Dschihadistischer Terrorismus in der EU: die Lage seit 2015 

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Die EU geht gegen Terrorismus vor. Foto: Manu Sanchez auf Unsplash  

Seit 2015 wird Europa von einer Reihe von Anschlägen erschüttert. Wer sind die Terroristen? Warum und wie verüben sie Anschläge?

Dschihad-Terrorismus ist in Europa kein neues Phänomen. Seit dem Jahr 2015 gab es jedoch eine neue Welle islamistischer Terroranschläge.


Was ist Dschihad-Terrorismus?


Das Ziel von Dschihadisten besteht darin, einen islamischen Staat zu schaffen, in dem die Gesetze der Scharia gelten. Sie lehnen Demokratie und frei gewählte Parlamente ab. Ihrer Ansicht nach ist der einzige Gesetzgeber Gott (Allah).


Die EU-Polizeibehörde Europol definiert Dschihadismus als "gewalttätige Ideologie, die traditionelle islamische Konzepte ausnutzt. Dschihadisten legitimieren die Anwendung von Gewalt durch den Verweis auf die klassische islamische Doktrin des Dschihad, ein Begriff, der wörtlich 'Anstrengung' oder 'Bemühung' bedeutet, aber im islamischen Recht als religiös begründeter Kampf gehandelt wird".


Das Al-Qaida-Netzwerk und der sogenannte Islamische Staat (IS) zählen zu den wichtigsten islamistischen Terrorgruppen. Der Dschihadismus ist eine extremistische militante Strömung des sunnitischen Islamismus in seiner salafistischen Ausprägung.


Mehr dazu: Anschläge, Todesopfer und Festnahmen im Jahr 2020 und im Jahr 2019


Wer sind die Terroristen?


Nach Angaben von Europol wurden dschihadistische Angriffe im Jahr 2018 vorwiegend von Terroristen verübt, die in diesen Ländern auch aufgewachsen und radikalisiert worden waren, und nicht von "Foreign Fighters", also ausländischen Kämpfern, die aus dem Ausland zurückgekehrt waren, wo sie sich einer Terrorgruppe angeschlossen hatten. 60 Prozent der Dschihadisten hatten die Staatsbürgerschaft der Länder, in denen sie Anschläge verübt hatten. (Daten aus 2019)


"Hausgemachte" Radikalisierung ist somit ein zunehmendes Problem. Einzeltäter, sogenannte "einsame Wölfe", werden durch Online-Propaganda beeinflusst. Ihre Angriffe sind zwar von Terrornetzwerken wie dem IS oder Al-Qaida "inspiriert", jedoch nicht von ihnen geplant.

Weiterlesen: Ursachen und Prävention von Radikalisierung


Laut Europol müssen Terroristen auch nicht unbedingt streng gläubig sein. Möglicherweise würden sie weder den Koran lesen noch besuchten sie regelmäßig eine Moschee. Oft verfügten sie auch nur über sehr rudimentäre Kenntnisse des Islam.


Eine beträchtliche Zahl der Personen, die Europol im Jahr 2016 wegen Terrorismus gemeldet wurden, waren "einfache" Straftäter. Dies deutet darauf hin, dass Menschen mit krimineller Vorgeschichte oder entsprechendem sozialen Hintergrund möglicherweise anfälliger sind, radikalisiert und rekrutiert zu werden.


"Religion ist nicht zwingend der Haupttreiber des Radikalisierungsprozesses, sondern bietet lediglich ein 'Fenster der Gelegenheit' zur Bewältigung persönlicher Probleme. Sie [die Angreifer] gehen davon aus, dass die Entscheidung, einen Anschlag im eigenen Land zu verüben, sie von einer 'Null' in einen 'Held' verwandeln kann", heißt es in einem Europol-Bericht.


Aus dem Europol-Bericht 2020 geht hervor, dass die meisten Dschihad-Terroristen junge Erwachsene sind. 70 Prozent der Angreifer sind zwischen 20 und 28 Jahren alt; 80 Prozent sind männlich.


Wie werden dschihadistische Angriffe ausgeübt?


Seit 2015 wurden dschihadistische Anschläge sowohl von Gruppen als auch von Einzelpersonen verübt.


Einsame Wölfe nutzen hauptsächlich Messer, Kleintransporter und Waffen. Ihre Attacken sind "einfacher" angelegt und eher unstrukturiert. Terror-Gruppen hingegen setzen automatische Gewehre und Sprengstoffe in sehr komplexen und gut koordinierten Angriffen ein.


Beinahe alle verübten und vereitelten Anschläge im Jahr 2019 gingen auf das Konto von Einzeltätern. Die Mehrzahl der Anschläge, die verhindert werden konnten, waren von mehreren Personen geplant worden.


Außerdem werden zunehmend Menschen, und nicht Gebäude oder Institutionen, als Ziele ausgewählt, um eine heftigere emotionale Reaktion der Öffentlichkeit hervorzurufen.


Terroristen differenzieren nicht zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen; ihre Anschläge haben ein Höchstmaß an Todesopfern zum Ziel, wie beispielsweise in London, Paris, Nizza, Stockholm, Manchester, Barcelona und Cambrils.


Kampf der EU gegen den Terror


Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene wurden Maßnahmen ergriffen, um die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu verbessern.


Zur Verhinderung von Terroranschlägen setzt die EU eine Reihe von Schritten: von gründlicheren Kontrollen an den Außengrenzen über die bessere Zusammenarbeit zwischen Polizei und Justiz bis hin zu Initiativen gegen Terrorfinanzierung und zur Bekämpfung von organisiertem Verbrechen und Radikalisierung.


So wurden zum Beispiel neue EU-Regeln gebilligt, die es Terroristen erschweren, an Waffen zu kommen oder Bomben selbst herzustellen.


Europol wurde mit neuen Befugnissen ausgestattet. Die Polizeibehörde kann nun in einfacheren Verfahren Spezialeinheiten wie das im Januar 2016 geschaffene Europäische Zentrum zur Terrorismusbekämpfung einsetzen. Außerdem können in bestimmten Fällen mit Privatunternehmen Informationen ausgetauscht und soziale Netzwerke aufgefordert werden, vom IS betriebene Seiten zu löschen.


Im Juli 2017 setzte das Europäische Parlament einen Sonderausschuss ein, der bewerten sollte, wie die Terrorismusbekämpfung auf EU-Ebene weiter verbessert werden kann. Die Abgeordneten verabschiedeten einen Bericht mit konkreten Maßnahmen, die die EU-Kommission nun in weitere Gesetzesvorschläge einarbeiten soll.


Mehr Informationen: Überblick aller EU-Anti-Terrormaßnahmen