter verbessert würde; fordert die Türkei nachdrücklich auf, die Änderung der Handelsbestimmungen des Vertrags über die Energiecharta zu ratifizieren, und bestärkt sie darin, in das enorme Potenzial im Bereich ihrer erneuerbaren Energieträger zu investieren;

27.  weist darauf hin, dass durch die häufig auftretenden Visaprobleme im Rahmen der Erbringungsweise 4 des GATS die Einreise türkischer Geschäftsleute und Lkw-Fahrer in die EU erheblich behindert wird; verweist auf die verschiedenen einschlägigen Urteile des Europäischen Gerichtshofs und fordert die Kommission auf, dafür zu sorgen, dass die Mitgliedstaaten diese Urteile respektieren; fordert die Kommission und den Rat auf, die Verfahren der Visaerteilung im Hinblick auf die Beseitigung von Handelshemmnissen zu überprüfen;

28.  bedauert, dass die Rechtsvorschriften, die den umfassenden Schutz der gewerkschaftlichen Rechte gemäß den EU-Normen und den einschlägigen Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation gewährleisten, noch nicht vollständig vorliegen, insbesondere in Bezug auf das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren, das Recht auf Tarifverhandlungen und das Streikrecht;

29.  fordert die Türkei mit Nachdruck auf, die Diskriminierung ausländischer Unternehmen zu verhindern, die darin besteht, dass sie türkischen Bietern im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens einen Preisvorteil von 15 % gewährt; fordert die Türkei auf, dem WTO-Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (GPA) beizutreten;

30.  betont, dass gefälschte Produkte, insbesondere Arzneimittel und Kosmetika, die Handelsbeziehungen EU–Türkei belasten und die Attraktivität der Türkei für ausländische Direktinvestoren verringern; fordert die Türkei auf, die neuen Rechtsvorschriften zum Urheberrecht wirksam durchzusetzen, um die Handelsbeziehungen zur EU zu fördern; betont, dass bei der Entwicklung eines Regelungsrahmens für geistiges Eigentum die internationalen Normen hinsichtlich des Rechts des geistigen Eigentums und die inländischen Erfordernisse der wirtschaftlichen Entwicklung in ein ausgewogeneres Verhältnis gebracht müssen;

31.  weist darauf hin, dass 99 % der türkischen Unternehmen KMU sind und diese 70 % der Arbeitsplätze in der Türkei stellen; bestärkt die Türkei darin, den Zugang der KMU zu Finanzierungsmöglichkeiten zu verbessern; begrüßt den Neunten Entwicklungsplan der Türkei, dessen Schwerpunkt auf Ausgaben in den Bereichen Forschung und Entwicklung liegt, die für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der KMU maßgeblich sind;

32.  begrüßt das positive Ergebnis des Referendums über eine Verfassungsreform;

33.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission und der Regierung der Türkei zu übermitteln.


EU-Rechtsvorschriften zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
PDF 182kWORD 90k
Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zur Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften zur Erhaltung der biologischen Vielfalt (2009/2108(INI))
P7_TA(2010)0325A7-0241/2010

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 – und darüber hinaus: Erhalt der Ökosystemleistungen zum Wohl der Menschen“ (KOM(2006)0216),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Halbzeitbewertung der Umsetzung des gemeinschaftlichen Aktionsplans zur Erhaltung der biologischen Vielfalt“ (KOM(2008)0864),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Optionen für ein Biodiversitätskonzept und Biodiversitätsziel der EU für die Zeit nach 2010“ (KOM(2010)0004),

–   unter Hinweis auf den Bericht der Kommission über den Erhaltungszustand von Arten und Lebensraumtypen gemäß Artikel 17 der Habitat-Richtlinie (KOM(2009)0358),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten(1) (Vogelschutzrichtlinie) und auf die Entschließung des Europäischen Parlaments vom 17. Januar 2001(2) zur Durchführung der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen(3) (Habitat-Richtlinie),

–   unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates „Umwelt“ vom 25. Juni 2009 zu den Themen „Halbzeitbewertung der Umsetzung des EU-Aktionsplans zur Erhaltung der biologischen Vielfalt“ und „Hin zu einer EU-Strategie für den Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten“,

–   unter Hinweis auf die informelle Tagung des Rates vom 26. und 27. Januar 2010 in Madrid, auf dem die sogenannten Kybele-Prioritäten angenommen wurden, und auf die Schlussfolgerungen des Rates „Umwelt“ vom 15. März 2010 zu dem Thema „Biologische Vielfalt: Die Zeit nach 2010 – Die EU, das Gesamtkonzept, die Ziele und die internationale Regelung für den Zugang und den Vorteilsausgleich“,

–   unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 25. und 26. März 2010, insbesondere Nummer 14,

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 22. Mai 2007 zur Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010(4),

–   unter Hinweis auf das europäische Gipfeltreffen von Göteborg 2001, auf dem vereinbart wurde, den Verlust an biologischer Vielfalt bis zum Jahr 2010 als Teil einer Strategie für nachhaltige Entwicklung zum Stillstand zu bringen,

–  unter Hinweis auf die Studie „Der ökonomische Wert von Ökosystemen und biologischer Vielfalt“ (The Economics of Ecosystems and Biodiversity, TEEB, http://www.teebweb.org),

–   unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Hin zu einer EU-Strategie für den Umgang mit invasiven Arten“ (KOM(2008)0789),

–   unter Hinweis auf das Blaubuch der EU über eine integrierte Meerespolitik (KOM(2007)0575 und SEK(2007)1278) und die laufenden Vorbereitungen für eine Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik,

–  unter Hinweis auf die Maßnahmen zur Aufwertung des Naturschutzes und der biologischen Vielfalt als Teil des „Gesundheitschecks der GAP“ und auf die Möglichkeiten, die sich durch die gegenwärtig erörterte Reform der GAP bieten,

–  unter Hinweis auf die Erkenntnisse unabhängiger Sachverständiger aus den länderspezifischen Studien (PE 410.698) der Fachabteilung C aus dem Jahr 2009 zur Durchführung der Habitat-Richtlinie, insbesondere, was die Fragen betrifft, ob etwa keine alternativen Optionen zu den Projekten geprüft werden und welche kumulativen Effekte die Projekte haben, ob die Gebietsbewirtschaftung angemessen ist und – wenn Ausgleichsmaßnahmen beschlossen werden – ob diese Maßnahmen etwas taugen oder ob sie, wenn überhaupt, häufig zu spät durchgeführt werden,

–   unter Hinweis darauf, dass die Vereinten Nationen 2010 zum Jahr der biologischen Vielfalt erklärt haben,

–   unter Hinweis auf das Ergebnis der 15. Konferenz der Vertragsparteien (COP 15) des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) vom 13. bis 25. März 2010 in Doha (Katar),

–  unter Hinweis auf die anstehende fünfte Tagung der Konferenz der Vertragsparteien des Cartagena-Protokolls zur biologischen Sicherheit (COP-MOP 5) und auf die Konferenz der Vertragsparteien des VN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (COP 10),

–  unter Hinweis auf den Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) Nr. 4/2009 „Progress towards the European 2010 biodiversity target“ (Fortschritte bei der Verwirklichung des Ziels der EU im Bereich biologische Vielfalt bis 2010), insbesondere dessen Anhang „SEBI 2010 Biodiversity indicator“ (SEBI-2010-Indikatoren zur biologischen Vielfalt),

–   unter Hinweis auf den „Leitfaden zum Aufbau des Natura-2000-Netzes in der Meeresumwelt – Anwendung der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie“ der Kommission vom Mai 2007,

–   unter Hinweis auf die Strategie „Europa 2020“,

–   unter Hinweis auf den 3. Globalen Ausblick der Vereinten Nationen zur Lage der biologischen Vielfalt,

–  gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie der Stellungnahmen des Fischereiausschusses und des Petitionsausschusses (A7-0241/2010),

A.  in der Erwägung, dass sich der Erlass von EU-Rechtsvorschriften vermutlich auf die biologische Vielfalt auswirkt, wie es beispielsweise auch bei der Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) oder der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (2008/56/EG) der Fall war,

B.  in der Erwägung, dass aus den Mitteilungen der Kommission deutlich hervorgeht, dass die EU ihr für 2010 gesetztes Ziel im Hinblick auf die biologische Vielfalt nicht erreicht hat,

C.  in der Erwägung, dass der „Gesundheitscheck“ der durch die Habitat-Richtlinie geschützten Arten und Lebensraumtypen Folgendes ergeben hat: der Erhaltungszustand der meisten Arten und Lebensraumtypen ist schlecht, die Aussterberate ist beunruhigend hoch – bestimmten Schätzungen zufolge ist der Index für die Artenvielfalt in den letzten 40 Jahren um 30 % zurückgegangen –, und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass sich die Triebkräfte des massiven Verlusts an biologischer Vielfalt abschwächen; in der Erwägung, dass für die EU bedeutende Lebensräume und Arten potenziell durch den vom Menschen verursachten Klimawandel bedroht sind, in der Erwägung, dass Wissenschaftler davon ausgehen, dass es zahlreiche nicht erfasste Arten gibt und dass deshalb der Verlust an biologischer Vielfalt nicht in seinem gesamten Ausmaß beurteilt werden kann,

D.  in der Erwägung, dass die EU durch mehrere Faktoren daran gehindert wurde, das Ziel, das sie sich für 2010 gesetzt hatte, zu erreichen, weil es ihr beispielsweise nicht gelungen ist, die Triebkräfte des Verlusts an biologischer Vielfalt zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken, weil Rechtsvorschriften unvollständig umgesetzt und unvollständig und mangelhaft in die einzelnen Politikbereiche integriert wurden, weil die wissenschaftlichen Kenntnisse unzureichend waren und es Lücken in den Datenbeständen gab, weil es an politischem Willen mangelte, weil die finanziellen Mittel unzureichend waren und weil zusätzliche Instrumente, die wirksam hätten eingesetzt werden können, um spezifische Probleme wie die invasiven gebietsfremden Arten anzugehen, fehlten,

E.  in der Erwägung, dass die biologische Vielfalt als naturgegebenes Kapital der Welt für die Existenz menschlichen Lebens auf der Erde und das Wohlergehen der Gesellschaften direkt und indirekt wegen der Bereithaltung von Leistungen der Ökosysteme unentbehrlich ist; in der Erwägung, dass die biologische Vielfalt im weltweiten Kampf gegen den Hunger und für die Ernährungssicherheit von zentraler Bedeutung ist; in der Erwägung, dass die Erhaltung und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt eine Voraussetzung für die Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung daran ist,

F.  in der Erwägung, dass die biologische Vielfalt die tragende Säule der Entwicklung der Menschheit ist und dass der Verlust an biologischer Vielfalt und die damit einhergehenden Verluste am Naturerbe eine Schieflage verursachen und zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten und Einbußen beim Wohlstand führen, die sich in derselben Größenordnung bewegen wie die Kosten, die durch den Klimawandel verursacht werden, wenn die Menschheit untätig bleibt,

G.  in der Erwägung, dass auch in der oben genannten TEEB-Studie bestätigt wird, dass der Verlust an biologischer Vielfalt zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten und Einbußen beim Wohlstand führt,

H.  in der Erwägung, dass eine unlängst durchgeführte Eurobarometer-Studie zeigt, dass die EU-Bürger zum größten Teil weder mit dem Begriff biologische Vielfalt noch mit den Folgen des Verlusts an biologischer Vielfalt vertraut sind,

I.  in der Erwägung, dass durch das Verschwinden von Arten die Nahrungskette unterbrochen werden kann, die für andere Tier- und Pflanzenarten überlebenswichtig ist, die wiederum für die Lebensmittelproduktion, die Anpassung an die Klimaverhältnisse, die Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse und die Erhaltung von Genmerkmalen unverzichtbar sind,

Allgemeine Bemerkungen

1.  äußert seine tiefe Besorgnis darüber, dass sich der durch den Menschen verursachte Verlust an biologischer Vielfalt beschleunigt, was bis 2050 zu einer weitgehenden Verkümmerung und irreversiblen Schäden an der Natur führen wird, wenn dieses Tempo so hoch wie in den vorangegangenen Jahrzehnten bleibt, und betont, dass funktionsfähige Ökosysteme eine der Grundlagen für das Überleben der Menschheit sind;

2.  unterstreicht die Tatsache, dass die biologische Vielfalt der wichtigste Indikator für einen guten Zustand der Umwelt ist;

3.  ist sich bewusst, dass es nicht nur aus ethischer, sondern auch aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht nicht hinnehmbar ist, den Verlust an biologischer Vielfalt nicht zu unterbinden, weil dadurch zukünftigen Generationen Leistungen der Ökosysteme, die eine reiche biologische Vielfalt der Natur bietet, vorenthalten werden, und ihr Wohl dadurch in vielerlei Hinsicht beeinträchtigt wird; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten aus diesem Grund auf, die Entscheidungsstrukturen und die Einhaltung der Vorschriften zur Erhaltung der biologischen Vielfalt sowohl nach innen als auch in den Außenbeziehungen zu verbessern;

4.  ist sich darüber hinaus bewusst, dass die Strategie der EU zur biologischen Vielfalt zur erfolgreichen Bewältigung der Krise in den drei Bereichen Ernährungssicherheit, Verlust an biologischer Vielfalt und Klimawandel schlüssig und zukunftsweisend sein und umfassend in die Strategien zur Bekämpfung von Armut und Hunger sowie zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung daran eingebunden werden muss;

5.  weist darauf hin, dass nichtstaatliche Organisationen vor Ort insofern eine wichtige Rolle beim Schutz der biologischen Vielfalt spielen können, als sie zur Entscheidungsfindung beitragen und die Öffentlichkeit sensibilisieren;

6.  betont, dass laufenden Studien wie der TEEB-Studie zufolge die Wohlstandseinbußen infolge der Verluste an biologischer Vielfalt gegenwärtig auf etwa 50 Milliarden Euro pro Jahr (knapp unter 1 % des BIP) geschätzt werden und bis 2050 auf 14 Billionen Euro pro Jahr bzw. 7 % des Schätzwerts des BIP ansteigen dürften;

7.  teilt jedoch die Feststellung aus dem Bericht zur TEEB-Studie, dass der Messung des ökonomischen Werts der biologischen Vielfalt methodische Grenzen gesetzt sind und die ethischen und generationenübergreifenden Aspekte der Erhaltung der biologischen Vielfalt nicht in den Hintergrund geraten dürfen;

8.  ist zutiefst besorgt darüber, dass aus der internationalen politischen Tagesordnung überhaupt nicht ersichtlich wird, wie dringlich es ist, den Verlust an biologischer Vielfalt zum Stillstand zu bringen;

Die EU und die biologische Vielfalt

9.  bedauert in höchstem Maße, dass das 2001 auf dem europäischen Gipfeltreffen von Göteborg vereinbarte Ziel, den Verlust an biologischer Vielfalt bis zum Jahr 2010 zum Stillstand zu bringen, nicht erreicht wurde, und teilt die von vielen Petenten gegenüber dem Europäischen Parlament geäußerte diesbezügliche Besorgnis;

10.  begrüßt die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Optionen für ein Biodiversitätskonzept und Biodiversitätsziel der EU für die Zeit nach 2010“;

11.  begrüßt die Schlussfolgerungen des Rates „Umwelt“ vom 15. März 2010 zur biologischen Vielfalt, nicht zuletzt das neue Etappenziel, dass ungeachtet natürlicher Veränderungen der biologischen Vielfalt der Verlust an biologischer Vielfalt und die Verschlechterung der Leistungen der Ökosysteme in der EU bis 2020 zum Stillstand gebracht sowie die biologische Vielfalt und die Leistungen der Ökosysteme so weit wie möglich wiederhergestellt werden, und die Schlussfolgerungen des Rates vom 25. und 26. März 2010, in denen festgestellt wurde, dass es dringend erforderlich ist, der anhaltenden Tendenz des Verlusts an biologischer Vielfalt und der Verschlechterung der Ökosysteme entgegenzuwirken;

12.  hält es für das absolute Mindestziel, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2020 zum Stillstand zu bringen;

13.  weist auf die die bereits laufenden, sachdienlichen Initiativen zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Leistungen der Ökosysteme hin und ist der Ansicht, dass derartige Initiativen auch Bestandteil des Zwischenziels für 2020 sein müssen;

14.  vertritt die Auffassung, dass in den Fällen, in denen Daten fehlen, eine gründliche Abschätzung der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen erforderlich ist;

15.  ist angesichts der Tatsache, dass die biologische Vielfalt und die Leistungen der Ökosysteme weltweit von Belang sind und sie im Hinblick auf die allgemeinen Ziele nachhaltige Entwicklung, Verringerung von Armut und Hunger sowie Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse und des Wohls der Menschheit insgesamt eine entscheidende Rolle spielen, davon überzeugt, dass die zukünftige Strategie der EU den internationalen Bemühungen der EU um die Abwendung des Verlusts an biologischer Vielfalt neuen Auftrieb verleihen und auf diese Weise stärker zur Erreichung der Milleniums-Entwicklungsziele bis 2015 beitragen muss – zumal in Untersuchungen wie der TEEB-Studie die Kosteneffizienz und Durchführbarkeit dieser Bemühungen hinreichend belegt wurde;

16.  betont außerdem, dass als Teil der Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung der biologischen Vielfalt gemeinsame Maßnahmen der EU notwendig sind, um das Problem der invasiven gebietsfremden Arten anzugehen, und weist auf den besonders engen Zusammenhang zwischen den Transportkorridoren und der massenhaften Ansiedlung gebietsfremder Arten hin;

Natura 2000

17.  stellt fest, dass die ordnungsgemäße Umsetzung der Natura-2000-Rechtsvorschriften von großer Bedeutung ist, wenn die Ziele der EU in den Bereichen biologische Vielfalt, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung erreicht werden sollen; hält es in diesem Sinne für dringend erforderlich, dass die Zusammenarbeit mit den Landnutzern bei der Umsetzung von Natura 2000 in Zukunft deutlich gestärkt und konstruktiv gestaltet wird; betont, dass die Natura-2000-Strategie bereits einige bedeutende Erfolge gebracht hat;

18.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Artikel 6 der Habitat-Richtlinie vollständig umzusetzen;

19.  ist unabhängig von den konkreten und positiven Ergebnissen, die einige Mitgliedstaaten in Bezug auf den Erhaltungszustand mehrerer Arten erzielt haben, nach wie vor in Sorge, ob die Natura-2000-Rechtsvorschriften auch vollständig und gründlich umgesetzt werden; fordert die Mitgliedstaaten auf, der Umsetzung von Natura 2000 einen höheren Stellenwert einzuräumen;

20.  begrüßt die Tatsache, dass die Fläche des Netzes Natura 2000 EU-weit auf 18 % der Landflächen gestiegen ist und bei der Ausarbeitung von Erhaltungsmaßnahmen oder Managementplänen frühzeitig Fortschritte erzielt wurden; bedauert, dass die Mitgliedstaaten die in den Richtlinien festgelegten Fristen nicht einhalten; fordert die Mitgliedstaaten aus diesem Grund auf, unverzüglich Maßnahmen zu treffen, damit die Vogelschutzrichtlinie und die Habitat-Richtlinie vollständig umgesetzt werden;

21.  äußert seine Besorgnis über die fehlenden Fortschritte bei der Einrichtung des Netzes Natura 2000 für die Meeresumwelt und ersucht die Kommission und die Mitgliedstaaten, die notwendigen Verfahren zu beschleunigen;

22.  fordert die Kommission auf, ein Modell für ein Netz mariner Schutzgebiete anzunehmen, in dessen Rahmen die Erhaltung der Umwelt und nachhaltige Fischerei miteinander in Einklang gebracht werden können; fordert die Kommission auf, regelmäßig über die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der Habitat- und der Vogelschutzrichtlinie, insbesondere über den Aufbau des Netzes Natura 2000 im Bereich der Meeresumwelt (gegenwärtig sind weniger als 10 % der geschützten Gebiete Meeresgebiete), sowie über die Melde- und Überwachungspflichten der Mitgliedstaaten Bericht zu erstatten;

23.  weist darauf hin, dass marine Arten und Habitate durch die EU-Rechtsvorschriften im Bereich biologische Vielfalt weniger Schutz als terrestrische Arten und Habitate genießen; fordert die Kommission daher auf, diese Rechtsvorschriften und deren Umsetzung auf Schwachstellen zu prüfen sowie Meeresschutzgebiete festzulegen, in denen wirtschaftliche Tätigkeiten, auch die Fischerei, dem Ökosystemansatz untergeordnet werden müssen;

24.  weist zudem darauf hin, dass die verschiedenen Übereinkünfte über die europäischen Meere, wie OSPAR, HELCOM und das Übereinkommen von Barcelona, einen wichtigen Rahmen für den Schutz mariner Ökosysteme bieten;

25.  ist der Ansicht, dass es den Mitgliedstaaten gestattet sein muss, Initiativen zum Schutz der biologischen Vielfalt der Meere zu ergreifen, die über die in den EU-Rechtsvorschriften vorgesehenen Maßnahmen hinausgehen;

26.  weist darauf hin, dass es beim Aufbau eines kohärenten Netzes Natura 2000 um die Bewahrung jener Landschaftselemente gehen muss, die für wildlebende Pflanzen und Tiere enorm wichtige Faktoren sind; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten daher auf, sich aktiv für die Pflege und den Ausbau der Verbindungen zwischen Schutzgebieten einzusetzen, unabhängig davon, ob es sich um Landflächen, Meeresgebiete oder landwirtschaftliche Gebiete mit hohem Wert für den Naturschutz handelt;

27.  stimmt den Erkenntnissen der Europäischen Umweltagentur zu, die erklärt hat, dass der Erhaltungszustand der im Rahmen der Habitat-Richtlinie der EU geschützten Arten und Lebensräume Anlass zur Sorge gibt und dass nicht alle Anstrengungen darauf gerichtet sein sollten, Inseln der biologischen Vielfalt zu erhalten, während überall andernorts Natur verloren geht, da diese Erkenntnisse den Ansichten entsprechen, die sehr häufig von europäischen Bürgern in ihren Petitionen an das Europäische Parlament vertreten werden;

28.  erinnert die Kommission und die Mitgliedstaaten daran, dass die Festlegung mariner Schutzgebiete durch die Meeresstrategie-Richtlinie nicht auf Natura-2000-Gebiete beschränkt ist; fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission daher auf, bestehende Verbindungen zu nutzen und Verbindungen zwischen allen marinen Schutzgebieten, einschließlich der im Rahmen regionaler Meeresübereinkünfte festgelegten Schutzgebiete, herzustellen, um auf diese Weise ein engmaschiges und umfassendes Netz zu schaffen;

29.  nimmt zur Kenntnis, dass ein gewisses Maß an Subsidiarität im EU-Umweltrecht unumgänglich ist, ist jedoch besorgt, dass dieses Maß an Flexibilität die Mitgliedstaaten bei der Durchführung der Vorschriften zum Missbrauch verleitet; bedauert die auffälligen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, z. B. hinsichtlich der externen Effekte der Natura-2000-Gebiete, Gruppenfreistellungen für bestimmte laufende wirtschaftliche Tätigkeiten oder der Anwendung des Vorsorgeprinzips; fordert für den Fall, dass derart auffällige Unterschiede festgestellt werden, dass untersucht wird, ob die betreffenden Mitgliedstaaten die Vorschriften nicht etwa in einer Weise umsetzen, dass die konkrete Verwirklichung der im Bereich biologische Vielfalt angestrebten Ziele erschwert wird;

30.  fordert die Kommission angesichts dieser Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten auf, gegebenenfalls weitere Klarstellungen an den Richtlinien vorzunehmen oder weitere Anleitungen zu geben, wobei solche Klarstellungen bzw. Anleitungen vorzugsweise auf bewährten Verfahren beruhen und/oder anhand solcher Verfahren veranschaulicht werden sollten;

31.  hält es für wichtig, im Sinne der Urteile des Gerichtshofs das Vorsorgeprinzip auf die Natur als Bezugsrahmen der biologischen Vielfalt anzuwenden;

32.  fordert die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass die Qualität der Umweltverträglichkeitsprüfungen und strategischen Umweltprüfungen dem hohen Stellenwert der biologischen Vielfalt entspricht, damit eine solide Durchführung der Natura-2000-Rechtsvorschriften gewährleistet wird;

33.  fordert, die Richtlinie über die Umweltverträglichkeitsprüfung zu verschärfen und ihre Ziele wesentlich enger auszulegen, damit keine Nettoverluste entstehen, sondern womöglich die biologische Vielfalt zunimmt, und für die laufende Überwachung der Auswirkungen von Projekten auf die biologische Vielfalt und die Wirksamkeit von Abhilfemaßnahmen konkrete Anforderungen einzuführen, die entsprechende Vorschriften für den Zugang zu diesen Informationen und die Durchsetzung der Vorgaben enthalten;

34.  vertritt die Ansicht, dass eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit erhebliche Vorteile für die Erfüllung der Natura-2000-Ziele haben könnte;

35.  erklärt sich besorgt über den Mangel an länderübergreifender Zusammenarbeit, der zur Folge haben kann, dass auf ein und demselben Gebiet unterschiedliche Ansätze verfolgt werden, und hält es in diesem Zusammenhang für sinnvoll, die vorhandenen Instrumente konsequent anzuwenden, beispielsweise das Rechtsinstrument des Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ);

36.  fordert die Kommission auf, sich in ihrer künftigen Strategie zur biologischen Vielfalt und im Zusammenhang mit Natura 2000 mehr auf die Leistungen der Ökosysteme zu konzentrieren und gleichzeitig die Bemühungen um einen günstigen Erhaltungszustand der Arten und ihrer natürlichen Lebensräume fortzusetzen und zu verstärken;

Einbindung in andere Politikbereiche

37.  ist der Überzeugung, dass das Netz Natura 2000 für Land- und Meeresgebiete nicht das einzige EU-Instrument für die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist und dass für eine erfolgreiche EU-Strategie für die biologische Vielfalt ein ganzheitlicher Ansatz vonnöten ist;

38.  fordert daher die Kommission auf, zu gewährleisten, dass die biologische Vielfalt auch in anderen EU-Politikbereichen – z. B. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei, Regionalpolitik und Kohäsion, Energie, Industrie, Verkehr, Fremdenverkehr, Entwicklungszusammenarbeit, Forschung und Innovation – so berücksichtigt wird, dass es zu einer gegenseitigen Stärkung der einzelnen Politikbereiche und zu einer besseren Abstimmung auf die Haushaltspolitik der Europäischen Union kommt; betont, dass gerade in der Gemeinsamen Agrarpolitik, der Regionalpolitik und der Gemeinsamen Fischereipolitik erhebliche Chancen liegen, mehr für die biologische Vielfalt zu tun;

39.  betont, dass der Zusammenhang zwischen der Wasserbewirtschaftung und der biologischen Vielfalt ein wesentliches Element für die Erhaltung des Lebens und die nachhaltige Entwicklung ist;

40.  vertritt die Auffassung, dass Landwirte maßgeblich an der Verwirklichung des EU-Biodiversitätsziels mitwirken können; weist darauf hin, dass es 1992 erste Ansätze gab, den Schutz der biologischen Vielfalt in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) einzubeziehen, und dass mit der Reform von 2003 Maßnahmen eingeführt wurden, die sich vorteilhaft auf die Erhaltung der biologischen Vielfalt auswirken, wie die Einhaltung anderweitiger Verpflichtungen, die Betriebsprämienregelung (Entkopplung) und die Entwicklung des ländlichen Raums;

41.  hegt jedoch Bedenken angesichts der Frage, ob die Landwirte in der EU auch weiterhin in der Lage sein werden, hochwertige, konkurrenzfähige Lebensmittel zu erzeugen; vertritt die Auffassung, dass die Reform der GAP bewirken sollte, dass den Landwirten in der EU ihre Bemühungen um die Verwirklichung des EU-Biodiversitätsziels angemessen vergütet werden;

42.  weist darauf hin, dass die land- und forstwirtschaftliche Nutzung in Europa wesentlich zu der heute als schützenswert angesehenen Vielfalt an Arten und Biotopen und der vielgestaltigen Kulturlandschaft beitragen hat; betont daher, dass nur durch die land- und forstwirtschaftliche Nutzung auf Dauer die Offenhaltung der Kulturlandschaft und die Erhaltung der Artenvielfalt in der EU gewährleistet werden kann;

43.  begrüßt frühere Versuche, Umweltaspekte in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) einzubinden, wie die Einführung von Agrarumweltmaßnahmen und guter Landwirtschafts- und Umweltbedingungen; fordert die Kommission auf, die GAP-Reform dazu zu nutzen, diesen Trend weiter auszubauen und auf eine uneingeschränkt nachhaltige Landwirtschaft in der EU hinzuarbeiten, wobei die damit verbundenen Vorteile für die Umwelt als Maßstab dienen, beispielsweise durch die Einführung einer Vergütung für Leistungen für das Ökosystem oder die Bereitstellung genau definierter öffentlicher Güter, darunter nachhaltige Landwirtschaft in ökologisch sensiblen Gebieten wie den Natura-2000-Gebieten, um dafür Sorge zu tragen, dass künftig die nachhaltig betriebene Landwirtschaft subventioniert wird, dass der Einsatz bewährter Verfahren entsprechend honoriert und gefördert wird und dass die Landwirte nicht finanziell oder anderweitig benachteiligt werden, folglich also die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die landwirtschaftlichen Betriebe auch in Zukunft einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten können;

44.  fordert die Kommission auf, verstärkt auf die Einhaltung aller Verordnungen und Richtlinien der EU zu achten, die im Besonderen der Erhaltung der biologischen Vielfalt dienen;

45.  stellt fest, dass die EU im Rahmen ihrer Agrarpolitik Regelungen zur Einhaltung anderweitiger Verpflichtungen festgelegt hat, die der Erhaltung der biologischen Vielfalt dienen, bedauert aber, dass es in vielen Fällen keine EU-weit einheitliche Umsetzung und Kontrolle dieser Regelungen gibt;

46.  ist sich der Tatsache bewusst, dass auch die Flächennutzungspolitik im Naturschutz ein Schlüsselelement ist, und fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die biologische Vielfalt als Kriterium bei der Entscheidungsfindung auf lokaler und regionaler Ebene im Zusammenhang mit der Flächennutzung und der Raumordnung noch stärker als bisher heranzuziehen, auch in der Regional- und Kohäsionspolitik;

47.  betont, dass die Bewirtschaftung der Flächen und die Erhaltung der biologischen Vielfalt keine Gegensätze sind und dass eine integrierte Bewirtschaftung Lebensräume für biologische Vielfalt schafft;

48.  hebt es als wichtig hervor, den Verlust an Vielfalt bei Kulturpflanzenarten und -sorten, der einen Schwund der genetischen Grundlagen für die Ernährung von Mensch und Tier bewirkt, einzudämmen und umzukehren; hält es für notwendig, die Nutzung bestimmter gebietstypischer traditioneller landwirtschaftlicher Sorten zu fördern;

49.  fordert die Kommission angesichts des ökonomischen, sozialen und ökologischen Werts der genetischen Vielfalt von Kulturpflanzen und Nutzvieh auf, konkrete Prioritätsziele festzulegen, um dem Verlust an genetischer Vielfalt sowie an heimischen Arten zum Stillstand zu bringen; fordert darüber hinaus, dass definiert wird, was die Begriffe „heimische Rasse“ und „nicht heimische Rasse“ bedeuten, und dass Maßnahmen zum Schutz der heimischen Rassen angenommen werden;

50.  ist der Ansicht, dass die Landwirte, die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zusätzliche Leistungen für das Ökosystem erbringen, im Rahmen der GAP ein von der Europäischen Union finanziertes Entgelt in Form ergänzender flächenbezogener Direktzahlungen erhalten sollten; wiederholt seine Forderung, die Bedingungen aufzustellen, nach denen den Betriebsinhabern „Bonuspunkte“ für Maßnahmen zu Gunsten der biologischen Vielfalt zugeteilt werden, wenn diese Maßnahmen über die Verpflichtungen im Zusammenhang mit einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand hinausgehen;

51.  stellt fest, dass im Rahmen der Umweltgesetzgebung viel Positives erreicht wurde, wie z. B. die Einführung des Integrierten Pflanzenschutzes und die neue EU-Pestizidgesetzgebung, die einen speziellen Pflanzenschutz ermöglicht, bei dem die Pestizide gezielt auf Schadorganismen wirken und Nützlinge geschützt werden;

52.  begrüßt die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik, die derzeit ausgearbeitet wird, und fordert die Kommission auf, dem Kriterium der biologischen Vielfalt in ihren künftigen Legislativvorschlägen Rechnung zu tragen; besteht darauf, dass als mögliche Alternative zur Fischerei nach Maßgabe des Vorschlags, den die Kommission in ihrer Mitteilung mit dem Titel „Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft für die Aquakultur“ (KOM(2009)0162) unterbreitet hat, und unter Berücksichtigung des Standpunkts, den das Europäische Parlament in seiner Entschließung vom 17. Juli 2010 vertritt, Modelle für nachhaltige Aquakultur ausgearbeitet werden sollten;

53.  stellt fest, dass die Wasserrahmenrichtlinie für Küstengewässer und die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie – neben der Habitat- und der Vogelschutzrichtlinie – die wichtigste Handhabe darstellen, was die Erhaltung der biologischen Vielfalt im Meer und die damit zusammenhängenden Ziele angeht;

54.  hält es für ein wesentliches Ziel der GFP, dass die Rückwürfe verringert werden, und fordert die Kommission auf, die Gründe für Rückwürfe festzustellen und spezifische Lösungen für jeden Fanggrund auszuarbeiten, insbesondere durch die Einführung von Quoten für mehrere Arten oder Biomassequoten, durch selektive Fanggeräte wie etwa die allgemeine Verwendung von Netzen mit Quadratmaschen und durch die Bestandsbewirtschaftung in bestimmten Seegebieten;

55.  ist der Ansicht, dass die regionalen Fischereiorganisationen (RFO) für die Bewirtschaftung der Fischereiressourcen zuständig sind und eine verantwortungsvolle Hochseefischerei gewährleisten; hält es daher für wesentlich, ihre Befugnisse zu stärken, insbesondere im Hinblick auf Kontrollen und abschreckende Strafen, und ist der Ansicht, dass es in erster Linie den RFO obliegt, die Bestände bestimmter kommerziell wichtiger mariner Arten zu bewirtschaften und Fangbescheinigungen vorzuschreiben;

56.  betont, dass im Bereich der integrierten Bewirtschaftung der Küstengebiete und der maritimen Raumordnung weiterer Handlungsbedarf besteht, da diese Bereiche wichtige Aspekte eines partizipatorischen, an der Erhaltung des Ökosystems ausgerichteten Konzepts sein könnten, mit dem unter Berücksichtigung der natürlichen Prozesse und der Belastbarkeit des Ökosystems der Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der Meeres- und Küstenressourcen sichergestellt wird;

57.  unterstreicht angesichts des erheblichen Verlusts an biologischer Vielfalt in den Gewässern und der Zerstörung von Süßwasserökosystemen, dass die vollständige Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie forciert werden muss, und betont, dass bei der Planung der Bewirtschaftung von Einzugsgebieten auch der Verlust an biologischer Vielfalt thematisiert werden muss;

58.  fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre Forstpolitik so zu gestalten, dass der Rolle des Waldes als Reservoir für die biologische Vielfalt, für die Erhaltung und Bildung der Humusschicht, bei der Kohlenstoffbindung und der Luftreinigung sowie seinem Nutzen als Erholungsgebiet für die Bürgerinnen und Bürger voll und ganz Rechnung getragen wird;

59.  begrüßt die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Bekämpfung der Entwaldung und der Waldschädigung zur Eindämmung des Klimawandels und des Verlusts der biologischen Vielfalt“ (KOM(2008)0645 endg.), in der das Ziel formuliert wird, den weltweiten Verlust an Waldflächen bis spätestens 2030 aufzuhalten;

60.  weist darauf hin, dass die Zunahme der Nachfrage nach landwirtschaftlich erzeugten Kraftstoffen und der damit einhergehende verstärkte Druck, Energiepflanzen zu erzeugen, die biologische Vielfalt insbesondere in Entwicklungsländern gefährdet, weil Lebensräume und Ökosysteme wie unter anderem Feuchtgebiete und Wälder umgenutzt und geschädigt werden;

61.  betont, dass die Mittel für Forschung in den Bereichen Umwelt und biologische Vielfalt im Achten Rahmenprogramm entsprechend den enormen Bedürfnissen und Herausforderungen bei der Bekämpfung des Verlusts der biologischen Vielfalt und des Klimawandels aufgestockt werden müssen;

62.  weist darauf hin, dass die Kommission in Nummer 8 der Schlussfolgerungen des Rates vom 21. Oktober 2009 für jeden einzelnen Sektor eine umgehende Überprüfung der Subventionen ersucht wird, die negative Auswirkungen auf die Umwelt haben; fordert die Kommission auf, diesen Schlussfolgerungen unverzüglich Folge zu leisten, damit Maßnahmen mit negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in Europa nicht länger subventioniert werden;

63.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Vorbereitungsphase der Ausarbeitung des Siebten Umweltaktionsprogramms dafür zu nutzen, die Debatte voranzubringen und konkrete Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt in der EU zu fördern;

Biologische Vielfalt und Klimawandel

64.  betont, dass die biologische Vielfalt und widerstandsfähige Ökosysteme für die Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung daran von entscheidender Bedeutung sind, da die Land- und Meeresökosysteme derzeit rund die Hälfte der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen absorbieren;

65.  begrüßt, dass Maßnahmen, die zur Verringerung der Auswirkungen des Klimawandels getroffen wurden und auch der Erhaltung der biologischen Vielfalt förderlich sind, sich aber nicht negativ auf die Finanzierung der biologischen Vielfalt an sich auswirken sollten, wachsende Unterstützung erfahren;

66.  fordert die Kommission auf, dafür zu sorgen, dass die marine und terrestrische biologische Vielfalt nicht durch Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Klimawandels und der Anpassung daran getroffen werden, beeinträchtigt wird;

67.  betont, dass der Boden ein maßgeblicher Faktor ist, wenn das Ziel der EU, die biologische Vielfalt zu erhalten, verwirklicht werden soll; weist darauf hin, dass die Ursachen und Folgen der Bodenverschlechterung vor allem lokal und regional bedingt sind und dass folglich das Subsidiaritätsprinzip gewahrt werden sollte; fordert alle Mitgliedstaaten auf, ihrer Verpflichtung für die Sicherstellung der Bodenqualität nachzukommen und die Böden gesund zu erhalten, und fordert die Mitgliedstaaten, in denen es keine Bodenschutzbestimmungen gibt, nachdrücklich auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden;

Ökonomischer Wert der biologischen Vielfalt

68.  weist darauf hin, dass die Fischerei in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht für die Küstenentwicklung und in ökologischer Hinsicht für die marinen Ökosysteme eine wesentliche Rolle spielt; ist der Ansicht, dass die Gemeinsame Fischereipolitik den Mitgliedstaaten bei der Einhaltung der Rechtsvorschriften im Bereich der biologischen Vielfalt nicht im Weg stehen, sondern diese erleichtern sollte, insbesondere, was die Einführung entsprechender Schutzmaßnahmen in marinen Natura-2000-Gebieten angeht;

69.  weist auf das beträchtliche Beschäftigungspotenzial hin, das mit dem Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft und einer umweltgerechten Infrastruktur verbunden ist, zumal dadurch naturgemäß Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden (die nicht in Drittländer ausgelagert werden können) und somit erheblich zur Strategie „Europa 2020“ beigetragen wird;

70.  ist uneingeschränkt der Ansicht, dass Ressourceneffizienz, eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz Hand in Hand gehen können und auch sollten; weist insbesondere darauf hin, dass sich bei der Entstehung von Öko- und Agrotourismus Erholung und Naturschutz gegenseitig positiv beeinflussen;

71.  erachtet die Erhaltung der biologischen Vielfalt für ein wichtiges Element bei der Umsetzung der Strategie „Europa 2020“, weil dadurch nicht nur Arbeitsplätze geschaffen werden können, sondern auch zu einer effizienten und nachhaltigen Nutzung der Ressourcen beigetragen wird; weist darauf hin, dass der Anstieg des Grundstoffproduktions-, Handels- und Verbrauchsmengen eine wichtige Ursache des Verlusts an biologischer Vielfalt ist, und fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten aus diesem Grund auf, Maßnahmen zu treffen, die der Förderung und Ausarbeitung einer Politik der Ressourceneffizienz und der Nachhaltigkeit in Verbrauch und Produktion dienen;

Finanzierung

72.  nimmt die Schätzung der Kommission aus dem Jahr 2004 zur Kenntnis, dass die Verwaltung des Netzes Natura 2000 mit 6,1 Milliarden Euro jährlich zu Buche schlagen wird; weist jedoch darauf hin, dass der mit den Investitionen in die biologische Vielfalt verbundene Nutzen dem TEEB-Bericht zufolge bis zu einhundertmal höher ist als der Aufwand;

73.  bedauert jedoch, dass von Seiten der Kommission keine eigenen zusätzlichen Finanzierungsquellen für die Umsetzung der Natura-2000-Richtlinien zur Verfügung gestellt werden und dass eine klare Aufschlüsselung der tatsächlich pro Jahr für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der EU anfallenden Kosten fehlt, und verlangt, dass die Mitgliedstaaten und die Kommission zusammenarbeiten, um ein klareres Bild zu schaffen;

74.  tritt dafür ein, dass die Gemeinschaft stärker für die Erhaltung der Natur als Wert an sich im Rahmen des Netzes Natura 2000 in die Pflicht genommen wird, gerade was die Finanzierung betrifft;

75.  begrüßt zwar die Erhöhung der Ausgaben für LIFE+ (+8 % im Entwurf des Haushaltsplans für das Jahr 2011), betont jedoch, dass dieses Instrument immer noch nur einen sehr kleinen Teil des EU-Haushalts ausmacht (0,2 %); stellt darüber hinaus fest, dass die von der EU finanzierten Erhaltungsmaßnahmen nicht immer fortgeführt werden, wenn die Gemeinschaftsfinanzierung eingestellt wird; fordert die Kommission auf, den einzelnen für die Nachhaltigkeit von Projekten relevanten Faktoren stärker Rechnung zu tragen und alle Projekte nach der letzten Zahlung systematisch weiter im Auge zu behalten;

76.  ist sich bewusst, dass die Erhaltung der biologischen Vielfalt auch mit anderen Instrumenten finanziert werden kann, z. B. mit den Strukturfonds und dem Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, bedauert jedoch, dass die meisten Mitgliedstaaten diese Möglichkeit nur eingeschränkt nutzen; weist darauf hin, dass der größte Anteil der Mittel zur Finanzierung der biologischen Vielfalt gegenwärtig auf den ELER entfällt;

77.  erwartet, ohne etwaigen künftigen Debatten und Entscheidungen über den neuen mehrjährigen Finanzrahmen (ab 2014) und der Halbzeitüberprüfung des laufenden Haushaltsrahmens (2007–2013) vorgreifen zu wollen, dass es aufgrund der Haushaltszwänge notwendiger denn je wird, für einen hohen Mehrwert und eine stärkere Wirksamkeit des Mitteleinsatzes in der EU, auch zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, zu sorgen;

78.  hält es daher für dringend erforderlich, sich einen besseren Einblick in die Wirksamkeit des Mitteleinsatzes zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zu verschaffen, und fordert die Kommission auf, Beispiele für Verfahren des Mitteleinsatzes aufzuzeigen, die sich im Hinblick auf Wirksamkeit und Mehrwert bewährt haben;

79.  befürwortet die Empfehlung der IUCN, 0,3 % des BIP für Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt einzusetzen;

80.  stellt mit Besorgnis fest, dass in mehreren Mitgliedstaaten die als Richtwert veranschlagte Anzahl der Projekte pro Jahr, die durch das Programm LIFE+ finanziert werden, nicht erreicht wird; fordert die Kommission auf, die Ursachen dieser unzureichenden Ausführung der Mittel zu bewerten und, falls notwendig, Änderungen der Programmverordnung vorzuschlagen, besonders im Hinblick auf die Kofinanzierungsbeträge;

81.  ist der Überzeugung, dass öffentliche Ausgaben allein nicht ausreichen werden, um das übergeordnete Ziel der EU zu erreichen, und hält es für wichtig, dass die unternehmerische Verantwortung auch auf die biologische Vielfalt bezogen wird; fordert die Kommission auf, nach Mitteln und Wegen zu suchen, wie sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor Investitionen, die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen, ein positives und attraktives Image verliehen werden kann, und im Gegensatz dazu Investitionen, die sich negativ auf die biologische Vielfalt auswirken, unattraktiv gemacht werden können; begrüßt in diesem Zusammenhang die Business- und Biodiversitätsplattform der Kommission, mit der die Privatwirtschaft in das Biodiversitätsprogramm einbezogen wird;

82.  empfiehlt mehr Flexibilität bei den Vorschriften über die mögliche Finanzierung von Projekten mit Bezug zur biologischen Vielfalt, um alle einschlägigen Akteure zu ermutigen, eine entsprechende Finanzierung zu beantragen;

83.  betont, dass im Endpreis der Erzeugnisse auf dem Markt externe Kosten, Risiken und Effekte berücksichtigt werden müssen, z. B. die Erhaltung der Kulturlandschaft, die Schäden für die biologische Vielfalt oder die Kosten für die Förderung der biologischen Vielfalt; weist darauf hin, dass dies langfristig im Interesse der Unternehmen ist, wenn es darum geht, auch weiterhin Zugang zu natürlichen Ressourcen zu haben; fordert die Kommission auf, die von ihr angekündigte Mitteilung zur künftigen Finanzierung von Natura 2000 so bald wie möglich, in jedem Fall jedoch noch 2010 zu veröffentlichen, damit dieser Sachverhalt zusammen mit der neuen, bis 2020 ausgelegten Strategie zur biologischen Vielfalt geprüft werden kann;

Daten- und Wissensbasis

84.  betont, wie wichtig eine integrierte Umweltbilanz für die Analyse des Zusammenhangs zwischen Umwelt und Wirtschaft auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene ist, um die Auswirkungen von Produktions- und Verbrauchsmustern auf die natürlichen Ressourcen einschätzen zu können, und fordert die Mitgliedstaaten auf, die dafür erforderlichen Daten regelmäßig an Eurostat und die Europäische Umweltagentur zu übermitteln;

85.  weist darauf hin, dass Forschung und Entwicklung von zentraler Bedeutung sind, um gegenwärtige Wissenslücken zu schließen, die Entwicklung der biologischen Vielfalt regelmäßig zu beobachten und Politikinstrumente auszuarbeiten, mit denen der Verlust der biologischen Vielfalt zum Stillstand gebracht werden kann;

86.  begrüßt den Zusammenfassenden Bericht 2001–2006 der Kommission, in dem der Erhaltungszustand geschützter Arten und Lebensräume in der EU und die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der Natura-2000-Rechtsvorschriften bewertet werden; bedauert jedoch, dass der Erhaltungszustand in einer Vielzahl von Fällen als „unbekannt“ eingestuft wurde; fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre einschlägigen Berichte zu verbessern, und fordert die EUA und die Kommission auf, bei künftigen Berichten dafür zu sorgen, dass die Daten zuverlässiger und besser vergleichbar sind;

87.  betont, wie wichtig es ist, einen klaren Ausgangswert zu ermitteln, anhand dessen die Kommission die Fortschritte bei der Verwirklichung der Ziele bzw. Teilziele misst; begrüßt, dass die Europäische Umweltagentur in diesem Zusammenhang ein Informationssystem für Biodiversität (BISE) und ein EU-Referenzszenario zur biologischen Vielfalt ausgearbeitet hat, die erheblich zur Verbesserung und Feinabstimmung der politischen Maßnahmen im Bereich biologische Vielfalt beitragen werden, insbesondere bei der Ausarbeitung eines Strategieplans durch die Kommission; unterstreicht, dass es zunächst bereits vorliegende Daten zu nutzen gilt, bevor auf der Erhebung neuer Daten bestanden wird;

88.  begrüßt die Informationskampagne der Kommission, da die Öffentlichkeit gegenwärtig zu wenig über die Bedeutung der biologischen Vielfalt weiß, und fordert die Mitgliedstaaten auf, sich wesentlich stärker um die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und den Austausch bewährter Verfahren zu bemühen;

Internationale Aspekte

89.  äußerst seine Besorgnis darüber, dass das weltweit angestrebte Ziel, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010 möglichst niedrig zu halten, wie im Jahr 2002 auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung festgelegt, nicht oder auch nicht annähernd erreicht wird, und darüber, wie sich der fortwährende Verlust an biologischer Vielfalt und die Verschlechterung der Ökosysteme auf die Milleniums-Entwicklungsziele und die für 2015 angestrebten Ziele Verringerung der Armut und des Hungers sowie Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse und des Wohls der Menschheit auswirken werden, und fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, sich dafür einzusetzen, dass die Belange der biologischen Vielfalt bei weltweiten Vorhaben wie den Milleniums-Entwicklungszielen grundsätzlich berücksichtigt werden;

90.  begrüßt, dass die Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Oktober 2010 in Nagoya eine Konferenz abhalten werden, und fordert die EU auf, eine umfangreiche, gut vorbereitete und gut zusammenarbeitende Delegation zu dieser Konferenz zu entsenden; unterstreicht, dass die EU auf höchster Ebene eine starke und einheitliche Position vertreten muss; ist jedoch über die Tatsache besorgt, dass an der Konferenz lediglich die Umweltminister teilnehmen werden, während wirkliche Fortschritte in Bezug auf das weltweite Programm zur biologischen Vielfalt eigentlich nur ressortübergreifend zu erreichen sind;

91.  fordert die Kommission auf, sich für die Schaffung einer zwischenstaatlichen Plattform für die Politik im Bereich der biologischen Vielfalt und der Erkenntnisse über die Leistungen des Ökosystems unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen einzusetzen und zur Schaffung dieser Plattform beizutragen;

92.  unterstützt den auf der Juli-Tagung 2008 unter französischem Ratsvorsitz erörterten Gedanken, mit Natura 2000 vergleichbare Netze in den überseeischen Ländern und Gebieten der EU sowie in den Gebieten der EU in äußerster Randlage zu entwickeln, da sich in diesen Gebieten einige der Zonen der Erde mit dem höchsten Artenreichtum auf engstem Raum befinden, und unterstreicht, dass diese Initiative durch europapolitische Instrumente wie die Entwicklungspolitik unterstützt werden muss;

93.  weist darauf hin, dass die Entwaldung für mehr CO2-Emissionen verantwortlich ist als der gesamte Verkehrssektor und dass die Erhaltung der Wälder eines der Schlüsselelemente für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Leistungen der Ökosysteme auf der Welt ist;

94.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die ökologische Nachhaltigkeit wirksam in ihren Beziehungen zu Drittländern zu verankern, wie es auch bei der Achtung der sozialen Rechte und beim Schutz örtlicher und indigener Bevölkerungsgruppen und bei ihrer Mitwirkung an den Entscheidungsprozessen der Fall ist, besonders im Zusammenhang mit der Flächennutzung und dem Schutz der Wälder, und die Umweltdiplomatie fortzuführen; fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, dafür zu sorgen, dass im „Zwölf-Punkte-Aktionsplan der EU zur Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele“ die Einbeziehung der ökologischen Nachhaltigkeit in alle Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit und der Außenbeziehungen als zentrale Forderung verankert und eine zielgerichtete Finanzierung zur Unterstützung der biologischen Vielfalt und der Leistungen der Ökosysteme vorgesehen wird;

95.  betont, dass innovative Finanzierungssysteme notwendig sind, um dem (ökonomischen) Wert der biologischen Vielfalt mehr Anerkennung zu verschaffen; ruft die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, sich an einer weltweiten Debatte über die Notwendigkeit innovativer Systeme für die Vergütung von Leistungen der Ökosysteme und deren mögliche Modalitäten zu beteiligen;

96.  besteht darauf, dass die Nachhaltigkeit der gehandelten Erzeugnisse in den internationalen Handelsvereinbarungen zum Schlüsselelement wird; betont in diesem Zusammenhang, dass nicht handelsbezogene Belange, darunter die Produktionsmethoden und die Achtung der biologischen Vielfalt, in alle künftigen WTO-Abkommen einfließen müssen;

97.  bedauert außerordentlich das enttäuschende Ergebnis der CITES-Konferenz, auf der die zentralen Bestandteile des EU-Mandats nicht durchgesetzt werden konnten, z. B. der Schutz der Meeresfauna von hohem kommerziellem Interesse;

98.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, die internen Entscheidungsfindungsverfahren zu beschleunigen und effizienter zu machen, mehr Mittel und Zeit für die diplomatischen Bemühungen gegenüber Drittländern aufzuwenden und die Kapazitäten und die Synergien zwischen den Übereinkommen auszubauen; betont, dass Umweltnormen der EU in deren Partnerschaftsabkommen mit Nachbarländern einbezogen werden müssen, da viele Natura-2000-Schutzgebiete mittelbar oder unmittelbar von Umweltverschmutzung betroffen sind und Umweltschäden auch von außereuropäischen Drittländern verursacht werden;

o
o   o

99.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission zu übermitteln.

(1) ABl. L 103 vom 25.4.1979, S. 1. Zuletzt geändert durch die Richtlinie 2006/105/EG (ABl. L 363 vom 20.12.2006, S. 368).
(2) ABl. C 262 vom 18.9.2001, S. 132.
(3) ABl. L 206 vom 22.7.1992, S. 7. Zuletzt geändert durch die Richtlinie 2006/105/EG.
(4) ABl. C 102 E vom 24.4.2008, S. 117.


Gemeinschaftskonzept zur Verhütung von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen
PDF 169kWORD 73k
Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zur Mitteilung der Kommission: Gemeinschaftskonzept zur Verhütung von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen (2009/2151(INI))
P7_TA(2010)0326A7-0227/2010

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 23. Februar 2009 mit dem Titel „Ein Gemeinschaftskonzept zur Verhütung von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen“(1) und die entsprechende Folgenabschätzung(2) und auf das Arbeitspapier der Kommission vom 14. Dezember 2007 über die Verbesserung der Frühwarnsysteme in Europa(3),

–  unter Hinweis auf seine Entschließungen vom 16. September 2009 zu den Waldbränden im Sommer 2009(4); vom 4. September 2007(5) zu Naturkatastrophen; vom 7. September 2006(6) zu Waldbränden und Überschwemmungen; vom 5. September 2002 zu Überschwemmungen in Europa(7); vom 14. April 2005 zur Dürre in Portugal(8); vom 12. Mai 2005 zur Dürre in Spanien(9); vom 8. September 2005 zu den Naturkatastrophen (Brände und Überschwemmungen) in Europa(10); seine Entschließungen vom 18. Mai 2006 zu Naturkatastrophen (Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen) – landwirtschaftliche Aspekte(11), Aspekte der regionalen Entwicklung und Umweltaspekte(12)(13); seine Entschließung vom 11. März 2010 zu den schweren Naturkatastrophen in der Autonomen Region Madeira und den Auswirkungen des Sturmtiefs „Xynthia“ in Europa(14) und auf seinen Standpunkt vom 18. Mai 2006 zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Errichtung des Solidaritätsfonds der Europäischen Union(15),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 16. Juni 2008 zur Stärkung der Katastrophenabwehrkapazitäten(16) in der Europäischen Union und auf die Ziffern 12 bis 15 der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates vom 15./16. Juni 2006 in Brüssel über die Reaktionsfähigkeit der Europäischen Union in Notfällen, in Krisen und bei Katastrophen(17),

–  unter Hinweis auf die Entscheidung 2007/162/EG, Euratom des Rates vom 5. März 2007 zur Schaffung eines Finanzierungsinstruments für den Katastrophenschutz(18),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 96/82/EG des Rates vom 9. Dezember 1996 zur Beherrschung der Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen(19) (Seveso-II-Richtlinie),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2007/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2007 über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken(20) (Hochwasserrichtlinie),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 85/337/EWG des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten(21) (UVP-Richtlinie),

–  unter Hinweis auf den Aktionsrahmen 2005-2015: Aufbau einer Katastrophenvorsorge der Nationen und Gemeinschaften, der am 22. Januar 2005 in Kobe, Hyogo, angenommen wurde(22),

–  unter Hinweis auf die am 5. Juni 1992 in Rio de Janeiro verabschiedete Konvention über biologische Vielfalt,

–  gestützt auf Artikel 196 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV),

–  gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie der Stellungnahmen des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, des Ausschusses für regionale Entwicklung und des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (A7-0227/2010),

A.  in der Erwägung, dass die Verhütung ein immer wichtigerer Teilbereich des Katastrophenmanagements sein muss und immer mehr soziale Bedeutung gewinnt,

B.  in der Erwägung, dass die Naturkatastrophen den Ökosystemen und der biologischen Vielfalt Schaden zufügen, die nachhaltige Entwicklung beeinträchtigen und den sozialen Zusammenhalt gefährden,

C.  in der Erwägung, dass die Mitgliedstaaten und insbesondere die betroffenen Konvergenzregionen durch Faktoren wie die intensive Nutzung der Böden, das ungeordnete industrielle und städtische Wachstum, die Landflucht, die Wüstenbildung und die Zunahme von Wetterextremen anfälliger für Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Katastrophen werden,

D.  in der Erwägung, dass die Klimaveränderungen die Ursache für das häufigere Auftreten von Naturkatastrophen (Überschwemmungen, extreme Dürren und Brände) sind, die Menschenleben kosten, sowie schwere ökologische, wirtschaftliche und soziale Schäden anrichten,

E.  in der Erwägung, dass Katastrophen in der Regel sehr viele Ursachen haben, die nicht immer ausschließlich Wetterextremen zuzuschreiben sind und häufig dadurch verschärft werden, dass der Mensch keine angemessene Beziehung zu seiner Umwelt hat,

F.  in der Erwägung, dass Katastrophen durch technische und industrielle Unfälle verursacht werden können, bei denen gefährliche chemische, biologische, radiologische oder nukleare Substanzen freigesetzt werden, was erhebliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit, Anbaupflanzen, Infrastrukturen oder das Vieh hat,

G.  in der Erwägung, dass Schäden, die auf Naturkatastrophen oder von Menschen verursachte Katastrophen zurückzuführen sind, oftmals weitgehend hätten verhindert werden können; in der Erwägung, dass die EU-Politik darüber hinaus kohärente Anreize schaffen muss, damit die nationalen, regionalen und lokalen Behörden wirksamere Präventions- und Schutzmaßnahmen entwickeln, finanzieren und umsetzen,

H.  in der Erwägung, dass ein umfassendes und schlüssiges Konzept zur Verhütung von Katastrophen das Zusammenwirken zwischen den jeweiligen kommunalen, regionalen und nationalen Behörden beinhalten muss und dass darüber hinaus der Rückgriff auf weitere vor Ort ansässige und mit den dortigen Gegebenheiten vertraute Akteure möglich sein muss,

I.  in der Erwägung, dass sich die bestehenden Katastrophenverhütungsmaßnahmen als unzureichend erwiesen haben und dass die bisherigen einschlägigen Vorschläge des Parlaments noch nicht vollständig umgesetzt wurden, was die Durchführung einer konsolidierten Strategie zur Verhütung natürlicher und vom Menschen verursachter Katastrophen auf EU-Ebene behindert,

J.  in der Erwägung, dass die Dürre und die anhaltenden Brände den Prozess der Wüstenbildung, insbesondere in Südeuropa, weiter beschleunigen und sich vor allem auf die Waldgebiete des Mittelmeers und auf Regionen mit einem großen Bestand an monospezifischem, nichtheimischem und äußerst leicht entflammbarem Wald auswirkt, was das Leben der Bürger und die Lebensqualität in den betroffenen Orten gefährdet,

K.  in der Erwägung, dass eine ausgewogene Inanspruchnahme der Flächen, eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Einklang mit der Natur, die Stärkung der Kohäsion in der EU sowie die Eindämmung der Landflucht und die Aufrechterhaltung wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger Landwirtschaft bestimmende Faktoren für die Verhütung von Katastrophen sind,

L.  unter Berücksichtigung der grundlegenden Rolle der Wälder für die Erhaltung der Umwelt, da sie sowohl im Kohlenstoff- als auch im Wasserkreislauf das Gleichgewicht aufrechterhalten,

1.  weist darauf hin, dass natürliche und vom Menschen verursachte Katastrophen erhebliche negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Regionen und Mitgliedstaaten haben; betont, dass bei der Verhütung von Katastrophen der Schutz menschlichen Lebens, die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit der Menschen, die grundlegenden Menschenrechte, die Umwelt, die wirtschaftlichen und sozialen Infrastrukturen einschließlich der Wohnungen und das Kulturerbe die wichtigsten Ziele sind;

2.  weist darauf hin, dass ein proaktiver Ansatz wirksamer und kostengünstiger als nachträgliche Reaktionen auf Katastrophen ist; ist der Auffassung, dass die Kenntnis der vor Ort vorherrschenden geografischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen für die Verhütung von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen von wesentlicher Bedeutung ist;

3.  begrüßt die Verpflichtung der Kommission, dafür Sorge zu tragen, dass die mit der Katastrophenverhütung verbundenen Fragen in der Politik und den Programmen der Gemeinschaft in kohärenterer Form berücksichtigt werden; weist darauf hin, dass Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Katastrophen alle Mitgliedstaaten und Bewerberländer betreffen und zu den Gefahren(23) unter anderem Hochwasser, Stürme, Dürren, Tsunamis, Erdbeben, Waldbrände, Extremtemperaturen, Vulkanausbrüche, Lawinen, Erdrutsche, technische Unfälle und Industrieunfälle, Bodenerosion, Verseuchung des Untergrunds und des Grundwassers und Verschmutzung der Meere, Seen und Flüsse gehören;

4.  ersucht die Kommission, den Austausch bewährter Verfahren zur Verhütung von durch den Menschen verursachten Katastrophen zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern, und fordert die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass sich die regionalen Behörden im Bereich Katastrophenschutz schulen lassen;

5.  ist der Auffassung, dass aufgrund des Ausmaßes und/oder des möglichen grenzüberschreitenden Charakters von Katastrophen eine verstärkte Zusammenarbeit sowohl auf regionaler als auch auf EU-Ebene notwendig ist, die auf sich gegenseitig ergänzenden Maßnahmen, auf der Verbreitung bewährter Verfahren und auf dem Grundsatz der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten beruht;

6.  nimmt den Vorschlag zur Kenntnis, ein Netzwerk aus Vertretern von verschiedenen nationalen zuständigen Stellen aller Mitgliedstaaten zu schaffen; unterstreicht, dass dieses Netzwerk im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen den für Katastrophenmanagement, Raumplanung, Kartierung und Risikomanagement verantwortlichen nationalen, regionalen und lokalen Behörden tätig sein muss; betont die Wichtigkeit dieses Netzwerks für den Erfahrungsaustausch, Verhütungsmaßnahmen und die Festlegung einer gemeinsamen Vorgehensweise und Mindeststandards bei der Erfassung von Gefahren und Risiken auf EU-Ebene; fordert die Einbeziehung der Vertreter der Landwirtschaft in dieses Netzwerk sowie die Anhörung der UNEP, der in diesem Bereich tätigen sozialen und Nichtregierungsorganisationen sowie anderer landeskundiger Akteure;

7.  betont die Bedeutung der Zusammenarbeit bei der Verbreitung von Informationen und Erfahrungen, von wissenschaftlichen und technischen Anwendungen sowie bei der Koordinierung von Strategien für die Entwicklung von Interventionskapazitäten;

8.  fordert die Regionen auf, die bereits bestehenden Netze für die territoriale und grenzüberschreitende Koordination auszubauen, um eine Zusammenarbeit zu entwickeln, die sich speziell auf die Katastrophenverhütung konzentriert; ist der Überzeugung, dass Strukturen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, wie die Makroregionen mit ihrer zweckmäßig ausgerichteten und unabhängig von administrativen Grenzen funktionierenden Zusammenarbeit zu wirksamen Plattformen für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Katastrophenverhütung werden können; empfiehlt die Nutzung der wertvollen Erfahrungen auf diesem Gebiet, die bereits von Projekten im Rahmen des EU-Programms INTERREG gesammelt wurden;

9.  ist der Ansicht, dass nur eine gemeinsame Strategie und aufeinander abgestimmte Maßnahmen der verschiedenen Sektoren und der verschiedenen am Katastrophenmanagement-Zyklus beteiligten Akteure zu wirklichen Fortschritten auf dem Gebiet der Katastrophenverhütung führen können; betont die Rolle der freiwilligen Arbeit bei diesen Strategien und fordert die Mitgliedstaaten zur Förderung der einschlägigen Zusammenarbeit auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene auf; schlägt vor, im Kontext des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit 2011 die Möglichkeit einer Zusammenarbeit im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit zur Katastrophenvorbeugung und -bewältigung auf der Ebene der Mitgliedstaaten zu prüfen;

10.  drängt darauf, dass die Mitgliedstaaten, die Nachbarländer der EU und Entwicklungsländer in grenzüberschreitenden Projekten zusammenarbeiten und im Rahmen der Programme der EU-Nachbarschaftspolitik und der Entwicklungsprogramme bewährte Verfahren und praktische Erfahrungen austauschen und für deren Verbreitung sorgen;

11.  hebt hervor, dass für die Hilfeleistung auch der Grundsatz der Nichtdiskriminierung gelten muss; merkt an, dass Hilfe nach dem Bedarf unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder dem sonstigen Status geleistet werden sollte;

12.  weist darauf hin, dass durch den Klimawandel verursachte und verschärfte Umweltprobleme derzeit für den Anstieg der Zwangsmigration verantwortlich sind, und möchte daher den immer deutlicheren Zusammenhang zwischen Asylbewerbern und Gebieten, die von einer Verschlechterung der Umwelt gekennzeichnet sind, hervorheben; fordert einen verbesserten Schutz und die Neuansiedlung von „Klimaflüchtlingen“;

13.  unterstreicht, dass die Regionen und Kommunen im Falle von Naturkatastrophen die Hauptlast tragen und im Allgemeinen weder ihre materiellen und personellen Mittel noch ihre Sachkenntnis und Finanzmittel ausreichen, solche Katastrophen allein auf der nationalen und/oder regionalen Ebene bewältigen zu können und dass diese Katastrophen wirksame, solidarische Hilfsmaßnahmen auf europäischer Ebene erforderlich machen;

14.  unterstreicht die Bedeutung des Abbaus bestehender Unterschiede zwischen den Regionen und Mitgliedstaaten beim zuverlässigen Schutz der Bevölkerung, der Umwelt und der Wirtschaft, und unterstützt deren Anstrengungen zur Verbesserung der Katastrophenvorsorge in den besonders von Katastrophen bedrohten Regionen und Mitgliedstaaten; dringt darauf, dass Regionen in äußerster Randlage, Gebirgs- und Grenzregionen mit besonders niedriger Bevölkerungsdichte und wirtschaftlich besonders stark benachteiligten Regionen in Europa im Rahmen dieser Strategie besondere Aufmerksamkeit gilt;

15.  weist darauf hin, dass die Merkmale und naturgegebenen Beschränkungen der wenig besiedelten Regionen und der abgelegenen Gebiete, der Gebirgsregionen, der Gebiete mit geringer Bevölkerungsdichte , bei denen eine Abwanderung festzustellen ist, sowie die Regionen in Randlage und in äußerster Randlage anerkannt und angemessen berücksichtigt werden müssen; weist auf die zusätzlichen Schwierigkeiten dieser Regionen bei der Bewältigung von Katastrophen hin; fordert eine besondere Beachtung dieser Regionen im Rahmen der verschiedenen verfügbaren Förderinstrumente und fordert konkret eine Flexibilisierung der Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des Solidaritätsfonds durch diese Regionen;

16.  vertritt die Auffassung, dass die Revision der Verordnung betreffend den Solidaritätsfonds notwendig ist, die Auswahlkriterien an die Merkmale jeder Region bzw. Katastrophe angepasst werden müssen, dem Produktionssektor, den am meisten gefährdeten Gebieten und der betroffenen Bevölkerung besondere Aufmerksamkeit zuteil werden muss und flexiblere und rechtzeitige Aktionen ermöglicht werden müssen; ist der Auffassung, dass die förderfähigen Maßnahmen gemäß Artikel 4 des Europäischen Solidaritätsfonds zu restriktiv sind; vertritt die Ansicht, dass es bei der Festlegung von Schwellenwerten für die Förderfähigkeit entscheidend ist, die regionale Dimension zu berücksichtigen, da andernfalls von einer schweren Katastrophe betroffene Regionen ausgeschlossen werden könnten, weil sie den für den Mitgliedstaat insgesamt festgelegten Schwellenwert nicht erreichen;

17.  unterstreicht die Notwendigkeit, einen geeigneten Finanzrahmen mit angemessenen finanziellen Ressourcen zur Katastrophenverhütung und -bekämpfung zu schaffen, der solche Instrumente stärkt und miteinander verbindet wie die Kohäsionspolitik, die Politik zur ländlichen und städtischen Entwicklung, die Regionalpolitik, den Solidaritätsfonds und das Siebte Rahmenprogramm; fordert, dass der Katastrophenschutz auch in der Finanziellen Vorausschau 2014-2020 berücksichtigt wird; fordert die Kommission auf zu prüfen, ob die verfügbaren Ressourcen besser gebündelt werden können, um die Wirksamkeit der EU-weiten Verhütungsmaßnahmen zu erhöhen;

18.  ersucht die Kommission, nicht zuzulassen, dass die zurzeit aufgrund der Krise angespannte Haushaltslage zu einer Kürzung der Mittel für die gegenwärtige Katastrophenschutzpolitik führt, anlässlich der gegenwärtigen Überprüfung des EU-Haushalts genauestens zu untersuchen, ob bei der Katastrophenverhütung Lücken bestehen und sich zu vergewissern, ob die verfügbaren Instrumente alle Katastrophenarten abdecken;

19.  erinnert daran, dass die Kohäsionspolitik ein grundlegendes Instrument zur Verhütung von Naturkatastrophen ist; ist der Ansicht, dass die einzelnen Fonds und Instrumente flexibel und koordiniert einsetzbar sein müssen, um die Funktionsweise und die Wirksamkeit dieser Politik zu verbessern; betont, dass die Risikovorsorge auch mit anderen Präventionsmaßnahmen kombiniert werden muss, um ein unkoordiniertes Handeln zu vermeiden und die Effektivität und den Mehrwert durchgeführter Maßnahmen zu steigern;

20.  bekräftigt, dass es notwendig ist, die angemessene Verwendung der EU-Mittel zu kontrollieren und zweckentfremdete Mittel zurückzufordern;

21.  betont, dass in erster Linie die Mitgliedstaaten für die Katastrophenverhütung verantwortlich sind und dass in diesem Bereich weiterhin das Subsidiaritätsprinzip gelten sollte;

22.  fordert die Mitgliedstaaten, die für die Flächennutzung verantwortlich sind, auf, Kriterien und Rechtsvorschriften zur Abwendung von Katastrophen in von Überschwemmungen, Erdrutschen und anderen geologischen Risiken bedrohten Gebieten einzuführen - unter Berücksichtigung der durch rücksichtslose Entwaldung verursachten Probleme - und darüber hinaus das Bauen in diesen Gebieten zu verhindern;

23.  ersucht die Mitgliedstaaten, die Möglichkeit für eine bessere Einbettung des Katastrophenschutzes in die nationale operationelle Programmplanung der EU-Finanzierungen zu prüfen; ist der Auffassung, dass alle im Umweltschutz tätigen öffentlichen Akteure eingebunden werden und aktiv an diesem Prozess teilnehmen sollten; fordert die Kommission auf, die sich als notwendig erwiesene Neufassung der Programmplanungen der Mitgliedstaaten in diesem Bereich zu unterstützen; fordert die Kommission im Hinblick auf den Erfahrungsaustausch auf, von den Mitgliedstaaten genaue Informationen über ihre operativen Programme zur Bekämpfung natürlicher und vom Menschen verursachter Katastrophen zu fordern;

24.  ist der Auffassung, dass die Mitgliedstaaten unter anderem bei folgenden Präventionsmaßnahmen besondere Unterstützung von der EU erhalten sollen:

   a) Erarbeitung und Überprüfung der Sicherheitsbestimmungen für die Bebauung und Nutzung von Flächen;
   b) Korrektur von Gegebenheiten, die Gefahren heraufbeschwören: Renaturierung von Flussbetten; Wiederherstellung und Schutz von Wassereinzugsgebieten, Feuchtgebieten und daran gekoppelten Ökosystemen; Überwachung der Erosion und Sedimentierung in Flussläufen; Erhöhung der Abflusskapazität an Brücken und Wasserleitungen; Säuberung und Umgestaltung von Wäldern; Aufforstung; Eingriffe zum Schutz/zur Erhaltung der Küsten;
   c) Schutz/Umbau von Wohngebieten vor allem in Städten, die besonders durch bestimmte Katastrophenarten gefährdet sind, unter Einbeziehung der Einwohner;
   d) Aufrechterhaltung und Überwachung der Sicherheit großer bestehender Infrastrukturen, insbesondere von Staudämmen, Pipelines, Straßen- und Eisenbahnbrücken, sowie Energie-, Wasserversorgungs-, Abwasser-, Kommunikations- und Telekommunikationsanlagen;
   e) Aufrechterhaltung der landwirtschaftlichen Tätigkeit in von Entvölkerung betroffenen und von Naturkatastrophen bedrohten Gebieten und Beitrag zur Wiedereinbindung der menschlichen Tätigkeit durch Schaffung von Infrastrukturen, um den Bewohnern das Verbleiben in diesen Gebieten zu ermöglichen;

25.  fordert die Kommission auf, die Mitgliedstaaten bei Sensibilisierungskampagnen zur Verhütung und bei der Einführung vorbildlicher Verfahren zu unterstützen, indem der Öffentlichkeit allgemein zugängliche aktuelle Informationen und Ausbildungsmaßnahmen angeboten werden, um alle Bürger über die erkannten Gefahren und die im Fall von natürlichen oder vom Menschen verursachten Katastrophen zu ergreifenden Maßnahmen aufzuklären; fordert, dass bei der Aufklärung der Bevölkerung besondere Aufmerksamkeit den jungen Menschen ab dem Schulalter gelten muss; betont im Zusammenhang mit der Sensibilisierung der Bevölkerung die Bedeutung der europaweiten Notrufnummer 112 und die Notwendigkeit, diese besser bekannt zu machen;

26.  weist darauf hin, dass Wasser bei Naturkatastrophen häufig eine Rolle spielt, nicht nur im Zusammenhang mit Überflutungen (oft infolge unzweckmäßiger Planung), Frost, Hagel und Verseuchung von Flussbetten, sondern auch aufgrund von Wasserknappheit, die wesentliche Umweltveränderungen verursachen kann, wie im Fall der Wüstenbildung in weiten Teilen Süd- und Südosteuropas;

27.  unterstreicht, dass die lang anhaltenden Dürren der letzten Jahre die Zunahme von Waldbränden in Europa begünstigt und gleichzeitig in vielen Regionen die Desertifikation verstärkt haben;

28.  fordert die Kommission in Anbetracht des zwischen Dürren, Waldbränden und Wüstenbildung bestehenden Zusammenhangs auf, einen Richtlinienvorschlag nach Art der Hochwasserrichtlinie vorzulegen, durch den die Annahme einer Gemeinschaftspolitik zum Umgang mit Wassermangel, Dürre und zur Anpassung an den Klimawandel gefördert wird;

29.  fordert die Kommission erneut auf, sich für die Schaffung einer europäischen Beobachtungsstelle für Dürre und Wüstenbildung einzusetzen, welche die Auswirkungen von Dürren und Wüstenbildung untersucht, überwacht und abmildert, um strategisch kluge Entscheidungen zu ermöglichen und die Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten zu verbessern; ist der Auffassung, dass die Wechselwirkungen zwischen Dürren, Waldbränden, Wüstenbildung und Klimawandel verstärkt berücksichtigt und ambitionierte und solidarisch ausgerichtete Ziele zur Verhütung und Bewältigung von Dürren gesetzt werden sollten;

30.  weist auf die Bedeutung der Wälder für die Holzgewinnung, die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die Verhütung von Überschwemmungen, Lawinen und Erosion, das Grundwassermanagement sowie die Kohlenstoffspeicherung hin und fordert aus diesem Grund alle Mitgliedstaaten auf, die Gefährdung der Wälder durch Brände sehr ernst zu nehmen; fordert die Kommission auf, gemeinsam mit den Mitgliedstaaten eine spezielle Initiative für den Schutz der Wälder und die Verhütung von Waldbränden umzusetzen; ist der Ansicht, dass Projekte zur Aufforstung/Wiederaufforstung zu unterstützen sind, wobei im Interesse der biologischen Vielfalt und eines besseren Schutzes gegen Brände, Unwetter und Schädlinge heimischen Arten und Mischwäldern Vorrang einzuräumen ist; ist der Auffassung, dass die regelmäßige Datenerfassung, die Erstellung von Risikokarten, die Ausarbeitung von Plänen zur Waldkampfbekämpfung, die Ausweisung der notwendigen und der in den 27 Mitgliedstaaten verfügbaren Ressourcen sowie die Koordinierung auf verschiedenen Ebenen im Rahmen einer wirksamen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet fortgesetzt werden sollten;

31.  legt der Kommission nahe, Wege zu prüfen, wie Maßnahmen zur Durchsetzung, die gegen fahrlässiges und mutwilliges Verhalten als Ursachen der Brände gerichtet sind, angewendet werden können, und dem Rat und dem Europäischen Parlament entsprechende Vorschläge zu unterbreiten;

32.  unterstreicht, dass die Verhütung übergreifend gesehen und in die entsprechenden sektorspezifischen Strategien für die Förderung einer ausgewogenen Nutzung des Territoriums und einer schlüssigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im Einklang mit der Natur eingebunden werden muss;

33.  erkennt an, dass einige sektorspezifische Strategien dazu führen, dass, indem sie die Landflucht und die zu hohe Bevölkerungskonzentration in städtischen Gebieten befördern, bestimmte Regionen einem höheren Risiko ausgesetzt sind;

34.  ist der Auffassung, dass die land- und forstwirtschaftliche Produktion nicht nur Witterungsunbilden wie Dürre, Frost, Eis, Hagel, Waldbrände, Stürmen, Überschwemmungen, Starkregen und Stürmen sowie biologischen Risiken wie Schädlingsbefall, Tierkrankheiten, Epidemien und Tierseuchen – bis hin zur Ausrottung von Wildtierarten – ausgesetzt ist, sondern auch unter den Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten leidet (Klimawandel, Umweltbelastung, saurer Regen, unbeabsichtigte und beabsichtigte genetische Kontamination), darüber hinaus durch Erdrutsche aufgrund von Problemen im Zusammenhang mit der Stadt- und Raumplanung sowie durch technologie- und verkehrsbedingte Risiken, Wüstenbildung in Berggebieten und Waldbrände gefährdet ist, die in erster Linie Folgen der ungenügenden Pflege der Wälder und von kriminellem Verhalten, aber auch der Verseuchung von Flüssen durch das Einleiten von Chemikalien aus Fabriken, des Versickern von Nährstoffen und von Fahrlässigkeit bei Freizeitaktivitäten im Wald sind;

35.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Anwendung von Methoden der guten landwirtschaftlichen Praxis zu fördern, die in einigen Mitgliedstaaten bereits zur Halbierung der verwendeten Menge an stickstoffhaltigen Düngemitteln geführt hat, ohne dass dadurch die landwirtschaftlichen Erträge gesunken sind;

36.  stellt fest, dass die effektive Verhütung von Naturkatastrophen eine sozial und ökologisch ausgewogene Agrarpolitik erfordert, die der Notwendigkeit Rechnung trägt, eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion und eine ländliche Entwicklung in den einzelnen Ländern und Regionen zu fördern und anzukurbeln; befürwortet eine wirksame Verstärkung der Anreize für die Funktionen der Landwirtschaft in den Bereichen Umwelt und ländlicher Raum, die Förderung der Bindung der Bevölkerung an die ländlichen Gebiete als wesentlichen Faktor für die Erhaltung von Ökosystemen, indem die aktuelle Tendenz der Aufgabe und Verarmung dieser Gebiete bekämpft und der Druck von den städtischen Gebieten genommen wird; betont ferner die landschaftspflegerische Rolle der Landwirte und bedauert die unzureichende Berücksichtigung der Landwirtschaft in der Mitteilung der Kommission;

37.  fordert die Einführung einer europäischen öffentlichen Landwirtschaftsversicherung; drängt die Kommission, auf europäischer Ebene einen Vorschlag für ein gemeinsames System zum besseren Umgang mit dem Risiko und der Einkommensunsicherheit der Landwirte im Zusammenhang mit Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen vorzulegen; unterstreicht, dass dieses System ehrgeiziger sein muss als das derzeit angewandte Modell, damit verhindert wird, dass es in der EU eine Vielzahl unterschiedlicher Versicherungssysteme gibt, die zu großen Abweichungen bei den Einkommen der Landwirte führen; ist der Auffassung, dass EU-weite Mindestentschädigungen für Landwirte infolge natürlicher oder vom Menschen verursachter Katastrophen dringend vonnöten sind;

38.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Zusatzkosten, die den Landwirten durch vorbeugende Brandschutzmaßnahmen (wie Freihalten der Brandschutzstreifen, Beseitigung abgestorbener Bäume, Bodenbearbeitung entlang der Schlaggrenzen usw.) sowie durch Entwässerungsmaßnahmen (Reinigung von Entwässerungsgräben und Kanälen) entstehen, in die Berechnung der umweltrelevanten Prämien für Landwirte einzubeziehen;

39.  betont die Bedeutung der Analyse ländlicher und städtischer Anpassungsmaßnahmen angesichts des wachsenden Auftretens und der zunehmenden Stärke von Wetterextremen in verschiedenen geografischen Gebieten; ist der Auffassung, dass die vorhersehbaren negativen Auswirkungen des Klimawandels den Druck auf die Landwirtschaft sowie auf die Lebensmittelsicherheit und Versorgungsunabhängigkeit erhöhen werden und betont die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und Anpassung an den Klimawandel und Abmilderung seiner negativen Auswirkungen;

40.  hebt die Bedeutung der öffentlichen Forschung und Entwicklung (F&E) für den Katastrophenschutz und das Katastrophenmanagement hervor und dringt auf eine stärkere Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen den F&E-Einrichtungen der Mitgliedstaaten, insbesondere derjenigen, in denen ähnliche Risiken bestehen; dringt auf eine Stärkung der Frühwarnsysteme in den Mitgliedstaaten und auf die Vernetzung der unterschiedlichen Frühwarnsysteme bzw. die Verbesserung bestehender Verbindungen; empfiehlt der Kommission, diese Erfordernisse und ihre angemessene Finanzierung gebührend zu berücksichtigen;

41.  unterstreicht die Notwendigkeit, die Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Struktur der Humanressourcen, auf bewährte Methoden und die Risikokenntnis auf Katastrophensituationen vorzubereiten.

42.  unterstreicht die Bedeutung einer umfassenden Sammlung von Daten und Informationen zu den Risiken und Kosten von Katastrophen und von deren Austausch auf EU-Ebene im Hinblick darauf, vergleichende Studien durchzuführen und die voraussichtlichen grenzüberschreitenden Folgen der Katastrophen zu ermitteln, so dass die Mitgliedstaaten Informationen über nationale Katastrophenschutzkapazitäten und medizinische Ressourcen zusammentragen können, und betont, dass bereits bestehende Strukturen – wie das Beobachtungs- und Informationszentrum (MIC) – genutzt und ausgebaut und keine neuen Strukturen geschaffen werden sollten;

43.  bedauert, dass die Kommission die derzeitigen Gefahren-/Risikokartierungspraktiken in den Mitgliedstaaten noch nicht untersucht hat, wie in ihrer Mitteilung „Ein Gemeinschaftskonzept zur Verhütung von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen“ vom 23. Februar 2009 vorgesehen war; mahnt die Kommission, dieser Verpflichtung im ersten Halbjahr 2010 effizient nachzukommen;

44.  vertritt die Auffassung, dass auf EU-Ebene eine gemeinsame Methode und Mindestanforderungen für die Gefahren- und Risikokartierung festgelegt werden müssen;

45.  unterstreicht die Bedeutung der Erarbeitung von Standards für die Analyse und Darstellung der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen von Katastrophen auf die Gemeinschaften;

46.  empfiehlt die umfassendere Einbeziehung der mit dem Katastrophenschutz verbundenen Probleme in die Revision der UVP-Richtlinie insbesondere im Hinblick auf die Bewertung, Mitteilung und Veröffentlichung von Risiken;

47.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission und den Regierungen der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1) KOM(2009)0082.
(2) SEK(2009)0202.
(3) SEK(2007)1721.
(4) ABl. C 224 E vom 19.8.2010, S. 1.
(5) ABl. C 187 E vom 24.7.2008, S. 55.
(6) ABl. C 305 E vom 14.12.2006, S. 240.
(7) ABl. C 272 E vom 13.11.2003, S. 471.
(8) ABl. C 33 E vom 9.2.2006, S. 599.
(9) ABl. C 92 E vom 20.4.2006, S. 414.
(10) ABl. C 193 E vom 17.8.2006, S. 322.
(11) ABl. C 297 E vom 7.12.2006, S. 363.
(12) ABl. C 297 E vom 7.12.2006, S 369.
(13) ABl. C 297 E vom 7.12.2006, S. 375.
(14) Angenommene Texte, P7_TA(2010)0065.
(15) ABl. C 297 E vom 7.12.2006, S. 331.
(16) 10128/08.
(17) 10633/1/06.
(18) ABl. L 71 vom 10.3.2007, S. 9.
(19) ABl. L 10 vom 14.1.1997, S. 13.
(20) ABl. L 288 vom 6.11.2007, S. 27.
(21) ABl. L 175 vom 5.7.1985, S. 40.
(22) A/CONF.206/6.
(23) Hierbei handelt es sich um eine nicht erschöpfende Liste von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen; andere Arten von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen, die nicht in dieser Stellungnahme aufgeführt sind, können daher in die Liste aufgenommen werden.


Verringerung der Armut und Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern
PDF 274kWORD 81k
Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. September 2010 zu dem Thema „Verringerung der Armut und Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern: Der Weg in die Zukunft“ (2009/2171(INI))
P7_TA(2010)0327A7-0192/2010

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen vom 8. September 2000, in der die Millenniums-Entwicklungsziele als von der internationalen Gemeinschaft gemeinsam festgelegte Kriterien für die Beseitigung der Armut dargelegt sind,

–  unter Hinweis auf die 2005 auf dem G8-Gipfel in Gleneagles eingegangenen Verpflichtungen in Bezug auf den Umfang der Hilfe, die Hilfe für das südlich der Sahara gelegene Afrika und die Qualität der Hilfe,

–  unter Hinweis auf die Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit vom 2. März 2005 sowie die Ergebnisse des Hochrangigen Forums in Accra, das vom 2. bis 4. September 2008 stattfand und an diese Erklärung anknüpfte,

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission „EU-Entwicklungszusammenarbeit: Mehr, besser und schneller helfen“ (KOM(2006)0087),

–  unter Hinweis auf den UN-Bericht „Rethinking poverty: Report on the World Social Situation 2010“,

–  unter Hinweis auf die Jahresberichte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen über die Umsetzung der UN-Millenniumserklärung,

–  unter Hinweis auf die Gemeinsame Erklärung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments und der Kommission zur Entwicklungspolitik der Europäischen Union: „Der Europäische Konsens“(1), die am 20. Dezember 2005 unterzeichnet wurde,

–  unter Hinweis auf die Verordnung (EG) Nr. 1905/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Schaffung eines Finanzierungsinstruments für die Entwicklungszusammenarbeit(2) („Instrument für die Entwicklungszusammenarbeit“ – DCI),

–  unter Hinweis auf die Erklärung der afrikanischen Staats- und Regierungschefs zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und anderen damit verbundenen Infektionskrankheiten vom 27. April 2001 in Abuja,

–  unter Hinweis auf die Verordnung (EG) Nr. 1889/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 zur Einführung eines Finanzierungsinstruments für die weltweite Förderung der Demokratie und der Menschenrechte(3),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 21. Juni 2007, die die Förderung der Beschäftigung durch EU-Entwicklungszusammenarbeit betreffen,

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission „Die Rolle der Europäischen Union bei der Förderung der Menschenrechte und der Demokratisierung in Drittländern“ (KOM(2001)0252),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission über die Rolle der allgemeinen und beruflichen Bildung im Rahmen der Armutsminderung in den Entwicklungsländern (COM(2002)0116),

–  unter Hinweis auf die Entschließung der Paritätischen Parlamentarischen Versammlung AKP-EU vom 3. Dezember 2009 über die globale Governance und die Reform der internationalen Institutionen,

–  unter Hinweis auf die Agenda für menschenwürdige Arbeit sowie des Globalen Beschäftigungspaktes der IAO, die auf der Internationalen Arbeitskonferenz am 19. Juni 2009 durch allgemeinen Konsens beschlossen wurden,

–  unter Hinweis auf den im Dezember 2009 veröffentlichten IAO-Bericht zur globalen Beschäftigungskrise „World of Work Report 2009: The Global Jobs Crisis and Beyond“,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 24. März 2009 zu den Verträgen betreffend die Millenniums-Entwicklungsziele (MDG)(4),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 6. April 2006 zu der Wirksamkeit der Hilfe und die Korruption in Entwicklungsländern(5),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. Mai 2007 zu dem Thema „Menschenwürdige Arbeit für alle fördern“(6),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 12. März 2009 zu einem Konzept für die Entwicklungshilfe der EG für die Gesundheitsversorgung in afrikanischen Ländern südlich der Sahara(7),

–  unter Hinweis auf die derzeitigen Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik und der Gemeinsamen Fischereipolitik,

–  gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Entwicklungsausschusses und der Stellungnahme des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (A7-0192/2010),

A.  in der Erwägung, dass ein starkes und nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum in einer stabilen, geschäftsfördernden Umgebung dazu beiträgt, Wohlstand und Arbeitsplätze zu schaffen, und deshalb den sichersten und nachhaltigsten Weg aus der Armut darstellt,

B.  in der Erwägung, dass ein sicherer Rechtsrahmen frei von Korruption für die erfolgreiche Entwicklung der Wirtschaft wesentlich ist,

C.  in der Erwägung, dass die EU15-Staaten sich verpflichtet haben, bis 2015 0,7 % ihres Bruttonationaleinkommens für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit zu verwenden, und dass die aktuelle Quote bei etwa 0,4 % liegt,

D.  in der Erwägung, dass die Bekämpfung der Armut und die Abstimmung der Entwicklungspolitik inzwischen Verpflichtungen des EU-Vertrags darstellen,

E.  in der Erwägung, dass die Entwicklungsländer in ihrer Entschlossenheit zur Verwirklichung größtmöglichen Mehrwerts in ihren eigenen Ländern zu unterstützen sind, was eine Strategie der industriellen Entwicklung erforderlich macht, die jedoch weiterhin mit den Erfordernissen der nachhaltigen Entwicklung und insbesondere dem Umweltschutz im Einklang stehen muss,

F.  in der Erwägung, dass sowohl die EU-Geberländer als auch die Regierungen der Entwicklungsländer weniger Mittel für Gesundheit und Bildung zur Verfügung stellen als vereinbart,

G.  in der Erwägung, dass es in den Entwicklungsländern einen akuten Mangel an qualifiziertem medizinischem Personal gibt, dass der Mangel an qualifiziertem medizinischem Personal in den Industrieländern dazu beiträgt, das instabile Gesundheitswesen in den Entwicklungsländern weiter zu schwächen, und dass viele ausgebildete Arbeitskräfte im Gesundheitswesen und anderen Wirtschaftssektoren aus verschiedenen Gründen nicht in ihre Länder zurückkehren, um zum Nutzen ihrer eigenen Gemeinschaft tätig zu werden,

H.  in der Erwägung, dass die aktuelle Lebensmittelpreiskrise deutlich gezeigt hat, welch große Bedeutung die Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit für die armen Länder auch weiterhin hat,

I.  in der Erwägung, dass sich 90 % der EU-Bürger für eine Entwicklungszusammenarbeit ausgesprochen haben, auch wenn der konjunkturelle Abschwung wahrscheinlich dazu führt, dass dieser Anteil geringer wird,

J.  in der Erwägung, dass die Regierungschefs der G20 versprochen haben, radikale Maßnahmen gegen Steueroasen zu ergreifen,

K.  in der Erwägung, dass die Summe der Verluste durch Steuerhinterziehung und illegale Kapitalflucht aus den Entwicklungsländern die gewährte Entwicklungshilfe um ein Vielfaches übersteigt,

L.  in der Erwägung, dass der Gesamtbetrag der Geldsendungen von Migranten in die Entwicklungsländer höher ist als die Summe der Mittel für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit,

M.  in der Erwägung, dass 2,7 Milliarden Menschen gegenwärtig keine Möglichkeit haben, einen Kredit zu erhalten,

N.  in der Erwägung, dass es zur Verminderung der Armut nicht nur erforderlich ist, Beschäftigungsmöglichkeiten, sondern auch hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen,

O.  in der Erwägung, dass die ärmsten Länder in internationalen Institutionen und weltweiten Foren viel zu gering vertreten sind,

P.  in der Erwägung, dass sich Sozialschutzsysteme als wirksame Instrumente zur Armutsbekämpfung und zur Gewährleistung des sozialen Zusammenhalts bewährt haben und dass die Mehrheit der Weltbevölkerung nicht über einen angemessenen sozialen Schutz verfügt,

Herausforderungen für die Entwicklungsländer
Wirtschaft

1.  fordert die Regierungen in den Entwicklungsländern nachdrücklich auf, ihre Wirtschaft über den Ausbau der verarbeitenden Industrie zu diversifizieren und Unternehmen, insbesondere KMU, die Arbeitsplätze schaffen und für Wachstum sorgen, nicht durch zu viel Bürokratie zu belasten;

2.  ruft alle Entwicklungsländer auf, die Agenda für menschenwürdige Arbeit der IAO und die Initiative der UN zu Mindestniveaus für den Sozialschutz (Social Protection Floor) zu unterzeichnen, um befriedigende Arbeitsbedingungen, ein hohes Niveau umfassenden sozialen Schutzes auch für die ärmsten und am stärksten ausgegrenzten Menschen und einen echten sozialen Dialog sowie insbesondere die Nutzung des Projekts „Arbeitskräfteintensität“ zu gewährleisten;

3.  unterstreicht, wie wichtig es ist, die einzelnen IAO-Übereinkommen über internationale Arbeitsnormen zu unterzeichnen und umzusetzen, und empfiehlt die Anwendung der Bestimmungen der IAO-Entschließung „Überwindung der Krise: ein globaler Pakt für Beschäftigung“;

4.  fordert die uneingeschränkte Anwendung des Rechts auf Freiheit von Zwangsarbeit und insbesondere von Kinderarbeit, weil Kinder ohne Bildung zu einem Leben in Armut verurteilt sind;

5.  fordert, dass ein besonderer Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Kinderarbeit gelegt wird, um stattdessen Arbeitsplätze für Erwachsene zu schaffen und Kindern eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen;

6.  fordert, dass die Regierungen Maßnahmen, die zur Befriedigung gesellschaftlicher Grundbedürfnisse beitragen, Vorrang einräumen und insbesondere Kinder und gefährdete Frauen, die von der Krise in hohem Maße betroffen sind, sowie gefährdete Jugendliche, unqualifizierte, eingewanderte und gering verdienende Arbeitnehmer, Landarbeiter und Menschen mit Behinderung unter ihren Schutz stellen;

7.  weist darauf hin, dass Klein- und Kleinstunternehmen, vor allem im Agrarsektor, eine angemessene Finanzierung benötigen, um vorhandene Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen; legt den Entwicklungsländern nahe, das Sparen zu fördern und den Zugang zu Krediten zu verbessern, beispielsweise über Mikrokredite, Mikroversicherungen und innovative Rechnungsagenten, wie beispielsweise ländliche Poststellen oder das „Mobile Banking“;

8.  fordert die EU auf, den Beitrag der Sozialwirtschaft (z. B. Genossenschaften) zur Schaffung von Arbeitsplätzen zur Förderung menschenwürdiger Arbeit in Entwicklungsländern anzuerkennen und die Sozialwirtschaft in die EU-Entwicklungsprogramme und Kooperationsstrategien aufzunehmen;

9.  fordert die Entwicklungsländer auf, auch den Armen und Enteigneten Land zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel indem sie illegalen Siedlern in Slumstädten das Land, auf dem sie leben, übereignen;

10.  legt den Entwicklungsländern nahe, ihre Wirtschaft möglichst stark zu diversifizieren, um nicht ausschließlich von einer sehr begrenzten Zahl von Erzeugnissen, insbesondere für den Export bestimmten Agrarerzeugnissen, abhängig zu sein;

11.  ermahnt die Entwicklungsländer, die einheimische Tradition der gemeinschaftlichen Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zu achten, um die bestehenden landwirtschaftlichen Kleinbetriebe zu fördern und zu schützen;

12.  fordert die Entwicklungsländer auf, bei der Formulierung ihrer Länderstrategiepapiere und in den nationalen Richtprogrammen den Ausbau des Landwirtschaftssektors und die Verbesserung der Ernährungssicherheit in den Vordergrund zu stellen;

13.  erinnert daran, dass die korrektes staatliches Handeln zur Idee des „gerechten Staats“ gehört, der die Demokratie und Bürgerrechte garantiert, der hoheitliche Aufgaben wie die Gewährung von Zugang zu den Gerichten, zur Gesundheitsversorgung, zur Bildung und zur Verwaltung wahrnimmt sowie gleichzeitig die Rechte Einzelner und ihre Grundrechte fördert und schützt;

Bürgerschaft und staatliches Handeln

14.  fordert alle Entwicklungsländer auf, das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Korruption umgehend zu unterzeichnen und seine Bestimmungen wirksam umzusetzen; fordert auch die EU-Mitgliedstaaten und die Unternehmen der EU auf, dieses Übereinkommen zu achten;

15.  ist der Ansicht, dass die EU-Mitgliedstaaten den Entwicklungsländern in den Bereichen Haushaltsdisziplin, Steuererhebung und gute Regierungsführung als Vorbilder vorangehen sollten;

16.  ist der Auffassung, dass auch im Privatsektor Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption erforderlich sind und dass die internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich verbessert werden sollte, beispielsweise durch verstärkten Informationsaustausch und durch Programme der Vermögensabschöpfung;

17.  ruft alle Entwicklungsländer auf, unabhängige Parlamente zu fördern, die in der Lage sind, wirksam zur Vertiefung der Demokratie beizutragen, indem sie ihre legislativen und haushaltspolitischen Aufgaben sowie ihre Kontrollfunktionen frei ausüben können; weist auf die ungeheuer große Bedeutung eines unabhängigen und soliden Justizapparats hin;

18.  fordert die Regierungen in den Entwicklungsländern auf, die größtmögliche Teilnahme der organisierten Zivilgesellschaft bei der Konzipierung und Kontrolle der Politik zu gewährleisten;

19.  betont, dass die Sozialpartner eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung spielen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können, weshalb der Aufbau und die Festigung von Organisationen, die diese Gruppen vertreten, gefördert werden sollte;

20.  fordert die uneingeschränkte Verwirklichung der Vereinigungsfreiheit für Gewerkschaften und des Rechts auf Kollektivverhandlungen ohne Ausnahme, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchzusetzen, zu verbessern und zu verteidigen;

21.  ermahnt alle Staaten, die Gesetze zur Beschränkung der Freiheit von Organisationen der Zivilgesellschaft erlassen haben, diese aufzuheben;

22.  fordert die Verwirklichung des Rechts auf Diskriminierungsfreiheit, d. h. des Rechts, ungeachtet des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, des Alters, einer Behinderung oder der sexuellen Ausrichtung zu arbeiten und gleich behandelt zu werden, als Kernprinzip der Bekämpfung der Armut;

23.  fordert, die rechtliche und soziale Stellung von Frauen deutlich zu stärken, um Diskriminierung zu unterbinden und das Potenzial von Frauen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zu nutzen;

24.  unterstützt Entwicklungsländer in ihren Bestrebungen zur Stärkung und Vertiefung der regionalen Integration durch Freihandelszonen, regionale Wirtschaftsgemeinschaften, regionale Entwicklungsbanken usw.;

Gemeinsame Herausforderungen

25.  wiederholt seinen Aufruf, mindestens 20 % des Staatshaushalts der Entwicklungsländer sowie 20 % der EU-Entwicklungshilfe für das Gesundheitswesen und die Bildung zur Verfügung zu stellen;

26.  fordert ein Überdenken der Privatisierungspolitik, insbesondere hinsichtlich öffentlicher Versorgungsleistungen wie Wasser, Kanalisation und Dienstleistungen von allgemeinem Interesse sowie der sozialen Rolle von Staaten in ihrem entwicklungspolitischen Handeln, einschließlich der Rolle staatlicher Unternehmen als Arbeitgeber und Anbieter sozialer Dienstleistungen;

27.  verweist auf die entscheidende Rolle der Sozialschutzsysteme, wie sie im Globalen Beschäftigungspakt der IAO und der Initiative der Vereinten Nationen zu Mindestniveaus für den Sozialschutz (Social Protection Floor) erwähnt werden; fordert daher, mehr Gewicht auf die Sozialschutzsysteme zu legen, um eine Zunahme der Armut zu verhindern und soziales Elend zu bekämpfen und dabei einen Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaft und zur Erhaltung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit zu leisten;

28.  fordert den kostenlosen und uneingeschränkten Zugang aller Menschen zum Bildungswesen, d. h. zur Grundschul-, Hochschul- und Berufsbildung, um die örtliche Bevölkerung zu Fachkräften zu qualifizieren;

29.  weist nachdrücklich darauf hin, dass sowohl die Geber- als auch die Entwicklungsländer ihren Verpflichtungen nachkommen müssen, damit die Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 erreicht werden;

30.  unterstützt Maßnahmen, wie zum Beispiel Gehaltszuschüsse, Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, die einheimische Wissenschaftler und andere Fachkräfte dazu anregen, in ihren Gemeinschaften zu bleiben und dort zu praktizieren, und die Gesundheitssysteme unterstützen, die für alle zugänglich sind;

31.  unterstützt die Schaffung neuer Tätigkeitsfelder in den Entwicklungsländern;

32.  unterstützt Maßnahmen zur Investition in und zum Aufbau von öffentlichen Dienstleistungen im Allgemeinen, um dem UN-Bericht „Rethinking poverty“ entsprechend Arbeitsplätze zu schaffen und die staatlichen Kapazitäten und Einrichtungen sowie den sozialen Zusammenhalt zu stärken;

33.  fordert mehr Aufmerksamkeit für die praktische Gesundheitsfürsorge und die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Vorteile medizinischer Behandlungen, beispielsweise durch Verteilung von Blutanalysegeräten und die Unterweisung der Bevölkerung in ihrer Handhabung;

34.  weist darauf hin, dass die Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Entwicklungsstrategie und für die Schaffung von Arbeitsplätzen von entscheidender Bedeutung ist; fordert die EU und die Entwicklungsländer auf, den Beschäftigungsbedarf und den Arbeitsmarkt zu analysieren, Prognosen zu erstellen und die wichtigsten Herausforderungen bei der Anpassung der Berufsausbildung an die Beschäftigungsanforderungen frühzeitig zu erkennen;

35.  ist der Auffassung, dass die am meisten gefährdeten und ausgegrenzten Gruppen, insbesondere Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, in allen Entwicklungshilfestrategien besonders berücksichtigt werden sollten;

36.  hält die Befriedigung der Grundbedürfnisse für unbedingt notwendig und räumt daher den Maßnahmen zur Gewährleistung der Ernährungssicherheit und des Zugangs zu Trinkwasser besondere Priorität ein;

37.  betont das Problem der Kinderarbeit, und stellt fest, dass die Kinderarbeit eines der Haupthindernisse für die Erreichung des Ziels der Grundschulbildung für alle und die Verringerung der Armut darstellt sowie die gesunde Entwicklung und die notwendige Schulbildung der betroffenen Kinder behindert; fordert daher eine bessere behördenübergreifende Koordinierung und Abstimmung in Bezug auf die Bildungshilfe und die Kinderarbeit über eine Stärkung bereits bestehender Mechanismen, einschließlich der Task Force Kinderarbeit und Bildung; fordert schließlich die internationale Gemeinschaft, alle betroffenen Staaten und die EU auf, sich zu verpflichten, alles daran zu setzen, um Kinderarbeit unverzüglich abzuschaffen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen;

38.  verweist auf die Bedeutung der Gleichstellung der Geschlechter für den wirtschaftlichen Erfolg von Staaten und fordert daher vermehrte Anstrengungen, um zu gewährleisten, dass die Gleichstellung der Geschlechter auch in der Wirtschaft umgesetzt wird;

39.  fordert Geberländer und Partnerländer nachdrücklich auf, der Landwirtschaft, insbesondere kleinbäuerlichen, kleinen und mittleren umweltfreundlichen agroindustriellen Betrieben, einen höheren Stellenwert auf der Entwicklungsagenda einzuräumen;

40.  betont, dass durch kleine Landwirtschaftsbetriebe, die sich auf dezentralisierte, ökologische und nachhaltige Produktionsmittel konzentrieren, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht werden, da sie pro Hektar mehr Menschen beschäftigen als große Landwirtschaftsbetriebe und die Landwirte und Beschäftigten im Verhältnis mehr für beschäftigungsintensive, ländliche Nicht-Agrarerzeugnisse ausgeben;

41.  fordert eine bessere Unterstützung im Hinblick auf Arbeitsplätze und die Schaffung von Arbeitsplätzen durch eine Abstimmung der Beschäftigungs- und der gesamtwirtschaftlichen Politik, wobei letztere nicht auf die Überwachung der Inflation und der Handels- und Haushaltsdefizite beschränkt werden, sondern auch auf die Stabilität der realen Produktion, der Einkommen und der Beschäftigung ausgerichtet sein sollte;

42.  unterstützt Investitionen in „grüne Arbeitsplätze“ und die „grüne Industrie“, zum Beispiel durch die Entwicklung von erneuerbaren Energieträgern und Energieeffizienzsystemen in armen Ländern, einschließlich Photovoltaikanlagen für die lokalen Gemeinschaften, als einen Weg zur Schaffung von nachhaltigen Energiequellen und – gleichzeitig – Arbeitsplätzen unter Beachtung des Umweltschutzes;

43.  fordert eine Verbesserung des gleichberechtigten Zugangs zu Qualifizierung und hochwertiger allgemeiner und beruflicher Bildung sowie eine Verbesserung der Möglichkeiten in diesen Bereichen; fordert, dass die Aufnahme von Krediten (einschließlich Kleinstkrediten) erleichtert wird, damit neue Arbeitsplätze entstehen;

44.  sieht der verstärkten Zusammenarbeit zwischen dem Europäischen Parlament und seinen regionalen Pendants in den Entwicklungsländern mit Interesse entgegen;

45.  betont, wie wichtig es ist, alternative Indikatoren für die Bewertung des sozialen Fortschritts in den Entwicklungsländern zu fördern, die sich nicht auf das BIP beziehen, insbesondere mit Blick auf die Vorschläge der Kommission für die Messung der Wirtschaftsleistung und des sozialen Fortschritts unter dem Vorsitz von Joseph Stiglitz;

46.  fordert, dass nach Ländern und Regionen aufgeschlüsselte Lösungsansätze zur Bewältigung der weltweiten Wirtschaftkrise ausgearbeitet und dabei die in dem Globalen Beschäftigungspakt der Internationalen Arbeitsorganisation aufgeführten Maßnahmen berücksichtigt werden, um auf diese Weise Investitionen in beschäftigungsintensive und umweltfreundliche Sektoren sowie Sozialschutzsysteme zu fördern;

Herausforderungen für die Geberländer
Entwicklungshilfe

47.  ruft alle reichen Länder, insbesondere die EU-Staaten auf, ihre Versprechen zur Bereitstellung von Mitteln für die Entwicklungshilfe, d. h. bis 2015 mindestens 0,7 % des Bruttonationaleinkommens, einzuhalten;

48.  fordert die Mitgliedstaaten zu einer gemeinsamen Definition des Begriffs Armut auf, um die relevanten Handlungsfelder zu bestimmen und festzulegen, welche Länder Anspruch auf EU-Entwicklungshilfe haben;

49.  ist der Auffassung, dass durch politische Kohärenz bei der Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern konstruktive Ergebnisse erzielt werden können, und fordert daher eine Änderung der EU-Außenpolitik, da diese direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft der Entwicklungsländer hat und darauf abzielen sollte, die nachhaltigen Bedürfnisse der Entwicklungsländer zu unterstützen, um der Armut entgegenzuwirken und ein angemessenes Einkommen, menschenwürdige Lebensbedingungen und die Erfüllung der grundlegenden Menschenrechte, einschließlich sozialer und wirtschaftlicher Rechte sowie Umweltschutz, zu gewährleisten;

50.  fordert umfangreiche zusätzliche Mittel zur Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels und der Weltwirtschaftskrise in den Entwicklungsländern;

51.  fordert, dass Grundschulbildung und Gesundheitswesen die Grundlage der Entwicklungspolitik bilden, und betont, dass die derzeitige Situation nicht zu einer Kürzung der nationalen Ausgaben und zu einem Rückgang der internationalen Unterstützung in diesen Bereichen führen darf;

52.  ruft die EU auf, ihren Verpflichtungen hinsichtlich der Handelshilfe nachzukommen;

53.  betont, dass die Subventionspolitik der EUüberprüft werden muss, insbesondere im Agrarsektor und im Einklang mit den Bedürfnissen der kleinen und mittleren Landwirte in der EU, damit der Handel mit Entwicklungsländern unter fairen Bedingungen erfolgen kann;

54.  ersucht alle Geberländer erneut, sich stärker an die Agenda der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit zu halten, insbesondere was die Koordination der Geber und die Rechenschaftspflicht betrifft;

55.  fordert die Kommission nachdrücklich auf, dafür Sorge zu tragen, dass die externe Dimension der derzeitigen Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik auch in die EU-Entwicklungspolitik einfließt, da beide direkte Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der Bevölkerung in Entwicklungsländern haben;

56.  betont, dass der Fischerei in vielen Ländern ausschlaggebende Bedeutung für Beschäftigung und Ernährungssicherheit hat und daher alle Entwicklungsländer für die Unterstützung der Fischerei in Betracht kommen sollten, um ihre eigene nachhaltige Fischwirtschaft, Forschung und Kontrolle nebst Durchführungsmaßnahmen zur Bekämpfung illegaler, nicht gemeldeter und unregulierter Fischerei aufzubauen, und zwar unabhängig von Fischereiabkommen mit der Europäischen Union;

57.  unterstreicht, dass die Unterstützung des Fischereisektors in Drittländern durch die EU auf die Ausstattung der Häfen dieser Länder mit einer angemessenen Infrastruktur abzielt, um die Anlandung und Verarbeitung von Fisch vor Ort zu erleichtern und neue Arbeitsplätze zu schaffen; fordert die Kommission auf, sicherzustellen, dass diese Ziele erreicht werden, und finanzielle und technische Unterstützung zu gewähren, damit Drittländer die Fangtätigkeiten in ihren Gewässern besser überwachen und Schiffe, die nachweislich Verstöße begangen haben, beschlagnahmen können;

58. fordert, dass die EU ihre Entwicklungshilfeorganisation und die damit verbundenen Verfahren vereinfacht;

59.  fordert eine verstärkte Koordinierung der Entwicklungspolitik zwischen der Kommission und den EU-Mitgliedstaaten, um zu verhindern, dass sich die verschiedenen politischen Maßnahmen negativ auf das Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele auswirken;

60.  erwartet angesichts der Tatsache, dass die Politikkohärenz im Interesse der Entwicklung jetzt auch eine Anforderung im Vertrag darstellt, dass die EU-Politik in Bereichen wie der Landwirtschaft, dem Handel, der Einwanderung und der Fischerei die Entwicklungsarbeit in keiner Weise schwächt, erklärt seine Absicht, die Einhaltung dieser Verpflichtung durch die EU genau zu kontrollieren;

61.  ruft die Geberländer dazu auf, umsichtig in die Bildung ihrer Bürger im Entwicklungsbereich zu investieren;

62.  legt den Geberländern nahe, die in der Krise liegenden Chancen zu nutzen, um die bestehenden Möglichkeiten hinsichtlich zusätzlicher und innovativer Quellen der Entwicklungsfinanzierung näher zu prüfen und neue Wege zu finden, die es den Entwicklungsländern ermöglichen, ihre Einnahmequellen zu diversifizieren und eine effiziente, konkrete und funktionierende Ausgabenplanung vorzunehmen;

63.  fordert die Kommission und die EU-Mitgliedstaaten auf, nachhaltige Unternehmen, die menschenwürdige Arbeitsplätze schaffen, als einen spezifischen Bereich der Entwicklungszusammenarbeit entsprechend dem „Europäischen Konsens über die Entwicklungspolitik“ von 2005 zu fördern und seine Einbeziehung in traditionellere Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit, wie Infrastruktur, ländliche Entwicklung, staatliches Handeln und handelsbezogene Hilfe, zu unterstützen;

Neue Finanzierungsquellen

64.  fordert die G20-Länder auf, ihre Zusicherungen hinsichtlich der Abschaffung von Steueroasen durchzusetzen und die Überwachung der Finanzmärkte zu verstärken sowie dafür zu sorgen, dass künftig Steuerdaten ausgetauscht werden; stellt fest, dass darüber hinaus die G20 das International Accounting Standard Board anweisen sollte, eine neue Norm einzuführen, die den Austausch von Steuerdaten zwischen den Ländern vorsieht;

65.  ruft die G20-Staaten und die EU-Mitgliedstaaten auf, Maßnahmen zu ergreifen, um Geldsendungen von Migranten billiger und einfacher zu gestalten;

66.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, entsprechend dem globalen Beschäftigungspakt der IAO die öffentliche Finanzhilfe für Klein- und Kleinstunternehmen und Landwirte in den Entwicklungsländern, auch im informellen Sektor, zu verstärken, um Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen;

Kapazitätsaufbau und weltweites staatliches Handeln

67.  fordert die EU auf, mit ihrer Entwicklungshilfe vorrangig den Aufbau von Kapazitäten in solchen Bereichen zu fördern, die unmittelbare positive Auswirkungen auf die Wirtschaft des Partnerlandes haben und Arbeitsplätze schaffen, zum Beispiel beim Ausbau ihrer Produktionskapazität, dem Aufbau effizienter Steuersysteme, der Bekämpfung der Korruption, der Stärkung der Institutionen und der Zivilgesellschaft, der Vereinfachung des Zugangs zu Mikrokrediten und anderen Finanzierungsquellen usw.;

68.  fordert, dass die gesamte Entwicklungspolitik der EU, die Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Verringerung von Armut hat, ihren Schwerpunkt auf Maßnahmen legt, die Regierungen, Zivilgesellschaft, Unternehmen, Stiftungen und die lokalen Gemeinschaften dazu verpflichten, die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bis 2015 zu verwirklichen;

69.  fordert die EU auf, im Rahmen der Entwicklungshilfe auch den Aufbau von Sozialschutzsystemen in den Entwicklungsländern zu unterstützen, die eine wichtige und wirksame Maßnahme zur Armutsbekämpfung darstellen;

70.  fordert, dass den Bereichen Bildung, Unterstützung von Schulabgängern, berufliche Bildung, technische Ausbildung, Qualifizierungsmaßnahmen, lebenslanges Lernen, Zugang zu Finanzmitteln, Schaffung hochwertiger Ausbildungsgänge, die der Verbesserung der Perspektiven der Teilnehmer dienen, Gesundheit und Sicherheit sowie Förderung von Projekten zur Unterstützung des Unternehmertums, vor allem für Klein- und Kleinstunternehmen, Vorrang eingeräumt wird, um ein nachhaltiges Arbeitskräftereservoir zu schaffen, und dass der Schwerpunkt hierbei insbesondere auf Jugendliche, ältere Menschen, Behinderte und Vertriebene, Frauen und andere marginalisierte Gruppen gelegt wird;

71.  ist der Auffassung, dass die EU beim Abschluss von Handelsabkommen mit Entwicklungsländern die Menschenrechte sowie auch ordnungspolitische Kriterien berücksichtigen und gegebenenfalls nicht zögern sollte, Sanktionen zu verhängen, wenn Staaten ihren ordnungspolitischen Verpflichtungen nicht nachkommen; erinnert daran, dass die Kriterien der Konditionalität sowohl auf den Europäischen Entwicklungsfonds als auch das Finanzierungsinstrument für die Entwicklungszusammenarbeit Anwendung finden;

72.  fordert die EU auf, genau auf die Einhaltung des Grundsatzes der Konditionalität, wie im Abkommen von Cotonou vorgesehen, zu achten;

73.  betont, dass sowohl der Europäische Entwicklungsfonds als auch das Finanzierungsinstrument für die Entwicklungszusammenarbeit denselben Kriterien der Konditionalität genügen müssen;

74.  fordert die Kommission auf, geeignete Methoden und Zeitpläne für die Überwachung der Produktion der im Ausland tätigen europäischen Unternehmen zu unterstützen, um sicherzustellen, dass die Kinderarbeit abgeschafft, die Arbeitsnormen der IAO-Übereinkommen eingehalten werden und der Zugang zur Bildung – der Schlüssel zur Bekämpfung der Armut – gefördert wird;

75.  fordert die Einrichtung eines verlässlichen Netzes enger Beziehungen von wichtigen staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen und Organisationen, die sich mit der Linderung der Armut in allen Entwicklungsländern befassen, um ihre jeweiligen Ansichten und Erfahrungen bei der Konzipierung, Durchführung und Überwachung der EU-Hilfe auszutauschen;

76.  unterstützt den Aufbau von Datenbanken auf nationaler und europäischer Ebene, um grundlegende Daten über die Armut in Entwicklungsländern zu sammeln und zu vergleichen und damit die Bemühungen zur Verringerung der Armut zu erleichtern und zu verstärken;

77.  unterstreicht die Notwendigkeit, die bestehende Koordinierung zwischen internationalen und regionalen Organisationen als zusätzliche technische Unterstützung der Umsetzung und Überwachung eines EU-Aktionsplans zur Linderung der Armut zu verstärken;

78.  verweist auf die Notwendigkeit, als konkreten Schritt und zuverlässiges Verfahren zur Gewährleistung der technischen Unterstützung „Beratergruppen“ zu bestimmten Themen einzurichten, um die Umsetzung der in einem EU-Aktionsplan zur Linderung der Armut in den Entwicklungsländern festgelegten Ziele voranzutreiben;

79.  akzeptiert Budgethilfen nur dann, wenn es sichere Garantien dafür gibt, dass die Mittel auch ihr Ziel erreichen und für den ursprünglich beabsichtigten Zweck eingesetzt werden, und wenn die Empfänger alle Kriterien hinsichtlich der Achtung der Menschenrechte und der demokratischen Staatsführung erfüllen; setzt große Hoffnungen auf eine wirksamere Bewertung und Prüfung der Budgethilfen, um festzustellen, ob sie ihr angestrebtes Ziel erreichen und ob die Regierungen der Empfängerländer die oben genannten Kriterien erfüllen; fordert die Kommission auf, unter der Aufsicht des Europäischen Parlaments einen IT-gestützten Anzeiger einzuführen, in dem die Wirksamkeit der Gemeinschaftshilfe in den Bereichen Armutsbekämpfung, Bildung und Schaffung von Arbeitsplätzen bewertet wird, wobei sich dieser Anzeiger auf den Grad der Erfüllung der erwarteten Finanzkennziffern und Ziele stützen sollte;

80.  fordert die Kommission auf, dem Europäischen Parlament einen kohärenten und glaubwürdigen Vorschlag zur Vorgehensweise der Europäischen Union nach Wahlen vorzulegen, der die freie Entscheidung der Bevölkerung in einem gegebenen Land respektiert, und befürchtet, dass das derzeitige Fehlen einer kohärenten Politik in diesem Bereich der Glaubwürdigkeit der EU-Wahlbeobachtungsmissionen schadet;

81.  unterstützt die demokratischere Vertretung von Entwicklungsländern in weltweit tätigen Institutionen;

82.  fordert die internationalen Finanzinstitutionen dazu auf, ihre Kreditvergabepolitik zu überprüfen, um die Entscheidungen der Entwicklungsländer für eine demokratische und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen;

83.  fordert die EU und die G-20 auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um Steueroasen, Steuerhinterziehung und illegaler Kapitalflucht aus Entwicklungsländern ein Ende zu bereiten und es zu fördern, dass diese Gelder in den Entwicklungsländern investiert werden;

84.  fordert ein neues, verbindliches globales Finanzabkommen, das transnationale Unternehmen dazu zwingt, erzielte Gewinne und darauf entrichtete Steuern automatisch und nach Ländern aufgeschlüsselt offenzulegen;

85.  fordert die EU auf, die Initiative der UN zu Mindestniveaus für den Sozialschutz mit dem Ziel zu unterstützen, dass in Entwicklungsländern nachhaltige Sozialschutzsysteme auf- oder ausgebaut werden, indem in der Außenpolitik für mehr Kohärenz gesorgt und, wie in den Schlussfolgerungen des Rates zur Förderung der Beschäftigung durch die EU-Entwicklungszusammenarbeit angeregt, eine Mitteilung über den Sozialschutz in der Entwicklungszusammenarbeit formuliert wird;

Bildung

86.  stimmt der Kommission darin zu, dass ein Arbeitsplatz das beste Mittel ist, Armut und sozialer Ausgrenzung entgegenzuwirken; ist der Auffassung, dass die Bemühungen zur Verringerung der Bildungskluft in Entwicklungsländern eine der wirksamsten Strategien zur Durchbrechung des Teufelskreises aus Armut und Arbeitslosigkeit darstellt;

87.  begrüßt die Fast-Track-Initiative (FTI) „Bildung für alle“ und auch die grundsätzliche Unterstützung der Kommission für diese Initiative; fordert die Kommission auf, klarzustellen, welche Mittel sie den von dieser Initiative erfassten Ländern derzeit für welche Zwecke zur Verfügung stellt, insbesondere in den folgenden Bereichen:

   frühkindliche Betreuung und Erziehung,
   kostenlose und obligatorische Grundschulbildung für alle,
   Ausbildung und Alltagskompetenzen für Jugendliche und Erwachsene,
   Alphabetisierung von Erwachsenen,
   Gleichstellung der Geschlechter,
   Qualität der Bildung;

88.  fordert die EU nachdrücklich auf, Unterstützungsprogramme für Eltern auf verschiedenen Gebieten einzuführen, wo Armut zu mangelndem Wissen in Bezug auf Kindererziehung führt, und dafür Sorge zu tragen, dass Kinder in Entwicklungsländern echte Chancen haben;

89.  weist darauf hin, dass die Qualität der geistigen und körperlichen Verfassung nicht nur von der allgemeinen und beruflichen Bildung und neuen Informationstechnologien abhängt, sondern auch vom Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten; stellt fest, dass die EU deshalb mehr für die Bereitstellung kostenloser Lehrmaterialen, Mahlzeiten, Schulbusse und Prüfungen, die in Hilfsprojekten zusammengefasst werden, tun muss; hält die Forderung nach einer klaren Wechselbeziehung zwischen den von der EU finanzierten schulbezogenen Projekten und den Nahrungsmittel- und Gesundheitsprogrammen in den Entwicklungsländern für unbedingt geboten;

90.  fordert die EU auf, ihre Anstrengungen zur Ermittlung von Wirtschaftszweigen, in denen Entwicklungsländer über einen Wettbewerbsvorteil verfügen, zu intensivieren, wobei der Einrichtung einer praxisbezogenen Lehre in diesen Branchen in der EU-Entwicklungshilfe Priorität zukommen sollte;

91.  fordert die EU auf, mehr Bildungsmöglichkeiten für Studenten aus Entwicklungsländern zu schaffen, sie jedoch darin zu bestärken, nach Abschluss ihres Studiums in ihre Heimatländer zurückzukehren, um dort zum Nutzen ihres eigenen Gemeinschaften tätig zu werden;

Marktzugang

92.  weist darauf hin, dass Entwicklungsländer darauf aufmerksam gemacht werden, dass ihre Produkte auf dem freien Markt wettbewerbsfähig sein müssen, während dieser Grundsatz in den Industrieländern häufig nicht angewandt wird;

93.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, einen kohärenten Ansatz zu entwickeln, der den Grundgedanken des freien Marktes entspricht und beim Handel das Prinzip der Gegenseitigkeit gewährleistet;

94.  betont, dass in zahlreichen Entwicklungsländern Subsistenzwirtschaft besteht, vor allem im Agrarsektor, und dass diese Wirtschaftsform häufig die einzige Einkommensquelle und Lebensgrundlage ist;

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95.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission, den Regierungen der Mitgliedstaaten sowie der IAO zu übermitteln.

(1) ABl. C 46 vom 24.2.2006, S. 1.
(2) ABl. L 378 vom 27.12.2006, S. 41.
(3) ABl. L 386 vom 29.12.2006, S. 1.
(4) ABl. C 117 E vom 6.5.2010, S. 15.
(5) ABl. C 293 E vom 2.12.2006, S. 316.
(6) ABl. C 102 E vom 24.4.2008, S. 321.
(7) ABl. C 87 E vom 1.4.2010, S. 162.

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