Parlament billigt Regeln für besseres Leitungswasser und weniger Plastikmüll 

Pressemitteilung 
Plenartagung 
 
 

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  • EU-Haushalte könnten durch geringeren Verbrauch von abgefülltem Wasser jährlich mehr als 600 Mio. EUR sparen 
  • „Right2Water“ wird als erste europäische Bürgerinitiative in Gesetzesform gegossen  
  • Strengere Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe 
Sicheres Leitungswasser schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.© AdobeStock/Igor  

Das Parlament hat grünes Licht für die neue Trinkwasserrichtlinie gegeben. Sie soll auch benachteiligten Gruppen besseren Zugang zu hochwertigem Leitungswasser ermöglichen.

Am Dienstag billigte das Parlament die mit den Mitgliedstaaten erzielte Einigung über die neue Trinkwasserrichtlinie.


Die neuen Regeln sollen dafür sorgen, dass es in der gesamten EU hochwertiges Leitungswasser gibt. Erfüllt wird damit die Forderung von mehr als 1,8 Millionen Europäern, die die europäische Bürgerinitiative „Right2Water“ unterzeichnet haben. Sie zielt auf besseren Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Europäer ab und wird nun als erste erfolgreiche Initiative ihrer Art in Gesetzesform gegossen.


Vorgesehen ist, dass die Mitgliedstaaten Wasser in öffentlichen Gebäuden kostenlos bereitstellen. Außerdem sollen sie Restaurants, Kantinen und Cateringdienste dazu anhalten, ihren Kunden Leitungswasser kostenlos oder gegen eine geringe Servicegebühr anzubieten. Die Mitgliedstaaten sollen darüber hinaus dafür sorgen, dass gefährdete Gruppen wie Flüchtlinge, Nomadengemeinschaften, Obdachlose und kulturelle Minderheiten wie die Sinti und Roma besseren Zugang zu Trinkwasser erhalten.


Überwachung und Verbesserung der Qualität des Leitungswassers


Die EU will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Bürger anstelle von abgefülltem Wasser Leitungswasser trinken können. Dazu soll die Qualität des Leitungswassers in der gesamten EU verbessert werden – durch die Einführung strengerer Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe, z. B. Blei. Das soll auch mehr Leute dazu bewegen, auf Leitungswasser umzusteigen.


Bis Anfang 2022 arbeitet die Kommission eine Liste von Stoffen bzw. Verbindungen aus, die aus Sicht der Öffentlichkeit oder der Wissenschaft gesundheitlich bedenklich und entsprechend zu überwachen sind. Dazu zählen etwa Arzneimittel, hormonaktive Stoffe und Mikroplastik.


Die Kommission erstellt außerdem europäische Listen, die angeben, welche Stoffe mit Trinkwasser in Kontakt kommen dürfen.


Die Mitgliedstaaten haben dafür zu sorgen, dass sie bei der Umsetzung der neuen Normen nach dem Vorsorgeprinzip handeln. Dabei darf es keinesfalls zu einer Verschlechterung der derzeitigen Trinkwasserqualität kommen.


Zitat


„Zwanzig Jahre nach Inkrafttreten der ersten Trinkwasserrichtlinie ist es an der Zeit, die Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe – zum Beispiel Blei – zu aktualisieren und zu verschärfen. Für das Europäische Parlament kam es darauf an, unser Trinkwasser durch die neue Richtlinie noch sicherer zu machen und auch neuartige Schadstoffe zu berücksichtigen. Ich begrüße daher die Bestimmungen der Richtlinie zu Mikroplastik und hormonaktiven Stoffen wie Bisphenol A“, so der zuständige Berichterstatter Christophe Hansen (EVP, Luxemburg).


Nächste Schritte


Die Richtlinie tritt zwölf Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft. Innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten müssen die Mitgliedstaaten die nötigen Änderungen umsetzen, um der Richtlinie nachzukommen.


Hintergrundinformationen


Der Europäischen Kommission zufolge könnte der geringere Verbrauch von abgefülltem Wasser den Haushalten in der EU helfen, jährlich mehr als 600 Mio. EUR zu sparen. Wenn die Bürger Leitungswasser stärker vertrauen, könnte dies auch dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll durch abgefülltes Wasser entsteht. Das wiederum würde der Verschmutzung der Meere entgegenwirken – zumal Plastikflaschen einer der häufigsten Einwegartikel aus Kunststoff sind, die an europäischen Stränden angespült werden.