Was versteht man unter Klimaneutralität und wie kann diese bis 2050 erreicht werden? 

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Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens hat sich die EU verpflichtet, bis zur zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts klimaneutral zu sein. Was bedeutet dies nun genau?

Der Klimawandel betrifft den gesamten Globus. Extreme Wetterbedingungen wie Dürren, Hitzewellen, schwere Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche treten immer häufiger auf, auch in Europa. Steigende Meeresspiegel, versauernde Ozeane und weniger Biodiversität sind weitere Folgen der sich rasch verändernden klimatischen Bedingungen.


Die Klimaneutralität bis Mitte des 21. Jahrhunderts ist notwendig, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen - ein Schwellenwert, der vom Weltklimarat als sicher eingestuft wird. Dieses Ziel wurde auch im Pariser Klimaabkommen, das von 195 Ländern, einschließlich der EU, unterzeichnet wurde, festgelegt.


Im November 2019 hat die Europäische Kommission den Europäischen Grünen Deal vorgestellt, Europas Fahrplan zur Klimaneutralität bis 2050.

EU-Ziel: Klimaneutralität. Foto von Sebastian Pichler auf Unsplash  

Was versteht man unter Klimaneutralität?


Klimaneutralität bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in Kohlenstoffsenken herzustellen. Um Netto-Null-Emissionen zu erreichen, müssen alle Treibhausgasemissionen weltweit durch Kohlenstoffbindung ausgeglichen werden.


Als Kohlenstoffsenke wird ein System bezeichnet, das mehr Kohlenstoff aufnimmt als es abgibt. Die wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken sind Böden, Wälder und Ozeane. Laut Schätzungen entfernen natürliche Senken zwischen 9,5 und 11 Gt CO2 pro Jahr. 2017 betrugen die jährlichen globalen CO2-Emissionen 31,7 Gt.


Bisher gibt es keine künstlichen Kohlenstoffsenken, die Kohlenstoff in dem Maße aus der Atmosphäre entfernen können, wie es zur Bekämpfung der globalen Erwärmung notwendig wäre.


Der in natürlichen Senken wie Wäldern gespeicherte Kohlenstoff wird durch Brände, Landnutzungsänderungen oder Abholzung wieder in die Atmosphäre abgegeben. Aus diesem Grund müssen die CO2-Emissionen verringert werden, um das Klimaneutralitätsziel umsetzen zu können.


Klimakompensation


Ein anderes Mittel, um Emissionen zu reduzieren und Klimaneutralität zu erreichen, ist der Ausgleich von Emissionen in einem Sektor über Einsparungen von Treibhausgasen an anderer Stelle. Dafür sind Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder andere saubere und kohlenstoffarme Technologien nötig. Das Emissionshandelssystem der EU ist ein weiteres Instrument zur Klimakompensation.


Welche Ziele setzt sich die EU?


Die Europäische Union setzt sich für eine ehrgeizige Klimaschutzpolitik ein. Mithilfe des Grünen Deals soll Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden, der also so viele CO2-Emissionen beseitigt, wie er produziert. Das Ziel ist im neuen EU-Klimagesetz verankert, das von Parlament und Rat verabschiedet werden muss. Auch das Zwischenziel für eine Emissionsverringerung um 40 Prozent, das sich die EU bis 2030 gesetzt hat, soll entscheidend hochgeschraubt werden.


Der Umweltausschuss stimmte am 11. September für das 2050-Klimaneutralitätsziel und ein EU-Emissionsreduktionsziel von 60 Prozent bis 2030 (gegenüber dem Niveau von 1990). Die Kommission sprach in ihrem ursprünglichen Vorschlag von 50 bis 55 Prozent. Die Ausschussmitglieder fordern die Kommission zudem auf, ein zusätzliches Zwischenziel für 2040 festzulegen, um die Umsetzung des 2050-Ziels abzusichern.


Darüber hinaus rufen die Abgeordneten die einzelnen Mitgliedstaaten dazu auf, bis 2050 Klimaneutralität auf nationaler Ebene zu erreichen. Außerdem solle der Abbau von Treibhausgasen nach 2050 die Emissionen übersteigen, so die Abgeordneten. Auch sollten alle direkten oder indirekten Subventionen für fossile Brennstoffe bis spätestens 2025 auslaufen.


Das Plenum wird während der kommenden Plenartagung (5.–8. Oktober) über das Klimagesetz abstimmen. Danach können die Verhandlungen mit dem Rat über den endgültigen Wortlaut beginnen.


Derzeit haben fünf EU-Mitgliedstaaten das Klimaneutralitätsziel rechtlich formuliert: Schweden möchte bis 2045 Netto-Null-Emissionen erreichen; Dänemark, Frankreich, Deutschland und Ungarn bis 2050.


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