„Meiner Firma wurde dank der EU geholfen.“

Isabel Unternehmerin, deren Betrieb dank der EU überlebt hat Spanien, Cabo de Palos

Am 13. März machte die spanische Region Murcia ihre Grenzen dicht, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das war zwar notwendig, aber es bedeutete auch, dass die für die Region so wichtige Tourismusbranche plötzlich zum Stillstand kam. Für Isabel Laguardia, die eine Tauchbasis betreibt, hatte das besonders schlimme Folgen. Sie musste ihre Tauchbasis schließen und konnte weder über die Osterfeiertage noch für die Sommersaison wie geplant Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen. Die EU handelte schnell, um Kleinunternehmen wie das von Isabel zu schützen. Geändert wurden zum Beispiel die Bestimmungen über staatliche Beihilfen, die jetzt flexibler sind. Dadurch kann die spanische Regierung Unternehmen nun rascher finanziell unter die Arme greifen, um pandemiebedingte Entlassungen zu verhindern. Dank der geänderten Bestimmungen können die Mitgliedstaaten innerhalb kurzer Zeit wirksame Maßnahmen ergreifen, was sowohl Bürgerinnen und Bürgern als auch Unternehmen nützt, die wegen der Coronakrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Ganz besonders geht es dabei um Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen. Alle Mitgliedstaaten können Unternehmen mit jeweils bis zu 800 000 EUR unterstützen, damit sie sich in dieser schwierigen Zeit über Wasser halten können.

„Es ist wichtiger denn je, unsere Jugend zu fördern“

Lukas Projektleiter, der in Tirol ein Ausbildungsprojekt für Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren betreut Österreich, Innsbruck

Wegen der Coronavirus-Pandemie brauchen mehr Menschen in Österreich Hilfe bei der Jobsuche. Arbeitslosigkeit gab es natürlich vorher schon, aber seit Ausbruch der Krise haben viele weitere Menschen ihren Job verloren. „Dass der Arbeitsmarkt unter Druck geraten ist, macht die Jobsuche noch schwieriger“, sagt Lukas, der das Projekt VERA (Vorbeikommen – Erleben – Arbeiten) leitet. VERA wird – wie viele andere Ausbildungsprojekte – unter anderem mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren können zwischen drei verschiedenen Trainingsbereichen wählen: Upcycling & Instandhaltung, Mode & Dekoration und Medien. Das Programm wurde auch während der Ausgangssperre fortgeführt. „Das Coronavirus macht vor Grenzen nicht Halt. Zusammenarbeit, Gemeinschaftsgefühl und Kreativität sollten das aber auch nicht tun“, meint Lukas. Mit dem Langzeithaushalt der EU sollte man besonders auf junge Menschen eingehen, findet auch Sabine Verheyen, die Vorsitzende des Kulturausschusses des Europäischen Parlaments. Darum fordert sie ausreichend Geld für Bildungs- und Kulturprogramme.

„Müdigkeit vorzuschützen, ist für das medizinische Personal unvorstellbar“

Bogdan, Samo und Tilen Entwickler einer neuen App, die im Rahmen des EU-Hackathons #EUvsVirus vorgestellt wurde und dem Krankenhauspersonal helfen könnte, die eigene Müdigkeit einzuschätzen Slowenien, Ljubljana

Wir alle wissen, dass auch das medizinische Personal in der Pandemie Heldentaten vollbringt. Dennoch sprechen wir hier von ganz normalen Menschen, die müde werden wie wir anderen auch. Mit dem Unterschied, dass das viel dramatischere Folgen haben kann. „Wer in der Notaufnahme arbeitet, ist von Natur aus hilfsbereit. Wann man eine Pause machen sollte, ist aber nicht immer klar, und oft ist es auch einfach nicht möglich. Außerdem wird die eigene Müdigkeit häufig unterschätzt. Und dann können Fehler passieren“, erklärt Dr. Bogdan Florea. Um hier Abhilfe zu schaffen, nutzen Dr. Florea und sein Team das sogenannte Internet der Dinge. Sie haben ein System namens „BRNoutID“ entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Smartphone-App, die die Augen der Nutzer scannt und das Ergebnis mit Daten über die Hirnaktivität abgleicht. Auf dieser Grundlage erhält der Nutzer in Echtzeit eine Einschätzung seines Erschöpfungszustands. Die App wurde im Rahmen des von der Europäischen Kommission organisierten ersten europaweiten Online-Hackathons #EUvsVirus vorgestellt. Ziel war, innovative Lösungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zu finden.

„Wir lassen uns nicht davon abhalten, jungen Menschen zu helfen – auch aus der Ferne“

Katharina Jugendcoachin, die im Rahmen des Projekts „We need you“ Jugendliche berät, die weder arbeiten noch eine Schule besuchen oder eine Ausbildung absolvieren Österreich, Linz

2019 galten in Österreich etwa 65 200 junge Menschen als sogenannte NEETs. Das heißt, dass sie weder arbeiteten noch eine Schule besuchten oder eine Ausbildung absolvierten. Für Katharina, die solche 15- bis 24-Jährigen coacht, war die Coronakrise das Schlimmste, was passieren konnte. „Während der Ausgangssperre ist der Kontakt zu einigen unserer Schützlinge abgebrochen. Dabei spielen die Mentorinnen und Mentoren für ihre Integration in die Gesellschaft so eine wichtige Rolle“, erklärt sie. Katharina und ihre Kolleginnen und Kollegen beim von der EU kofinanzierten Projekt „We need you“ gaben aber nicht auf. Sie machten weiter, damit diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen Zukunftsperspektiven haben. „Wir wollten ihr Selbstvertrauen weiter stärken und ihnen zeigen, dass es trotz der Krise neue Chancen gibt. Sie brauchen uns jetzt mehr denn je“, meint Katharina. Das kostenlose Beratungsprogramm von „We need you“ kann man in ganz Oberösterreich nutzen. Das Projekt gehört zu NEBA, dem „Netzwerk Berufliche Assistenz“ des österreichischen Sozialministeriums. Fördergelder erhält es unter anderem aus dem Europäischen Sozialfonds.

„Unsere Einlass-Ampel macht es möglich, in öffentlich zugänglichen Gebäuden die Personenanzahl zu überwachen – im Rahmen der rechtlichen Vorgaben“

Arne Unternehmer, der eine an Verkehrsampeln inspirierte Personenzählanlage entwickelt hat, mit der sich große Menschenansammlungen vermeiden lassen Deutschland, Darmstadt

Im öffentlichen Raum Abstand zu halten, ist zwar nicht unmöglich, aber auch nicht immer einfach. Um zu verhindern, dass bei Messen und anderen Großveranstaltungen zu viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, entwickelt Connfair neue technische Lösungen im Bereich Personenzählung und Einlassmanagement. Das Vorzeigeprodukt des Unternehmens ist einer Verkehrsampel nachempfunden. Sie zählt, wie viele Leute sich bereits in einem bestimmten Bereich aufhalten, und schaltet automatisch von rot auf grün um, wenn wieder Platz für mehr Leute ist. „Die Einlass-Ampel ist schnell und einfach aufgestellt und dank der eingebauten SIM-Karte direkt mit dem Internet verbunden. In Kombination mit unserer ‚Counter App‘ bietet sie auch noch zusätzliche Funktionen“, erklärt Arne, Gründer und Geschäftsführer von Connfair. Die Produkte des Start-up-Unternehmens sind für seine Kunden eine enorme Erleichterung. Besucherströme analysieren zu können, hilft Unternehmen, die sich an Regierungsvorgaben halten müssen und die Ausbreitung des Virus verhindern wollen.

„Wir müssen denen helfen, die sich nicht selbst helfen können“

Eva Leiterin eines Sozialunternehmens, in dem Menschen mit Behinderungen arbeiten Slowakei, Michalovce

„Wir müssen denen helfen, die sich nicht selbst helfen können“, findet Eva, die mit ihrem Sozialunternehmen benachteiligten Mitmenschen hilft – unter anderem damit ihre Lebensqualität steigt. Vor dem Ausbruch der Coronakrise beschäftigte sie 100 Menschen mit Behinderungen, die Fahrzeugteile und Komponenten für Elektromotoren herstellten. Die Pandemie hat alles verändert. „Unser Umsatz ist um 70 % eingebrochen. Deswegen mussten wir 40 Angestellte entlassen“, erklärt Eva. Um nicht schließen zu müssen, musste sich das Unternehmen neu erfinden. Ein Teil der Belegschaft beschloss, die Produktion auf Schutzmasken umzustellen. „Zuerst nähten wir nur Masken für unser eigenes Personal. Aber dann stellten wir auch welche für andere Unternehmen in unserer Gegend und für Gemeinden her“, erinnert sich Eva. Das Europäische Parlament fordert eine neue ehrgeizige EU-Strategie zugunsten von Menschen mit Behinderungen. Sie soll entsprechende Unterstützungsmaßnahmen enthalten, um zu verhindern, dass Menschen mit Behinderungen unverhältnismäßig stark unter Gesundheitskrisen wie der Coronavirus-Pandemie leiden.

„Wir wollen Verantwortung übernehmen und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun“

Gabriele Leiterin von Gabarage, einem Sozialunternehmen, das sich ganz dem Upcycling verschrieben hat Österreich, Wien

Bei Gabarage dreht sich alles um Upcycling. Das Sozialunternehmen verwandelt Lehnstühle und Feuerwehrschläuche in Schaukeln, Rolltreppen in Sofas und alte Planen in Rucksäcke und Taschen. „Bei uns arbeiten Menschen, die anderswo nur schwer einen Arbeitsplatz finden. Wir bilden sie aus und helfen ihnen dabei, neue Fähigkeiten zu erlernen – das ist Teil unseres berufsorientierten Ansatzes“, erklärt Gabriele, Gründerin und Leiterin des Sozialunternehmens. Als die Coronakrise ausbrach, erkannte sie, dass die Menschen in ganz Europa ihre Freizeit nutzten, um neue Hobbys auszuprobieren. „Handwerk und Upcycling kommen wieder in Mode – ich hoffe, das bleibt so“, freut sich Gabriele. Über den Europäischen Sozialfonds unterstützt die Europäische Union viele umweltfreundliche Start-ups. Auch das Europäische Parlament setzt sich für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ein und nahm im Juni 2020 neue Regeln für umweltfreundliche Investitionen an. Mehr dazu erfahren Sie hier: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/economy/20200604STO80509/forderung-eines-nachhaltigen-finanzwesens-eu-definiert-grune-investitionenen-finanzwesens-eu-definiert-grune-investitionen.

„Mit unseren Videos wollen wir die Kreativität der Leute anregen“

Theatergruppe KVADRIFRONS Theatergruppe, die Geschichten aus Giovanni Boccaccios „Il Decamerone“ vorträgt und die Videoaufnahmen ins Internet stellt Lettland, Riga

Es ist Zeit für Geschichten! Am 16. März begann die Theatergruppe KVADRIFRONS, Videos ins Internet zu stellen, in denen Kurzgeschichten vorgetragen werden – und zwar die 100 Novellen aus Giovanni Boccaccios Literaturklassiker „Il Decamerone“. Sie versetzen uns in die Zeit, als in Italien und ganz Europa die Pest wütete. „Heute sind diese Geschichten aktueller denn je. Mit unserer Initiative wollen wir außerdem ein Gefühl der Zusammengehörigkeit erzeugen, damit sich die Menschen nicht einsam fühlen“, erklärt ein Mitglied der Theatergruppe. Die Videoreihe wurde zwar schon im Mai abgeschlossen, aber auf den Facebook-, YouTube- und Spotify-Seiten von KVADRIFRONS kann man sie jederzeit abrufen.

„Wie soll man vier Monate lang mit nur 735 Euro auskommen?“

Giuliano Ehrenamtlicher Helfer, der vier Monate lang ohne Gehalt dastand und in seiner Freizeit anderen hilft Italien, Reggio Emilia

Was würden Sie tun, wenn Sie und Ihre 11-jährige Tochter vier Monate lang ohne Gehalt auskommen müssten? Die meisten würden wahrscheinlich in Panik geraten. Nicht aber Giuliano: Er beschloss, wieder mehr Zeit in der Natur zu verbringen – und sich ehrenamtlich zu engagieren und in seiner Nachbarschaft Masken zu verteilen. „Ich arbeite für ein Unternehmen, das Förderbänder herstellt. Am 3. März wurde ich nach Hause geschickt. Das Unternehmen musste schließen und Angestellte entlassen. Arbeitslosengeld bekam ich erst Anfang Mai: eine Einmalzahlung von 735 Euro brutto – das war’s. Das war eine außerordentlich schwierige Zeit“, erinnert sich Giuliano. Die EU setzt sich dafür ein, in solchen Situationen zu helfen. Unter anderem hat sie ein 100 Milliarden Euro schweres Paket geschnürt, das Entlassungen verhindern soll. Den Ärmsten der Armen hilft sie mit Lebensmittelhilfen und anderen Waren des täglichen Bedarfs. Und aus den EU-Strukturfonds fließen 37 Milliarden Euro in eine Initiative, mit der das Gesundheitswesen sowie die Unternehmen und Arbeitskräfte unterstützt werden.

„Unser Zentrum ist eine richtige Institution der Tanzszene – wir mussten es einfach retten!“

David Leiter eines Zentrums für Popkultur und moderne Kunst, der das Zentrum mit einer Crowdfunding-Kampagne vor dem finanziellen Ruin rettete Belgien, Brüssel

Manche Veranstaltungsorte sind es einfach wert, gerettet zu werden – koste es, was es wolle. Dieses Gefühl hatte das Team des belgischen „Tictac Art Centre“, als auf der ganzen Welt Ausgangssperren verhängt wurden. „Wir sind eine junge Non-Profit-Organisation, die sich für Kunst und zeitgenössischen Tanz einsetzt – vor Ort und auch weltweit. Mit der Zeit hat sich unser Zentrum zu einem beliebten Treffpunkt der europäischen und internationalen Tanzszene entwickelt“, erklärt David Zambrano, der das Tictac Art Centre leitet. Als Belgien eine Ausgangssperre verhängte, erkannte sein Team bald, dass das ganze Projekt Gefahr lief, die Krise nicht zu überstehen. Wochenlang brüteten man über verschiedenen Lösungsansetzen, und schließlich entschied man sich für eine Crowdfunding-Kampagne. „Wir mussten das Projekt einfach retten. Die Crowdfunding-Kampagne war eine unserer letzten Chancen, und sie mauserte sich zum Riesenerfolg. Eines ist klar: Ohne die Spenden von zahlreichen Kunstschaffenden, Tänzerinnen und Tänzern, Studierenden und Kunstbegeisterten hätten wir nicht überlebt“, sagt David.

„Als Piloten sollten wir nicht nur zuhause herumsitzen, sondern mitanpacken!“

Roman Unternehmer und Pilot, der seine Flugerfahrung und sein Wissen über Algorithmen nutzt, um medizinische Ausrüstung im ganzen Land zu verteilen Slowakei, Bratislava

Die Ausgangssperren bedeuteten nicht, dass alle Flugzeuge in Europa am Boden blieben. 80 slowakische Pilotinnen und Piloten nutzten die Coronakrise sogar, um mit ihren eigenen Privatflugzeugen noch mehr Zeit in der Luft zu verbringen als sonst. Diesmal taten sie das aber nicht als Freizeitvergnügen, sondern sie hoben für den guten Zweck ab. „An einem Tag waren 13 unserer Flugzeuge gleichzeitig unterwegs. Innerhalb von zwei Stunden lieferten wir medizinische Ausrüstung an 250 Adressen im ganzen Land. Unsere ‚Kunden‘ waren Notaufnahmen, Feuerwachen, Krankenhäuser, das Rote Kreuz und Altenheime“, erzählt Roman. Als erstes suchte er über Facebook nach Freiwilligen, und schon bald gab die slowakische Regierung grünes Licht für seine Aktion. Eine spezielle Software (entwickelt von Romans Unternehmen Artman Technologies) machte es möglich, die Anfragen an verfügbare Piloten weiterzuleiten. Genutzt wurden dafür GPS-Daten – und die Plattform PILOTS4PEOPLE.EU.

„Bücher zu spenden, ist eine großartige Möglichkeit, krisengebeutelte Familien während der Ausgangssperren zu unterstützen“

Giuseppina und Gianfranca Aktivistinnen, die Familien, die stark unter der Coronakrise leiden, Bücher schenken Italien, Mailand

„Kifubon“ ist Japanisch und bedeutet so viel wie „Bücher teilen“. Es ist aber auch der Name eines internationalen Projekts, das es 2019 nach Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien geschafft hat. Im Rahmen dieser einzigartigen Initiative werden regelmäßig Bücher an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet. In der Coronakrise spendete der weltbekannte Friedensbotschafter Prem Rawat dem Projekt zum Beispiel mehr als 10 000 Exemplare seines Buches „Splitting the Arrow: Understanding the Business of Life“. Sein Werk war eine wichtige Inspirationsquelle für die Erklärung „Pledge to Peace“, an der auch der damalige Präsident des Europäischen Parlaments mitgearbeitet hat. „Wir haben das Buch ausgewählt, weil seine kurzen und lustigen Geschichten vor positiver Energie geradezu sprühen. Es geht um Integration, innere Stärke und unsere Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen – und um den Frieden, den wir alle in uns tragen“, erklärt Giuseppina. Die Bücher wurden an Eltern und Kinder verteilt, die wegen der Coronakrise eine schwierige Zeit durchmachten.