EU-Gesetze für Tierschutz und Tierwohl (Videos) 

Aktualisiert am: 
 
Erstellt am:   
 

Diese Seite teilen: 

In der EU gelten einige der weltweit höchsten Tierschutzstandards. So werden Nutz- und Labortiere, wildlebende Tiere und Haustiere geschützt.

Die EU engagiert sich für den Tierschutz - © AdobeStock/creativenature.nl  

Die Europäische Union gilt als Vorreiter in Sachen Tierschutz und verfügt über einige der besten Tierschutzstandards auf der ganzen Welt. Vor bereits über 40 Jahren wurde die erste EU-Tierschutzvorschrift eingeführt. Mit ihrer Vorbildwirkung haben die Tierschutzregeln der EU auch Gesetzgebungen in Drittländern positiv beeinflusst. Die Vorschriften der EU betreffen hauptsächlich Nutztiere, also im landwirtschaftlichen Betrieb, während des Transports und bei der Schlachtung, aber auch wildlebende Tiere, Labortiere und Haustiere.

Tierschutz in landwirtschaftlichen Betrieben


In einer Eurobarometer-Umfrage, in der im Mai 2021 Europäerinnen und Europäer zu ihrer Einstellung zum Tierschutz befragt wurden, waren 82 % der Befragten der Meinung, dass das Wohlergehen von Nutztieren besser geschützt werden sollte, als dies momentan der Fall ist.


Die ersten EU-Vorschriften zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere stammen aus den 70er Jahren. Mit der Richtlinie über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere aus dem Jahr 1998 wurden allgemeine Schutznormen für Tiere (einschließlich Fische, Reptilien und Amphibien) festgelegt, die zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, Wolle, Häuten oder Fellen oder zu anderen landwirtschaftlichen Zwecken gezüchtet oder gehalten werden. Die Richtlinie beruht auf dem Europäischen Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen aus dem Jahr 1978.

Die EU-Tierschutzvorschriften spiegeln die sogenannten "fünf Freiheiten" wider: 
  • Freiheit von Hunger und Durst 
  • Freiheit von Unbehagen 
  • Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit 
  • Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens 
  • Freiheit von Angst und Leiden 

Andere EU-Vorschriften enthalten Schutzstandards für Nutztiere bei der Betäubung und Schlachtung sowie Mindestanforderungen an die Zuchtbedingungen bestimmter Tiere wie KälberSchweine und Legehennen.


Im Oktober 2018 verabschiedete das Parlament eine neue Verordnung über Tierarzneimittel, mit der die Verwendung von Medikamenten zum Ausgleich schlechter Haltebedingungen oder zur Beschleunigung des Wachstums von Tieren eingeschränkt wurde.


Vor dem Hintergrund der neuen "Vom Hof auf den Tisch"-Strategie zur Schaffung eines nachhaltigen Lebensmittelsystems führt die Europäische Kommission derzeit eine Bewertung aller EU-Rechtsvorschriften zum Schutz von Nutztieren durch.


Forderung des Parlaments nach besserem Schutz von Tieren beim Transport

2004 wurde eine EU-Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport verabschiedet. In einer Entschließung vom 14. Februar 2019 forderte das Parlament jedoch eine bessere Durchsetzung der Vorschriften sowie Sanktionen und kürzere Transportzeiten.

Am 19. Juni 2020 setzten die Abgeordneten einen Untersuchungsausschuss ein, der mutmaßliche Verstöße gegen EU-Tierschutzvorschriften beim Transport innerhalb und außerhalb der EU untersuchen soll.


Während einer Debatte am 2. Dezember 2020 forderten die Abgeordneten den Agrarkommissar Janusz Wojciechowski dazu auf, dafür zu sorgen, dass die EU-Agrarpolitik das Wohlergehen von Tieren beim Transport verbessert. Außerdem riefen sie die Kommission auf, sich für die Verkürzung von Lieferketten einzusetzen, den Transport von Fleisch anstelle von lebenden Tieren zu fördern und zu garantieren, dass Importe den EU-Tierschutzstandards entsprechen.


Im April 2021 konstatierte der Untersuchungsausschuss im Zusammenhang mit dem Schutz von Tieren beim Transport (ANIT), dass das Versagen bei der Durchsetzung der aktuellen Regeln für das Wohlergehen von Tieren beim Transport inakzeptabel sei. Er forderte konkrete Maßnahmen gegen dieses Problem, einschließlich Vertragsverletzungsverfahren gegen Mitgliedstaaten, welche die bestehenden EU-Regeln nicht durchsetzen.


EU-Abgeordnete wollen Käfighaltung verbieten


Als Reaktion auf die Europäische Bürgerinitiative "End the Cage Age", die von 1,4 Millionen Menschen aus der ganzen EU unterzeichnet wurde, forderten die Abgeordneten die Kommission am 10. Juni dazu auf, bis 2027 einen Vorschlag für ein Käfighaltungs-Verbot in der EU vorzulegen.


Erfahren Sie,
wie Sie zu einer Europäischen Bürgerinitiative beitragen können.

Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen


Die 500 wildlebenden Vogelarten‚ die in der EU natürlich vorkommen, werden durch die Vogelschutzrichtlinie geschützt, während die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie die Erhaltung seltener, bedrohter oder endemischer Tierarten und charakteristischer Lebensräume gewährleisten soll.


Die neue EU-Bestäuberinitiative wurde 2018 ins Leben gerufen, um dem bedrohlichen Rückgang wildlebender bestäubender Insekten‚ insbesondere Bienen, entgegenzuwirken. Das Parlament fordert jedoch, den Einsatz von Pestiziden weiter zu verringern und die Forschung mit mehr Mitteln auszustatten. In einem im Januar 2018 angenommenen Bericht hatte das Parlament bereits festgestellt, dass regionale und lokale Bienenarten besser geschützt werden müssten.


Bei der Abstimmung über die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 im Juni 2021 forderten die Abgeordneten eine dringende Überarbeitung der EU-Initiative für Bestäuber. Diese solle einen neuen EU-weiten Rahmen zur Beobachtung von Bestäubern liefern. Außerdem solle sie zuverlässige Maßnahmen, klare zeitgebundenen Ziele und Indikatoren (einschließlich Wirkungsindikatoren) sowie den notwendigen Kapazitätsaufbau beinhalten.


Der Fang von Walen und Delphinen ist in EU-Gewässern verboten. Außerdem tritt die EU für die vollständige Umsetzung des Walfang-Moratoriums, des weltweiten Verbots kommerzieller Walfangaktivitäten, das seit Jahr 1986 in Kraft ist, ein.


Eine EU-Verordnung verbietet den Handel mit Robbenerzeugnissen.


Darüber hinaus gibt es Vorschriften über Fangmethoden, die die Verwendung von Tellereisen für den Fang von Wildtieren in der EU verbieten und humanere Standards festlegen.


Durch ihre Verordnungen über den Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen setzt die EU das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, CITES) um und legt sogar noch höhere Standards fest. So soll sichergestellt werden, dass der Wildtierhandel nicht dazu führt, dass Arten gefährdet werden.


Im Juni 2021 legte das Parlament seinen Standpunkt zur EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 fest, die Teil des Grünen Deals der EU ist.

Zoos


EU-Vorschriften über die Haltung wildlebender Tiere in Zoos sollen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen und legen Standards für Schutzmaßnahmen fest, auch betreffend die angemessene Unterbringung der Tiere.

Tierversuche für wissenschaftliche Zwecke


Die EU hat einen Rechtsrahmen geschaffen, der Schutzstandards bei Tierversuchen für die Entwicklung neuer Arzneimittel, für physiologische Studien und die Prüfung von Lebensmittelzusatzstoffen oder Chemikalien regelt. Die Regeln beruhen auf dem sogenannten "3R-Prinzip":

  • "Replacement": Förderung des Einsatzes alternativer Methoden
  • "Reduction": Verwendung von weniger Tieren für denselben Forschungszweck
  • "Refinement": Bemühungen zur Minimierung von Schmerzen und Leiden

Tierversuche für Kosmetika und das Inverkehrbringen kosmetischer Produkte, die an Tieren getestet wurden, sind in der EU verboten. In einer 2018 angenommenen Entschließung forderte das Parlament ein weltweites Verbot von Tierversuchen für Kosmetika.

Schutz von Haustieren


In einer am 12. Februar 2020 verabschiedeten Entschließung forderte das Parlament schärfere Sanktionen und die verbindliche Registrierung von Katzen und Hunden, um dem illegalen Haustierhandel ein Ende zu setzen.

Der Handel mit Katzen- und Hundefellen ist in der EU seit 2008 verboten. Die Rechtsvorschriften verbieten das Inverkehrbringen sowie die Ein- und Ausfuhr von Katzen- und Hundefellen sowie von Produkten, die solche Felle enthalten.


In der EU ist auch das Reisen mit Haustieren geregelt. Hunde, Katzen und Frettchen können somit auf Reisen mitgenommen werden. Mit einigen wenigen Ausnahmen ist die einzige Voraussetzung dabei das Mitführen des EU-Heimtierausweises.