Nachhaltige Forstwirtschaft: Abgeordnete kämpfen gegen Abholzung 

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Dem Schutz und der nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Wälder kommt im Kampf gegen den Klimawandel besondere Bedeutung zu. Mehr zu den Vorschlägen des Europäischen Parlaments.

Das Parlament hat zwei Berichte verabschiedet, in denen die Europäische Kommission aufgefordert wird, mehr zu tun, um die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder in Europa zu fördern und Wälder im Rest der Welt besser zu schützen, indem Erzeugnisse, die zu Abholzung beitragen, aus den Lieferketten der EU verbannt werden. Die Kommission wird voraussichtlich Anfang 2021 eine Europäische Forststrategie vorlegen.


In beiden Berichten wird hervorgehoben, dass die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und die Verringerung der Entwaldung für die Verwirklichung der Ziele des europäischen Grünen Deals, der Strategie "Vom Hof auf den Tisch" und der Biodiversitätsstrategie erforderlich sind.

Warum sind Wälder wichtig?


Wälder haben erheblichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Wert. Sie bedecken etwa 30 Prozent der EU-Landfläche und 80 Prozent der terrestrischen Artenvielfalt sind in Wäldern zu finden. Gesunde Wälder sind auch für die Bekämpfung des globalen Klimawandels von entscheidender Bedeutung, da sie Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen. Die europäischen Wälder absorbieren jährlich 8,9 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der EU. Als Kohlenstoffsenken spielen sie eine wichtige Rolle bei der Verwirklichung des EU-Klimaneutralitätsziels. Aus diesem Grund ist es wichtig, unsere Wälder besser zu schützen und vor Abholzung zu bewahren.

Warum werden Wälder abgeholzt?


Die Zerstörung der Wälder schreitet rasant voran. In der Folge werden Treibhausgase freigesetzt und die Artenvielfalt geht verloren. Schätzungen zufolge sind seit den 1960er Jahren mehr als die Hälfte der tropischen Wälder weltweit zerstört worden.


Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Entwaldung und der internationalen Nachfrage nach waldgefährdenden Rohstoffen, deren Gewinnung oder Produktion weltweit zu Abholzung und Zerstörung beiträgt. Die EU ist ein bedeutender Importeur dieser Rohstoffe und kann daher durch ihre handelspolitischen Maßnahmen zur Erhaltung der Wälder in der Welt beitragen.


Illegaler Holzeinschlag verschärft das Problem weiter. Trotz EU-Initiativen wie dem Aktionsplan "Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor (FLEGT)" ist illegale Abholzung nach wie vor eine der Hauptursachen für das Waldsterben in der Europäischen Union und im Rest der Welt.


Der Klimawandel und der Verlust an biologischer Vielfalt führen außerdem zu heftigeren Dürren, Überschwemmungen und Bränden, die wiederum zum Verschwinden von Wäldern und damit zur Verschärfung des Klimawandels beitragen. Das Ausmaß der Waldbrände im Amazonasgebiet im Jahr 2019 hat gezeigt, dass eine internationale Reaktion erforderlich ist, um gegen die Abholzung vorzugehen.

Wie können Wälder gerettet werden?


Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Forstwirtschaft können durch nachhaltige Waldbewirtschaftung ausgeglichen werden. Es geht darum, auf die Gesundheit der Wälder zu achten und ihre Anpassungsfähigkeit an die sich verändernden Klimabedingungen zu erhöhen. Wälder stellen einen zukunftsträchtigen grünen Wirtschaftssektor dar, der das Potenzial hat, weltweit zwischen 10 und 16 Millionen nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen.


Der Einsatz von Satellitenfrühwarnsystemen kann dabei helfen, die Risiken von Dürren und Waldbränden zu minimieren und Wälder zu schützen.

Wie kann die EU eine nachhaltige Forstwirtschaft fördern und Wälder schützen?


Über 60 Prozent der produktiven Wälder sind nach Standards für eine nachhaltige Bewirtschaftung zertifiziert. Die Forstwirtschaft beschäftigt in der EU 500.000 Menschen direkt. Indirekt hängen rund 2,6 Millionen Arbeitsplätze von ihr ab. In Deutschland sind 33.000 Menschen im Sektor direkt beschäftigt, in Österreich 13.000.


Da eine nachhaltige Forstwirtschaft zur Bekämpfung des Klimawandels und der Förderung eines wichtigen Wirtschaftssektors beitragen kann, fordert das Parlament mehr Mittel im Rahmen der Gemeinsamen Landwirtschaftspolitik (GAP).


Die Abgeordneten rufen dazu auf, die Klimadienstleistungen von Wäldern und der forstbasierten Wertschöpfungskette zu fördern, insbesondere die verstärkte Kohlenstoffbindung und -speicherung in Holzerzeugnissen. Das Parlament fordert auch, die Finanzierung der Forschung auf dem Gebiet der Substitution fossiler Brennstoffe und Materialien aufzustocken. Wälder und der gesamte forstbasierte Sektor tragen in erheblichem Maße zur Entwicklung einer lokalen kreislauforientierten Bioökonomie in der EU bei, die wichtige Leistungen zur Eindämmung und zur Anpassung an den Klimawandel erbringt.


Außerdem will das Parlament wirksamere Maßnahmen gegen illegalen Holzeinschlag setzen und striktere Kontrollen einführen, um nicht nachhaltig produziertes Holz und Produkte, die zum Waldsterben beitragen, an den EU-Grenzen abzufangen. Des Weiteren sollen die Auswirkungen von Handelsabkommen auf Wälder, Biodiversität und Menschenrechte systematisch evaluiert werden.


Eine weitere Forderung des Parlaments ist, die EU-Satellitensysteme Copernicus und Galileo zur Überwachung von Entwaldung und Waldbränden in Drittländern einzusetzen. Die Europaabgeordneten fordern auch, die Mittel für Forschung und Innovation aufzustocken, um Wälder klimaresistenter zu machen.


Das Parlament tritt für die Festlegung verbindlicher Ziele zum Schutz und zur Wiederherstellung von Waldökosystemen, insbesondere von Urwäldern, ein.