Ein einheitliches Ladegerät: besser für Verbraucher und Umwelt 

 
 

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Ein Kabel, um sie alle zu laden ©AdobeStock/WESTOCK  

Mit der Einführung eines einheitlichen Ladegeräts für Smartphones und andere mobile Geräte möchte die EU den Verbrauchern das Leben erleichtern und Abfall reduzieren.

Es kann frustrierend sein, für das Aufladen verschiedener Smartphones, Tablets oder Kameras unterschiedliche USB-Kabel verwenden zu müssen. Die EU möchte, dass dies der Vergangenheit angehört. Mit einem einheitlichen Ladegerät wird nicht nur das Leben erleichtert, sondern auch Elektronikschrott vermieden. Um herauszufinden, worum es bei dem Vorschlag für ein einheitliches Ladegerät geht, haben wir mit Anna Cavazzini, der Vorsitzenden des Ausschusses für Verbraucherschutz des Parlaments, gesprochen. Lesen Sie hier die Zusammenfassung unseres Facebook-Live-Interviews.


Der Vorschlag für ein einheitliches Ladegerät


„Das Europäische Parlament setzt sich seit zehn Jahren für einen Standard ein, damit wir nicht mehr so viele Kabel brauchen, sondern nur noch eines“, so Cavazzini. Die Europäische Kommission hat versucht, die Unternehmen über freiwillige Vereinbarungen an Bord zu holen, was teilweise funktioniert hat. Allerdings haben nicht alle Unternehmen zugestimmt, weswegen die Kommission schließlich Rechtsvorschriften für einen gemeinsamen Standard für Ladegeräte vorgeschlagen hat.


Was bedeutet das für die Verbraucher?


Der Vorschlag besteht aus zwei Teilen: zum einen aus einem gemeinsamen Standard für Kabel und Geräte, sodass Ladekabel in Zukunft austauschbar sind. Dies ist gut für die Verbraucher, da sie ihre Geräte mit jedem Kabel aufladen können.


Der zweite Teil ist die Entkopplung zwischen Gerät und Ladekabel. „Wenn ich ein neues Telefon kaufe, bekomme ich oft automatisch auch ein neues Kabel“, sagte Cavazzini. „In Zukunft werden Telefone und Geräte nicht mehr automatisch mit Kabeln verkauft, und dadurch kommt es zu weniger Elektronikschrott.“ Das würde bedeuten, dass die Verbraucher das Kabel separat kaufen müssten. Da aber die meisten Menschen bereits Kabel besitzen, dürfte dies keine großen Kosten verursachen.


Wann können wir mit dem einheitlichen Ladegerät in der EU rechnen?


Frühestens könnte die Vorschrift 2024 in Kraft treten. Cavazzini hofft, dass das Parlament die Arbeit an dem Vorschlag abschließt und bis Ende 2022 eine Einigung mit dem Ministerrat erzielt, der gemeinsam mit dem Parlament die Gesetzgebung vornimmt. Die Länder hätten dann zwei Jahre Zeit, das Gesetz umzusetzen.


Die Idee des Parlaments


Obwohl die Arbeit an dem Vorschlag im Parlament noch nicht offiziell begonnen hat, haben einige Mitglieder bereits gefordert, alle Geräte miteinzubeziehen. „Der Vorschlag der Kommission schließt viele Geräte ein, aber zum Beispiel keine E-Reader“, sagt Cavazzini. Andere Abgeordnete sind der Meinung, dass die Gesetzgebung zukunftssicher sein muss, indem zum Beispiel auch das kabellose Laden berücksichtigt wird.


Wird ein einheitlicher Ladestandard Innovation behindern?


Gemäß Cavazzini bringt die Industrie oft das Argument vor, dass die Gesetzgebung die Innovation ausbremsen könnte. „Ich sehe das nicht so“, betont sie. „Der Vorschlag besagt, dass wir die Regelung anpassen können, wenn ein neuer Standard auftaucht, der besser ist als USB-C.“


Wie viel Elektronikschrott kann verhindert werden?


Es gibt unterschiedliche Schätzungen, aber eine Zahl, die oft genannt wird, ist etwa 1.000 Tonnen pro Jahr. „Elektronikschrott ist die am schnellsten wachsende Abfallart in der EU. Wenn wir den Grünen Deal wirklich umsetzen und unseren Ressourcenverbrauch eindämmen wollen, müssen wir alle Register ziehen“, so Cavazzini.


Hintergrund


Nach einem Jahrzehnt des Drängens durch das Parlament legte die Kommission im September 2021 einen Vorschlag für einen einheitlichen Ladestandard vor. Damit würde USB-C zum Standardanschluss für alle Smartphones, Tablets, Kameras, Kopfhörer, tragbare Lautsprecher und tragbare Videospielkonsolen werden.