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Verfahren : 2022/2568(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B9-0266/2022

Eingereichte Texte :

B9-0266/2022

Aussprachen :

CRE 19/05/2022 - 2

Abstimmungen :

PV 19/05/2022 - 7.10

Angenommene Texte :

P9_TA(2022)0217

Angenommene Texte
PDF 138kWORD 47k
Donnerstag, 19. Mai 2022 - Brüssel
Schaffung des europäischen Bildungsraums bis 2025 – Microcredentials, individuelle Lernkonten und Lernen für eine nachhaltige Umwelt
P9_TA(2022)0217B9-0266/2022

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 19. Mai 2022 zur Errichtung des Europäischen Bildungsraums bis 2025 – Microcredentials, individuelle Lernkonten und Lernen für eine nachhaltige Umwelt (2022/2568(RSP))

Das Europäische Parlament,

–  gestützt auf die Artikel 165 und 166 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union,

–  gestützt auf Artikel 5 Absatz 3 des Vertrags über die Europäische Union und das den Verträgen beigefügte Protokoll Nr. 2 über die Anwendung der Grundsätze der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit,

–  unter Hinweis auf Artikel 14 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union,

–  unter Hinweis auf die interinstitutionelle Proklamation zur europäischen Säule sozialer Rechte(1),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 1. Juli 2020 mit dem Titel „Europäische Kompetenzagenda für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Resilienz“ (COM(2020)0274),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 11. Dezember 2019 mit dem Titel „Der europäische Grüne Deal“ (COM(2019)0640),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 17. Januar 2018 zum Aktionsplan für digitale Bildung (COM(2018)0022),

–  unter Hinweis auf den Abschlussbericht der Kommission vom Dezember 2020 zu einem europäischen Ansatz für Microcredentials mit den Ergebnissen der Beratungsgruppe für Microcredentials im Hochschulbereich,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 11. November 2021 zum europäischen Bildungsraum: ein gemeinsamer, ganzheitlicher Ansatz(2),

–  unter Hinweis aus die Fragen zur mündlichen Beantwortung an die Kommission und an den Rat zur Schaffung des europäischen Bildungsraums bis 2025 – Microcredentials, individuelle Lernkonten und Lernen für eine nachhaltige Umwelt (O-000011/2022 – B9‑0013/2022 und O‑000012/2022 – B9‑0014/2022),

–  gestützt auf Artikel 136 Absatz 5 und Artikel 132 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

–  unter Hinweis auf den Entwurf einer Entschließung des Ausschusses für Kultur und Bildung,

A.  in der Erwägung, dass im Einklang mit der europäischen Säule sozialer Rechte, der Zugang zu hochwertiger und inklusiver Bildung und zu lebenslangem Lernen für alle ein grundlegendes Menschenrecht ist und für den Erwerb und die Erhaltung von Kompetenzen, die umfassende und aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Sicherung eines wirksamen Zugangs zu einem sich wandelnden Arbeitsmarkt von wesentlicher Bedeutung ist;

B.  in der Erwägung, dass die Kommission beabsichtigt, bis 2025 einen europäischen Bildungsraum zu schaffen;

C.  in der Erwägung, dass die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt dazu geführt haben, dass Kompetenzen rasch überholt sind und die Nachfrage nach flexiblen Lernangeboten steigt; in der Erwägung, dass Motivation, Zeit und Finanzierung Schlüsselfaktoren für Weiterbildung und Umschulung sind;

1.  begrüßt die Vorschläge der Kommission, die darauf abzielen, bis 2025 im Rahmen des europäischen Bildungsraums einen europäischen Ansatz für Microcredentials, individuelle Lernkonten und Lernen für eine nachhaltige Umwelt zu entwickeln, der dazu beitragen würde, Lernwege flexibler zu gestalten, die Lernmöglichkeiten zu erweitern, die gegenseitige Anerkennung zu verbessern, Verbindungen mit Blick auf den digitalen und den ökologischen Wandel herzustellen und die Rolle sowohl der Hochschul- als auch der Berufsbildungseinrichtungen beim lebenslangen Lernen zu stärken;

2.  betont, dass Microcredentials und individuelle Lernkonten für Menschen bedeutsam sein können, die sich weiterbilden, umschulen und offiziell anerkannte Qualifikationen erwerben wollen, um mit dem raschen Wandel in der Gesellschaft und einem zunehmend digitalisierten Arbeitsmarkt Schritt halten zu können, und für die Menschen, die die Laufbahn aufgrund der persönlichen Entwicklung oder eines sozialen Aufstiegs wechseln möchten;

3.  fordert den Rat auf, eine gemeinsame Begriffsbestimmung für Microcredentials und gemeinsame Normen im Rahmen des europäischen Bildungsraums anzunehmen, die die Grundlage für Qualitätssicherung, Anerkennung, Transparenz und Übertragbarkeit bilden würde;

4.  fordert die Kommission auf, ein solides Instrument zu schaffen, mit dem die Mitgliedstaaten zur Einführung von Microcredentials motiviert werden, wobei diese die freiwillig bleiben sollten; stellt fest, dass dies derzeit in dem Vorschlag für eine Empfehlung des Rates fehlt, und hebt in diesem Zusammenhang den Modellcharakter des erfolgreichen Pilotprojekts der Initiative „Europäische Hochschulen“ hervor;

5.  betont, dass unbedingt benutzerfreundliche und regelmäßig aktualisierte nationale Register bereitzustellen sind, die in einem EU-Portal aufgeführt und leicht zugänglich sein sollten, um die Güte der Microcredentials sicherzustellen und diese digital verfügbar zu machen, damit Weiterbildung, Umschulung und Erwerb neuer Kompetenzen unterstützt werden, die Transparenz erhöht wird und die Mobilität, der Austausch und die Zusammenarbeit grenzüberschreitend und international verbessert werden;

6.  betont, dass europäische Microcredentials insbesondere für die bereichs- und grenzübergreifende Anerkennung kürzerer Lernzeiten benötigt werden, wobei dies für die Förderung einer größeren Mobilität in ganz Europa von grundlegender Bedeutung ist; fordert die Kommission auf, die Verwendung von Microcredentials bei der Anerkennung von Fähigkeiten und Kompetenzen, die während einer europäischen Lernmobilität und eines bürgerschaftlichen Engagements im Rahmen der Programme Erasmus+ und des Europäischen Solidaritätskorps erworben wurden, zu bewerten und darüber Bericht zu erstatten;

7.  hebt hervor, dass Microcredentials eine unterstützende Funktion übernehmen sollten, wenn es darum geht, informelles und nichtformales Lernen mit formaler Bildung zu verknüpfen; fordert nachdrücklich, dass ein gemeinsamer Rahmen entwickelt und umgesetzt wird, um die durch informelles und nichtformales Lernen erworbenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Vorgehensweisen anzuerkennen;

8.  fordert die Kommission nachdrücklich auf, ein allgemeines Konzept für psychosoziale und persönliche Kompetenzen im Einklang mit den Begriffsbestimmungen der Weltgesundheitsorganisation und der UNESCO vorzuschlagen; betont, dass sich dieses Konzept an den laufenden Initiativen und Projekten, die im Rahmen von EU-Programmen finanziert werden, sowie an dem Strategiebericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission über lebensbegleitende Kompetenzen(3) orientieren und in Absprache mit den Mitgliedstaaten, Bildungseinrichtungen, Lehrkräften und Akteuren des Arbeitsmarktes ausgearbeitet werden sollte, um unter anderem die praktischen Aspekte der Umsetzung zu klären;

9.  weist darauf hin, dass die automatische gegenseitige Anerkennung von Microcredentials innerhalb des europäischen Bildungsraums ein Schritt hin zu einer generellen Erleichterung der automatischen Anerkennung von Qualifikationen sein könnte; ist der Auffassung, dass die Schaffung eines kohärenten europäischen Systems für Microcredentials, an dem die einschlägigen Interessenträger beteiligt sind, ein Fortschritt wäre, wenn es darum geht, die Bildungsmacht Europas und die globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken;

10.  weist die Behörden auf ihre wesentliche Rolle bei der Sicherstellung eines ausgewogenen Fortbildungsangebots für Erwachsene und insbesondere darauf hin, dass Grundfertigkeiten sowie bereichsübergreifende, psychosoziale und persönliche Kompetenzen für den ökologischen und den digitalen Wandel genauso wichtig sind wie technische Kompetenzen;

11.  fordert die Hochschuleinrichtungen auf, Microcredentials zu entwickeln, um den Lernenden während ihres Studiums wertvolle Erfahrungen, darunter Freiwilligentätigkeiten, Mentoring und Jugendarbeit, zu bieten, die von sozialen Engagement und Inklusion geprägt sind;

12.  betont, dass es wichtig ist, Mittel für Beratungs- und Beratungsdienste vorzusehen, um Erwachsene und junge Menschen bei der Ermittlung und Zertifizierung von Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie bereits durch informelles Lernen erworben haben, zu unterstützen und sie auf Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen aufmerksam zu machen, sodass Microcredentials zu einem Mittel der Inklusion werden, anstatt bestehende Ungleichheit beim Zugang zu Weiterbildung und Umschulung zu verfestigen bzw. zu vertiefen; fordert nachdrücklich, dass Microcredentials während des grundständigen Studiums Einsatz finden, damit die primär Begünstigten nicht etwa Lernende aus Gruppen sind, die bereits Vorteile in Bezug auf Bildung und berufliche Stellung genießen;

13.  begrüßt, dass individuelle Lernkonten zusammen mit Microcredentials darauf ausgelegt sind, lebenslanges Lernen inklusiver, zugänglicher und erschwinglicher zu machen; weist darauf hin, dass sich diese Initiativen an alle richten sollen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Beschäftigungsstatus, Einkommen oder Bildungsniveau; betont, dass bei jungen Menschen die Bereitschaft für lebenslanges Lernen gefördert werden muss;

14.  fordert nachdrücklich, dass die Optionen im Rahmen individueller Lernkonten nicht zu eng auf den Bedarf des Arbeitsmarktes abgestimmt sind, sondern die Bürger befähigen, individuelle Entscheidungen zu treffen, und Möglichkeiten für Selbstständigkeit und Unternehmertum eröffnen;

15.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Ausbildungsansprüche für individuelle Lernkonten vorrangig zu behandeln, die sich an gering qualifizierte Erwachsene, Menschen mit Behinderungen, benachteiligte Lernende, Menschen aus schutzbedürftigen oder ausgegrenzten Gruppen, Flüchtlinge und Menschen, die in abgelegenen oder ländlichen Gebieten leben, richten, und klare Kriterien für die Zuweisung dieser Ansprüche festzulegen;

16.  weist warnend darauf hin, dass die Einführung von Microcredentials und individuellen Lernkonten keine ungewollten Hindernisse für erwachsene Lernende schaffen darf, die die Kosten längerfristiger bzw. formaler Bildungsprogramme stemmen müssen;

17.  ist der Ansicht, dass das Lernen für eine nachhaltige Umwelt in allen Lehrplänen in der gesamten EU mit der Perspektive des lebenslangen Lernens verankert werden sollte, auch im Rahmen der europäischen und globalen politischen Bildung, um die Lernenden zu befähigen, sich aktiv für eine stärker auf Integration und Nachhaltigkeit ausgerichtete Gesellschaft einzusetzen;

18.  hebt die möglichen vielfältigen Vorteile aller drei Initiativen hervor, da eine verstärkte Teilnahme an Erwachsenenbildungsprogrammen mit Verbesserungen der Umweltkompetenz, einer stärkeren Bürgerbeteiligung und einer besseren Beziehung zur Umwelt, einem erhöhten Wohlbefinden und einer größeren Lebenszufriedenheit verbunden wird;

19.  betont, wie wichtig es ist, die Kultur- und Kreativbranche einzubeziehen, um eine Geisteshaltung zu fördern, die auf eine nachhaltige Entwicklung bei der Wiederbelebung der wirtschaftlichen Gegebenheiten ausgerichtet ist, wie dies einige europäische Kulturhauptstädte vormachen und die neuen Chancen, die mit dem Neuen Europäischen Bauhaus einhergehen, zeigen;

20.  besteht darauf, dass diese Initiativen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene, einschließlich ihrer europäischen Dimension und ihres europäischen Mehrwerts, besonders gut herausgestellt werden, damit die Europäer die potenziellen Vorteile klar erkennen und sich der Vorzüge eines europäischen Bildungsraums bewusst werden können;

21.  beauftragt seine Präsidentin, diese Entschließung der Kommission, dem Rat und den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1) ABl. C 428 vom 13.12.2017, S. 10.
(2) Angenommene Texte, P9_TA(2021)0452.
(3) Gemeinsamen Forschungsstelle, LifeComp: The European Framework for Personal, Social and Learning to Learn Key Competence, Reihe „Science for Policy“, Luxemburg, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2020.

Letzte Aktualisierung: 30. August 2022Rechtlicher Hinweis - Datenschutzbestimmungen