EU-Abgeordnete wollen mehr Frauen in Führungspositionen  

 
 

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Zu wenige Frauen sitzen am Vorstandstisch, die EU will das ändern © Getty  

Nur wenige Frauen arbeiten in gehobenen Positionen in Europas Wirtschaft. Lediglich zehn Prozent der Führungskräfte der zehn größten Aktiengesellschaften sind weiblich. Der Gleichstellungsausschuss des EU-Parlaments will das ändern und empfiehlt verbindliche Frauenquoten, falls die Wirtschaft nicht selbst handelt.

Bei den Universitätsabschlüssen in Europa liegen Frauen vorne: 60 Prozent der Absolventen im Jahr 2008 waren Frauen. Anders sieht es bei anschließenden Karrieren in der Wirtschaft aus. Zwar gibt es nationale Unterschiede, europaweit gilt aber: Für Frauen ist der berufliche Aufstieg deutlich schwieriger als für Männer.


Der Bericht der griechischen Abgeordneten Rodi Kratsa-Tsagaropoulou von der Europäischen Volkspartei fordert daher, dass Frauen in den Führungspositionen der Wirtschaft besser repräsentiert sein sollten. Damit unterstützt sie die Forderung der EU-Kommission, den Frauenanteil in gehobenen Positionen bis 2015 auf 30 Prozent anzuheben. Bis 2020 sollen es dann 40 Prozent werden.


Der Frauenanteil im Management steigt derzeit nur um ein halbes Prozent pro Jahr. Das ist zu langsam, kritisiert Kratsa-Tsagaropoulou. Wenn es in diesem Tempo weitergehe, dauere es noch 50 Jahre, bis 40 Prozent des Personals in den Führungsetagen weiblich seien. Die Abgeordneten drohen deshalb mit verpflichtenden Quoten, sollten EU-Unternehmen die angepeilten Ziele nicht freiwillig erreichen.


Freiwillige Quoten zeigen zwar erste Erfolge, manche Mitgliedstaaten arbeiten aber dennoch bereits mit gesetzlich verankerten Frauenquoten für Führungskräfte: In Frankreich müssen Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten und 50 Millionen Euro Umsatz bis 2015 einen Frauenanteil von 40 Prozent erreichen, ebenso in Spanien. In Deutschland wird kontrovers diskutiert, ob gesetzliche Vorschriften notwendig sind oder ob freiwillige Regelungen der Wirtschaft ausreichen.


"Wenn wir über eine Frauenquote von zum Beispiel 40 Prozent bis 2015 reden, müssen wir die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Europa in diesem Bereich berücksichtigen. Einige Mitgliedstaaten sind von so einem Anteil noch weit entfernt, während andere ihn bereits erreicht haben", erklärte die Berichterstatterin Rodi Kratsa-Tsagaropoulou.


Der Gleichstellungsausschuss wird am 25. Mai über den Bericht abstimmen, das Plenum wird sich voraussichtlich im Juli mit dem Bericht befassen.