EU-Politik zum Schutz der Biodiversität  

 
 

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Eine Million Tier- und Pflanzenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht. Das alles tut die EU, um die biologische Vielfalt zu erhalten.

Um gefährdete Arten vor dem Aussterben zu bewahren, will die EU die biologische Vielfalt Europas verbessern und erhalten.

Im Januar 2020 forderte das Europäische Parlament eine ehrgeizige EU-Biodiversitätsstrategie 2030, um die Hauptursachen des Biodiversitätsverlusts anzugehen und rechtsverbindliche Ziele festzulegen. Mindestens 30 Prozent des gesamten EU-Gebiets sollten geschützt und 10 Prozent des langfristigen Haushalts für die Erhaltung der biologischen Vielfalt aufgewendet werden, so die Abgeordneten.

In der Folge hat die Europäische Kommission im Rahmen des "Grünen Deals" im Mai eine neue Biodiversitätsstrategie für 2030 vorgelegt.

Der Vorsitzende des Umweltausschusses, Pascal Canfin (Renew Europe, Frankreich), begrüßte die von der Kommission angekündigten Maßnahmen, um den Pestizideinsatz bis 2030 um 50 Prozent zu verringern, den Ökolandbau auf 25 Prozent auszubauen sowie 30 Prozent der Landfläche und Meere in der EU zu schützen. Er sagte jedoch, dass die Strategien in EU-Recht übersetzt und umgesetzt werden müssten.

Mehr: Die Bedeutung der Biodiversität

Der Iberische Luchs steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten  

Was wurde bisher unternommen, um biologische Vielfalt und gefährdete Arten in Europa zu schützen?


Im Rahmen ihrer 2010 eingeleiteten Biodiversitätsstrategie 2020 setzt die EU verschiedene Maßnahmen, um die biologische Vielfalt zu schützen.

EU-Biodiversitätsstrategie für 2020  
  • Mit der Vogelschutzrichtlinie sollen alle 500 wildlebenden Vogelarten in der EU erhalten werden. 
  • Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gewährleistet die Erhaltung einer Vielzahl seltener, bedrohter oder endemischer Tier- und Pflanzenarten, darunter etwa 200 seltener und charakteristischer Lebensraumtypen. 
  • Natura 2000 ist das größte Schutzgebiets-Netzwerk der Welt, mit wichtigen Brut- und Ruhestätten für seltene und bedrohte Arten sowie seltene natürliche Lebensraumtypen. 
  • Die Bestäuberinitiative soll deren Rückgang entgegenwirken und zu globalen Bemühungen beitragen, sie zu erhalten, wobei der Schwerpunkt auf der Verbesserung des Wissens über den Rückgang, der Ursachenbekämpfung und Sensibilisierungsmaßnahmen liegt.* 

Mithilfe des europäischen LIFE-Programms konnten beispielsweise der Iberische Luchs und der Bulgarische Rötelfalke vor dem Aussterben bewahrt werden.


Mehr Informationen über gefährdete Arten in Europa


Die abschließende Bewertung der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 steht noch aus. In einer Entschließung zur Halbzeitbewertung der Strategie im Jahr 2016 betonten die Abgeordneten, dass bei den Zielen zum Schutz von Arten und Lebensräumen, zur Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen und zum Schutz der Meere zwar Fortschritte erzielt worden seien, die Bemühungen jedoch intensiviert werden müssten.


Beim Ziel, invasive nichtheimische Arten zu bekämpfen, war die EU auf gutem Weg. Im Gegensatz dazu hatte der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt kaum Fortschritte gemacht.


Das Netz Natura 2000, das Naturschutzgebiete in Europa umfasst, ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen und deckt heute mehr als 18 Prozent der EU-Landfläche ab.


Zwischen 2008 und 2018 haben sich marine Natura-2000-Gebiete mehr als vervierfacht und erstrecken sich nun auf 360.000 km². Viele Vogelarten verzeichneten einen Populationszuwachs und die Situation vieler anderer Arten und Lebensräume hat sich deutlich verbessert.


Trotz ihres Erfolgs reicht das Ausmaß der Initiativen jedoch nicht aus, um den negativen Trend auszugleichen, da die Hauptursachen des Verlusts der biologischen Vielfalt – Habitatverlust, Umweltverschmutzung, Klimawandel und invasive gebietsfremde Arten – bestehen bleiben. Einige Haupttreiber für die Zerstörung von Natur gewinnen sogar an Bedeutung und erfordern noch viel größere Anstrengungen.

EU-Biodiversitätsstrategie 2030

Die Biodiversitätsstrategie 2030 soll dazu beitragen, die Verpflichtungen des "Grünen Deals" der Kommission unter Ursula von der Leyen zu erfüllen. Gleichzeitig ist sie eng an die "Vom Hof auf den Tisch"-Strategie für ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem gekoppelt.


Die Strategie umfasst konkrete Ziele für die nächsten zehn Jahre, darunter die Schaffung eines EU-weiten Netzes von Schutzgebieten an Land und auf See, Verpflichtungen zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und die Ermöglichung eines tiefgreifenden Wandels mithilfe praktikabler verbindlicher Maßnahmen. Zudem soll die EU bei der Bekämpfung der biologischen Vielfalt auf globaler Ebene die Führungsrolle übernehmen.


Die neue Strategie umreißt die Ambitionen der EU für den globalen Biodiversitätsrahmen nach 2020, der auf der Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD COP15) in Kunming (China) angenommen werden soll. (Diese war ursprünglich für Oktober 2020 angesetzt, wurde jedoch verschoben.)


Nach Annahme der Strategie beabsichtigt die Kommission, bis 2021 konkrete Vorschläge für ihre Umsetzung vorzulegen.


*Im Dezember 2019 kritisierten die Abgeordneten die EU-Bestäuberinitiative als unzureichend, um dem Rückgang der Bestäuber entgegenzuwirken.