„Im europäischen Netzwerk können wir Ärztinnen und Ärzte bei der Behandlung von Coronakranken einfacher beraten.“

Alexis Facharzt, der medizinische Fachleute aus ganz Europa zusammenbringt, um sich darüber zu beraten, wie man Coronakranke am besten behandelt Frankreich, Lyon

Vor dem Ausbruch der Pandemie leitete Prof. Alexis Arzimanoglou @ERN.EpiCARE, eine der 24 Fachärztegruppen in der EU, die online zusammenkommen, um sich darüber zu beraten, wie Patientinnen und Patienten mit seltenen oder komplexen Krankheiten am besten behandelt werden können. Bei EpiCARE beispielsweise geht es um seltene und komplexe Formen von Epilepsie. Prof. Arzimanoglou und sein Team nutzen ihr gebündeltes Fachwissen, um Ärztinnen und Ärzte in ganz Europa darüber aufzuklären, wie Mittel gegen Krampfanfälle bei Epileptikern eingesetzt werden, die wegen einer Infektion mit dem Coronavirus auch mit antiviralen Mitteln behandelt werden müssen. Dass im Rahmen von EpiCARE bereits erfolgreich zusammengearbeitet wird, hat es deutlich einfacher gemacht, Webinare zu organisieren. Dadurch wurde es möglich, dass Teams aus Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich, in denen das Virus zuerst auftrat, ihre Erfahrungen mit Ärztinnen und Ärzten in ganz Europa und weltweit teilen konnten. Auf der Grundlage des Netzwerks hat die EU auch das „System zur Unterstützung des klinischen Managements von COVID-19“ eingerichtet. Dabei handelt es sich um einen Helpdesk, der alle Angehörigen der Gesundheitsberufe und Krankenhäuser in ganz Europa, die an der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie beteiligt sind, schnell miteinander vernetzt.

„Wir gaben täglich Mahlzeiten an Obdachlose aus – so konnten wir unserem öffentlichen Auftrag nachkommen.“

Sandrina Mitarbeiterin eines Pariser Kulturzentrums, die half, es zu einem Versorgungspunkt für Obdachlose umzugestalten Frankreich, Paris

Das „Carreau du Temple“ gibt es zwar erst seit sechs Jahren – es ist aber schon jetzt nicht mehr aus dem Pariser Kulturleben wegzudenken. Jedes Jahr zieht es 300 000 Besucher an. Sie machen hier Sport, genießen Shows oder sehen sich Kunstausstellungen an. Was aber dort geschah, als die Pandemie begonnen hatte, war noch beeindruckender. Binnen einer Woche war das „Carreau du Temple“ so umgestaltet, dass täglich 1 000 Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben werden konnten. „Es brach uns das Herz, mehr als 50 Kultur- und Sportveranstaltungen absagen zu müssen, aber noch schlimmer war es, zu sehen, wie die Obdachlosen unter der Ausgangssperre litten. Sie waren hungrig, und die Orte, wo sie sonst zu essen bekamen, waren geschlossen“, erinnert sich Sandrina. Das 1 800 m² große Gebäude war für den Hilfsverein „Aurore“ der ideale Standort für die sichere und reibungslose Verteilung von Lebensmitteln. Für Sandrina eine perfekte Lösung – denn so konnte das Zentrum weiter im Dienst der Öffentlichkeit stehen.

„Wir Virologinnen und Virologen müssen unseren Teil zur weltweiten Corona-Forschung beitragen.“

Caroline Virologin, die mit Unterstützung der EU jetzt am Coronavirus und an neuen Behandlungsformen forscht Frankreich, Montpellier

Für viele in der europäischen Virusforschung war die Coronavirus-Pandemie ein Wendepunkt. Wie Caroline unterbrachen einige sogar ihre laufenden Forschungsprojekte, um sich ganz auf SARS-CoV-2 zu konzentrieren – das Virus, das für COVID-19 verantwortlich ist. „In meinem EU-finanzierten Projekt ANTIViR untersuche ich, wie sich der menschliche Körper gegen Influenza-A-Viren und HIV-1-Viren wehrt. Am IRIM in Montpellier sahen wir es als unsere Pflicht an, das neuartige Coronavirus zu erforschen“, erklärt Caroline. „In meinem anderen Projekt FluAttack geht es um die Virusgrippebehandlung. Im Moment testen wir verschiedene Arzneimittel, Moleküle und natürliche Wirkstoffe, um ein Mittel gegen COVID-19 zu finden.“ Dass Caroline und ihr Team ihren Forschungsschwerpunkt verlagern konnten, verdanken sie der EU. Ihre Finanzspritzen ermöglichen es Forscherinnen und Forschern, schnell voranzukommen. Das macht unser aller Zukunft sicherer.

„Die Krise hat ältere Menschen noch einsamer und verunsicherter gemacht. Ich musste einfach helfen.“

David Ehrenamtlicher Helfer, der jede Woche mit älteren Mitmenschen telefoniert, damit sie nicht vereinsamen Frankreich, Paris

Für ältere Menschen ist die Ausgangssperre besonders schwer zu ertragen. Viele gehören einer Risikogruppe an und leben alleine. Um genau diese Menschen geht es beim Verein Paris en Compagnie („Paris leistet sich Gesellschaft“). Der Pariser Stadtrat unterstützt ihn ebenso wie hunderte Ehrenamtliche, die für ältere Menschen in ihrer Nachbarschaft da sind. Einmal pro Woche rufen sie ihre Schützlinge an – damit sie nicht vereinsamen und jemanden haben, der ihnen zuhört. David Reviriego ist wie alle anderen mit Herzblut bei der Sache, um ihnen eine Freude zu machen: „Die Geschichten der älteren Leute, die sich wegen der Coronakrise noch einsamer und unsicherer fühlen, berühren mich sehr. Die Ausgangssperre hat es für sie noch schwieriger gemacht. Ich musste also einfach bei Paris en Compagnie mitmachen. Das Gute an der Krise ist, dass es mehr Aufmerksamkeit für das Schicksal älterer Menschen gibt – und dass klargeworden ist, dass wir etwas tun müssen.“

„Über unsere Karte findet man Erzeuger in der Nähe – und kann sie gleich kontaktieren.“

Celine und Ludovic helfen Erzeugern in ihrer Region, die pandemiebedingte Ausgangssperre zu überstehen Frankreich, Beaumontel

Örtliche Erzeuger sind in Frankreich kaum ein Thema – aber unter der Ausgangssperre litten sie besonders stark, denn Bauernmärkte, Restaurants und Schulkantinen mussten schließen. In der Normandie fragte man sich: Wie bringt man die Menschen in dieser schwierigen Zeit dazu, vor Ort zu kaufen? Mit dem „RolloN“ gibt es in der Normandie eine digitale Lokalwährung. Der dafür zuständige Verband hat nun eine Karte der Region erstellt, die seit dem 8. April online ist. Sie trägt den Titel „Au Rendez-Vous des Normands“ (Treffpunkt Normandie) und enthält die Kontaktdaten von mehr als 1 200 örtlichen Erzeugern. So lassen sich die verschiedensten frischen Produkte finden – von Obst und Gemüse über Fisch und Meeresfrüchte bis hin zu Fleisch und Milchprodukten. Die Karte wurde inzwischen schon mehr als 3000 Mal aufgerufen.

„Ich bin weder Heldin noch Soldatin. Nur eine Pflegerin, die Menschen in psychiatrischer Betreuung hilft.“

Brigitte Pflegerin, die in der Geriatrieabteilung einer psychiatrischen Klinik arbeitet Frankreich, Lyon

Brigitte arbeitet als Pflegerin in der psychiatrischen Klinik Le Vinatier in Bron im französischen Department Rhône. Die Klinik wurde stark umstrukturiert, um Coronakranke betreuen zu können. Viele Patientinnen und Patienten wurden heimgeschickt, um Platz für Coronakranke über 65 zu schaffen, die im Krankenhaus versorgt werden mussten. In der Klinik gelten strengste Vorschriften, doch viele von Brigittes Schützlingen leiden an Demenz und können Informationen schlecht behalten. Das sorgt für zusätzliche Probleme. Für Brigitte sind bei der Betreuung dieser Kranken zwischenmenschliche Beziehungen besonders wichtig – Schutzmaßnahmen wie Gesichtsmasken behindern jedoch die Kommunikation. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen legen sich deshalb besonders ins Zeug, um alle möglichst gut zu versorgen. Weil Besuche schon vor der Kontaktsperre nur eingeschränkt möglich waren, sorgte das Pflegepersonal mit Telefon- und Videokonferenzen dafür, dass die Kranken Kontakt zu ihren Angehörigen haben.

„Pflegerinnen und Pfleger: Ihr seid nicht allein! Unsere Fachleute in den Bereichen Allgemeinmedizin, Psychologie und Psychiatrie sind rund um die Uhr für euch da.“

Eric Berater, der über die Hotline SPS medizinischen Fachkräften, die an vorderster Front gegen die Pandemie kämpfen, aus der Ferne psychologische Betreuung bietet Frankreich, Paris

Die Zahlen zur Pandemie stimmen zwar mittlerweile zuversichtlicher – doch wer in der Pflege und in anderen Bereichen des Gesundheitswesens arbeitet, hat immer häufiger mit Burnout-Symptomen zu kämpfen. Angst- und Stresszustände sind in der Sozialarbeit und in der Gesundheitsversorgung leider nichts Ungewöhnliches mehr. Deswegen bietet der Verein SPS (Soins aux Professionnels en Santé – Hilfe für medizinische Fachkräfte) seit November 2016 kostenlos psychologische Beratung und Betreuung an. Bei seiner anonymen und vertraulichen Hotline gingen seit dem 23. März 2020 mehr als 2 500 Anrufe aus ganz Frankreich ein – fast ein Drittel davon aus der Hauptstadtregion Île-de-France. Beraten werden ausnahmslos alle, die anrufen, und zwar rund um die Uhr – Pflegekräfte, Krankenhauspersonal und Ärztinnen und Ärzte, die unter Angst, Erschöpfung oder Arbeitsproblemen leiden. Nach tage- und nächtelangem Einsatz für die Kranken brauchen nun Pflegekräfte unsere Unterstützung: Wir müssen ihnen bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie beistehen.

„Die Cognac-Hersteller halten zusammen und treten für ihre Werte ein.“

Patrick Fachmann, der für die Abstimmung unter Cognac-Herstellern sorgt, um Krankenhäusern, Notfalldiensten, Apotheken und Labors zu helfen Frankreich, Cognac

Cognac, eines der berühmtesten alkoholischen Getränke Europas, ist auf der ganzen Welt für seine Qualität bekannt. Die Erzeuger dieses Wassers des Lebens – auf Französisch „Eau de vie“ – ziehen in der Krise an einem Strang: Sie wollen gemeinsam helfen, in der Region Cognac Menschenleben zu retten. Deshalb beliefern sie Labors und Apotheken mit Alkohol und anderen wichtigen Bestandteilen von Desinfektionsmitteln. Doch nicht nur das: Sie spenden auch Krankenhäusern, Labors und Notfalldiensten Geld und Schutzmasken. Mit ihrem Mitgefühl und ihrer Hilfe für Bedürftige füllen sie gemeinsame Werte der Europäischen Union mit Leben.

„Alleine ist man vielleicht schneller, aber gemeinsam kommen wir weiter“

Jérémy, Jean-Christophe und Virgile Unternehmer, die mit einem Gutscheinsystem krisengebeutelten Unternehmen helfen Frankreich, Straßburg

Jérémy, Jean-Christophe und Virgile sind Jungunternehmer aus Straßburg. In der Krise haben sie die Plattform „Sauve Ton PRO“ (sauvetonpro.fr) eingerichtet, um Unternehmen zu helfen, die wegen der Pandemie schließen mussten. Über die kostenlose, nicht gewinnorientierte Website kann man nun Gutscheine der teilnehmenden Unternehmen kaufen, die nach dem Ende der Ausgangssperre dort verwendet werden können. So bleiben die Kassen nicht leer, und die wirtschaftlichen Folgen der Krise werden abgefedert. Die Unterstützung von Unternehmen und Arbeitnehmern ist auch dem Europäischen Parlament wichtig. Deswegen hat es dafür gestimmt, 37 Milliarden Euro Finanzhilfe bereitzustellen. Damit wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen, arbeitet die EU außerdem an einem krisenfesten neuen Haushalt für Europa.

„Auch um das Pflegepersonal muss sich jemand kümmern“

Marie Projektinitiatorin, die stark beanspruchten Pflegekräften Gaumenfreuden serviert Frankreich, Paris

Marie leitet die Marketingabteilung eines Unternehmens, bei dem sich alles um Spitzenköche dreht. In der Krise möchte sie diejenigen unterstützen, die an vorderster Front gegen die Pandemie kämpfen. Deswegen hat sie das Projekt „Les chefs avec les soignants“ („Köche helfen Pflegern“) auf die Beine gestellt. Marie will, dass möglichst viele Restaurants mitmachen, die ihren Betrieb – als Lieferservice – aufrechterhalten. Sie sollen nun für medizinische Fachkräfte kochen, deren Arbeitsalltag derzeit besonders anstrengend ist. Nach einem kräftezehrenden Tag im Krankenhaus kann ein entspannter Abend unter Kollegen mit gutem Essen viel ausmachen. Bei dem Projekt machen auch zahlreiche Unternehmen mit, die frische Zutaten liefern. Unterstützung erhält es darüber hinaus von den Behörden vor Ort und von Medien, die darüber berichten. In ganz Europa helfen Staaten, Regionen und Städte einander, die Krise zu bewältigen, und die EU-Mitgliedstaaten werden aus dem Solidaritätsfonds der Europäischen Union mit bis zu 800 Millionen Euro bei der Eindämmung des Coronavirus unterstützt.

„Nur mit Solidarität schaffen wir es aus dieser Krise“

David Labortechniker, der den Arbeitsablauf in der Notaufnahme koordiniert Frankreich, Paris

David ist ausgebildeter Labortechniker, aber im Moment mausert er sich zum regelrechten Gesundheitsmanager. Er absolviert gerade eine Fortbildung in einem Krankenhaus und hilft dort bei der Abstimmung des Arbeitsablaufs in der Notaufnahme mit. In Krankenhäusern spielen Mitarbeiter ohne medizinische Fachausbildung in der Krise eine zentrale Rolle. Wenn sich das medizinische Personal nicht um die Lagerung, die Organisation oder die Einweisung von Patienten kümmern muss, können sie sich ganz auf das Wohl ihrer Patienten konzentrieren. David steht für viele in Europa: Er zeigt uns, was gelebte Solidarität ist. Damit wir diese Krise meistern, müssen Menschen und Institutionen zusammenstehen.