Bio-Lebensmittel und Ökolandbau: Zahlen und Fakten (Infografik) 

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Erfahren Sie mehr über Bio-Lebensmittel und ökologische Landwirtschaft in Europa und wie neue Vorschriften zur Qualitätsverbesserung beitragen sollen.

Neue EU-Vorschriften für die ökologische Produktion sollen eine hohe Lebensmittelqualität sowie den Umwelt- und Tierschutz entlang der gesamten Lieferkette sicherstellen.


Immer mehr Verbraucher in der EU kaufen Produkte, die mit natürlichen Stoffen und Verfahren hergestellt werden. Bio-Lebensmittel sind keine Nischenprodukte mehr, obwohl sie immer noch einen eher geringen Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Produktion in der EU haben. Was genau bedeutet jedoch "ökologisch" beziehungsweise "biologisch"?


EU-Definition


Die ökologische Erzeugung bezeichnet ein nachhaltiges landwirtschaftliches System, das Umwelt und Tierschutz achtet, zugleich aber alle anderen Stufen der Lebensmittelversorgungskette miteinschließt (wie die Versorgung mit Rohstoffen, die Verarbeitung und Lagerung, den Transport, den Vertrieb und Einzelhandelsdienstleistungen).

Prinzipien biologischer Lebensmittelerzeugung in der EU  

EU-Produktionsvorschriften


Die EU-Verordnung über die ökologische/biologische Produktion und Kennzeichnung von solchen Erzeugnissen gewährleistet, dass in der ganzen EU dieselben hohen Qualitätsstandards eingehalten werden. Die Vorschriften beziehen sich auf die Produktionsmethoden in der Landwirtschaft und Aquakultur, die Lebensmittelverarbeitung und -kennzeichnung, Zertifizierungsverfahren für Landwirte und den Import von ökologischen Erzeugnissen aus Nicht-EU-Staaten. 


Bio-Bauern in der EU verbrauchen Energie und natürliche Ressourcen auf verantwortungsbewusste Weise, fördern die Tiergesundheit und tragen zur biologischen Vielfalt, dem ökologischen Gleichgewicht und guter Wasser- und Bodenqualität bei. 


Die ökologische Landwirtschaft in der EU umfasst unter anderem die folgenden Prinzipien:

  • Fruchtfolgen für eine effiziente Ressourcennutzung;
  • Verbot der Verwendung von chemischen Pestiziden und Kunstdüngern;
  • sehr strenge Beschränkungen für den Antibiotikaeinsatz bei Tieren;
  • Verbot gentechnisch veränderter Organismen (GVOs);
  • Verwendung von Ressourcen vor Ort für natürliche Düngemittel und Tierfutter;
  • Förderung der offenen Freilandhaltung und Verwendung von Bio-Futter;
  • auf die jeweilige Tierart angepasste Tierzuchtmethoden.
Der Bio-Lebensmittelmarkt in der EU  

EU-Bio-Logo und Kennzeichnung


Das EU-Bio-Logo auf Lebensmittelprodukten garantiert, dass die EU-Vorschriften der ökologischen Erzeugung eingehalten werden. Seine Verwendung ist für vorverpackte Bio-Lebensmittel Vorschrift. Verarbeitungserzeugnisse dürfen nur dann als Ökoprodukte gekennzeichnet werden, wenn mindestens 95 Prozent der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs ökologisch sind. (Super-)Märkte und andere Händler dürfen ihre Produkte nur unter Einhaltung der Vorschriften als "ökologisch" beziehungsweise "biologisch" kennzeichnen. 


Ökolandbau und biologischer Lebensmittelmarkt in der EU


Der Bio-Markt in der EU wuchs konstant und hat mittlerweile einen Wert von rund 37,4 Milliarden Euro pro Jahr. Obwohl die biologisch genutzte Landbaufläche in der EU mit den Jahren größer wurde, umfasst ihr Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche immer noch nur rund 7,5 Prozent. In Deutschland lag der ökologisch bewirtschaftete Flächenanteil 2018 bei 7,3 Prozent, in Österreich, dem Spitzenreiter der EU, bei 24,1 Prozent. Das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Produktion wird durch zunehmende Importe ausgeglichen.

Ökolandbau in den EU-Ländern  

Das Wichtigste aus den neuen Vorschriften


Eine Überarbeitung der Bestimmungen zur ökologischen/biologischen Produktion und Kennzeichnung der Erzeugnisse stellte sich als notwendig heraus, um den Veränderungen im Ökosektor gerecht zu werden.


  • Strengere Kontrollen: Alle Akteure in der Lebensmittelversorgungskette (Landwirte, Züchter, Verarbeiter, Händler, Importeure) werden mindestens einmal pro Jahr vor Ort kontrolliert (oder alle zwei Jahre, falls innerhalb der vorangegangenen drei Jahre keine Verstöße verzeichnet wurden).
  • Fairer Wettbewerb: Erzeuger aus Drittstaaten, die ihre Produkte innerhalb der EU verkaufen möchten, müssen sich an dieselben Vorschriften halten wie EU-Produzenten (Konformitätsgrundsatz). Gegenwärtig gültige Vorschriften, nach denen Nicht-EU-Länder ähnliche Standards einhalten müssen (Gleichwertigkeitsgrundsatz), laufen aus. 
  • Kontamination durch Pestizide: Landwirte müssen Vorsorgemaßnahmen treffen, um die "zufällige" Verunreinigung durch unzulässige Pestizide oder Dünger zu vermeiden. Ein Produkt verliert seinen Status als ökologisches/biologisches Lebensmittel, wenn die Kontamination auf fahrlässiges Verhalten oder Betrug zurückzuführen ist. Mitgliedstaaten, die über Schwellenwerte für nicht zugelassene Stoffe in ökologischen Lebensmitteln verfügen, können diese weiterhin anwenden, müssen aber andere ökologische Lebensmittel aus anderen EU-Ländern auf ihren Märkten zulassen. (Die Anti-Kontaminationsvorschriften werden von der Europäischen Kommission bis 2025 beurteilt.)    
  • Bessere Versorgung mit biologischem Saatgut und Tieren: In jedem Mitgliedstaat wird eine elektronische Datenbank über die Verfügbarkeit von biologischem Saatgut und Tieren eingerichtet.
  • Mischbetriebe: Landwirte können sowohl konventionelle, als auch Bio-Produkte erzeugen, müssen aber ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten klar voneinander trennen.
  • Zertifizierungsverfahren für Kleinbauern werden vereinfacht.
  • Der Geltungsbereich wird auf weitere Erzeugnisse wie Salz, Kork und ätherische Öle ausgeweitet. Andere Produkte können später hinzugenommen werden.


Nächste Schritte


Die neuen Vorschriften wurden vom Europäischen Parlament im April 2018 gebilligt. Im Oktober 2020 stimmte das Parlament dafür, die Anwendung der Regeln um ein Jahr, auf den 1. Januar 2022, zu verschieben, um landwirtschaftlichen Betrieben und nationalen Behörden, die die Folgen der Coronakrise bewältigen müssen, mehr Zeit für die Umstellung einzuräumen. 

  

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