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Presse - Fotografen
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Rückblick: Berichterstatter im Dialog mit MdEP Jens Geier

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „EP-Berichterstatter*in im Dialog“ des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments in Deutschland und des Netzwerkes Europäische Bewegung Deutschland (EBD) stellte der Europaabgeordnete Jens Geier die wichtigsten Eckpunkte seines Berichtes zur Wasserstoffstrategie der Europäischen Union vor. „Wenn Europa einen effizienten Wasserstoffmarkt entwickeln will, muss die Infrastruktur aufgebaut werden," so MdEP Jens Geier.

Jens Geier
Jens Geier

„Wenn Europa einen effizienten Wasserstoffmarkt entwickeln will, muss die Infrastruktur aufgebaut werden. Die EU muss wirtschaftliche Anreize schaffen, damit Industrie-Unternehmen, vornehmlich in der Glas-, Zement- und Stahlindustrie, auf den flexiblen Energieträger umsteigen. Die Europäische Union sollte außerdem internationale Partnerschaften im Bereich Wasserstoff entwickeln, um ihren Markt für Wasserstoff aufzubauen und ausreichend Wasserstoff gewinnen zu können “, ist die Auffassung des Europaabgeordneten Jens Geier (S&D). Er ist Mitglied im EP-Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie und EP Berichterstatter zur europäischen Wasserstoffstrategie.

Am Freitag, den 23. April 2021, stellte er seinen Bericht zur EU-Wasserstoffstrategie in unserer Reihe „Berichterstatter*in im Dialog vor. Das ist eine gemeinsame Veranstaltung  unseres Verbindungsbüros und des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland. Der Sozialdemokrat präsentierte die wesentlichen Inhalte und diskutierte anschließend mit den Teilnehmer*innen. 79 Interessenvertreter*innen aus ganz Deutschland hatten sich bei dem Online-Event zugeschaltet.  Bernd Hüttemann, Generalsekretär der Europäischen Bewegung Deutschland, führte als Moderator durch die Veranstaltung.

„Wasserstoff ist ein echter Tausendsassa“

Zunächst ging Geier auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff ein: „Wasserstoff ist ein echter Tausendsassa“, so der Berichterstatter. „Insbesondere wird Wasserstoff jedoch überall da zum Einsatz kommen, wo eine Elektrifizierung nicht möglich ist, beispielsweise im Flug-, Schienen- und Schiffsverkehr. Außerdem hat Wasserstoff im großindustriellen Einsatz als direkter Rohstoff großes Potential, gerade auch für die Dekabonisierung der Industrie, die immer noch für einen großen Teil des CO²-Ausstoßes verantwortlich ist.“ Generell herrsche im Ausschuss Einigkeit darüber, dass Wasserstoff essenziell für die Dekabonisierung sei. „Wenn das politische Ziel Dekarbonisierung ist, führt auch kein Weg an Wasserstoff vorbei“, sagte Jens Geier.

Auf die Produktion von Wasserstoff ging der Europaabgeordnete ebenfalls ein. So seien sich fast alle Parteien im Ausschuss einig, dass die Produktion von Wasserstoff aus nachhaltigen Stromquellen der richtige Weg sei. „Das ist im Bericht auch klar als Ziel formuliert“, betonte Geier. In punkto Umsetzung der Strategie herrsche dagegen keine Einigkeit. Einige Abgeordnete seien dafür, Wasserstoff nur bei einem Überschuss von Strom zu produzieren. „Das würde die Produktion von Wasserstoff im großen Stil jedoch um zehn bis 15 Jahre zurückwerfen!“, gab der Berichterstatter zu bedenken. „Daher ist die Mehrheit der Meinung, dass der blaue Wasserstoff als Brückentechnologie eine gute kurzfristige Lösung ist.“ Der sogenannte blaue Wasserstoff wird zwar aus Kohlenwasserstoffen (vor allem Erdgas) gewonnen, das dabei entstehende CO2 wird jedoch abgefangen und unterirdisch eingelagert. Blauer Wasserstoff ist also CO2-neutral, da bei seiner Herstellung zwar CO2 entsteht, aber nicht in die Atmosphäre entweicht. Wirklich nachhaltig ist langfristig jedoch nur grüner Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne, sogenannten grünen Energien, gewonnen wird. Hier entstehen bei der Herstellung keine schädlichen Treibhausgase.

Fokus auf Nachhaltigkeit

Daneben schnitt MdEP Jens Geier auch die benötigte Infrastruktur für Wasserstoff an: „Das größte Potential sehen wir im Moment in der industriellen Anwendung, daher ist zunächst geplant, Infrastruktur in der Industrie zu schaffen.“ Die Mehrheit des Ausschusses sei sich dabei jedoch einig, dass eine Förderung von Infrastruktur nur stattfinden kann, wenn diese Infrastruktur nachhaltig ist.

Des Weiteren hob er die Notwendigkeit von internationaler Zusammenarbeit hervor: „Wenn wir eine europäische Wasserstroffstrategie wollen, werden wir auch eine Europäische Wasserstoffversorgung quer durch Europa brauchen.“

Mit Blick auf den Aspekt Forschung und Entwicklung gebe es noch viele offene Fragen, die von Schlüsselentscheidungen der Industrie aber auch der Forschungsförderung in naher Zukunft abhängig sei, so Geier. Er stellte heraus, dass die EU in diesem Bereich bereits viel Förderung betreibe, beispielsweise über das Forschungsförderungsprogramm Horizont 2020. „Dennoch ist Forschung und Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig“, betonte der Europaabgeordnete.

Die Europäische Kommission hat im Juli 2020 im Rahmen der Umsetzung des Green Deal die EU-Wasserstoffstrategie vorgestellt. Die Strategie zielt darauf ab, die Wasserstofferzeugung zu dekarbonisieren. Wasserstoff kann dort zur Vermeidung von CO2-Emissionen Beitragen, wo der Einsatz von Strom ineffizient ist.

Wann genau das Europäische Parlament über den Bericht von MdEP Jens Geier abstimmen wird, ist noch unklar.

Informationen zu MdEP Jens Geier
Berichtsentwurf über eine europäische Wasserstoffstrategie
REPORT on a European Strategy for Hydrogen
 

„EP-Berichterstatter(in) im Dialog“ ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments in Deutschland und des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland.

 
Webseite der EBD