Teona Mitevska: "Es ist ein feministischer Film, aber wir können uns alle mit dem Streben nach Gerechtigkeit identifizieren" 

 
 

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"Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" gewann den LUX-Filmpreis. Regisseurin Teona Mitevska sprach mit uns über ihre Geschichte einer "Frau, die sich gegen das System stellt und gewinnt".

"Es ist die Geschichte von Petrunya, einer jungen Frau, die sich den gesellschaftlichen Regeln widersetzt, um Gerechtigkeit und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden." So beschreibt die nordmazedonische Regisseurin Teona Mitevska ihren Film Gott existiert, ihr Name ist Petrunya (eine Koproduktion aus Nordmazedonien, Belgien, Slowenien, Kroatien und Frankreich). Mitevska wurde von einer wahren Geschichte inspiriert, die sich in Štip, einer kleinen Stadt in Nordmazedonien vor fünf Jahren ereignet hat. Damals hatte eine junge Frau für Aufruhr gesorgt, als sie an einem Rennen, das traditionell Männern vorbehalten war, teilnahm und dieses sogar gewann.


In den meisten Ländern der christlich-orthodoxen Welt wird das Dreikönigsfest am 19. Januar mit einem Wettlauf um ein heiliges Kreuz gefeiert, das ein Priester in einen See oder Fluss wirft. Das Kreuz soll dem Gewinner das ganze Jahr über Glück bringen.


Eine Geschichte über die Suche nach Selbstvertrauen und dem eigenen Ich


Petrunya ist eine übergewichtige, 32-jährige, arbeitslose Hochschulabsolventin in Geschichte, die ständig von ihrer herrischen Mutter herabgesetzt wird. Als sie sich an dem Ort wiederfindet, an dem das Rennen um das Kreuz stattfindet, erwächst in ihr aufgrund ihrer Frustration über ihre ausweglose Situation, in die sie die Gesellschaft gebracht hat, der Impuls, in das eiskalte Wasser zu springen.


"Am Anfang ist sie beinahe eine Antiheldin, sodass man gar nicht denkt, dass sie zu irgendetwas fähig ist, aber dann findet sie ihre innere Kraft und begreift ihr wahres Ich. Und das ist eine wichtige Botschaft, insbesondere für uns Frauen. Ich weiß, dass ich immer Probleme mit meinem Selbstvertrauen hatte und auch immer noch habe. In der Lage zu sein, zu sagen 'Ich habe das Recht, das zu tun', das ist es, was Petrunya durchmacht. Es ist ein feministischer Film, aber wir können uns alle mit dem Streben nach Gerechtigkeit identifizieren", sagte Mitevska während eines Facebook-Live-Interviews, nachdem sie den LUX-Filmpreis erhalten hatte.


Im Film sorgt Petrunya für Aufruhr in der lokalen Gemeinschaft und die Kirche beschuldigt sie, das Kreuz gestohlen zu haben. Unter dem Druck des Priesters bringt der Polizeikommissar Petrunya auf die Station und setzt sie unter Druck. "Warum habe ich nicht das Recht auf ein Jahr voller Glück?", fragt sie trotzig.


Kino hat die Macht, Veränderungen zu bewirken


"Petrunya ist ein Beispiel für die Macht des Kinos, die Dinge zu verändern", sagt Mitevska. Dieses Jahr erregte es kein Aufsehen mehr, als eine junge Frau in Štip für das Kreuz ins Wasser sprang und der Priester es ihr einfach gab.


Während der Preisverleihung im Plenum am 27. November sagte Parlamentspräsident David Sassoli: "Das Kino ist einer der vielen einfachen Schlüssel, die uns helfen können, die Tür zum Verständnis der Realität, in der wir leben, zu öffnen. Der LUX-Filmpreis gibt uns die außergewöhnliche Gelegenheit dazu, genau das zu tun."

Die Finalisten in diesem Jahr waren Wer tötete Dag Hammarskjöld? von Mads Brügger, Gott existiert, ihr Name ist Petrunya von Teona Mitevska und The Realm von Rodrigo Sorogoyen.

Mehr Informationen zu diesen Filmen und in welchen Kinos diese zu sehen sind.


"Audience Mention"


Wählen Sie Ihren Favoriten und mit etwas Glück dürfen Sie den Gewinner des Publikumspreises ("Audience Mention") beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary in Tschechien im nächsten Jahr bekanntgeben.


Förderung des Europäischen Kinos


Der LUX-Filmpreis existiert seit dreizehn Jahren und hat maßgeblich zur Förderung des europäischen Films beigetragen. So werden unter anderem die drei Finalistenfilme dank finanzieller Unterstützung durch das EU-Parlament mit Untertiteln in allen 24 Amtssprachen versehen. Der Gewinnerfilm wird auch in einer besonderen Fassung für hör- und sehbehinderte Menschen zur Verfügung gestellt. Außerdem wird die internationale Kampagne des Films unterstützt.