Fragen und Antworten zum langfristigen Haushalt der EU, dem mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 

Pressemitteilung 
 
 

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Fragen und Antworten zum langfristigen Haushalt der EU, dem sogenannten mehrjährigen Finanzrahmen (Ausgaben der EU), und zur Reform der Eigenmittel der EU (Einnahmen der EU).

Zurzeit laufen die Verhandlungen über den nächsten langfristigen Haushalt der EU für den Zeitraum von 2021 bis 2027. Es geht um die Zukunft Europas – darum, ob die EU weniger als bisher, genau so viel oder sogar mehr für ihre Bürger tun kann.


Diese Fragen und Antworten spiegeln die Position des Parlaments und den Stand der Dinge vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie wider. Die Europäische Kommission hat inzwischen angekündigt, dass sie ihren ursprünglichen Vorschlag vom Mai 2018 für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) aktualisieren wird, um ihn an die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Erholung anzupassen, da die Gesundheitskrise die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten hart getroffen hat. Dies spiegelt auch das wider, was die Abgeordneten gefordert hatten.

Seit Beginn der Krise hat das Parlament eine Reihe von Maßnahmen, haushaltspolitischer und anderer Art, zur Bewältigung der Folgen der Pandemie angenommen und im April eine Entschließung verabschiedet, in der ein robusterer und ehrgeizigerer MFR gefordert wurde. Sobald die Einzelheiten des neuen Kommissionsvorschlags bekannt sind, wird das Parlament seinen Standpunkt weiter anpassen.


Das Europäische Parlament will eine Reform des Haushalts für die Zeit nach 2020: Zum einen sollen sich damit die politischen Zusagen und Ziele des Parlaments für die Zukunft der EU verwirklichen lassen. Zum anderen soll so für Kontinuität in den wichtigsten Politikbereichen der EU gesorgt werden – etwa in der Regional- und Landwirtschaftspolitik. Der Haushalt soll aber auch den künftigen Herausforderungen gewachsen sein – damit Europa stärker und nachhaltiger wird. Er soll Frieden, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Geschlechtergleichstellung fördern, für Wohlstand, Wirtschaftswachstum, hochwertige Arbeit und mehr Solidarität zwischen Mitgliedstaaten und Bürgern sorgen und zum Klimaschutz beitragen.


Der EU-Haushalt ist in erster Linie ein Investitionshaushalt – und obendrein einzigartig: Er darf nämlich kein Defizit aufweisen. Zu rund 93 % kommt er Bürgern, Regionen, Städten, Landwirten, Hochschulen und Unternehmen zugute. Dagegen machen die Verwaltungsausgaben der EU nicht einmal 7 % des gesamten EU-Haushalts aus. Der Binnenmarkt bringt weitere wirtschaftliche Vorteile. Das gilt insbesondere für Mitgliedstaaten, die stark vom Welthandel abhängig sind.

  • Der mehrjährige Finanzrahmen (MFR) ist der langfristige Haushalt der EU, der in der Regel sieben Jahre gilt.


    Es handelt sich dabei im Wesentlichen um einen Investitionshaushalt, in dem Mittel zur Umsetzung von politischen Zielen zum Nutzen aller Unionsbürger gebündelt werden. Mit ihm werden gemeinsame Aufgaben in den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Digitales, Verteidigung und Grenzschutz, soziale Rechte und Beschäftigung gesamteuropäisch angegangen – was einen deutlichen Mehrwert bringt.


    Im mehrjährigen Finanzrahmen sind für die jeweilige Geltungsdauer Obergrenzen für die Ausgaben der EU festgelegt, und zwar sowohl insgesamt als auch für die einzelnen Tätigkeitsbereiche. Die Ausgaben sind darin in größere Kategorien, sogenannte Rubriken, unterteilt, die den Prioritäten und Tätigkeitsbereichen der EU entsprechen. Außerdem gilt auch für jedes einzelne Jahr des Siebenjahreszeitraums eine feste Ausgabenobergrenze.


    Bisher gab es fünf mehrjährige Finanzrahmen. Der aktuelle, von 2014 bis 2020 geltende fünfte mehrjährige Finanzrahmen wurde am 2. Dezember 2013 angenommen.


    Er läuft bis zum 31. Dezember 2020. Die Europäische Kommission hat für den Zeitraum von 2021 bis 2027 einen neuen Finanzrahmen vorgeschlagen. Er besteht aus dem Entwurf einer zentralen Verordnung mit den vorgeschlagenen Beträgen und den Gesetzesvorschlägen für alle 37 Programme der EU.


    Mehr zu diesem Thema:

    Kurzdarstellungen zur Europäischen Union – Mehrjähriger Finanzrahmen

  • Dadurch, dass der mehrjährige Finanzrahmen langfristig angelegt ist, garantiert er Vorhersehbarkeit und Stabilität bei der Umsetzung der politischen Ziele der EU. Das kommt auch jenen zugute, die Gelder empfangen oder selbst Projekte bezuschussen, da der EU-Haushalt in erster Linie ein Investitionshaushalt ist.


    In den 1980er Jahren ersann man die sogenannte mehrjährige finanzielle Vorausschau, um Konflikte zwischen den Organen der EU zu verringern, die Haushaltsdisziplin zu stärken und dank besserer Planung auch die Ausführung des Haushalts zu verbessern.


    Nach Artikel 312 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union wird der mehrjährige Finanzrahmen „für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren aufgestellt“.

    Das Europäische Parlament macht sich nun für einen Haushaltszyklus von fünf plus fünf Jahren stark. So soll der Haushalt an die Fünfjahreszeiträume angeglichen werden, die für einige Organe der Europäischen Union gelten, z. B. für die Wahlperiode.


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    Die Geschichte des EU-Haushalts

  • Im mehrjährigen Finanzrahmen belaufen sich die Mittel für Verpflichtungen für den gesamten Zeitraum von 2014 bis 2020 auf 1087,2 Mrd. EUR in laufenden Preisen, also unter Berücksichtigung der Inflation. Das entspricht 963,5 Mrd. EUR in Preisen von 2011.


    Was Mittel für Verpflichtungen und Mittel für Zahlungen sind, erfahren Sie weiter unten.


    Quellen der Infografik: Wissenschaftlicher Dienst und Europäische Kommission

The size of the MFF  
  • Verglichen mit den Haushalten der Mitgliedstaaten ist der EU-Haushalt klein.


    Die Mitgliedstaaten geben im Durchschnitt 47,1 % ihres Bruttonationaleinkommens (BNE) im Inland aus. Der mehrjährige Finanzrahmen macht dagegen nur etwas mehr als 1 % des Bruttonationaleinkommens der gesamten EU aus – und die gesamte EU hat etwas davon. Der Haushalt der Union ist also nur einen Bruchteil so groß wie der der Mitgliedstaaten – etwas mehr als 2 %.


    In absoluten Zahlen wird deutlich: Der jährliche Haushalt der EU ist erheblich kleiner als der durchschnittliche Jahreshaushalt der Mitgliedstaaten.

Comparison EU and national budgets  
  • Die im mehrjährigen Finanzrahmen zugewiesenen Gelder werden im Rahmen von Jahreshaushalten ausgegeben.


    Über den Jahreshaushalt der EU wacht die EU-Haushaltsbehörde. Sie besteht aus zwei Teilen: dem Rat (der die Mitgliedstaaten vertritt) und dem Parlament. Rat und Parlament müssen den Jahreshaushalt gemeinsam genehmigen; sie entscheiden also im jährlichen Haushaltsverfahren gleichberechtigt.


    Für den Jahreshaushalt der EU gilt eine wichtige Regel: Er darf die im mehrjährigen Finanzrahmen vereinbarten Obergrenzen für die verschiedenen Programme und Politikbereiche, z. B. Kohäsionspolitik, Landwirtschaft und Außenbeziehungen, nicht überschreiten.


    In den Haushalt sind aber auch sogenannte Flexibilitätsinstrumente eingebaut. Sie sollen sicherstellen, dass die EU reagieren kann, wenn etwas Unerwartetes eintritt, z. B. eine Krise – wie die Migrations- und die Finanzkrise – oder eine Naturkatastrophe.


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    Die Ausgaben der Europäischen Union

    Infografik: Haushaltsbefugnis (Haushaltsverfahren)

  • Rund 93 % der Haushaltsmittel der EU kommen vor Ort an – in den Mitgliedstaaten der EU, aber auch in anderen Ländern. Sie helfen Bürgern, Regionen, Städten, Landwirten, Forschern, Studierenden und Schülern, regierungsunabhängigen Organisationen und Unternehmen.


    Nicht einmal 7 % des Gesamthaushalts der EU machen dagegen die Verwaltungsausgaben der EU aus. Bezahlt werden damit die Verwaltungen aller EU-Institutionen (in erster Linie Kommission, Parlament und Rat), aber auch Übersetzer und Dolmetscher, die nötig sind, um Informationen in allen Amtssprachen der EU zur Verfügung zu stellen.


    Der EU-Haushalt ist einzigartig: Er darf kein Defizit aufweisen. Im Gegensatz zu den nationalen Haushalten, die zum großen Teil verwendet werden, um öffentliche Dienstleistungen anzubieten und die Sozialversicherungssysteme zu finanzieren, ist der EU-Haushalt in erster Linie ein Investitionshaushalt.


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    Das tut die EU für mich

    So werden die Haushaltsmittel der EU verwendet: Sammlung von Briefings des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments (in englischer Sprache; einzelne Briefings finden Sie hier)

    Beispiele für EU-finanzierte Projekte (Europäische Kommission)


    Quelle der Infografik: Europäische Kommission

EU spending  
  • Wie man es auch dreht und wendet: Selbst die vorsichtigsten Schätzungen besagen, dass allein die Vorteile des Binnenmarkts für jeden Mitgliedstaat um ein Vielfaches größer sind als der nationale Finanzbeitrag zur EU (Quelle: Europäische Kommission).


    Bei der sogenannten Nettozahler-Debatte werden schlichtweg alle wirtschaftlichen und nicht in Geld messbaren Vorteile ausgeblendet, die die Mitgliedschaft in der EU den Mitgliedstaaten bringt. In vielen länderübergreifenden Politikbereichen, in denen eine sogenannte kritische Masse nötig ist, kann gemeinsames Vorgehen auf der Ebene der EU zu besseren Ergebnissen führen als nationale Alleingänge. Mehreren Studien zufolge hat der Binnenmarkt mehr Beschäftigung und Wachstum gebracht. Seine Vertiefung seit 1990 beispielsweise hat 3,6 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen lassen. Außerdem wäre das Bruttoinlandsprodukt der EU ohne Binnenmarkt um 8,7 % niedriger. Und die EU-Bürger haben dank des Binnenmarkts im Durchschnitt pro Jahr 840 EUR mehr auf dem Konto.


    Als Gradmesser für die Vorteile, die EU-Gelder und EU-Mitgliedschaft bieten, ist der Nettohaushaltssaldo denkbar ungeeignet. Werden Haushaltsentscheidungen auf seiner Grundlage getroffen, ergeben sich schwache politische Strategien, da sie programmatisch darauf ausgerichtet sind, dass Gelder in die Mitgliedstaaten zurückfließen. Dieses Beharren auf eine Gegenleistung, den sogenannten angemessenen Mittelrückfluss, ist eines der größten Hindernisse dafür, dass mit dem EU-Haushalt mehr europäischer Mehrwert geschaffen wird. Die Fixierung auf den Nettosaldo führt in die Irre und schadet sogar, doch sie hat eine tiefere Ursache: Rückflüsse in die Mitgliedstaaten sind sehr publikumswirksam und politisch attraktiv, da ihre Empfänger auf nationaler und regionaler Ebene leicht auszumachen sind. Dagegen werden politische Programme, deren Empfänger weiter über Europa verteilt sind und bei denen keine Gelder in die Mitgliedstaaten fließen, von Wählern und Politikern weniger stark unterstützt (Quelle: Wissenschaftlicher Dienst des Europäischen Parlaments).


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    „Ich will mein Geld zurück!“ – Warum man endlich mit der Mär von den Nettozahlern und Nettoempfängern aufräumen sollte: Sammlung nützlicher Hintergrunddokumente (in englischer Sprache)

    Die Zwei-Billionen-Euro-Dividende Europas: Zuordnung der Kosten des Verzichts auf EU-politisches Handeln, 2019–2024 (Wissenschaftlicher Dienst des Europäischen Parlaments)

    Fachliches Briefing zum nächsten langfristigen EU-Haushalt (Europäische Kommission; in englischer Sprache)

EU Single market benefits  
  • Der EU-Haushalt speist sich aus drei Haupteinnahmequellen. Dabei handelt es sich erstens um die „traditionellen“ Eigenmittel, die sich aus Zöllen und Zuckerabgaben zusammensetzen. Zum Zweiten fließt auch ein Teil der Mehrwertsteuereinnahmen der Mitgliedstaaten in den EU-Haushalt. Dabei gilt für alle Länder eine einheitliche Bemessungsgrundlage. Außerdem gibt es noch eine dritte Art von Eigenmitteln: Die Mitgliedstaaten tragen je nach ihrem Bruttonationaleinkommen (BNE) unterschiedlich viel zum Haushalt der Union bei. So wird dafür gesorgt, dass die Beiträge gerecht aufgeteilt sind.


    Der Großteil der Einnahmen (77 % im Jahr 2018) stammt derzeit aus den Eigenmitteln auf der Grundlage des Bruttonationaleinkommens und der Mehrwertsteuer. Die Mitgliedstaaten betrachten diese Gelder jedoch als nationale Beiträge und nicht als Eigenmittel der EU.


    Mehr zu diesem Thema:

    Kurzdarstellungen zur Europäischen Union – Die Einnahmen der Europäischen Union

    Die Eigenmittel der EU (Hintergrundinformationen in englischer Sprache)

    Eigenmittel der Europäischen Union: Die Reform des Finanzierungssystems der EU (Briefing in englischer Sprache)


    Quellen der Infografik: Europäische Kommission und Wissenschaftlicher Dienst

EU revenue 2018  
  • Beim nächsten EU-Haushalt geht es um die Zukunft Europas und darum, ob die EU nach 2020 weniger als bisher, genau so viel oder sogar mehr für ihre Bürger tun kann.


    Der aktuelle mehrjährige Finanzrahmen gilt seit 2014 und läuft bis Ende 2020. Nun gilt es, mithilfe des EU-Haushalts neue Herausforderungen zu meistern. Das betrifft etwa die Migrationskrise, die immer instabileren Nachbarregionen der EU und Gefahren für die Sicherheit der Union. Doch auch die Wirtschafts- und Finanzkrise ist immer noch spürbar: Nach wie vor klafft in der EU eine erhebliche Investitionslücke.


    Eine weitere wichtige Aufgabe für die EU ist der Klimaschutz. In einer Entschließung vom Oktober 2019 fordert das Parlament, dass dieses Ziel noch stärker als bisher in wirklich allen Bereichen des EU-Haushalts berücksichtigt wird. So will es für den gerechten Übergang zu einer CO2-neutralen Wirtschaft sorgen.


    Kostspielig ist auch die engere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich, die mit EU-Geldern gefördert werden soll. Nicht zuletzt reißt der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU ein nicht zu unterschätzendes Loch in den EU-Haushalt.


    Deshalb steht das Europäische Parlament auf dem Standunkt, dass der Union im Rahmen des mehrjährigen Finanzrahmens 2021–2027 das Geld bereitgestellt werden sollte, das gebraucht wird, „um nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Forschung und Innovation zu fördern, die Teilhabe junger Menschen zu stärken, den Herausforderungen der Migration wirksam zu begegnen, Arbeitslosigkeit, anhaltende Armut und soziale Ausgrenzung zu bekämpfen, den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt weiter zu stärken, auf Nachhaltigkeit hinzuwirken, gegen den Verlust der Artenvielfalt und den Klimawandel vorzugehen, die Sicherheit und Verteidigung der EU zu stärken, die Außengrenzen der EU zu schützen und die Nachbarländer zu unterstützen“ (aus der Entschließung vom November 2018 über den Standpunkt des Parlaments zum mehrjährigen Finanzrahmen).


    Der mehrjährige Finanzrahmen 2021–2027 in Zahlen (Vergleich des Vorschlags der Kommission mit dem Standpunkt des Parlaments; in englischer Sprache)


    Mehr zu diesem Thema:

    Kurzdarstellungen zur Europäischen Union – Mehrjähriger Finanzrahmen

    Ein EU-Haushalt für die Zukunft (Website der Kommission)

  • Der mehrjährige Finanzrahmen 2021–2027 in Zahlen (Vergleich des Vorschlags der Kommission mit dem Standpunkt des Parlaments; in englischer Sprache)


    Entschließung vom November 2018 (Pressemitteilung hier abrufbar)


    → Das Parlament ist seit November 2018 verhandlungsbereit.


    Das Parlament hat sich eingehend mit der Frage beschäftigt, wie viel Geld die EU braucht, um ihre Ziele in allen Politikbereichen zu verwirklichen. Es geht davon aus, dass alle 27 Mitgliedstaaten mit 1,3 % ihres Bruttonationaleinkommens zum neuen mehrjährigen Finanzrahmen beitragen müssten (die Kommission schlägt 1,11 % vor, der Rat hat seinen Standpunkt noch nicht festgelegt).


    Das Parlament fordert, dass mehr Geld in die Bereiche Jugend, Forschung und Innovation und in den Umwelt- und Klimaschutz fließt. Infrastrukturvorhaben, kleine und mittlere Unternehmen und der digitale Wandel sollten ebenfalls stärker gefördert werden. Außerdem hält es die weitere Stärkung der sozialen Rechte für nötig. In den traditionellen Politikbereichen der EU – etwa der Landwirtschafts-, Fischerei- und Kohäsionspolitik – will es die Finanzierung real auf dem bisherigen Niveau belassen.


    Entschließung vom Oktober 2019 (Pressemitteilung hier abrufbar)


    → Das im Mai 2019 neu gewählte Parlament bestätigte seinen Standpunkt zum mehrjährigen Finanzrahmen und zur Reform der Eigenmittel aus dem Jahr 2018: Im Oktober 2019 nahm es eine entsprechende Entschließung an.


    Darin wird bekräftigt, dass ein neuer Schutzmechanismus für den EU-Haushalt greifen müsse, wenn die Rechtsstaatlichkeit missachtet wird. Begrüßt werden außerdem die von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Juli 2019 angekündigten neuen politischen Initiativen. Diese neuen Vorhaben bedeuteten aber auch, dass der von der Kommission ursprünglich vorgeschlagene Haushalt aufgestockt werden müsse.


    Um die Ziele des europäischen Grünen Deals zu verwirklichen, solle der Klimaschutz mehr denn je in allen Bereichen des EU-Haushalts zum Tragen kommen. Es müssten auch entsprechende Gelder bereitgestellt werden, denn nur so könne ein gerechter Übergang zu einer CO2-neutralen Wirtschaft gelingen und sichergestellt werden, dass niemand auf der Strecke bleibt.


    Das Parlament fordert außerdem, dass die interinstitutionellen Verhandlungen umgehend aufgenommen werden. Die Rolle des Parlaments als Gesetzgeber dürfe nicht durch eine politische Entscheidung im Europäischen Rat geschmälert werden.


    Die Kommission solle außerdem einen Notfallplan ausarbeiten, damit der aktuelle mehrjährige Finanzrahmen 2014–2020 bei Bedarf verlängert werden kann. So könne man die Empfänger von EU-Geldern schützen, falls die Verhandlungen mit dem Rat nicht rechtzeitig abgeschlossen werden.


    Mehr zu diesem Thema:

    Visualisierung des vorgeschlagenen mehrjährigen Finanzrahmens 2021–2027 (Infografik in englischer Sprache)

    Informationsblatt zum Standpunkt des Parlaments

    Aktuelle Pressemitteilungen zum mehrjährigen Finanzrahmen (Übersicht in englischer Sprache)

    Vorschlag der Kommission für den neuen mehrjährigen Finanzrahmen 2021–2027 vom Mai 2018

  • So sieht das Verhandlungsteam des Parlaments für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen und die Reform der Eigenmittel aus:


    Johan Van Overtveldt (EKR, Belgien), Vorsitzender des Haushaltsausschusses

    Jan Olbrycht (EVP, Polen), Ko-Berichterstatter für den mehrjährigen Finanzrahmen

    Margarida Marques (S&D, Portugal), Ko-Berichterstatterin für den mehrjährigen Finanzrahmen

    José Manuel Fernandes (EVP, Portugal), Ko-Berichterstatter für die Reform der Eigenmittel

    Valérie Hayer (RENEW, Frankreich), Ko-Berichterstatterin für die Reform der Eigenmittel

    Rasmus Andresen (Grüne/EFA, Deutschland)

    Folgen Sie dem Verhandlungsteam des Parlaments auf Twitter: https://twitter.com/EP_Budgets/lists/mff-negotiation-team

MFF negotiating team  
  • Das Parlament will dem nächsten mehrjährigen Finanzrahmen nur zustimmen, wenn eine Einigung über die Reform des Eigenmittelsystems der EU gelingt. Es fordert, dass die Ausgaben und Einnahmen der EU als Gesamtpaket behandelt werden.


    Die bisherigen Eigenmittel müssten beibehalten und schrittweise um neue Einnahmequellen ergänzt werden. Die Direktbeiträge, die die EU-Mitgliedstaaten je nach ihrem Bruttonationaleinkommen leisten, sollten dementsprechend verringert werden.


    Das Parlament sieht folgende mögliche Quellen für neue Eigenmittel:

    • die gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage,
    • eine Steuer auf digitale Dienstleistungen,
    • eine Finanztransaktionssteuer,
    • Einnahmen aus dem Emissionshandelssystem,
    • eine Kunststoffabgabe und
    • ein sogenanntes CO2-Grenzausgleichssystem.

    Es will auch, dass sämtliche Rabatte und Korrekturen abgeschafft und die auf der Mehrwertsteuer beruhenden Eigenmittel vereinfacht werden. Gesenkt werden sollten ferner die sogenannten nationalen Erhebungskosten, die von den Mitgliedstaaten auf Zolleinnahmen einbehalten werden. Außerdem sollen nach dem Willen des Parlaments weitere Einnahmen in den EU-Haushalt fließen, etwa aus Geldbußen und Gebühren.


    Im November 2018 nahm das Parlament mit seinem Zwischenbericht über den mehrjährigen Finanzrahmen seine Standpunkte zur Reform des Eigenmittelsystems der EU und zum mehrjährigen Finanzrahmen 2021–2027 an. Im Oktober 2019 bestätigte das neu gewählte Parlament diese Standpunkte.


    Mehr zu diesem Thema:

    Kurzdarstellungen zur Europäischen Union – Die Einnahmen der Europäischen Union

    Eigenmittel der Europäischen Union: Die Reform des Finanzierungssystems der EU (Briefing in englischer Sprache)

Own Resources: EP and Commission proposals  
  • Auf der Tagung des Europäischen Rates vom 20. und 21. Februar 2020 erzielten die Mitgliedstaaten keine Einigung über den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen. Der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, zeigte sich ebenso wie das zuständige Verhandlungsteam des Parlaments enttäuscht über das Ergebnis dieses Gipfels.


    Mit dem im Vorfeld des Gipfeltreffens veröffentlichten Vorschlag von Ratspräsident Charles Michel hat sich das Verhandlungsteam des Parlaments eingehend beschäftigt. Mehr dazu finden Sie


  • Die Gelder des EU-Haushalts fließen in Programme, die über mehrere Jahre laufen. Dabei unterscheidet man zwischen Mitteln für Verpflichtungen und Mitteln für Zahlungen. Mittel für Verpflichtungen können im laufenden Haushaltsjahr eingesetzt werden, um rechtsverbindliche Verpflichtungen einzugehen. Ihre Kosten können sich auch auf Folgejahre auswirken. Unter Mitteln für Zahlungen versteht man Gelder, die im laufenden Jahr tatsächlich ausgezahlt werden – etwa um Verpflichtungen aus Vorjahren zu decken. Darum wird in den letzten Jahren eines mehrjährigen Finanzrahmens in der Regel mehr ausgezahlt.

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