Regulierung künstlicher Intelligenz in Europa: Warum ist sie wichtig? 

 
 

Diese Seite teilen: 

Mehr über die Chancen und Herausforderungen, die die Regulierung von künstlicher Intelligenz in der EU erforderlich machen.

Künstliche Intelligenz - Chancen und Herausforderungen ©Sittinan/AdobeStock  

Die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) werfen rechtliche und ethische Fragen auf. Die Abgeordneten arbeiten derzeit an einem Rahmenwerk, um sicherzustellen, dass die EU auf diese Aspekte auch angemessen vorbereitet ist.


Wir baten die Berichterstatter des Parlaments zum Interview.


Axel Voss (EVP, Deutschland) ist Berichterstatter für die zivilrechtliche Haftung für künstliche Intelligenz. Er sprach mit uns darüber, wie die EU rechtliche Unsicherheiten beseitigen kann, die beim Einsatz von KI entstehen.


Welche Probleme will das Parlament lösen?


Obwohl der bestehende europäische zivilrechtliche Haftungsrahmen die meisten bevorstehenden Szenarien bereits abdeckt, werden neue Technologien, die auf KI beruhen, dennoch einige offene Fragen aufwerfen. So wird es beispielsweise im Falle einer Fehlfunktion der KI schwierig werden, zwischen fahrlässigem und nicht fahrlässigem Verhalten zu unterscheiden. Wer haftet genau, wenn ein KI-angetriebener Roboter einen Fußgänger in einem öffentlichen Raum verletzt oder bei einem chirurgischen Eingriff einen Fehler macht? Das Europäische Parlament möchte einen Arbeitsmechanismus vorschlagen, der das gesamte Spektrum an Risiken und potenziellen Schäden abdeckt, die durch den Einsatz von KI in verschiedensten Anwendungen verursacht werden können.

Mehr dazu, wie das Parlament gegen KI-Risiken für Verbraucher vorgehen will


Welche Vorteile bringt eine Regulierung der Technologien auf EU-Ebene?


Ich bin der festen Überzeugung, dass nur die Europäische Union digitale Technologien regulieren sollte, da Daten nicht an nationalen Grenzen haltmachen. Wenn die EU den digitalen Wandel weiter mitgestalten will, müssen wir geeint und entschlossen handeln. Um den digitalen Binnenmarkt wirklich zu harmonisieren, sollten wir nicht mehr auf Richtlinien zurückgreifen, sondern mit Verordnungen arbeiten (da diese unmittelbar in jedem EU-Land gelten). Viele Dossiers aus der vorherigen Legislaturperiode (wie zum Beispiel die Urheberrechtsrichtlinie, die Richtlinie für digitale Inhalte oder die audiovisuelle Mediendienste-Richtlinie) werden zu 27 unterschiedlichen nationalen Gesetzen und führen zu unterschiedlichen Rechtsauslegungen, obwohl sie auf denselben Vorschriften beruhen. Dies ist eine Situation, die wir nicht länger zulassen können.


Ibán García del Blanco (S&D, Spanien) ist für den Bericht über einen Rahmen für die ethischen Aspekte von künstlicher Intelligenz, Robotik und damit zusammenhängenden Technologien zuständig. Er sprach mit uns über die Risiken und Vorteile künstlicher Intelligenz.


Wirft künstliche Intelligenz ethische Fragen auf? Welches sind die größten Risiken und Chancen dieser neuen Technologie?


Wie jede neue Technologie birgt auch die künstliche Intelligenz einige Risiken. Natürlich dürfen wir nicht zulassen, dass unsere Privatsphäre verletzt wird oder diskriminierende Algorithmen genutzt werden. KI bietet jedoch auch Möglichkeiten, unsere Gesellschaft gerechter, sozialer und ökologisch nachhaltiger zu machen, und zwar durch Regulierungssysteme der Verifizierung und öffentlichen Kontrolle.


Künstliche Intelligenz wird auch wesentliche Veränderungen für unsere Arbeitswelt und Gesellschaft insgesamt mit sich bringen und die öffentlichen Behörden vor große Herausforderungen stellen, wenn es darum geht, Arbeitskräfte umzustrukturieren und sicherzustellen, dass nicht nur einige wenige von den Vorteilen profitieren. Niemand darf zurückgelassen werden.


Warum brauchen wir einen EU-Rechtsrahmen für die ethischen Aspekte von KI und Robotik?


Um sicherzustellen, dass alle von diesen Fortschritten profitieren, ist es von entscheidender Bedeutung, einen Rechtsrahmen zu schaffen, in dem festgelegt wird, welche ethischen Grundsätze bei der Konzeption, Entwicklung, Umsetzung und Funktionsweise dieser neuen Technologien – vom Zugang zu Daten bis zur strengen Kontrolle der Ergebnisse – berücksichtigt werden müssen.


Unser Ziel ist es, das öffentliche Interesse zu schützen und Vertrauen bei den Bürgern zu schaffen. Gleichzeitig wollen wir einen sicheren Rahmen erstellen, der unseren Unternehmen auf dem Markt einen Mehrwert bietet und gewährleistet, dass europäische künstliche Intelligenz als sicher und vertrauenswürdig wahrgenommen wird – in Europa und der ganzen Welt. Wir streben eine künstliche Intelligenz mit einer auf den Menschen ausgerichteten Perspektive an.

Der dritte Bericht des KI-Pakets betrifft die Rechte des geistigen Eigentums bei der Entwicklung von Technologien der künstlichen Intelligenz. Der Berichterstatter ist Stéphane Séjourné (Renew Europe, Frankreich).