Glyphosat: Für Parlament geht Gesundheit der Bürger vor 

 
 

Diese Seite teilen: 

Das EP besteht auf einem Verbot des potenziell krebserregenden Unkrautvernichters Glyphosat bis Ende 2022. Die Mitgliedstaaten haben eine Verlängerung der Zulassung um 5 Jahre beschlossen.

"Wir forderten ein endgültiges Auslaufen der Zulassung bis 2022 und ein sofortiges Verbot für die nicht-gewerbliche Nutzung", erklärte die EU-Abgeordnete Miriam Dalli (S&D) aus Malta während einer öffentlichen Anhörung zu einer Europäischen Bürgerinitiative, die ein EU-weites Verbot von Glyphosat fordert, am 20. November. 


"Ich möchte, dass sich die Kommission mit den Nebenwirkungen dieses Stoffes befasst, die bisher noch nicht untersucht wurden", sagte der tschechische Abgeordnete Pavel Poc (S&D), der an der parlamentarischen Entschließung mitgearbeitet hatte, in unserem Videointerview.  


Ursprünglich schlug die EU-Kommission 2016 vor, die Zulassung von Glyphosat um fünfzehn Jahre zu verlängern. Aufgrund des Widerstands einiger EU-Länder sah sich die Kommission aber gezwungen, die Dauer auf zehn und dann auf fünf Jahre zu reduzieren. Erst dann konnte die erforderliche Mehrheit unter den Regierungen der Mitgliedstaaten zur Erneuerung der Glyphosat-Zulassung gefunden werden: Die Mitgliedstaaten beschlossen am 27. November die Verlängerung der Zulassung um fünf Jahre. 


Auch die Bürger äußern sich


Eine Europäische Bürgerinitiative sammelte 1,3 Millionen Unterschriften, um ein Verbot von Glyphosat zu erwirken und Mensch und Umwelt vor toxischen Pestiziden zu schützen.


Franziska Achterberg, eine Vertreterin des Bürgerausschusses der Initiative, sagte während der Anhörung im Parlament am 20. November: "Glyphosat hat katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. Es ist entwickelt, um wahllos Pflanzen zu vernichten. Es ist die ultimative Killermaschine, um es mit den Worten des Herstellers zu sagen."


Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte Glyphosat im März 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für den Menschen ein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) teilen diese Risikobewertung allerdings nicht.


Einige Abgeordnete wollten während der Anhörung wissen, warum die Initiative den Bewertungen der EU-Agenturen kein Vertrauen schenke. Ein Grund dafür sei, so Achterberg, dass sich die Risikoeinschätzung durch die EFSA und ECHA stark auf von der Industrie gesponserte Bewertungen stütze.





Monsanto's Glyphosat: Allgegenwärtig, aber sicher?

Vor dem Hintergrund ernsthafter Bedenken über die krebserregenden und hormonellen Auswirkungen von Glyphosat, dem weltweit meistgenutzten Unkrautvernichtungsmittel, forderten die EU-Abgeordneten im Oktober 2017 ein vollständiges Verbot von Herbiziden auf Glyphosatbasis bis Dezember 2022 sowie sofortige Beschränkungen der Verwendung der Substanz.

Nach Berichten und Vorwürfen, dass Monsanto-Mitarbeiter als Ghostwriter an Studien zur Sicherheit des Wirkstoffs Glyphosat mitgeschrieben hätten, wurde das Unternehmen eingeladen, am 11. Oktober in einer von den Ausschüssen für Umwelt und für Landwirtschaft veranstalteten Anhörung dazu Stellung zu nehmen.

Carey Gillam, eine Investigativjournalistin der amerikanischen NGO "US Right to Know", die auf Transparenz und Rechenschaftspflicht im Nahrungsmittelsektor spezialisiert ist, sagte bei der Anhörung, dass Dokumente ganz klar auf eine "Geschichte der Täuschung" von Seiten Monsantos hinwiesen. Um zu versuchen, politisch Einfluss zu nehmen, warnte sie, habe die Firma auch Netzwerke von US-amerikanischen und europäischen Wissenschaftlern aufgebaut, die sich für Glyphosat stark machten, dabei aber als unabhängig erschienen.  

Monsanto hatte sich geweigert, vor den EU-Abgeordneten zu erscheinen und sagte, dass die Anhörung kein "geeignetes Forum" sei, um dieses Thema zu behandeln. Die Konferenz der Präsidenten hat daraufhin beschlossen, Monsanto-Lobbyisten die Zugangsausweise zum Parlament zu entziehen.

Im Juni 2017 sagten die EU-Abgeordneten, dass die Monsanto Papers Zweifel an der Glaubwürdigkeit von einigen von Monsanto geförderten Studien aufkommen ließen. Bei den Monsanto Papers handelt es sich um interne E-Mails und Dokumente, die das Unternehmen in einem Gerichtsverfahren in den USA zur Untersuchung möglicher Verbindungen zwischen Glyphosat und Fällen von Leukämie offenlegen musste.  

Diese Studien gehörten zu den von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für die Überprüfung der Unbedenklichkeit von Glyphosat vorgelegten Belegen.

2016 bot Bayer 66 Milliarden US-Dollar für den Kauf des US-Konzerns Monsanto. Die Kommission führt nun eine Fusionskontrolle durch. Die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer würde das weltweit größte integrierte Pestizid- und Saatgut-Unternehmen in einer bereits konzentrierten Branche schaffen.