Welche Herausforderungen soll die neue EU-Industriestrategie bewältigen? 

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Die neue EU-Industriestrategie soll Unternehmen in der Covid-19-Krise unterstützen und den digitalen und grünen Wandel ermöglichen. Das fordern die EU-Abgeordneten.

Die europäischen Unternehmen wurden von der Corona-Krise hart getroffen. Viele Unternehmen mussten schließen oder ihre Arbeit deutlich reduzieren. Inmitten der restriktiven Maßnahmen werden gleichzeitig Lösungen für die Weiterführung ihrer Tätigkeit gesucht und neue Arbeitsmodelle getestet. Die Industrie muss sich von der Pandemie erholen, bevor der digitale und grüne Wandel in Angriff genommen werden kann.


Während der November-Plenartagung haben die EU-Abgeordneten eine Entschließung angenommen, in der sie die Europäische Kommission dazu aufrufen, ihren im März vorgelegten Vorschlag für eine neue Industriestrategie zu überarbeiten. Sie fordern eine Änderung des industriepolitischen Ansatzes der EU, um auf die Erfordernisse der Pandemie zu reagieren. Unternehmen sollen in der Krise unterstützt und der Übergang zu einer digitalen und grünen Zukunft ermöglicht werden.

So will das Parlament die europäische Industriepolitik gestalten


Die Industrie macht über 20 Prozent der gesamten EU-Wirtschaft aus und bietet etwa 35 Millionen Arbeitsplätze. Weitere Millionen von Jobs sind von ihr indirekt abhängig. Die europäische Industrie ist für 80 Prozent aller Warenexporte verantwortlich. Die EU ist weltweit sowohl wichtigste Quelle als auch Hauptziel ausländischer Direktinvestitionen.


Im Rahmen der neuen Industriestrategie sollte die EU europäische Unternehmen dabei unterstützen, zu den EU-Klimaneutralitätszielen beizutragen, so die Abgeordneten. Der Grüne Deal soll vor allem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beim Übergang zu einer digitalen und CO2-neutralen Wirtschaft Hilfe leisten und dazu beitragen, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu beeinträchtigen.


Nach Ansicht der Abgeordneten soll die europäische Industriestrategie zwei Phasen beinhalten: eine erste Phase, in deren Mittelpunkt die Erholung steht, und eine zweite Phase, die auf den Wiederaufbau und den Wandel abzielt.


Weiterlesen: EU-Maßnahmen für die wirtschaftliche Erholung

Nachhaltiges Wachstum von KMU

Mit rund 99 Prozent aller europäischen Unternehmen sind KMU das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Die Industriestrategie soll daher den Schwerpunkt auf KMU legen. Viele kleine und mittlere Unternehmen mussten aufgrund nationaler Corona-Maßnahmen Schulden aufnehmen, was wiederum ihre Investitionsfähigkeiten verringert und langfristig wahrscheinlich zu schleppendem Wachstum führen wird.

Der Industrie helfen, sich von den sozioökonomischen Auswirkungen der Krise zu erholen


Der Corona-Aufbaufonds ist die Säule der ersten Phase, d.h. der Erholung der europäischen Industrie. Die Finanzhilfen sollen entsprechend erlittener Schäden, zu bewältigender Herausforderungen und bereits erhaltender nationaler Beihilfen auf die verschiedenen Industriesektoren verteilt werden.


Vorrang sollen dabei Unternehmen und KMU erhalten, die in ihren Geschäftsplänen den Schwerpunkt auf den digitalen und ökologischen Wandel legen und in umweltfreundliches, nachhaltiges Wirtschaften investieren.

Das fordern die Abgeordneten:

  • die Übergangsprozesse sollen fair und sozial gerecht vollzogen werden und mit entsprechenden Initiativen zur Fortbildung und Umschulung von Arbeitnehmern einhergehen;
  • eine detaillierte Folgenabschätzung potenzieller Kosten und Belastungen für europäische Unternehmen und KMU;
  • die in der Notstandsphase geleistete Hilfen dürfen nicht zu dauerhaften Verzerrungen im Binnenmarkt führen;
  • strategische Industrien sollen nach Europa zurückgeholt werden.

In einer Entschließung vom 16. Dezember fordern die Abgeordneten eine aktualisierte KMU-Strategie, die den Auswirkungen der Corona-Krise auf kleine und mittlere Unternehmen Rechnung trägt und den Übergang zu Digitalisierung und Dekarbonisierung unterstützt. Die Abgeordneten betonen die Notwendigkeit von sofortiger Finanzierung und Liquidität, um das Überleben von KMU zu sichern. Ferner fordern sie die EU-Länder auf, KMU dazu anzuhalten, die Nutzung von E-Commerce-Lösungen zu beschleunigen.

Investitionen in grüne, digitale und innovative Unternehmen


In der zweiten Phase der Industriestrategie soll die Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Industrien langfristig gesichert werden.


Dies beinhaltet:

  • Fokus auf sozialen Aspekten des strukturellen Wandels;
  • Sicherstellung von EU-Subventionen für ökologisch nachhaltige Unternehmen und Verbesserung der nachhaltigen Finanzierung für Unternehmen beim Dekarbonisierungsprozess;
  • Nutzung des CO2-Grenzabgabensystems, um Hersteller und Arbeitsplätze in der EU vor unlauterem internationalen Wettbewerb zu schützen;
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft mit Schwerpunkt auf dem Grundsatz "Energieeffizienz an erster Stelle" sowie Energieeinsparungen und Erneuerbaren-Energien-Technologien;
  • Nutzung von Gas als Mittel zur Energiewende und von Wasserstoff als potenzieller Durchbruchstechnologie;
  • Investitionen in künstliche Intelligenz und Schaffung eines europäischen Binnenmarkts für digitale Medien und Daten, Aufbau eines besseren Systems zur Besteuerung der digitalen Wirtschaft und Entwicklung europäischer Cybersicherheitsnormen;
  • mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung;
  • Überarbeitung des Kartellrechts unter Wahrung der globalen Wettbewerbsfähigkeit der Union.

Weiterlesen: EU-Maßnahmen gegen den Klimawandel