Das Archiv ist die offizielle Dokumentationsstelle des Europäischen Parlaments. Es verwaltet und bewahrt die offiziellen öffentlichen Dokumente des Parlaments und andere archivarische Bestände auf, die bis auf das Jahr 1952 zurückgehen. Darüber hinaus unterstützt es Wissenschaftler, die sich mit der Geschichte des Parlaments und der europäischen Integration beschäftigen, veröffentlicht Studien und Artikel zu diesen Themen und arbeitet eng mit dem Historischen Archiv der Europäischen Union am Europäischen Hochschulinstitut und dem Haus der europäischen Geschichte zusammen.

Louise Weiss: eine überzeugte Europäerin

@AFP

Louise Weiss (1893-1983) war ihr Leben lang konsequent dem Fortschritt verpflichtet. Sie erlebte viele der großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts mit und war eine der prägenden Gestalten des Europas, das wir heute kennen. 

Als Wegbereiterin der europäischen Einigung setzte sie sich unermüdlich für Frieden, Gleichheit und Einigkeit in ganz Europa ein. In ihrem Leben, das sich über einen Großteil des 20. Jahrhunderts erstreckte, arbeitete sie als Journalistin, traf einige der größten Politiker und Denker ihrer Zeit, stritt für die Frauenrechte, reiste als Dokumentarfilmerin durch die Welt, war eine angesehene Rednerin, Schriftstellerin und Tagebuchschreiberin und zog schließlich an ihrem Lebensende in das Europäische Parlament ein. 

Im Jahr 1999 wurde das Straßburger Gebäude, in dem sich der Plenarsaal des Europäischen Parlaments befindet, nach ihr benannt.


Der Sacharow-Preis, das Europäische Parlamentund die Menschenrechte weltweit

© Europäische Union

Das hier zusammengestellte schriftliche und audiovisuelle Archivmaterial des Europäischen Parlaments gibt einen Überblick über die Geschichte des 1988 geschaffenen Sacharow-Preises. Es zeigt, wie sehr sich die Mitglieder des Europäischen Parlaments schon vor der ersten Direktwahl im Jahr 1979 für Menschenrechte und Demokratie in der Welt starkgemacht haben.

Das Europäische Parlament verleiht den Sacharow-Preis für geistige Freiheit seit 1988 jedes Jahr. Mit ihm werden Einzelpersonen und Bürgerorganisationen ausgezeichnet, die sich weltweit für Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Er ist die höchste Auszeichnung, die die Europäische Union für Menschenrechtsengagement vergibt. Der Preis ist benannt nach dem ehemaligen sowjetischen Physiker und Dissidenten Andrei Sacharow, der 1975 den Friedensnobelpreis erhielt.

Gewürdigt werden mit dem Sacharow-Preis besondere Leistungen geistiger oder künstlerischer Art bzw. herausragendes Engagement oder Handeln in folgenden Bereichen: 
  • Verteidigung der Menschenrechte und Grundfreiheiten (insbesondere des Rechts auf Meinungsfreiheit),
  • Schutz der Rechte von Minderheiten,
  • Achtung des Völkerrechts,
  • Entwicklung der Demokratie und Durchsetzung des Rechtsstaates.
Die bisherigen Sacharow-Preisträger kommen aus Europa, Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika. Zu ihnen zählen Regimekritiker, Spitzenpolitiker, Journalisten, Juristen, zivilgesellschaftliche Aktivisten, Schriftsteller, Mütter und Ehefrauen, führende Vertreter von Minderheiten, Streiter gegen Terrorismus und Folter, Friedensaktivisten, ein Comic-Autor, langjährig inhaftierte politische Gefangene, ein Filmregisseur, die gesamte Organisation der Vereinten Nationen, ein Arzt und sogar ein Mädchen, das sich für das Recht auf Bildung einsetzt.

20 Jahre Charta der Grundrechte der Europäischen Union

Chartader Grundrechte der Europäischen Union, 2000 © Europäische Union

Vor 20 Jahren - am 7. Dezember 2000 - wurde die Charta der Grundrechte der Europäischen Union auf der Tagung des Europäischen Rates von Nizza feierlich unterzeichnet. Das Europäische Parlament hatte ein solches Dokument schon seit langem gefordert. Den Abgeordneten war wichtig, dass jeder Bürger die ihm in der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten zustehenden Grundrechte und Grundfreiheiten einsehen kann. Außerdem sollten die Bürgerinnen und Bürger auf Rechtsbehelfe zurückgreifen können, falls gegen ihre Rechte verstoßen wird.

Die Charta sollte als Bezugspunkt dienen, und ihre Ausarbeitung erfolgte auf einzigartige Weise - im Rahmen eines Konvents, bei dem das Europäische Parlament eine entscheidende Rolle einnehmen konnte. In einem einzigen Text sind in der Charta sämtliche bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte der Unionsbürgerinnen und  bürger und aller Menschen, die in der Europäischen Union leben, zusammengefasst. Die Rechte beruhen auf den Grundsätzen der Menschenwürde, der Grundfreiheiten, der Gleichheit aller Menschen, der Solidarität, der Bürgerrechte und der justiziellen Rechte.

Ziel der Charta ist jedoch auch, die Völker Europas in einer immer engeren Union zu verbinden und so auf der Grundlage gemeinsamer Werte eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Im 2009 unterzeichneten Vertrag von Lissabon wird auf die Charta der Grundrechte verwiesen, die somit selbst in den Rang eines Vertrags erhoben wurde. Sie ist also den Verträgen beigefügt und wird nun von den Gerichten der Europäischen Union angewandt.

Eine neue Website um das Jean-Monnet-Haus zu entdecken

Die neue Website des Jean-Monnet-Hauses ist online! 

Sie finden hier zahlreiche Hintergrundinformationen über das Leben und die Tätigkeit Jean Monnets, des Architekten des vereinten Europas, sowie Informationen über die Aktivitäten, die an diesem Ort stattfinden: An der Wiege des europäischen Aufbauwerks, die seit den 1980er-Jahren Eigentum des Europäischen Parlaments ist.

Seien es Online - Ausstellungen aktuelle Informationen oder Unterrichtsmaterial für Schulklassen: Auchwährend des Lockdowns unterstützt das Jean-Monnet-Haus die Bürgerinnen undBürger dabei, Europa und seine Geschichte für sich zu entdecken.

Ein besuch im Jean-Monnet-Haus bedeutet, in den Ort einzutauchen, an dem die Idee eines vereinten Europas begonnen hat, Wirklichkeit zu werden. Hier wurde die Erklärung vom 9. Mai 1950, das Gründungsdokument des europäischen Aufbauwerks, verfasst, die vom damaligen französischen Außenminister Robert Schuman veröffentlicht wurde. Jean Monnet war seit jeher von dem Vorhaben inspiriert, die Völker Europas in einer Föderation zu vereinen, und er war überzeugt, dass der Zusammenschluss der Menschen der einzige Weg ist, um dauerhaften Frieden zu schaffen. Er wandte eine pragmatische Methode an, die darin bestand, auf die Leute zuzugehen, mit einfachen Ideen zu überzeugen und das gemeinsame Interesse zu betonen. 

Entdecken Sie in Monnets Haus in Houjarray das Erbe, das dieser allen Unionsbürgern und  bürgerinnen hinterlassen hat, und spüren Sie der Geschichte des vereinten Europas nach, von den Anfängen bis in die Gegenwart!

30 Jahre: Das Europäische Parlament, der Mauerfall und die Wiedervereinigung

Menschen feiern die deutsche Wiedervereinigung vor dem Reichstag, 1990 @Europäische Union

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 öffnet sich völlig unverhofft die Berliner Mauer - ein Ausdruck der bröckelnden SED-Herrschaft in der DDR. Der Kalte Krieg ist fast vorbei; ein gewaltiges Kapitel in der Geschichte Europas schließt sich allmählich. Einen Monat später wird das Brandenburger Tor offiziell wieder geöffnet: Nun herrscht endgültig wieder Reisefreiheit zwischen den beiden Teilen Deutschlands. Am 3. Oktober 1990 ist Deutschland wiedervereinigt. Das wirkt sich auch massiv auf den Verlauf der europäischen Einigung aus. Die politischen Entwicklungen vollziehen sich in jenen Tagen in schwindelerregendem Tempo - doch das Europäische Parlament ist der Aufgabe gewachsen und gestaltet mit: Mehrere Monate lang bietet es den europäischen Staats-und Regierungschefs, die die Wiedervereinigung Deutschlands vorbereiten, eine Plattform. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments sind sich bewusst, was diese historischen Monate politisch, wirtschaftlich und institutionell für die Europäische Gemeinschaft bedeuten - und sie sprechen sich für die Wiedervereinigung Deutschlands aus. In diesem Zusammenhang beziehen sie mehrmals Position für die Demokratisierung und die Achtung der Menschenrechte in Mittel- und Osteuropa.

Ein Blick auf die historischen Aufzeichnungen des Parlaments zu Dokumenten, Fotos, Videos und mehr

Es handelt sich um den Internationalen Tag des Archivs am 9. Juni, also um eine bessere Gelegenheit, um sich mit den reichhaltigen historischen Sammlungen des Europäischen Parlaments auseinanderzusetzen?
Der Archivbetrieb des Europäischen Parlaments umfasst die Aufbewahrung von Dokumenten, die vom Archivreferat des Kabinetts des Generalsekretärs, der umfangreichen Sammlung von Fotos, Videoaufnahmen und Audiomaterial der Multimedia-Bibliothek des Europäischen Parlaments, die vom Referat Audiovisuelle Medien der GD COMM betrieben wird, verwaltet werden.

Natürlich leisten Referate und Teams im gesamten Parlament Material.

Alle konservierten Artikel sind Spuren der Tätigkeiten des Parlaments, „Erinnerungen" an seine legislativen und administrativen Tätigkeiten seit 1952. wenn sie zusammengetragen und von Forschern, Historikern und Medienplanern in einen Kontext gestellt werden, tragen sie dazu bei, die Identität und Kultur des EP zu festigen.

Vorgänger des Parlaments

Zu den Archiven gehören äußerst wichtige Dokumente aus der Geschichte des Parlaments oder eher aus seiner Vorgeschichte... Am 10. September 1952 fand die erste Tagung der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl statt, die von Antonio Boggiano Pico als „Präsident d'âge" (ältestes Mitglied der Gemeinsamen Versammlung) eröffnet wurde. seine Rede spiegelte den „langen Weg" wider, der seit der Erklärung von Robert Schuman zwei Jahre zurückgelegt wurde.

Die Gemeinsame Versammlung wurde die Europäische Parlamentarische Versammlung (die 1962 das Europäische Parlament werden soll). In seiner konstituierenden Sitzung am 19. März 1958 schloss der Präsident von Granzotto Basso seine Eröffnungsrede mit dem Wunsch ab, „die politische Einigung Europas, für das Wohlergehen unserer Kinder und der kommenden Generationen" zu sehen.

Ein Blick auf die Zeit

Das Robert-Schuman-Gebäude des Parlaments in Luxemburg, wo zwischen 1973 und 1979 wenige Plenartagungen stattfanden (C) Europäische Union 1977 - EP


Das zwischen 1970 und 1973 errichtete Schuman-Gebäude hatte einen 120-Sitz-Plenarsaal. Das Gebäude zeigt die architektonischen Tendenzen der Zeit, einschließlich der Grundentlastung aus Zink, während das Foto auch die umliegenden, langjährigen Grasfelder des Kirchberg zeigt.

Die Aussagekraft

Simone Veil als Präsidentin des EP © Communautés européennes 1979

Zu den Archiven des Parlaments gehören natürlich auch „bewegliche Teile", wie diese historische Videoaufzeichnung einer beweglichen Ansprache von Simone Veil anlässlich ihrer Wahl zum Präsidenten des ersten Europäischen Parlaments, das am 17. Juli 1979 in allgemeinen Direktwahlen gewählt wird.

Ihre Rede enthielt Worte, die auch heute noch auffällig sind: „Das Europäische Parlament, das nun in allgemeiner Wahl gewählt wird, trägt nun eine besondere Verantwortung. Um die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen Europa steht, müssen wir es in drei Richtungen lenken: Das Europa der Solidarität, das Europa der Unabhängigkeit, das Europa der Zusammenarbeit."

Der 70. Jahrestag der Schuman-Erklärung. 9. Mai 1950

Robert Schuman gab seine Erklärung am 9. Mai 1950 in der Salon de l‚Horloge im französischen Außenministerium am Quai d‘Orsay in Paris ab © Europäische Union, 2020

In diesem Jahr, dem 9. Mai, feiern wir den 70. Jahrestag der Schuman-Erklärung.

Während die Europäische Union heute vor großen Herausforderungen steht, schien es dem Europäischen Parlament wichtig, diese revolutionäre Initiative zu überdenken, die am 9. Mai 1950 als Ausgangspunkt für den Aufbau einer Gemeinschaftseuropa diente.

Wir dürfen nicht alle Anstrengungen vergessen, die - mitten im Kalten Krieg - notwendig waren, um die ersten Meilensteine eines Integrationsprozesses zu setzen, der die Geschichte unseres Kontinents so sehr geprägt hat.

Round table: “40 years since the first European elections: the making of a new institution”

© European Union 2019 - Source : EP

Available only in English

The Historical Archives of the European Parliament from the European Parliamentary Research Service (DG EPRS) together with the Former Member's Association (FMA) and the European University Institute (EUI) organised on 03 April 2019 a round table on the development of the European Parliament as a new institution following the first direct election by universal suffrage in 1979.

The round table brought together in a first panel researchers who have written substantial studies of different aspects of the European Parliament's role and development during the first two legislatures as directly elected Parliament: Professors Birte Wassenberg, Wolfram Kaiser, and Laurent Warlouzet.

A second panel, included actors in the making of the new institution: former European Parliament Presidents Hans-Gert Pöttering, Enrique Barón Crespo, Pat Cox, and Klaus Hänsch, and former Vice President Charlotte Cederschiöld. Each of these former Members of the European Parliament made statements in support of the European Parliament ahead of the elections.

Damals im Europäischen Parlament

Dezember 2021

http://www.epgencms.europarl.europa.eu/cmsdata/upload/bc734919-143a-4691-9d13-6b88858f906f/PrixNobel1977.pdf

© Europäische Gemeinschaften 1984

Am 18. Oktober 2001 zeichnet die Konferenz der Präsidenten des Europäischen Parlaments die Friedensaktivisten Izzat Ghazzawi (Palästina) und Nurit Peled-Elhanan (Israel) sowie Dom Zacarias Kamwenho, den Präsidenten des Ökumenischen Friedenskomitees in Angola, mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit aus. Die feierliche Preisverleihung findet am 12. Dezember 2001 in Anwesenheit der drei Preisträger und ihrer Familien im Straßburger Plenarsaal statt.