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Presse - Fotografen
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„Europa ist die Aufgabe der jungen Generation“ - Verleihung des Europäischen Bürgerpreises

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Das Europäische Parlament (EP) hat am Donnerstag, den 10. Juni, dem Europäischen Jugendparlament in Deutschland e.V. (EJP) für seine 91. Internationale Sitzung in Hamburg den Europäische Bürgerpreis 2020 verliehen. Der Europaabgeordnete David McAllister nannte die 91. Sitzung des Jugendparlaments in seiner Laudatio „ein Paradebeispiel für interkulturellen Austausch, für ehrenamtliches Engagement und für den gestalterischen Willen, Europa weiterzuentwickeln.“

EJP e.V.
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Kira Lange und Valerija Mihailova vom Europäischen Jugendparlament in Deutschland e.V. (EJP) waren am Donnerstag, den 10. Juni 2021, nach Berlin ins Europäische Haus gereist. Dort nahmen die beiden jungen Frauen den Europäischen Bürgerpreis des Europäischen Parlaments stellvertretend für den Verein entgegen. Das EJP war als Gewinner des Bürgerpreises 2020 in Deutschland hervorgegangen. Infolge der Pandemiebeschränkungen hatte das EP die Veranstaltung zur Preisverleihung in Berlin auf dieses Jahr verschieben müssen. Durch die (hybride) Veranstaltung führte Lisa Ribier vom Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin.

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Die Auszeichnung haben sich die engagierten Jugendlichen für ihre 91. Internationale Sitzung in Hamburg verdient. Die Sitzung fand im Herbst 2019 in der Hansestadt statt und war eine Parlamentssimulation, bei der über 300 Jugendliche aus 35 Ländern selber erfahren durften, wie die Abgeordneten im EP arbeiten. Ferner konnten sie ihre eigenen Ideen im Austausch mit anderen jungen Menschen vertreten. Das Motto der Sitzung lautete „remember, reflect, react“ (Auf Deutsch: „erinnern, nachdenken, reagieren“).

Die Jugendlichen hatten sich in der 91. Internationalen Sitzung mit der europäischen Erinnerungskultur beschäftigt. „Wir wollten Europapolitik debattieren, Meinungen vertreten und Freundschaften schließen", so Tim Kniekamp, der Vorsitzende des Europäischen Jugendparlaments in Deutschland e.V. Er war zur Preisverleihung am Donnerstag live zugeschaltet und erläuterte gleich zu Beginn die Ziele des Jugendparlaments: „Unser Verein ist darauf spezialisiert, europäische Bildungsarbeit zu leisten. Wir setzten uns dafür ein, den Austausch interkultureller junger Menschen in Europa zu fördern und sie zu befähigen, sich ihre eigene politische Meinung zu bilden."

Eine Medaille, einen Blumenstrauß und Publicity für das EJP

© EJP e.V.
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Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments a.D., überreichte die Bürgerpreis-Medaille und einen Frühlingsstrauß an die beiden jungen Vertreterinnen des Europäischen Jugendparlaments e.V. Der Europaabgeordnete David McAllister hielt die Laudatio.

„Remember, reflect, react“ zeige, dass sich junge Menschen aktiv mit der Vergangenheit des jeweiligen Landes und unseres Kontinents auseinandersetzten, so McAllister in seiner Laudatio. Er, McAllister, habe bereits als junger Politiker von Herrn Dr. Pöttering gelernt, dass aus der europäischen Geschichte Verantwortung wachse. „Nach all den schrecklichen Auseinandersetzungen, nach den Kriegen und dem Leid, insbesondere der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, stehen wir in der Pflicht, Frieden, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Menschenwürde auf unserem Kontinent zu bewahren, zu schützen und aktiv zu verteidigen. Europa kann nur verstanden werden, wenn man seine Geschichte kennt und diese europäische Identität muss die Basis sein für die politische Arbeit in Straßburg und Brüssel und ebenso in Warschau, Berlin, Paris und all den weiteren europäischen Hauptstädten“, betonte McAllister.

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Doch man könne die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht lösen, wenn man allein in die Vergangenheit schaue, deshalb hätten „reflect“ und „react“ ebenfalls einen besonders hohen Stellenwert. Es gehe darum, dass die nächste Generation, die junge Generation, „die globalen Entwicklungen nüchtern analysiert und daraus dann die richtigen Schlüsse zieht".

Um solche Schlüsse ziehen zu können, muss sich die junge Generation nicht nur eine eigene Meinung bilden, sondern auch aktiv am politischen und gesellschaftlichen Leben beteiligen können. Hierzu trägt das Europäische Jugendparlament mit ihren Sitzungen bei.

„Das EJP bietet seit über 30 Jahren eine Plattform für junge Menschen"

In seiner Laudatio lobte David McAllister das Engagement des Europäischen Jugendparlaments: „Mit dem Europäischen Bürgerpreis zeichnet das Europäische Parlament außergewöhnliche Leistungen von Einzelpersonen und Projekten aus. Es geht darum, das gegenseitige Verständnis und die Integration in Europa zu fördern. Das Europäische Jugendparlament bietet seit mehr als 30 Jahren eine Plattform für junge Menschen, um diese Ziele zu verfolgen.“

Die 91. Sitzung des Jugendparlaments nannte der Europaabgeordnete „ein Paradebeispiel für interkulturellen Austausch, für ehrenamtliches Engagement und für den gestalterischen Willen, Europa weiterzuentwickeln.“

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Die Zukunft Europas

Im Rahmen des Programms der Preisverleihung am Donnerstag führte der Journalist der Deutschen Welle, Frank Hofmann, ein Interview mit Dr. Hans-Gert Pöttering und der stellvertretenden Vorsitzenden des Europäischen Jugendparlaments in Deutschland Valerija Mihailova über die Herausforderungen der Corona-Pandemie und die Zukunft Europas.

Dr. Hans-Gert Pöttering betonte, dass Europa aus der Pandemie gelernt habe: „Für mich war es eine große Enttäuschung, dass am Beginn der Pandemie, die Idee da war, die Grenzen zwischen den Mitgliedsstaaten wieder dicht zu machen. Aber man hat sehr schnell gelernt, dass geschlossene Grenzen das Problem nicht lösen. Wir haben erkannt, dass wir solche Krisen nur gemeinsam lösen können und insofern ist jede Herausforderung auch eine Chance, um dazuzulernen.

Das Jugendparlament habe laut Valerija Mihailova gut auf die Pandemie reagiert und ebenfalls viel dazugelernt: „Auch wir mussten in der Pandemie einstecken und leider zwei Veranstaltungen absagen, als der „Lockdown“ letztes Jahr im März ausgerufen wurde. Aber das Netzwerk hat gut reagiert. Im Mai 2020 konnten wir direkt die erste digitale Veranstaltung mit internationalen Teilnehmern durchführen. Wir sind dahingehend professioneller geworden und haben viel gelernt.“

 

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Auf die Frage nach der Zukunft der Europäischen Union hob Dr. Hans-Gert Pöttering die Verantwortung der jungen Menschen hervor: „Es wäre ja furchtbar, wenn sich nur noch alte Leute, wie ich, mit Europa beschäftigen würden. Europa ist die Aufgabe der jungen Generation. Und ich möchte das Europäische Jugendparlament auch dazu aufrufen, den Politikerinnen und Politikern ein bisschen Dampf zu machen, damit es weitergeht!"

In diesem Zusammenhang äußerte Valerija Mihailova den Wunsch, die Jugend mehr einzubeziehen: „Ich wünsche mir, dass jungen Menschen nicht nur die Möglichkeit gegeben wird, ihre Meinung zu äußern und gehört zu werden, sondern auch an Diskussionen und Entscheidungen beteiligt zu werden und dass uns die ältere Generation dabei unterstützt."

 

Über den Europäischen Bürgerpreis

Mit dem Europäischen Bürgerpreis soll seit 2008 außergewöhnliches Engagement von Einzelpersonen oder Projekten geehrt werden, die das gegenseitige Verständnis und die Integration innerhalb Europas fördern. Ausgezeichnet werden Projekte, die sich für Europäische Zusammenarbeit, Solidarität und Toleranz innerhalb der Europäischen Union und darüber hinaus engagieren. Europaweit geht der Preis 2020 an 30 Gewinner aus 25 Ländern. Der Preisträger wurde zunächst von Europaabgeordneten, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft sowie Vertreter*innen einer nationalen Jugendorganisation nominiert und danach von einer Jury des Europäischen Parlaments ausgewählt.

 
Weitere Infos zum Europäischen Bürgerpreis-Gewinner in Deutschland