„Es ist wichtiger denn je, unsere Jugend zu fördern“

Lukas Projektleiter, der in Tirol ein Ausbildungsprojekt für Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren betreut Österreich, Innsbruck

Wegen der Coronavirus-Pandemie brauchen mehr Menschen in Österreich Hilfe bei der Jobsuche. Arbeitslosigkeit gab es natürlich vorher schon, aber seit Ausbruch der Krise haben viele weitere Menschen ihren Job verloren. „Dass der Arbeitsmarkt unter Druck geraten ist, macht die Jobsuche noch schwieriger“, sagt Lukas, der das Projekt VERA (Vorbeikommen – Erleben – Arbeiten) leitet. VERA wird – wie viele andere Ausbildungsprojekte – unter anderem mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren können zwischen drei verschiedenen Trainingsbereichen wählen: Upcycling & Instandhaltung, Mode & Dekoration und Medien. Das Programm wurde auch während der Ausgangssperre fortgeführt. „Das Coronavirus macht vor Grenzen nicht Halt. Zusammenarbeit, Gemeinschaftsgefühl und Kreativität sollten das aber auch nicht tun“, meint Lukas. Mit dem Langzeithaushalt der EU sollte man besonders auf junge Menschen eingehen, findet auch Sabine Verheyen, die Vorsitzende des Kulturausschusses des Europäischen Parlaments. Darum fordert sie ausreichend Geld für Bildungs- und Kulturprogramme.

„Wir lassen uns nicht davon abhalten, jungen Menschen zu helfen – auch aus der Ferne“

Katharina Jugendcoachin, die im Rahmen des Projekts „We need you“ Jugendliche berät, die weder arbeiten noch eine Schule besuchen oder eine Ausbildung absolvieren Österreich, Linz

2019 galten in Österreich etwa 65 200 junge Menschen als sogenannte NEETs. Das heißt, dass sie weder arbeiteten noch eine Schule besuchten oder eine Ausbildung absolvierten. Für Katharina, die solche 15- bis 24-Jährigen coacht, war die Coronakrise das Schlimmste, was passieren konnte. „Während der Ausgangssperre ist der Kontakt zu einigen unserer Schützlinge abgebrochen. Dabei spielen die Mentorinnen und Mentoren für ihre Integration in die Gesellschaft so eine wichtige Rolle“, erklärt sie. Katharina und ihre Kolleginnen und Kollegen beim von der EU kofinanzierten Projekt „We need you“ gaben aber nicht auf. Sie machten weiter, damit diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen Zukunftsperspektiven haben. „Wir wollten ihr Selbstvertrauen weiter stärken und ihnen zeigen, dass es trotz der Krise neue Chancen gibt. Sie brauchen uns jetzt mehr denn je“, meint Katharina. Das kostenlose Beratungsprogramm von „We need you“ kann man in ganz Oberösterreich nutzen. Das Projekt gehört zu NEBA, dem „Netzwerk Berufliche Assistenz“ des österreichischen Sozialministeriums. Fördergelder erhält es unter anderem aus dem Europäischen Sozialfonds.

„Wir wollen Verantwortung übernehmen und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun“

Gabriele Leiterin von Gabarage, einem Sozialunternehmen, das sich ganz dem Upcycling verschrieben hat Österreich, Wien

Bei Gabarage dreht sich alles um Upcycling. Das Sozialunternehmen verwandelt Lehnstühle und Feuerwehrschläuche in Schaukeln, Rolltreppen in Sofas und alte Planen in Rucksäcke und Taschen. „Bei uns arbeiten Menschen, die anderswo nur schwer einen Arbeitsplatz finden. Wir bilden sie aus und helfen ihnen dabei, neue Fähigkeiten zu erlernen – das ist Teil unseres berufsorientierten Ansatzes“, erklärt Gabriele, Gründerin und Leiterin des Sozialunternehmens. Als die Coronakrise ausbrach, erkannte sie, dass die Menschen in ganz Europa ihre Freizeit nutzten, um neue Hobbys auszuprobieren. „Handwerk und Upcycling kommen wieder in Mode – ich hoffe, das bleibt so“, freut sich Gabriele. Über den Europäischen Sozialfonds unterstützt die Europäische Union viele umweltfreundliche Start-ups. Auch das Europäische Parlament setzt sich für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ein und nahm im Juni 2020 neue Regeln für umweltfreundliche Investitionen an. Mehr dazu erfahren Sie hier: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/economy/20200604STO80509/forderung-eines-nachhaltigen-finanzwesens-eu-definiert-grune-investitionenen-finanzwesens-eu-definiert-grune-investitionen.

„Solnatide ist der erste zugelassene Wirkstoff gegen coronabedingte Lungenprobleme.“

Bernhard Forscher, der dank der Forschungsförderung der EU neue Behandlungsformen entwickeln kann Österreich, Wien

In den meisten Fällen verursacht das Coronavirus nur leichte Atembeschwerden. Allerdings müssen ca. 15 % der Erkrankten ins Krankenhaus, und etwa 5 % erleiden schwere Lungenschäden, die zu akutem Lungenversagen führen können. Hier kann Solnatide helfen: Im April wurde es in Österreich und Italien als erster Wirkstoff zur Behandlung dieser Komplikation zugelassen. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Uniklinik für klinische Pharmakologie der MedUni Wien mit unserem experimentellen Wirkstoff Solnatide beliefern können. Solnatide ist das einzige Therapeutikum, dessen Wirkung schon in zwei klinischen Studien an Menschen mit schweren Lungenproblemen erprobt wurde“, erklärt Bernhard, der Geschäftsführer des Biotechnologie-Unternehmens Apeptico. Sein Unternehmen koordiniert ein von der EU finanziertes Projekt zur Erforschung des Coronavirus und zur Entwicklung neuer Arzneimittel. Insgesamt steckt die Europäische Union mehr als 48,5 Mio. EUR in 18 entsprechende Forschungsprojekte.

„Mode ist unsere Leidenschaft – mit begrenzten Ressourcen, aber all unserer Kraft fertigen wir Schutzausrüstung für die, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen.“

Team der HTL Dornbirn Schule, an der jetzt Schutzmasken für Schutzbedürftige genäht werden Österreich, Dornbirn

Die traditionsreiche HTL Dornbirn bietet das ideale Lernumfeld für alle, die sich für Mode und Produktionsverfahren interessieren. Jetzt ist sie aber auch für ihre Hilfsbereitschaft bekannt: Die Jugendlichen helfen ihren Landsleuten, die am stärksten vom Coronavirus bedroht sind. Vorarlberger Textilunternehmen hatten die Idee – und nun werden nun in den Ateliers der Höheren Technischen Lehranstalt Masken genäht. „Masken zu nähen, hat uns bisher viel Spaß gemacht. Es ist schön, selbst etwas gegen die Ausbreitung des Virus zu tun“, sagt ein Teammitglied. Diese Geschichte macht Mut und zeigt, das uns die Kreativwirtschaft verbindet – auch wenn Abstandhalten angesagt ist.

„Falschmeldungen sind ein Angriff auf die Demokratie. Als Zivilgesellschaft müssen wir uns dagegen wehren.“

Andre Faktenprüfer, der mit Legenden über das Coronavirus aufräumt Österreich, Wien

Andre kämpft tagtäglich gegen Falschmeldungen. Die Coronakrise ist für ihn ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig seine Arbeit ist. „Medienkompetenz ist während einer Pandemie besonders wichtig – damit man keine Falschinformationen verbreitet und damit vielleicht sogar Leben aufs Spiel setzt“, erklärt er. Auf seiner Website „Mimikama“ geht es im Moment vor allem um das Coronavirus. Ziel ist, Falschmeldungen aufzudecken – zum Beispiel Artikel über angebliche Wundermittel und Verschwörungstheorien. Mimikama gibt es auf Deutsch und Niederländisch. Die Seite bietet Informationen über irreführende Meldungen, die gerade im Umlauf sind. Auch die Nutzer sind gefragt: Sie können auf Falschmeldungen hinweisen, die sie in sozialen Medien entdeckt haben. Falschinformationen über die Viruserkrankung Covid-19 können Ihre Gesundheit gefährden. Suchen Sie sich zuverlässige Quellen heraus und verbreiten Sie keine Falschinformationen. Hier finden Sie Tipps zur Erkennung von Falschmeldungen: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/priorities/eu-antwort-auf-das-coronavirus/20200326STO75917/mythen-uber-covid-19-woran-erkennt-man-falschinformationen.

„Kinder sollen weiter lernen können – auch wenn die Schulen geschlossen sind“

Bernhard ermöglicht Kindern, auch während der Coronavirus-Pandemie Neues zu lernen Österreich, Wien

Die Kinder dazu zu bringen, ihren Schulalltag beizubehalten und weiter zu lernen, ist für Eltern im Moment gar nicht so leicht. Busuu (ein weltweit tätiges Unternehmen, das Bildungstechnologie entwickelt) hat daher das Projekt #KeepKidsLearning ins Leben gerufen. Kinder aus ganz Europa können bei kostenlosen Online-Sprachkursen mitmachen, die von ausgebildeten Sprachlehrkräften angeboten werden. Bisher hat Busuu mehr als 120 Lernvideos auf Englisch, Spanisch und Chinesisch zur Verfügung gestellt, und es gab schon über 3 100 Unterrichtsstunden. Viele Digitalunternehmen – etwa Netflix, Youtube und Facebook – zeigen sich solidarisch und fahren auf Wunsch der EU die Streaming-Qualität in Europa herunter. So sorgen sie dafür, dass das Internet nicht zusammenbricht, wenn viele Menschen in ihren eigenen vier Wänden bleiben müssen. Den Stundenplan von Busuu, der wöchentlich aktualisiert wird, finden Sie auf der Website des Projekts #KeepKidsLearning.