Sacharow-Preisverleihung: Ukrainischer Filmemacher Oleh Senzow geehrt 

 
 

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Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2018 wurde am Mittwoch, den 12. Dezember an den ukrainischen Filmemacher und Schriftsteller Oleh Senzow verliehen.

Oleh Senzow konnte den Menschenrechtspreis am 12. Dezember im Europäischen Parlament nicht persönlich entgegennehmen, da er in Sibirien im Gefängnis verweilt und eine 20-jährige Haftstrafe wegen des Vorwurfs der "Planung terroristischer Handlungen" gegen das auf der Krim faktisch herrschende Regime Russlands verbüßt.

Seine Cousine Natalya Kaplan und sein Anwalt Dmitriy Dinze vertraten ihn bei der feierlichen Sitzung im Plenarsaal in Straßburg.

Bei der Verleihung des Preises sagte Parlamentspräsident Antonio Tajani: "Oleh Senzow wurde für seinen friedlichen Protest gegen die illegale Besetzung der Krim, wo er auch geboren wurde, nominiert. Auch für seinen Mut, seine Entschlossenheit und seine Überzeugungen zur Unterstützung der Menschenwürde, der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte. Das sind die Werte, auf denen unsere Europäische Union aufbaut, noch mehr nach dem schrecklichen Anschlag von gestern - Werte, die dieses Parlament schätzt, erhält und fördert."

"Senzows Hungerstreik und seine mutige öffentliche Haltung machten ihn zu einem Symbol des Kampfes für die Freilassung der in Russland und auf der ganzen Welt festgehaltenen politischen Gefangenen", fügte er hinzu. Tajani wies darauf hin, dass die Verleihung vor dem Hintergrund ernsthafter Spannungen zwischen Russland und der Ukraine stattfinde, und forderte eine Deeskalation der Situation und bekräftigte die Unterstützung für die territoriale Integrität der Ukraine.

Er forderte die sofortige und bedingungslose Freilassung von Senzow und allen anderen illegal inhaftierten ukrainischen Bürgern in Russland und auf der Halbinsel Krim sowie von anderen inhaftierten Preisträgern: "Der Sacharow-Preis ist nicht nur eine Auszeichnung. Er ist eine Verpflichtung. Und wir stehen weiterhin zu unseren Preisträgern."

Bei der Entgegennahme des Preises beschrieb Natalya Kaplan sehr anschaulich Senzows Leben, seine Handlungen während der Annexion der Krim und die Folterungen und Schläge, die er erlitten habe, als er verhaftet und für Verbrechen verurteilt worden sei, die er nicht begangen habe. "Oleh ist ein Mensch, der nicht aufgeben kann und einfach nur ruhig abwartet. Er ist von Natur aus ein Kämpfer."

Was seinen Hungerstreik für die Freilassung aller ukrainischen politischen Gefangenen betrifft, so sagte sie: "Während seines 145-tägigen Hungerstreiks wurde kein einziger politischer Gefangener freigelassen, aber das bedeutet nicht, dass er verloren hat. Dank seiner Tat sprach die ganze Welt über die russische Repression - das ist ein Sieg."

Abschließend las sie eine Botschaft von Oleh Senzow selbst vor, die so begann: "Ich kann in diesem Saal nicht anwesend sein, aber Sie können meine Worte hören. Selbst wenn jemand anderes sie sagt, sind Worte das wichtigste Werkzeug eines Menschen und oft auch sein einziges, besonders wenn ihm alles andere genommen wurde."

Parlamentspräsident Tajani begrüßte auch die Eltern des inhaftierten Sacharow-Preis-Finalisten 2018, Nasser Zefzafi, und Vertreter der elf NGOs, die Leben im Mittelmeer retten und ebenfalls unter den Finalisten waren.

Zum 30-jährigen Bestehen des Sacharow-Preises sagte Tajani: "Diese Auszeichnung hat Einzelpersonen und Organisationen aus der ganzen Welt unterstützt, die sich uneingeschränkt für soziale Gerechtigkeit einsetzen, oft unter großen persönlichen Risiken."

"Fünf Sacharow-Preisträger erhielten anschließend den Friedensnobelpreis", fügte er hinzu, darunter Dr. Denis Mukwege und Nadia Murad, die 2018 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden.

Hintergrund

Am 25. Oktober hatte Parlamentspräsident Antonio Tajani verkündet, dass der Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2018 an Oleh Senzow verliehen werde.

In einer am 12. Dezember verabschiedeten Entschließung begrüßten die Abgeordneten die Reformbemühungen der Ukraine und verurteilten die russische Aggression in der Straße von Kertsch.

Preisverleihung im EU-Parlament: Natalya Kaplan, Antonio Tajani, Dmitriy Dinze