Sacharow-Preis 2021: die Nominierten 

 
 

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Die Verleihung des Sacharow-Preises im vergangenen Jahr  

Die Nominierungen für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2021 des Europäischen Parlaments sind bekannt gegeben worden.

Mit dem Sacharow-Preis ehrt das Europäische Parlament jedes Jahr herausragende Persönlichkeiten und Organisationen, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Im Jahr 2020 ging der Preis an die belarussische Opposition, deren Einsatz für die Demokratie in diesem Land damit gewürdigt wurde.


Nominierungen können von Fraktionen und Gruppen von mindestens 40 Abgeordneten des Europäischen Parlaments eingereicht werden. Die diesjährigen Nominierungen wurden im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, des Entwicklungsausschusses sowie des Unterausschusses für Menschenrechte am 27. September 2021 in Brüssel vorgestellt. Die Nominierten für den Sacharow-Preis 2021 sind:


Alexei Nawalny, der von der EVP und Renew Europe für seinen Mut im Kampf für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte nominiert wurde, ist ein russischer Oppositionspolitiker, Anti-Korruptions-Aktivist und wichtiger politischer Gegner von Präsident Putin. Über seinen LiveJournal-Blog, YouTube und Twitter erreicht Nawalny Millionen von Anhängern. Internationale Bekanntheit erlangte er zudem, indem er Demonstrationen organisierte, für ein Amt kandidierte und sich für Reformen gegen die Korruption in Russland sowie gegen Präsident Wladimir Putin und seine Regierung einsetzte. Im August 2020 wurde er während einer Reise nach Sibirien vergiftet. Er erholte sich monatelang in Berlin, kehrte aber im Januar 2021 nach Moskau zurück, wo er verhaftet wurde. Im Februar wurde er zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Derzeit ist er in einer Hochsicherheitskolonie inhaftiert und trat im April in einen 23-tägigen Hungerstreik, um gegen die mangelnde medizinische Versorgung zu protestieren. Im Juni 2021 verbot ein russisches Gericht Nawalnys regionale Büros und seine Anti-Korruptions-Stiftung.


Die Frauen Afghanistans, nominiert von S&D und den Grünen/EFA für ihren mutigen Kampf für Gleichberechtigung und Menschenrechte. Unter dem früheren Taliban-Regime wurden Frauen zwangsverheiratet, hatten eine hohe Müttersterblichkeit, einen niedrigen Alphabetisierungsgrad, wurden zu Jungfräulichkeitstests gezwungen und durften nicht ohne einen Mann reisen. Nach der Rückkehr der Taliban an die Macht sind Frauen wieder von der Regierung und vom Bildungswesen ausgeschlossen und ihre Rechte und Freiheiten sind bedroht. Die in der Nominierung aufgeführten Frauen sind:

  • Shaharzad Akbar – Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission (AIHRC)
  • Mary Akrami – Leiterin des Afghan Women‘s Network
  • Zarifa Ghafari – Bürgermeisterin von Maidan Shar seit 2018
  • Palwasha Hassan – Aktivistin und Leiterin des AWEC (Afghan Women Educational Centre)
  • Freshta Karim – Gründerin einer mobilen Bibliothek und Verfechterin von Bildung und Lernen
  • Sahraa Karimi – erste weibliche Präsidentin der staatlichen afghanischen Filmgesellschaft
  • Metra Mehran – Befürworterin der Stärkung der Rolle der Frau und der Bildung sowie Mitbegründerin der Bewegung „Feminine Perspectives“
  • Horia Mosadiq – Menschen- und Frauenrechtsaktivistin
  • Sima Samar – Menschenrechtsverteidigerin, ehemalige Ministerin für Frauenangelegenheiten und ehemalige Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission
  • Habiba Sarabi – Mitglied des Verhandlungsteams der Islamischen Republik Afghanistan
  • Anisa Shaheed – politische Journalistin


Jeanine Áñez,
nominiert von EKR. Sie wurde im November 2019 nach einem mutmaßlichen Wahlbetrug durch Amtsinhaber Evo Morales Interimspräsidentin. Im November 2020 kam es nach freien und fairen Wahlen zu einer friedlichen Machtübergabe. Am 13. März 2021 wurde sie jedoch unter dem Vorwurf von „Terrorismus, Volksverhetzung und Verschwörung“ verhaftet. Sie wird beschuldigt, einen Staatsstreich gegen Morales geplant zu haben, und ist seitdem inhaftiert.


Sultana Khaya, nominiert von GUE/NGL, ist eine saharauische Aktivistin und Menschenrechtsverteidigerin in der Westsahara, die sich für das Selbstbestimmungsrecht des saharauischen Volkes einsetzt. Sie ist Vorsitzende der Organisation Liga für die Verteidigung der Menschenrechte und gegen die Plünderung der natürlichen Ressourcen in Boujdour/Westsahara und Mitglied der saharauischen Organisation gegen die marokkanische Besatzung (ISACOM). Seit dem 19. November 2020 steht sie de facto unter Hausarrest ohne Haftbefehl. Seit 2005 ist sie Opfer von körperlichen Angriffen, Todesdrohungen, Folter und sexuellen Übergriffen geworden. Im letzten Jahr haben die marokkanischen Behörden ihre Repressionen gegen saharauische Aktivisten und Journalisten verschärft. Diese werden misshandelt, willkürlich verhaftet und schikaniert, um sie zum Schweigen zu bringen oder für ihre gewaltlosen Aktionen gegen die Besetzung der Westsahara zu bestrafen. Am 1. Juli 2021 hat die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für den Schutz von Menschenrechtsverteidigern, Mary Lawlor, die Repressalien gegen Sultana Khaya scharf verurteilt.


Global Witness, nominiert von Marie Toussaint und weiteren 42 Mitgliedern des Europäischen Parlaments, ist eine im Vereinigten Königreich ansässige Nichtregierungsorganisation, die seit über 25 Jahren Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen in der Öl-, Gas-, Bergbau- und Holzindustrie untersucht und aufdeckt sowie Geld und Einfluss im globalen Finanz- und Politiksystem verfolgt. Heute konzentriert sie sich auch auf den Klimanotstand, Angriffe auf den öffentlichen Raum und bürgerliche Freiheiten sowie den Schutz von Umweltaktivisten in aller Welt. Seit 2011 befassen sich Global Witness und seine 22 Partner auf der gesamten Welt mit Machtmissbrauch und dem Schutz der Menschenrechte, indem sie jedes Jahr die Zahl der weltweit getöteten Menschenrechtsverteidiger überprüfen und veröffentlichen.


Hintergrund


Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit wird seit 1988 jährlich an Einzelpersonen und Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Er wurde zu Ehren des sowjetischen Physikers und politischen Dissidenten Andrei Sacharow benannt und ist mit 50.000 Euro dotiert.

Zeitleiste 
  • 14. Oktober: Die Ausschüsse AFET und DEVE entscheiden in einer gemeinsamen Sitzung über die drei Finalisten. 
  • 21. Oktober: Der Präsident des Europäischen Parlaments und die Fraktionsvorsitzenden entscheiden über den Gewinner. 
  • 15. Dezember: Feierliche Verleihung des Sacharow-Preises in Straßburg