Nachhaltige Versorgung mit kritischen Rohstoffen ist entscheidend für die EU-Industrie 

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Die Abgeordneten wollen, dass Europa weniger abhängig von der Einfuhr kritischer Rohstoffe ist, die für seine strategischen Industrien von entscheidender Bedeutung sind

Ein Mann arbeitet an Photovoltaik-Paneelen während der Arbeiten für den Bau der ersten Solarstraße. © Charly Triballeu / AFP  

Um digitaler, energieeffizienter und klimaneutraler zu werden, benötigt die EU mehr kritische Rohstoffe wie Lithium und Kobalt für die Herstellung von Batterien und Elektromotoren. Diese Technologien ermöglichen die Entwicklung strategischer Sektoren: Energien aus erneuerbaren Quellen, Elektroautos und digitale Technologien.

Die bereits angespannte globale Versorgungslage wurde durch COVID-19 weiter belastet. Dies hat zu Engpässen bei wichtigen Rohstoffen in Europa geführt und die Industrie vor die Herausforderung gestellt, den Zugang zu Ressourcen zu sichern.

Umkehrung der Abhängigkeit der EU von Importen

Die EU ist mit Engpässen und Schwachstellen in der Lieferkette konfrontiert, da sie stark von Einfuhren aus einzelnen Quellen abhängig ist. Ein Beispiel: China deckt 98 Prozent des EU-Bedarfs an Seltenen Erden, die Türkei 98 Prozent der Boratlieferungen und Südafrika 71 Prozent des Platinbedarfs der EU.

Um diese Abhängigkeit umzukehren, stimmten die Abgeordneten während der Plenartagung im November über einen Bericht ab, in dem die Kommission aufgefordert wird, eine umfassende EU-Strategie für kritische Rohstoffe vorzulegen. Diese soll auf hohen Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards sowie einer nachhaltigen Beschaffung basieren.

Die Abgeordneten fordern die EU auf, die Bezugsquellen für kritische Rohstoffe zu diversifizieren und die Abhängigkeit von einigen wenigen Drittstaaten zu verringern. Der Bericht schlägt vor, dass die EU bestehende Partnerschaften und Handelsabkommen stärkt und gleichzeitig Optionen mit neuen Ländern sondiert. Im Bericht wird betont, dass alle Übereinkommen den ökologischen Fußabdruck der Importe berücksichtigen müssen. Außerdem müssen die Rohstoffe verantwortungsvoll beschafft werden, wobei die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer zu respektieren und menschenwürdige Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sicherzustellen sind.

Recycling von Rohstoffen in der EU

Rohstoffe können aus älteren Produkten recycelt werden. In diesem Fall werden sie als Sekundärrohstoffe bezeichnet. Die Abgeordneten wollen das Recycling und die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus dem Bergbau und der Verarbeitung sowie aus gewerblichen Abfallströmen fördern und so einen zuverlässigen, sicheren und nachhaltigen Zugang zu ihnen erlangen. Die Abgeordneten fordern außerdem spezielle Recycling-Ziele für kritische Rohstoffe mit einem robusten Überwachungsrahmen.

In einer am 9. Februar 2021 angenommenen Entschließung forderte das Parlament strengere Recyclingvorschriften und verbindliche Zielvorgaben für den Materialeinsatz und -verbrauch bis 2030. Dies erfolgte als Reaktion auf den Aktionsplan der Kommission für eine Kreislaufwirtschaft. Mit dem im März 2020 angenommenen Aktionsplan wird beabsichtigt, bis 2050 eine Kreislaufwirtschaft in der Industrie einzuführen.

Erfahren Sie mehr über die Bedeutung und die Vorteile einer Kreislaufwirtschaft.

Eine umfassendere Strategie für kritische Rohstoffe würde dazu beitragen, das industrielle Ökosystem der EU zu stärken und Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie zu erhalten.
Der Rohstoffsektor bietet rund 350.000 Arbeitsplätze in der EU und mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze in den nachgelagerten Branchen des verarbeitenden Gewerbes. Der Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft könnte bis 2030 zu einem Nettozuwachs von 700.000 Arbeitsplätzen in der EU führen.

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