Geschlechtsspezifisches Lohngefälle: Zahlen und Fakten (Infografik)  

 
 

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Bald ist Weltfrauentag 2020: Welche wirtschaftlichen Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern bestehen noch immer in der EU?

In diesem Jahr feiert die Pekinger Erklärung der Vereinten Nationen zur Förderung und Ermächtigung von Frauen auf der ganzen Welt ihren 25. Jahrestag. 2020 feiert außerdem die Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen (kurz UN-Frauen) ihr 10-jähriges Jubiläum und es sind fünf Jahre seit der Verabschiedung der nachhaltigen Entwicklungsziele vergangen. Eines dieser Ziele ist die Gleichstellung der Geschlechter.


Was ist der Status quo? Obwohl wichtige Fortschritte erzielt wurden, bestehen zwischen Frauen und Männern immer noch Ungleichheiten, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt. Denn im Durchschnitt verdienen Frauen weniger als Männer.

Das geschlechtsspezifische Lohngefälle verstehen 
  • Das geschlechtsspezifische Lohngefälle spiegelt den Unterschied im Durchschnittslohn zwischen Männern und Frauen wider. 
  • Das unbereinigte geschlechtsspezifische Lohngefälle ist der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von weiblichen und männlichen Arbeitnehmern, ausgedrückt als Prozentsatz des Verdienstes von Männern.  
  • Faktoren, die sich auf das geschlechtsbedingte Lohngefälle auswirken, wie zum Beispiel Unterschiede in der Bildung, Anzahl der gearbeiteten Stunden, Art der Tätigkeit oder Arbeitsmarkerfahrung werden dabei nicht berücksichtigt. 
  • Für die Berechnung werden nur Unternehmen mit zehn oder mehr Beschäftigten herangezogen. 

Wie hoch ist das Lohngefälle in der EU?


In der EU verdienen Frauen im Durchschnitt etwa 15 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten bestehen dabei große Unterschiede: Das größte Lohngefälle wird in Estland (23 Prozent) festgestellt, wohingegen es in Rumänien mit 3 Prozent am geringsten ausfällt. In Deutschland liegt es bei 21 Prozent, in Österreich bei 20 Prozent.

Geschlechtsspezifisches Lohngefälle je EU-Mitgliedstaat  

Allerdings bedeutet ein geringeres Lohngefälle nicht zwangsläufig mehr Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Oftmals geht ein geringes geschlechtsspezifisches Lohngefälle mit einer geringeren Erwerbsbeteiligung von Frauen einher. Hohe Lohngefälle hingegen stehen in der Regel mit einem hohen Frauenanteil an Teilzeitbeschäftigten oder einem hohen Frauenanteil in Niedriglohnsektoren in Verbindung.

Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt


Die Ursachen für die Existenz des geschlechtsspezifischen Lohngefälles sind nicht einfach zu ergründen, denn es müssen viele komplexe Faktoren berücksichtigt werden. Diese gehen weit über den Umstand der gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit hinaus.

Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt  

Wenngleich der Anteil von Frauen mit abgeschlossener Hochschulbildung in der EU höher ist als der der Männer, so ist mit Blick auf den Arbeitsmarkt das Gegenteil der Fall. Nahezu 30 Prozent der Frauen in der EU gehen Teilzeitbeschäftigungen nach. Zudem sind es in der Regel Frauen, die keiner Beschäftigung nachgehen, um sich um die Kindererziehung und Pflege Angehöriger zu kümmern.


Das geschlechtsspezifische Lohngefälle fällt abhängig vom Alter unterschiedlich aus. Im Berufseinstiegsalter ist es in der Regel gering und erhöht sich sukzessive. Allerdings bestehen hier Unterschiede je nach Land. Außerdem variiert das Lohngefälle nach Wirtschaftssektoren und war 2017 in den meisten EU-Mitgliedstaaten im privaten Sektor höher als im öffentlichen.


Eine Hauptursache für die Existenz des geschlechtsspezifischen Lohngefälles ist die Überrepräsentation von Frauen in Niedriglohnsektoren sowie die Unterrepräsentation in besser bezahlten Sektoren. Beispielsweise war der Anteil von Wissenschaftlern und Ingenieuren bei der männlichen EU-Bevölkerung im Jahr 2018 mit 59 Prozent wesentlich höher als bei Frauen mit 41 Prozent. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen liegt EU-weit bei 33 Prozent.


Das geschlechtsspezifische Lohngefälle erhöht für Frauen das Risiko von Altersarmut. Im Jahr 2018 erhielten Frauen über 65 Jahren in der EU durchschnittlich um 30 Prozent geringere Renten als Männer. Auch in diesem Fall variiert die Rentenhöhe je nach EU-Mitgliedstaat mit einem Rentengefälle zwischen 43 Prozent in Luxemburg und 1 Prozent in Estland. In Deutschland betrug das Rentengefälle 37 Prozent und in Österreich 39 Prozent.


Hier erfahren Sie mehr darüber, was das Parlament zur Minderung des Lohngefälles unternimmt.