„Hunger lässt sich von der Quarantäne nicht aufhalten.“

Mircea Freiwilliger, der etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tut Italien, Pescara

Die Lebensmitteltafel Fondazione Banco Alimentare ONLUS unterstützt 1,5 Millionen Bedürftige in Italien: Sie verteilt übriggebliebene Lebensmittel an 7 500 Wohltätigkeitsorganisationen. Wegen der Coronavirus-Pandemie haben in Italien in den letzten zwei Monaten 40 % – und in einigen Regionen sogar 60 % – mehr Menschen Lebensmittelhilfe beantragt. Die Lebensmitteltafel ist die ganze Zeit offen geblieben: Alle dort wissen, wie wichtig ihre Arbeit für das ganze Land ist. Im Jahr 2020 hat die Organisation bereits 30 000 Tonnen Lebensmittel verteilt. Möglich gemacht haben das unter anderem Gelder der EU. Während der Essenslieferungen bleiben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Freien. Sie sorgen dafür, dass alle Abstand halten, und versichern den Menschen, dass genug für alle da ist. „Wir wurden von einem Tsunami der Solidarität überrollt“, erklärt Giovanni Bruno, der die Organisation leitet. Maria, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aus Salerno, fügt hinzu: „Seit dem Ausbruch der Pandemie helfen noch mehr Ehrenamtliche mit. Ich bin überwältigt! Wir müssen jetzt mehr tun – nicht weniger.“

„Ich liebe meinen Job – und ich bin mir sicher, dass das so bleibt.“

Jacqueline Krankenschwester, die der COVID-19-Abteilung ihres Krankenhauses zugewiesen wurde Belgien, Brüssel

Anlässlich des 200. Geburtstags von Florence Nightingale erklärte die Weltgesundheitsorganisation das Jahr 2020 zum „Jahr der Pflegekräfte und Hebammen“. Niemand konnte ahnen, dass 2020 auch zum Jahr einer weltweiten Gesundheitskrise werden würde, die alle Gesellschaftsschichten betrifft. Die ganze Welt kämpft gegen die Folge der Pandemie. Pflegekräfte stehen dabei an vorderster Front. Für viele von ihnen brachte die Coronavirus-Pandemie berufliche Veränderungen: Jacqueline zum Beispiel arbeitet normalerweise in der Physiotherapie, aber jetzt kümmert sie sich um COVID-19-Patienten. Anpassungsfähig zu sein, ist für Pflegekräfte aber nichts Neues. In Krisenzeiten spielen sie seit jeher eine wichtige Rolle: Sie kümmern sich nicht nur um Kranke, sondern tragen mit innovativen Ideen auch dazu bei, Leben zu retten und Leid zu verringern. Die Europäische Union setzt sich dafür ein, dass alle Beschäftigten im Gesundheitswesen so ausgerüstet sind, dass sie ihre lebenswichtige Aufgabe weiterhin erfüllen können und dabei selbst geschützt sind.

„Ich habe die Chance ergriffen, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.“

Edward Friseur, der in einem Truck vor dem größten Krankenhaus Stockholms arbeitet Schweden, Stockholm

Eine Schutzmaske zu tragen, kann unangenehm sein. Wer im Gesundheitsbereich lange Schichten arbeitet, weiß, dass die Masken nicht ordentlich anliegen, wenn man keine Zeit hat, sich zu rasieren. Das kann zu Hautreizungen führen. Al, der Besitzer von Honest Al’s Barbershop in Stockholm, wurde von einem seiner Kunden – einem Krankenpfleger – auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Er machte es sich zur Aufgabe, eine Lösung zu finden. Also stellte er seinen Truck vor dem Krankenhaus ab. Die Krankenhausmitarbeiter können sich dort kostenlos rasieren bzw. den Bart stutzen lassen. Al erklärt: „Es geht nicht nur um die Rasur. Es ist ein Moment der Ruhe und Entspannung für die, die tagein, tagaus gegen die Pandemie kämpfen. Ein bisschen Zeit für sich zu haben, macht viel aus.“ Die Initiative kam so gut an, dass er einen seiner Konkurrenten bat, diesen Service für die Mitarbeiter eines anderen Krankenhauses anzubieten. „Durch diese Erfahrung wachsen wir zusammen, und demnächst wollen wir gemeinsam einen neuen Laden aufmachen! Uns ist klar geworden, wie unglaublich stark sich Mitgefühl und Freude auf unsere Beziehungen zu anderen auswirken.“

„Wir werden weiterkämpfen, um die Infektionskette zu unterbrechen.“

Ainhoa Ärztin, die wegen der Coronavirus-Pandemie in einem Pflegeheim arbeitet Spanien, Valencia

Die 26-jährige Ainhoa war drauf und dran, sich auf Geburtshilfe und Gynäkologie zu spezialisieren – da kam die Pandemie dazwischen. Sie wollte mithelfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Also beschloss sie, als Ärztin in einem Pflegeheim zu arbeiten. In Spanien kommen Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gehäuft in Pflegeheimen vor – wo einige der am stärksten gefährdeten Menschen unter einem Dach leben. Zwar ist der Kampf gegen das Virus noch lange nicht vorbei, aber es tröstet Ainhoa ein wenig, dass in dem Pflegeheim, in dem sie arbeitet, noch keine Fälle gemeldet wurden. Bald beginnt ihre Facharztausbildung im Krankenhaus, doch sie denkt, dass ihr befristeter Job im Pflegeheim sie sowohl beruflich als auch persönlich weitergebracht hat, denn sie hat viel von den älteren Menschen gelernt. „Wir haben das bald überstanden. Wir schaffen das.“ Da ist sie sich sicher.

„Wir sind zu 100 % für unsere Kundschaft da.“

Erika Inhaberin eines Lebensmittelladens, die während der Pandemie aus Solidarität ihren Lieferservice ausgeweitet hat Belgien, Heppenbach

Die Pandemie dauert an – und viele ältere Menschen und Personen, die einer anderen Risikogruppe angehören, überlegen sich zweimal, ob sie in den Supermarkt gehen sollen. Erika versteht das: Sie hat deshalb den Lieferservice ihres Ladens in einem kleinen ostbelgischen Dorf ausgeweitet – damit alle auch in der Krise ihren Grundbedarf decken können. Über die sozialen Medien versichert sie ihren Kundinnen und Kunden, dass ihr Laden alles hat, was sie brauchen. Das ist aber nicht die einzige Art, auf die sie ihre Solidarität ausdrückt: Ihr liegen auch die örtlichen Produzenten am Herzen, die sie besonders unterstützt. Erika ist Mitglied des Verbands „Emma 2.0“, zu dem sich kleinere Läden in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens zusammengeschlossen haben. Die soziale Verantwortung dieser Läden in dünn besiedelten ländlichen Gebieten tritt jetzt besonders in den Vordergrund.

„Wir erkannten, dass wir Italiens „Patient 1“ vor uns hatten – so konnten wir die Ausbreitung des Virus eindämmen“

Annalisa Ärztin, die den ersten Corona-Fall in Europa diagnostizierte Italien, Codogno

Am 20. Februar 2020 traf Dr. Annalisa Malara eine Entscheidung, die nicht nur ihrem Patienten Mattia Maestri, sondern auch vielen anderen in Europa das Leben retten sollte. Dem sportlichen 37-jährigen Wissenschaftler ging es gar nicht gut. Da alle Untersuchungen ohne Befund blieben, testete Annalisa ihn auf das neuartige Coronavirus. Inzwischen gilt Mattia als Europas „Patient 1“. Heute weiß Annalisa: Wenn sie damals nicht gleich Alarm geschlagen hätte, hätten Italien und andere europäische Länder wahrscheinlich nicht so schnell gehandelt. Für die Ärztin sind länderübergreifende Solidarität und wissenschaftliche Zusammenarbeit der Schlüssel zur Bewältigung der Pandemie. „Mit meiner Geschichte will ich zeigen, dass man – ganz gleich, wo man arbeitet und wer man ist – etwas bewirken kann, wenn man mit Fleiß und Leidenschaft an die Arbeit herangeht. Europa sollte geeinter und stärker sein. Schwere Krisen wie diese können wir nämlich nur bewältigen, wenn wir zusammenhalten – wie eine einzige große Nation.“

„Ich konnte einfach nicht anders, als zu helfen.“

Vladimir Taxifahrer, der dafür sorgt, dass Pendler weiterhin in die Arbeit kommen Slowenien, Ljubljana

Der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hat Taxiunternehmen in ganz Europa gezwungen, kreativ zu werden: Viele von ihnen bieten jetzt Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen an. Für viele Pendler ist es schwierig geworden, zur Arbeit zu kommen. In Slowenien wurde der öffentliche Verkehr wegen der Pandemie vorübergehend eingestellt. Als der Taxifahrer Vladimir Vidaković erfuhr, dass eine Kollegin seiner Mutter nun eine Stunde lang zu Fuß zur Arbeit gehen muss, beschloss er, sie kostenlos dorthin zu fahren. Bald wurde ihm klar, dass es vielen so geht. Also weitete er seinen Fahrtendienst aus, um noch mehr Menschen helfen zu können. Solche Beispiele gelebter Solidarität gibt es in ganz Europa. Der Madrider Verband der Taxifahrer schätzt, dass seit dem Beginn der Ausgangssperre etwa 75 000 kostenlote Fahrten durchgeführt wurden – etwa für Krankentransporte oder die Versorgung mit medizinischer Ausrüstung.

„Die Coronavirus-Pandemie ist für mich ein Beweis dafür, wie anpassungsfähig wir eigentlich sind.“

Casa Antonia Pflegeheim, in dem man sich aufopferungsvoll um ältere Menschen kümmert Malta, Balzan

Casa Antonia ist ein privates Altenheim in Balzan (Malta). Die Ansteckungsgefahr für die Bewohnerinnen und Bewohner zu verringern, ist besonders wichtig. Deswegen leben seit dem 18. März auch die 115 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Heim – für jeweils drei Wochen. Das gilt für das Pflege-, Küchen-und Reinigungspersonal ebenso wie für die Techniker, den Gärtner und die Heimleitung. Die Folge: In der Casa Antonia leben jetzt 70 Menschen mehr als sonst. Sie alle brauchen nicht nur ein Bett und etwas zu essen, sondern müssen auch andere Dinge des Alltags dort erledigen – zum Beispiel Wäsche waschen. Da ist es kein Wunder, dass der Wasser- und Stromverbrauch rapide angestiegen ist – von der Auslastung des Internetanschlusses ganz zu schweigen. Obwohl sie lange von ihren Familien getrennt sind, haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerordentlich gut an diese fast schon unwirkliche Situation gewöhnt. Viele von ihnen haben noch nie in einer WG gelebt. Jetzt wohnen sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt unter einem Dach – und ihre Arbeitstage sind deutlich länger geworden. Am Arbeitsplatz zu leben, ist eine große Herausforderung. Doch diese außergewöhnliche Situation bringt auch ungeahnte Talente zum Vorschein: Das Küchenpersonal übt sich in der Zubereitung asiatischer Gerichte, um den Kolleginnen und Kollegen aus Asien eine Freude zu machen, und die Techniker werden abends zu DJs, die alle im Haus mit guter Musik unterhalten.

„Jeder kann etwas bewegen – auch Sie!“

Momchil Freiwilliger, der die größte Notfallklinik Sofias desinfiziert Bulgarien, Sofia

Das medizinische Personal arbeitet nach wie vor rund um die Uhr daran, die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Und die Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa werden kreativ, um ihre Dankbarkeit auszudrücken. Momchil ist Teil eines ganzen Teams, das ehrenamtlich im Krankenhaus Pirogov arbeitet. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Winkel der Klinik zu desinfizieren: Alle Abteilungen, Gänge und Treppenhäuser halten sie sauber und keimfrei. Für Momchil war schnell klar, dass auch er etwas tun muss. Untätig zuzusehen, kam für ihn nicht in Frage. „Als die Pandemie ausbrach, musste ich einfach etwas tun. Ich konnte nicht nur zuhause herumsitzen.“ Die viele freie Zeit, die er auf einmal hatte, wollte er sinnvoll nutzen. Wer im Krankenhaus arbeitet, ist stärker gefährdet, sich anzustecken, doch Momchil ließ sich davon nicht aufhalten. Für ihn ist klar: In dieser beängstigenden Lage müssen wir Schulter an Schulter zusammenstehen. Momchil ist überzeugt: „Jede einzelne Person kann etwas bewegen, unabhängig von Beruf, Alter oder Weltanschauung. Das gilt für uns alle – auch für Sie!“

„Wir müssen alle mithelfen.“

Mark Schafzüchter, der frische Lebensmittel ausliefert Malta, San Pawl il-Baħar

Mark züchtet Schafe und stellt traditionelle maltesische Lebensmittel her. Auch er will zur Bekämpfung der Pandemie beitragen. Deswegen kann sein Hof im Moment nicht besucht werden. Seine Produktion hat er allerdings nicht eingestellt, denn Lebensmittel sind in dieser schwierigen Zeit besonders wichtig. Der Lieferdienst für seine frischen Erzeugnisse läuft jetzt auf Hochtouren. Damit versorgt er vor allem Angehörige von Risikogruppen, die zuhause bleiben müssen und denen die Vorräte ausgehen könnten. Alle, die Lebensmittel brauchen, können sich über die sozialen Medien an Mark wenden. Er findet dann einen Weg, ihnen frische Waren zukommen zu lassen. Unterstützt wird er dabei von seinem Sohn, und es freut ihn besonders, dass auch andere landwirtschaftliche Betriebe auf Malta und Gozo Solidarität leben und ähnliche Initiativen ins Leben gerufen haben. Landwirte in ganz Europa setzen sich dafür ein, uns mit Lebensmitteln zu versorgen – auch wenn das nicht immer einfach ist. Die Europäische Union unterstützt sie auch in Zukunft – in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten. Sie tut, was nötig ist, um für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen in Europa zu sorgen.

„Gegen Desinformation muss man mit einfachen Mitteln vorgehen – und es muss Spaß machen.“

Sarah Unterstützerin freier und unabhängiger Medien Italien, Rom

Die Coronakrise wird sich in das Gedächtnis Europas einbrennen: Miteinander zu kommunizieren, ist auf einmal schwierig – und zuverlässige Informationen zu finden, sogar noch schwieriger. Deshalb beschloss Sarah, eine kostenlose Podcast-Reihe mit dem Titel „Coffee al Fly“ zu starten, als die Pandemie begann. Ihre Themenpalette ist sehr breit – vom täglichen Abstandhalten über Finanzwissen bis hin zur Frage nach der Souveränität Europas. Jede Woche bespricht sie die aktuellen Nachrichten im Kollegen- und Freundeskreis. Dabei versucht sie herauszufinden, wie die Dinge wirklich stehen. So leistet sie Aufklärungsarbeit: Wer gerade in der Coronakrise mehr über die Entscheidungen der Regierenden in Europa erfahren möchte, ist bei ihr an der richtigen Adresse. Um die Informationspolitik kümmert sich auch das Europäische Parlament. Es fordert eine europäische Informationszentrale, damit alle in Europa geprüfte, verlässliche Informationen in ihrer Sprache bekommen können. Außerdem sollen die wichtigsten sozialen Medien gezielt gegen Desinformation und Hetze im Internet vorgehen. Mit ihrem Podcast bringt Sarah ihr Publikum auf den Boden der Tatsachen zurück und korrigiert falsche Vorstellungen. So will sie in diesen außergewöhnlichen Zeiten dem Frieden und der Solidarität dienen.

„Um diese beispiellose Herausforderung zu meistern, reichen innovative Ideen nicht aus – wir müssen zusammenarbeiten und solidarisch sein.“

Tomás Forscher, der einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt Spanien, Santiago de Compostela

Tomás Pose, Natalia Barreiro, Rebeca Menaya und José Manuel Martínez Costas vom Forschungszentrum CiQUS der Universität von Santiago de Compostela arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Sie programmieren Zellen unterschiedlicher Art um, damit sie Mikropartikel erzeugen, die Virusproteine absorbieren. Bei der Entwicklung von Impfstoffen geht es darum, eine Immunreaktion des Körpers auszulösen, die das Virus aufhält. Tomás geht davon aus, dass die Entwicklung eines Impfstoffs mehr als ein Jahr dauert. Es seien nämlich bis zu drei klinische Prüfungen nötig, um sicherzugehen, dass der Impfstoff für die Anwendung beim Menschen geeignet ist. Das in seinem Labor entwickelte innovative System ist jedoch sehr vielversprechend. Unterstützt wird das Team mit 150 000 Euro vom Gesundheitsinstitut Carlos III, das dem Ministerium für Wissenschaft untersteht. Sie sollen dafür sorgen, dass die entscheidende nächste Phase des Projekts eingeleitet werden kann.