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Verfahren : 2010/2159(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A7-0099/2011

Eingereichte Texte :

A7-0099/2011

Aussprachen :

PV 12/05/2011 - 9
CRE 12/05/2011 - 9

Abstimmungen :

PV 12/05/2011 - 12.2
Erklärungen zur Abstimmung
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P7_TA(2011)0231

Angenommene Texte
PDF 145kWORD 54k
Donnerstag, 12. Mai 2011 - Straßburg
Lernen im frühen Kindesalter
P7_TA(2011)0231A7-0099/2011

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 12. Mai 2011 zu der frühkindlichen Bildung in der Europäischen Union (2010/2159(INI))

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf Artikel 165 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union,

–  unter Hinweis auf Artikel 14 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union,

–  unter Hinweis auf das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes, insbesondere auf die Artikel 3, 18 und 29,

–  unter Hinweis auf das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen,

–  unter Hinweis auf den Beschluss Nr. 1720/2006/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. November 2006 über ein Aktionsprogramm im Bereich der Bildung und des lebenslangen Lernens(1),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission „Frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung: der bestmögliche Start für alle unsere Kinder in die Welt von morgen“ (KOM(2011)0066),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament „Effizienz und Gerechtigkeit in den europäischen Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung“ (KOM(2006)0481),

–  unter Hinweis auf die Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses vom 20. Januar 2010 zum Thema „Frühkindliche Betreuung und Bildung“(2),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 11. Mai 2010 zur sozialen Dimension der allgemeinen und beruflichen Bildung(3),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 26. November 2009 zur Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund(4),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 12. Mai 2009 zu einem strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung („ET 2020“)(5),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten vom 21. November 2008 – Junge Menschen auf das 21. Jahrhundert vorbereiten: eine Agenda für die europäische Zusammenarbeit im Schulwesen(6),

–  in Kenntnis der Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Barcelona vom 15./16. März 2002,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. September 2008 zur Verbesserung der Qualität der Lehrerbildung(7),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 24. März 2009 zu dem Thema „Mehrsprachigkeit: Trumpfkarte Europas, aber auch gemeinsame Verpflichtung“(8),

–  gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Kultur und Bildung (A7-0099/2011),

A.  in der Erwägung, dass mit der frühkindlichen Bildung die Grundlagen für ein erfolgreiches lebenslanges Lernen gelegt werden, was ein zentrale Rolle bei der Verwirklichung der Ziele der Strategie Europa 2020 spielt,

B.  in der Erwägung, dass Kinder im frühesten Alter besonders wissbegierig, lernbereit und aufnahmefähig sind und wichtige Kompetenzen wie Sprach- und Ausdrucksfähigkeit, aber auch soziale Kompetenzen in diesem Alter geprägt werden; in der Erwägung, dass in diesem Alter die Grundlagen für die künftige Schul- und Berufslaufbahn gelegt werden,

C.  in der Erwägung, dass die frühkindliche Förderung und Betreuung in der EU in unterschiedlicher Weise erfolgt, wobei zahlreiche Definitionen von „Qualität“ zur Anwendung kommen, die stark von den kulturellen Werten der einzelnen Staaten und Regionen und ihren Vorstellungen von Kindheit abhängen,

D.  in der Erwägung, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Armut und Benachteiligung und einem geringen Bildungsniveau besteht und dass Familien mit einem solchen Hintergrund nachweislich am stärksten von einem Zugang zu frühkindlichen Förderungs- und Betreuungseinrichtungen profitieren; in der Erwägung, dass sich solche benachteiligten Gruppen aus Gründen der Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit seltener um den Zugang zu frühkindlichen Förderungs- und Betreuungseinrichten bemühen,

E.  in der Erwägung, dass der frühkindlichen Förderung und Betreuung im Allgemeinen weniger Aufmerksamkeit und weniger Mittel als anderen Bildungsbereichen zukommt, obwohl es eindeutige Beweise dafür gibt, dass sich Investitionen in diesem Bereich reichlich auszahlen,

F.  in der Erwägung, dass die Ziele der frühkindlichen Förderung und Betreuung oft zu stark am Arbeitsmarkt und an der Notwendigkeit ausgerichtet sind, die Zahl der berufstätigen Frauen zu erhöhen, und die Bedürfnisse und Interessen des Kindes zu wenig Berücksichtigung finden,

G.  in der Erwägung, dass viele Haushalte auf große Schwierigkeiten stoßen, wenn es darum geht, familiäre Verpflichtungen und die Arbeitsbelastung miteinander in Einklang zu bringen, und zwar im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, beispielsweise dem Entstehen atypischer und flexibler Arbeitszeitmodelle, die den Beschäftigen auferlegt werden, und dem Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse,

H.  in der Erwägung, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Eltern und Kinder und dem quantitativen und qualitativen Angebot an Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder besteht,

I.  in der Erwägung, dass die Kinderbetreuung traditionell als das natürliche Betätigungsfeld von Frauen angesehen wurde, weshalb im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung mehrheitlich Frauen beschäftigt sind,

J.  in der Erwägung, dass im Bereich der Vorschulbildung und -betreuung die Qualifikation des Personals von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat und von Anbieter zu Anbieter stark schwankt und letztere in den meisten Mitgliedstaaten nicht verpflichtet sind, Fachpersonal einzustellen,

K.  in der Erwägung, dass bislang auf EU-Ebene wenig Forschung zur frühkindlichen Förderung betrieben worden ist, auf die man bei der Entwicklung und Umsetzung von EU-weiten Maßnahmen im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung aufbauen könnte,

Von den Bedürfnissen des Kindes ausgehender Ansatz

1.   begrüßt folgende Ziele, die in den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates in Barcelona festgesetzt worden sind: bis 2010 für mindestens 90 % der Kinder zwischen drei Jahren und dem schulpflichtigen Alter und für mindestens 33 % der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen; ist jedoch der Ansicht, dass der Rat und die Kommission diese Ziele überprüfen und aktualisieren und die Bedürfnisse und Interessen des Kindes in den Mittelpunkt ihrer Maßnahmen zur frühkindlichen Förderung und Betreuung stellen müssen;

2.  erkennt an, dass die Ziele der Strategie Europa 2020, wonach über die Steigerung der Beschäftigungszahlen, die Senkung der Schulabbrecherzahlen und die Verringerung der Armut eine integrative Gesellschaft geschaffen werden soll, nicht verwirklicht werden können, solange nicht allen Kinder ein angemessener Start ins Leben gesichert ist;

3.   verweist darauf, dass die ersten Jahre der Kindheit entscheidend für die kognitive, sensorische und motorische Entwicklung, die emotionale und Persönlichkeitsentwicklung und den Spracherwerb sind und in dieser Zeit auch die Grundlagen für lebenslanges Lernen gelegt werden; stellt fest, dass eine frühkindliche Betreuung und Förderung die gesunde psychische und körperliche Entwicklung von Kindern begünstigt und dazu beiträgt, dass sie sich zu stabilen Persönlichkeiten entwickeln; empfiehlt deshalb den Mitgliedstaaten, die Einführung eines verpflichtenden Kindergartenjahres vor Schulantritt zu erwägen;

4.  betont, dass die frühzeitige Entwicklung eines gesunden Lebensstils, z. B. eine gesunde Ernährungsweise und geeignete und ausgewogene körperliche Betätigung, einen nachhaltigen Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung haben und ein Schlüsselfaktor für lebenslange Gesundheit sein kann; warnt davor, dass Kinder zu früh bestimmten intensiven sportlichen Aktivitäten nachgehen, deren wichtigstes Ziel das Erreichen guter Ergebnisse ist;

5.  macht erneut auf die Bedeutung des Lernens im Vorschulalter aufmerksam, insbesondere beim Erwerb von Sprachkenntnissen und in Bezug auf die Mehrsprachigkeit und die Sprachenvielfalt;

6.  unterstützt die Anwendung und Förderung innovativer pädagogischer Ansätze im Sprachunterricht, vor allem in mehrsprachigen Kinderkrippen und vorschulischen Einrichtungen, wozu insbesondere das Erlernen von Regional- und Minderheitensprachen sowie von in den Nachbarländern gesprochenen Sprachen gehört, wodurch die 2002 in Barcelona gesetzten Ziele verwirklicht werden sollen;

7.  macht auf die Notwendigkeit des Ausbaus und der Verbesserung von Bildungseinrichtungen (Kindertagesstätten) aufmerksam, die Kinder außerhalb der Kindergartenzeiten betreuen;

8.  betont, dass alle Kinder außer dem Recht auf Bildung und Betreuung auch das Recht auf Erholung, Freizeit und Spiel haben;

Frühkindliche Förderung und Betreuung für alle

9.  verweist darauf, dass den Schlussfolgerungen des Rates vom 12. Mai 2009 zufolge Benachteiligungen beim Zugang zu Bildung durch ein hochwertiges Bildungsangebot für Kleinkinder und eine gezielte Förderung sowie durch die Förderung der integrativen Bildung angegangen werden sollten;

10.  ist der Ansicht, dass benachteiligte soziale Gruppen zwar möglicherweise von zusätzlicher Unterstützung profitieren, idealerweise jedoch alle Eltern und Kinder unabhängig von ihrem Hintergrund oder ihren finanziellen Verhältnissen Zugang zum selben frühkindlichen Förderung- und Betreuungsangebot haben sollten;

11.  betont, dass Kinder mit Behinderungen soweit wie möglich die regulären frühkindlichen Förderungs- und Betreuungseinrichtungen besuchen sollten, und ihnen, falls notwendig, zusätzliche fachkundige Unterstützung angeboten werden sollte;

12.  fordert die Mitgliedstaaten auf, das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unverzüglich umzusetzen;

13.  betont, dass die Mitgliedstaaten vielfältige Ansätze in den pädagogischen Konzepten für Vorschulkinder und der diesbezüglichen Praxis ermöglichen sollten;

Einbeziehung der Eltern

14.  betont, dass Mütter und Väter im Rahmen der frühkindlichen Förderung und Betreuung die Stellung von gleichberechtigten Partnern haben; stellt fest, dass die frühkindlichen Förderungs- und Betreuungseinrichtungen auf die umfassende Einbeziehung des gesamten Personals, aller Eltern und, soweit möglich, der Kinder selbst ausgerichtet sein sollten;

15.  betont, dass die Möglichkeit, Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub von ausreichender Länge zu nehmen, sowie die Umsetzung einer wirksamen und flexiblen Arbeitsmarktpolitik wesentliche Bestandteile einer wirksamen Politik im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung sind;

16.  fordert die Mitgliedstaaten auf, in Programme im Bereich der Elternbildung zu investieren und, soweit erforderlich, andere Formen der Unterstützung für Eltern, die zusätzliche Unterstützung brauchen, wie beispielsweise im Rahmen von Hausbesuchen erbrachte Dienste, anzubieten; betont, dass den Eltern darüber hinaus vor Ort in den Kindertagesstätten niedrigschwellige und kostenlose Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden sollten;

17.  betont, dass kulturelle Aktivitäten eine Bereicherung für Kinder sind und dadurch der Dialog zwischen den einzelnen Kulturen gefördert sowie ein Sinn für Offenheit und Toleranz entwickelt wird; weist in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, wie wichtig es ist, dass die Kinderbetreuungsfachkräfte interkulturelle Aktivitäten mit den Kindern und ihren Eltern veranstalten;

18.  verweist darauf, dass noch immer nicht in allen Mitgliedstaaten Kindern von Eltern ohne legalen Aufenthaltstitel der Zugang zu frühkindlicher Bildung ermöglicht wird;

19.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Kindern von Asylsuchenden, Flüchtlingen, Menschen mit subsidiärem Schutzstatus oder mit Duldung aus humanitären Gründen den Zugang zu frühkindlicher Bildung zu ermöglichen, um deren Lebenschancen nicht schon von Beginn an zu beschränken;

Die bessere Integration der Einrichtungen

20.  fordert die Mitgliedstaaten auf, die frühkindlichen Förderungs- und Betreuungseinrichtungen zu integrieren und ihre Entwicklung und einschlägigen Aktivitäten zu unterstützen sowie für eine bessere Zusammenarbeit und ein besseres Zusammenspiel der verschiedenen Einrichtungen und Ministerien, die an Maßnahmen und Programmen im Bereich der frühkindlichen Bildung beteiligt sind, zu sorgen;

21.  fordert die Mitgliedstaaten auf, den Einrichtungen für frühkindliche Erziehung hinreichende Autonomie zu gewähren, damit diese ihre Eigenständigkeit und Kreativität bei der Suche nach Lösungen zum Wohlergehen der Kinder beibehalten können;

22.  betont die Bedeutung innovativer frühkindlicher Förderungs- und Betreuungseinrichtungen von lokaler Reichweite, die die Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich sowie dem sozialen und kulturellen Bereich und anderen Bereichen zusammenbringen;

23.  fordert die Mitgliedstaaten auf, in Zusammenarbeit mit lokalen Verwaltungen und gemeinnützigen Einrichtungen Maßnahmen und Projekte zu fördern und zu finanzieren, mit denen Kindern aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen frühkindliche Förderung und Betreuung angeboten wird, und für ihre Überwachung und Auswertung zu sorgen;

24.  erkennt an, dass der Vielfalt der unterschiedlichen Lebensverhältnisse von Familien und den damit einhergehenden, unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung getragen werden muss, und begrüßt ein vielfältiges, flexibles und innovatives Angebot an frühkindlicher Bildung und Betreuung;

25.  fordert die Entwicklung eines europäischen Rahmens für frühkindliche Förderungs- und Betreuungseinrichtungen, der die kulturelle Vielfalt der Mitgliedstaaten achtet und gemeinsame Ziele und Werte betont;

Wirtschaftlicher Nutzen

26.  betont, dass in einer instabilen wirtschaftlichen Situation ausreichende Investitionen in die frühkindliche Erziehung nicht vernachlässigt werden dürfen; betont, dass Mitgliedstaaten angemessene Mittel für frühkindliche Förderungs- und Betreuungseinrichtungen bereitstellen sollten;

27.  betont erneut, dass Investitionen in frühkindliche Förderung und Betreuung zu einem späteren Zeitpunkt nachweislich von wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Nutzen sind, z. B. aufgrund von höheren Steuereinnahmen, die durch höhere Beschäftigungszahlen bedingt sind, geringeren Kosten im Gesundheitswesen, niedrigeren Kriminalitätsraten und weniger Fällen von asozialem Verhalten; betont, dass Vorbeugung wirksamer und kostengünstiger als das Eingreifen zu einem späteren Zeitpunkt ist;

28.  erkennt an, dass eine hochwertige frühkindliche Bildung dazu beitragen kann, die Zahl der Schulabbrüche zu senken, die Bildungsnachteile von Kindern aus benachteiligten sozialen und kulturellen Gruppen abzubauen und die sich daraus ergebenden sozialen Ungleichheiten zu verringern, die Auswirkungen auf die Gesellschaft insgesamt haben; verweist darauf, dass junge Menschen, die aus schutzbedürftigen sozialen Gruppen stammen, besonders gefährdet sind;

29.  betont, dass frühkindliche Förderungs- und Betreuungseinrichtungen von hoher Qualität ein gut ausgebautes soziales Fürsorgesystem, das eine breite Palette an Instrumenten zur Bekämpfung von Armut umfasst, nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen; fordert die Mitgliedstaaten auf, gesellschaftliche Armut zu bekämpfen;

Personal und hochwertige Dienstleistungen

30.  betont, dass das Vorschulalter die wichtigste Phase für die emotionale und soziale Entwicklung des Kindes ist und dass daher die Personen, die mit Kindern im Vorschulalter arbeiten, über geeignete Qualifikationen verfügen müssen; betont, dass das Wohlergehen und die Sicherheit des Kindes bei der Auswahl von Personal Aspekte von größter Wichtigkeit sind;

31.  weist darauf hin, dass die positiven Auswirkungen von frühzeitig ansetzenden Programmen nur dann langfristig aufrechterhalten werden können, wenn sich eine Grund- und Sekundarschulbildung von hoher Qualität anschließt;

32.  stellt fest, dass die Einstellung von qualifiziertem und gut ausgebildetem Personal für die Arbeit mit Kleinkindern entscheidenden Einfluss auf die Qualität der frühkindlichen Förderungs- und Betreuungseinrichtungen hat, und fordert daher die Mitgliedstaaten auf, den professionellen Standard durch die Einführung anerkannter Qualifikationen für Personen, die im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung tätig sind, anzuheben; weist darauf hin, dass auch andere Faktoren, einschließlich des Zahlenverhältnisses von Betreuern und Kindern, der Gruppengrößen und der Lehrpläne, die Qualität beeinflussen können;

33.  erkennt an, dass mehr Kontakte und ein stärkere Weitergabe von Methoden zwischen Erziehern im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung und Grundschullehrern erforderlich sind, wobei die Kontinuität der Lernmethoden im Mittelpunkt stehen sollte;

34.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Mechanismen zu entwickeln, um die erbrachten Leistungen zu bewerten und sicherzustellen, dass Qualitätsstandards eingehalten werden, mit dem Ziel, die Qualität der frühkindlichen Förderungs- und Betreuungseinrichtungen zu steigern;

35.  fordert die Entwicklung eines europäischen Rahmens für frühkindliche Förderungs- und Betreuungseinrichtungen, worin die kulturelle Vielfalt der Mitgliedstaaten geachtet und gemeinsame Ziele und Werte betont werden; fordert daher die Mitgliedstaaten auf, die Weiterbildung für Personen, die im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung tätig sind, zu gewährleisten, damit sie ihre spezifischen Fähigkeiten erweitern und aktualisieren können;

36.  fordert die Mitgliedstaaten auf sicherzustellen, dass dem im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung qualifizierten Personal ein Gehalt gezahlt wird, das im Idealfall dem von Grundschullehrern entspricht;

37.  fordert die Mitgliedstaaten auf, das Problem der unausgewogenen Repräsentation der Geschlechter unter den Personen, die Betreuungstätigkeiten ausüben, anzugehen, indem sie Maßnahmen zur Steigerung der Zahl von Männern in Kursen im Bereich frühkindliche Förderung und Betreuung umsetzen;

Forschung und Austausch bewährter Verfahren

38.  weist darauf hin, dass trotz des Vorhandenseins großer Mengen an empirischen Daten zum Thema (National Association for the Education of Young Children, UNICEF, International Early Years Education Journal, OECD usw.) immer noch ein Bedarf an weiterführendem Wissen über die Entwicklung von Kindern im Rahmen der frühkindlichen Förderung besteht; fordert daher einen entsprechenden Ausbau der Forschung und einen EU-weiten Austausch der erzielten Ergebnisse, wobei die kulturellen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten zu berücksichtigen sind;

39.  bedauert, dass die Strukturfonds der EU und Programme wie Comenius, im Rahmen derer Erzieher an einem EU-weiten Austausch teilnehmen können, zu wenig genutzt werden; fordert die Mitgliedstaaten auf, solche Programme und Fonds unter den im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung tätigen Erziehern bekannter zu machen;

40.  begrüßt die Absicht der Kommission, die Identifikation und den Austausch bewährter Maßnahmen und Verfahren über die offene Methode der Koordinierung, wie sie in der Mitteilung zur frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung erwähnt ist, zu fördern und empfiehlt die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten und den Austausch bewährter Verfahren zwischen ihnen, um die vorhandenen Programme im Bereich der frühkindlichen Förderung und Betreuung zu verbessern;

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41.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission sowie den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1) ABl. L 327 vom 24.11.2006, S. 45.
(2) ABl. C 339 vom 14.12.2010, S. 1.
(3) ABl. C 135 vom 26.5.2010, S. 2.
(4) ABl. C 301 vom 11.12.2009, S. 5.
(5) ABl. C 119 vom 28.5.2009, S. 2.
(6) ABl. C 319 vom 13.12.2008, S. 20.
(7) ABl. C 8 E vom 14.1.2010, S. 12.
(8) ABl. C 117 E vom 6.5.2010, S. 59.

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