Reform des EU-Emissionshandelssystems 

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Das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) zielt darauf ab, die CO2-Emissionen im Industriesektor zu verringern. Lesen Sie hier, wie das System funktioniert und warum eine Reform nötig ist.

Die EU-Abgeordneten haben am 6. Februar 2018 Pläne zur Reform des EU-Emissionshandelssystems gebilligt. Erfahren Sie hier mehr darüber.


Was ist das EU-ETS?


Die EU ist der weltweit drittgrößte CO2-Emittent und verfolgt zugleich das ehrgeizigste Klimaziel: Bis 2030 sollen ihre Treibhausgasemissionen erheblich gesenkt und bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreicht werden.


Das Emissionshandelssystem der EU (EU-ETS) wurde 2005 eingerichtet. Es ist ein zentrales Instrument der EU, um ihre Klimaziele zu erreichen. Das EU-ETS richtet sich speziell an die Industrie.


Wie funktioniert das EU-ETS?


Das Emissionshandelssystem verpflichtet mehr als 11 000 Kraftwerke und industrielle Fertigungsanlagen, für jede Tonne CO2, die sie ausstoßen, eine Berechtigung (in Form von Emissionszertifikaten) zu besitzen. Das System soll finanzielle Anreize schaffen, weniger zu verschmutzen. Nach dem Motto: Je weniger Verschmutzung, umso geringer die Kosten.


Unternehmen müssen Emissionsrechte (Zertifikate) im Rahmen von Auktionen (Versteigerungen) erwerben. Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. 


Manche Zertifikate werden kostenlos zugeteilt - vor allem in Sektoren, wo das Risiko besteht, dass Unternehmen ihre Produktion in andere Länder verlagern, an denen weniger strenge Emissionsauflagen eingehalten werden müssen ("Carbon Leakage").


Warum ist eine Reform nötig?


Derzeit sind die Preise der Emissionszertifikate sehr gering, da die Nachfrage nach ihnen aufgrund der Wirtschaftskrise zurückgegangen und das Angebot konstant geblieben ist. 


Das Emissionshandelssystem ist durch ein großes Ungleichgewicht zwischen Zertifikatsangebot und Nachfrage gekennzeichnet. Deshalb gab es 2013 einen Überschuss von rund 2,1 Milliarden Zertifikaten. Der Überschuss wurde 2014 leicht reduziert und fiel dann deutlich auf 1,78 Milliarden Zertifikate im Jahr 2015 beziehungsweise auf 1,69 Milliarden im Jahr 2016.


Ein hoher Überschuss und niedrige Preise halten Unternehmen davon ab, in grüne, die Umwelt schonende Technologien zu investieren. Dadurch ist das System weniger funktionstüchtig.


Worin besteht die Reform des EU-Emissionshandelssystems?


Die aktuelle Emissionshandels-Richtlinie läuft bis 2020. Die Reform zielt darauf ab, den künftigen EU-Kohlenstoffmarkt von 2021 bis 2030 zu gestalten, wobei im Rahmen des Pariser Abkommens eine stärkere Verringerung der Treibhausgasemissionen angestrebt wird.


Um die Preise anzukurbeln, sieht der Vorschlag eine Erhöhung der jährlichen Reduzierung der zu versteigernden Emissionszertifikate vor.


Um das Überangebot zu verringern, wollen die Abgeordneten die Kapazität der sogenannten Marktstabilitätsreserve (MSR) verdoppeln, um überschüssige Emissionszertifikate auf dem Markt zu beseitigen. Die Marktstabilitätsreserve zielt darauf ab, Angebot und Nachfrage nach Zertifikaten besser aufeinander abzustimmen, indem überschüssige Zertifikate in eine Reserve eingestellt werden, aus der sie bei Engpässen wieder freigegeben werden können. Bei ihrer Auslösung würde die MSR bis zu 24 Prozent der Überschüsse in jedem Auktionsjahr aufnehmen.


Mit dem Vorschlag sollen auch zwei neue Fonds eingeführt werden, die zur Innovationsförderung und zum Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft beitragen sollen:


1. Der Innovationsfonds soll finanzielle Unterstützung für Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sowie kohlenstoffarme Innovationsprojekte bereitstellen.

2. Der Modernisierungsfonds soll dazu beitragen, die Energiesysteme in einkommensschwächeren Mitgliedstaaten zu modernisieren.


Die EU-Abgeordneten haben die neuen Regeln am 6. Februar mit 535 Stimmen angenommen, bei 104 Gegenstimmen und 39 Enthaltungen. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung.


EU-Bemühungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen


Weitere Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Verpflichtungen der EU im Rahmen des Pariser Klimaabkommens in allen Wirtschaftssektoren zu erfüllen:



Neueste Entwicklungen

Im September 2020 schlug die Europäische Kommission eine Erhöhung der angestrebten Treibhausgasreduktion bis 2030 auf mindestens 55% vor, während das Europäische Parliament eine Zielsetzung auf 60% vorschlug.


Als Teil der Reform wird die Kommission voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 ein CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) einbringen. Solch ein Mechanismus würde einen CO2-Aufpreis auf Importe aus Staaten einführen, die weniger strenge Klimaschutzauflagen haben als die EU um so „Carbon Leakage“ zu verhindern, bei dem EU-Unternehmen ihre Produktion in Staaten verlegen, die weniger strenge Auflagen zu Treibhausgasemissionen haben als die EU. „Carbon Leakage“ würde die Anstrengungen der EU beeinträchtigen,bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, wie es im europäischen Green Dealvorgesehen ist.


Es wird außerdem erwartet, dass die Kommission vorschlägt, dass das Emissionshandelssystem (ETS) und das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) eigene Mittel im langfristigen EU-Haushalt erhalten.


Erfahren Sie mehr über den neuen
CO2-Preis-Mechanismus.



Dieser Artikel wurde aktualisiert und erstmals am 13. Februar veröffentlicht.