Covid-19: Was unternimmt die EU für unsere Gesundheit? (Interview) 

 
 

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Der Vorsitzende des Umwelt- und Gesundheitsausschusses, Pascal Canfin, erklärt, wie die EU die Corona-Krise meistert.

Pascal Canfin im Interview über die EU-Gesundheitspolitik und Covid-19  

Die Corona-Fallzahlen steigen in Europa wieder an. Welche Lehren konnten aus der ersten Infektionswelle gezogen werden?


Die Corona-Krise ist eine beispiellose Herausforderung für unsere Gesellschaft. Wir wissen, dass wir einen Covid-19-Impfstoff benötigen, wir wissen aber auch, dass wir dafür Zeit benötigen.


Die erste Infektionswelle hat uns gelehrt, dass Koordination der Schlüssel zum Erfolg ist. Fehlende Koordination bei Maßnahmen, Grenzkontrollen und Methodik zählen zu den Hauptbereichen, in denen Verbesserungen notwendig sind. Deshalb begrüße ich den neuen Vorschlag der Europäischen Kommission zu grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren und der Erweiterung der Mandate des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

Das neue EU-Gesundheitsprogramm wird es uns ermöglichen, dafür zu sorgen, dass die erforderlichen medizinischen Produkte zur Verfügung stehen, und unsere Krankenhäuser und das Gesundheitspersonal, das seit Monaten an vorderster Front gegen die Pandemie kämpft, zu unterstützen.

Pascal Canfin (Renew Europe, Frankreich) 
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Aus einer breiteren Perspektive gesehen konnte die EU jedoch mit dem Corona-Aufbauplan erhebliche Fortschritte bei der europäischen Integration erzielen. Das neue EU-Gesundheitsprogramm wird es uns ermöglichen, dafür zu sorgen, dass die erforderlichen medizinischen Produkte zur Verfügung stehen und unsere Krankenhäuser und das Gesundheitspersonal, das seit Monaten an vorderster Front gegen die Pandemie kämpft, zu unterstützen. Außerdem müssen wir sicherstellen, dass Maßnahmen für die wirtschaftliche Erholung nicht auf Kosten von Klima- und Umweltschutz gehen.


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Ein wirksamer und sicherer Impfstoff ist die wahrscheinlichste Lösung, um die Pandemie zu beenden. Unternimmt die EU genug, um die Forschungsbemühungen zu unterstützen und den Zugang für alle Europäer zu Impfstoffen sicherzustellen?


Normalerweise werden 10 Jahre benötigt, um einen Impfstoff zu entwickeln. Es ist also eine riesige Herausforderung. Die Kommission führt Gespräche mit Impfstoffherstellern, um zu gewährleisten, dass sobald ein Impfstoff gefunden wird, dieser auch allen Europäern zur Verfügung steht.


Wir unterstützen die Kommission in ihrem Handeln. Als Vorsitzender des Umwelt- und Gesundheitsausschusses habe ich jedoch mehr Transparenz gefordert. Wir haben keine Informationen über die genauen Bestimmungen der Abnahmegarantien, die zwischen der Kommission und den Pharmaunternehmen abgeschlossen werden. Wenn wir Vertrauen schaffen wollen, dann benötigen wir Transparenz, insbesondere in Hinblick auf Kosten, Produktionsstätten, Patente, Haftungsfragen und Entschädigungen bei etwaigen durch einen Impfstoff verursachten Schäden. Wir müssen auch sicherstellen, dass EU-Gelder gewissenhaft eingesetzt und sorgfältig geprüft werden.


Zu Beginn der Pandemie wurde die EU für ihre mangelnde Zusammenarbeit kritisiert. Die Gesundheitspolitik ist aber vorrangig Sache der Mitgliedstaaten. Soll nun mehr auf EU-Ebene getan werden?


Die EU sollte mehr dafür tun, künftige Pandemien zu verhindern. Gesundheitsfragen müssen, wie viele andere Themen, auf der richtigen Ebene gehandhabt werden. Kein Mitgliedstaat ist in der Lage, allein zu handeln.


Ein Europa, das schützt – das heißt auch, zu verstehen, dass Gesundheit und Umwelt miteinander in Verbindung stehen. Viele Experten haben bereits vor Verbindungen zwischen dem Klimawandel und dem Auftreten von Pandemien gewarnt.


Mit dem Klimawandel und vor allem der Abholzung von Wäldern können ähnliche Pandemien öfter auftreten. Wir müssen auch weiterhin den Klimawandel bekämpfen und unsere Gesundheitssysteme stärken.


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