Medizinisches Cannabis in Europa: Abgeordnete wollen mehr Forschung 

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Das Europäische Parlament fordert einen EU-weiten Ansatz für medizinisches Cannabis und eine angemessen finanzierte wissenschaftliche Forschung.

Das Parlament befasst sich mit medizinischem Cannabis © Photo by Esteban Lopez on Unsplash  

Einige Mitgliedstaaten haben den medizinischen Gebrauch einer Form von Cannabis oder Cannabinoiden legalisiert oder ziehen Änderungen ihrer derzeitigen Gesetzgebung in Betracht. So entwickeln sich die Rechtsvorschriften für den Einsatz von medizinischem Cannabis in der EU ständig weiter.

Welche Produkte jedoch erlaubt sind und welche Regeln für ihre Verwendung gelten, ist sehr unterschiedlich. Eines haben jedoch alle Vorschriften gemein, kein EU-Land erlaubt bisher das Rauchen oder den Eigenanbau von Cannabis für medizinische Zwecke. Während die WHO offiziell empfohlen hat, die Cannabisverbindung Cannabidiol (CBD) nicht international als kontrollierten Stoff zu erfassen, gibt es keine Harmonisierung auf EU-Ebene, weder für den medizinischen noch für den Freizeitgebrauch von Cannabis.


Was ist Cannabis? 
  • Die Cannabispflanze besteht aus mehr als 480 Stoffen, darunter über 100 Cannabinoide, wobei THC (D9-Tetrahydrocannabinol) und Cannabidiol (CBD) die Bekanntesten sind.  
  • THC ist der wichtigste psychoaktive und süchtig machende Bestandteil von Cannabis; CBD hat keine berauschenden oder suchterzeugenden Wirkungen. 
  • Die "medizinische Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden" kann sich auf eine Vielzahl von pflanzlichen und synthetischen Zubereitungen und Produkten beziehen. 
  • Viele Länder verwenden den mexikanischen Begriff "Marihuana", wenn es um Cannabisblätter geht. Die nicht bestäubten weiblichen Pflanzen werden als Haschisch bezeichnet. 

Cannabis und Cannabinoide können therapeutische Effekte haben. So sollen sie beispielsweise im Zusammenhang mit Aids den Gewichtsverlust verringern oder die Symptome von psychischen Störungen wie Psychosen oder von Epilepsie, Alzheimer, Asthma und Krebs lindern und zur Verringerung des Risikos von Adipositas und Diabetes beitragen. Ebenso sollen sie bei Menstruationsbeschwerden helfen. Doch es bedürfe mehr Forschung, so die Abgeordneten.

Am Mittwoch, den 13. Februar, hat das Europäische Parlament eine Entschließung zur Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken angenommen. Die Abgeordneten


  • fordern eine rechtliche Definition von medizinischem Cannabis, die eine klare Unterscheidung zu anderen Verwendungen vorsieht;
  • sagen, dass Forschung und Innovation im Bereich des medizinischen Cannabis gefördert und angemessen finanziert werden sollten;
  • sagen, dass wirksame Arzneimittel auf Cannabis-Basis von den Krankenkassen übernommen werden sollten.


Schutz von Minderjährigen und gefährdeten Gruppen ist Schlüssel zum Erfolg

Die Abgeordneten argumentieren, dass ein stabiler und klarer Rechtsrahmen sich positiv auf die Qualität und korrekte Kennzeichnung von Substanzen auswirken und so einen sicheren Zugang für Patienten zu medizinischen Zwecken gewährleisten würde. Besondere Vorsichtsmaßnahmen sollten für junge Menschen und Schwangere gelten.

Auf EU-Ebene würden umfassende und faktengestützte Vorschriften die Kontrolle von Verkaufsstellen erleichtern und zur Eindämmung des Schwarzmarktes beitragen. Außerdem ließe sich der Drogenmissbrauch und die Sucht Minderjähriger und gefährdeter Gruppen reduzieren.

Indem die Weiterbildung und der Zugang zu Fachliteratur für medizinisches Personal sichergestellt würde, würde das Wissen über medizinisches Cannabis gefördert.

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