Förderung eines nachhaltigen Finanzwesens: EU definiert grüne Investitionen  

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Um den Übergang zu umweltfreundlichen Investitionen zu fördern, führt die EU eine Klassifikation "grüner", nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten ein.

Auf der Juni-Plenartagung haben die Abgeordneten Regeln verabschiedet, die festlegen, welche Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig bezeichnet werden können. Das EU-weit einheitliche, gemeinsame Klassifikationssystem soll Unternehmen und Anlegern Klarheit verschaffen und privates Kapital für den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft mobilisieren.


Die Verhandlungsführer des Parlaments und des Rates hatten im Dezember 2019 eine vorläufige Einigung über die neuen Vorschriften erzielt. Die Ausschüsse für Wirtschaft und Umwelt unterstützten die Einigung über neue Kriterien für die Definition von nachhaltigen wirtschaftlichen Aktivitäten am 28. Mai 2020.

Die EU führt ein Klassifikationssystem für nachhaltige Investitionen (Taxonomie) ein ©Georgii Timakov/AdobeStock  

Warum ist eine gemeinsame Definition notwendig?


Nachhaltige Entwicklung erfordert die Erhaltung natürlicher Ressourcen und die Achtung von Menschen- und Sozialrechten. Klimaschutzmaßnahmen spielen dabei eine wichtige Rolle, da es immer dringlicher wird, die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen und auszugleichen.


Die EU hat sich dazu verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen schrittweise zu senken. Die Leitinitiative der EU für den Klimaschutz, der Europäische Grüne Deal, legt das Ziel fest, die Emissionen bis 2050 auf netto null zu bringen.


Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, muss die EU in neue Technologien investieren. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission benötigt Europa in den kommenden zehn Jahren zusätzliche Investitionen in Höhe von rund 260 Milliarden Euro pro Jahr.


Da öffentliche Investitionen nicht ausreichen werden, müssen private Investoren zur Finanzierung klimafreundlicher Projekte beitragen. In der Folge sind klare Kriterien dafür notwendig, was genau nachhaltig und "grün" ist. Gleichzeitig soll der Vermarktung "umweltfreundlicher" Anlageprodukte, die grundlegenden Umweltstandards nicht entsprechen, auch als "Greenwashing" bekannt, entgegengewirkt werden.


Einige EU-Länder hatten bereits mit der Entwicklung von Klassifikationssystemen begonnen. Sowohl Unternehmen, die Finanzmittel benötigen, als auch Investoren, die an der Unterstützung nachhaltiger Projekte interessiert sind, sollen nun von gemeinsamen EU-Standards profitieren.

Welche wirtschaftlichen Tätigkeiten gelten als "nachhaltig"?


In der sogenannten EU-Taxonomie-Verordnung werden sechs Umweltziele festgelegt. Eine Wirtschaftstätigkeit kann laut Verordnung als ökologisch nachhaltig bezeichnet werden, wenn sie einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung eines festgelegten Umweltziels beiträgt, ohne andere Ziele erheblich zu beeinträchtigen.


Der Grundsatz der Schadensvermeidung ("Do No Harm"-Prinzip), der von der Europäischen Kommission noch näher definiert werden wird, stellt sicher, dass eine Wirtschaftstätigkeit, die mehr Umweltschäden verursacht als Vorteile bringt, nicht als nachhaltig gelten kann. Die Einhaltung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten ist eine weitere Bedingung, dass Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig eingestuft werden können.

Die "grüne Liste" soll den Übergang zu einer klimaneutralen und umweltfreundlichen Wirtschaft erleichtern ©Romaset/AdobeStock  

Die sechs Umweltziele lauten:


(a) Klimaschutz (Vermeidung / Verringerung von Treibhausgasemissionen oder Stärkung der Speicherung von Treibhausgasen)

(b) Anpassung an den Klimawandel (Verringerung oder Vermeidung negativer Auswirkungen auf das gegenwärtige oder erwartete künftige Klima; oder Verringerung des Risikos nachteiliger Auswirkungen)

(c) Nachhaltige Nutzung und Schutz der Wasser- und Meeresressourcen

(d) Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft (mit Schwerpunkt auf Wiederverwendung und Recycling von Ressourcen)

(e) Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung

(f) Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme


Finanzmarktteilnehmer, die Finanzprodukte verkaufen, und große Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten müssen offenlegen, wie und in welchem Umfang ihre Tätigkeiten zur Erreichung der Umweltziele beitragen. Wenn sie nicht den Anspruch erheben, "nachhaltig" zu sein, sollte dies klar festgehalten werden.

Nächste Schritte


Die Europäische Kommission wird für jedes Ziel technische Bewertungskriterien entwickeln.


Die Kriterien für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sollten bis Ende 2020 vorliegen. Die Frist für die übrigen Ziele läuft Ende 2021 ab. Die Regeln kommen für jedes Umweltziel ein Jahr nach Festlegung der technischen Kriterien zur Anwendung.