Schengen: Europa ohne Grenzkontrollen 

Aktualisiert am: 
 
Erstellt am:   
 

Diese Seite teilen: 

Der Schengen-Raum, der „grenzenloses Reisen“ ermöglicht, zählt zu den greifbarsten Errungenschaften des europäischen Integrationsprozesses. Lesen Sie hier mehr dazu.

Was ist Schengen?

Der Schengen-Raum ist einer der Grundpfeiler des europäischen Projekts. Mit dem Inkrafttreten des Schengener Übereinkommens 1995 wurde die Abschaffung der Grenzkontrollen in diesem Raum Wirklichkeit und damit das Recht auf Freizügigkeit.

Die Länder des Schengen-Raums

Gegenwärtig umfasst der Schengen-Raum 26 Länder: 22 EU-Mitgliedstaaten und vier weitere europäische Länder.

Fünf EU-Länder sind nicht Teil des Schengen-Raums: Irland verfügt über Ausnahmeregelungen und ein gemeinsames Reisegebiet mit dem Vereinigten Königreich. Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Zypern sollen dem Schengen-Raum noch beitreten.

Außerdem sind die vier Drittstaaten Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz Mitglieder von Schengen.

Mehr: Wie sich COVID-19 auf die Reisefreiheit auswirkt

Weitere Informationen zur Erweiterung des Schengen-Raums

Keine Grenzkontrollen im Schengen-Raum  

Schengen: Ziele und Vorteile


Bis zu 3,5 Millionen Menschen überqueren jeden Tag eine der Binnengrenzen in der Europäischen Union.


Alle Unionsbürger können sich mit einem gültigen Reisepass oder Personalausweis bis zu drei Monate als Touristen in einem anderen EU-Land aufhalten. Außerdem können sie in einem anderen Mitgliedstaat leben, um dort zu arbeiten, und haben das Recht, genauso behandelt zu werden wie Staatsangehörige dieses Landes. Unternehmer genießen Niederlassungsfreiheit und Studierende haben das Recht, in jedem Mitgliedstaat zu studieren.


Schätzungen zufolge könnte eine erneute Schließung der EU-Binnengrenzen über einen Zeitraum von zehn Jahren zu Kosten in Höhe von 100 bis 230 Milliarden Euro führen und die grenzüberschreitende Mobilität von 1,7 Millionen Menschen behindern.

Wahrung der Sicherheit im Schengen-Raum


Mit den Schengen-Vorschriften wurden die Kontrollen an den Binnengrenzen abgeschafft. Gleichzeitig sehen die Bestimmungen die Harmonisierung und Stärkung des Schutzes der Schengen-Außengrenzen vor. Die generelle Regel lautet, dass Personen im Schengen-Raum von einem Mitgliedstaat in einen anderen reisen können, ohne dass sie Grenzkontrollen unterzogen werden. Die zuständigen nationalen Behörden können jedoch Kontrollen an den Binnengrenzen oder in deren Nähe vornehmen, wenn nach polizeilichen Informationen eine vorübergehende Verstärkung der Grenzüberwachung erforderlich ist.


Das Schengen-System umfasst auch eine gemeinsame Visumpolitik für Kurzaufenthalte von Drittstaatsangehörigen und unterstützt die Länder bei der Verbrechensbekämpfung mit Hilfe der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit.


Das Schengener Informationssystem wurde zudem gestärkt, um den Europäern mehr Sicherheit zu bieten. Mehr dazu in unserer Infografik.

Außengrenzen und Binnengrenzen


Die Zunahme der Migration ab 2015 sowie Sicherheitsbedenken in Zusammenhang mit Terroranschlägen und grenzüberschreitender Kriminalität hatten Auswirkungen auf den Schengen-Raum. Verschiedene Mitgliedstaaten sahen sich dazu veranlasst, wieder Grenzkontrollen einzuführen. Auch der Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 veranlasste mehrere Staaten zur Wiedereinführung von Kontrollen an den Binnengrenzen, um die Ausbreitung des Virus zu kontrollieren.


Das Parlament hat die Beibehaltung von Binnengrenzkontrollen im Schengen-Raum wiederholt kritisiert und will sie nur noch als letztes Mittel zulassen. In einer Entschließung vom 17. April 2020 zu abgestimmten Maßnahmen der EU zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie fordert das Parlament die Mitgliedstaaten auf, bei der Einführung und Verlängerung von Kontrollen an den Binnengrenzen nur notwendige und verhältnismäßige Maßnahmen zu ergreifen, und betont die Notwendigkeit, zu einem voll funktionierenden Schengen-Raum zurückzukehren.

Herausforderungen und Antwort der EU


Das Migrationsmanagement und die Sicherung der Außengrenzen stellen Europa vor Herausforderungen. Im Jahr 2015 wurden bis zu 1,83 Millionen illegale Grenzübertritte an den EU-Außengrenzen verzeichnet. Obwohl diese Zahl im Jahr 2020 auf 125.100 zurückgegangen ist, ist die EU weiterhin bestrebt, die Kontrollen an den Außengrenzen zu verschärfen und die Bearbeitung von Asylanträgen effizienter zu gestalten.


Diese Herausforderungen haben zudem entscheidende Entwicklungen beim Grenzschutz in Gang gebracht. So wurden beispielsweise neue Instrumente und Agenturen wie das Schengener Informationssystem, das Visa-Informationssystem, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) und ein neues Systems für die Registrierung der Ein- und Ausreise geschaffen.


In einer im Juli 2021 angenommenen Entschließung billigte das Parlament die Einrichtung eines neuen Fonds für integriertes Grenzmanagement (IBMF) und stimmte zu, 6,24 Milliarden Euro dafür bereitzustellen. Mit dem IBMF sollen die Kapazitäten der Mitgliedstaaten beim Grenzmanagement verbessert und gleichzeitig die Einhaltung der Grundrechte sichergestellt werden. Zudem wird ein Beitrag zu einer gemeinsamen, harmonisierten Visumpolitik geleistet. Ein weiteres Ziel des Fonds ist die Einführung von Schutzmaßnahmen für schutzbedürftige Menschen, die in Europa ankommen, insbesondere für unbegleitete Minderjährige.

Der Fonds steht im engen Zusammenhang mit dem neuen Fonds für innere Sicherheit (ISF). Mit den Fonds sollen grenzüberschreitende Bedrohungen wie Terrorismus, organisierte Kriminalität und Cyberkriminalität bekämpft werden. Der ISF wurde ebenfalls im Juli 2021 vom Parlament verabschiedet, mit einem Budget von 1,9 Milliarden Euro.


Reisende, die kein Visum benötigen, werden künftig vor ihrer Ankunft in der EU mit dem Europäischen Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) überprüft. So können Kriminelle, Terroristen oder andere Personen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, aufgespürt werden, bevor sie in die EU einreisen. Diese Kontrollen könnten bereits im Jahr 2022 beginnen.

Außerdem billigten die EU-Abgeordneten Pläne, um die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache bis 2027 mit einer ständigen Reserve von 10.000 Grenzbeamten auszustatten.

Infografik: Der Schengen-Raum