Parlament fordert drastische Maßnahmen zur Minderung der Abfälle im Meer 

Pressemitteilung 
Plenartagung 
 
 

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  • Fischerei- und Aquakultursektor muss mehr Abfälle einsammeln und mehr recyceln
  • Verwendung von Styropor in der Fischerei sollte schrittweise eingestellt werden
  • EU-Aktionsplan zur Säuberung verschmutzter Flüsse und Mündungsgebiete erforderlich
Nur 1% des Kunststoffes im Meer schwimmt an der Oberfläche, während der größte Teil auf dem Meeresboden landet ©AdobeStock/Richard Carey  

Die Abgeordneten wollen das Recycling im Fischereisektor fördern und verlangen, die Verwendung von Kunststoffen deutlich zu senken, um die Meeresabfälle zu reduzieren.

In einem Bericht, der am Donnerstag mit 646 Stimmen bei 3 Gegenstimmen und 39 Enthaltungen angenommen wurde, betonen die Abgeordneten, dass Meeresabfälle, insbesondere Nano- und Mikroplastik, für eine Reihe von Meerestierarten sowie für Fischer und Verbraucher „eine ernsthafte Bedrohung" darstellen. Der Text hebt hervor, dass ein durchschnittlicher Konsument von Schalentieren aus dem Mittelmeer durchschnittlich 11 000 Plastikpartikel pro Jahr zu sich nimmt. Es wird geschätzt, dass Abfälle im Meer der Fischerei Einnahmeverluste in Höhe von 1 % bis 5 % verursachen.


Abfälle aus Fischerei und Aquakultur machen 27 % der Abfälle im Meer aus. Daher fordert das Parlament die EU auf, den Ausbau der Kreislaufwirtschaft in diesem Sektor zu beschleunigen, indem Styroporverpackungen aus dem Verkehr gezogen und die Verfahren für die Sammlung von Meeresabfällen und das Recycling verbessert werden. Die Abgeordneten fügen hinzu, dass die Erforschung nachhaltiger Materialien und intelligenter Gestaltung für Fanggeräte ebenfalls von entscheidender Bedeutung sei.


EU-Aktionsplan zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung


Nur 1,5 % der Fanggeräte werden derzeit in der EU recycelt, und einige aufgegebene, verlorene oder anderweitig entsorgte Fanggeräte „bleiben für Monate oder sogar Jahre aktiv". Diese so genannten Geisternetze beeinträchtigen „unterschiedslos die gesamte maritime Fauna und Flora, einschließlich der Fischbestände", warnen die Abgeordneten in der Entschließung. Um dieses Problem anzugehen, fordern die Abgeordneten die Kommission und die Mitgliedsstaaten auf, die freiwilligen Leitlinien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen zur Kennzeichnung von Fanggeräten anzunehmen.


Die Abgeordneten fordern außerdem einen EU-Aktionsplan, um den Verbrauch von Kunststoffen deutlich einzuschränken und die Verschmutzung von Flüssen, Wasserläufen und Küsten zu bekämpfen, wobei sie darauf hinweisen, dass 80 % des Meeresmülls vom Land stammt. Die Abgeordneten fordern außerdem, dass mehr über die Auswirkungen von Meeresabfällen und Nano- und Mikroplastik auf die Fischereiressourcen geforscht wird.


Zitat


Catherine CHABAUD (Renew, FR), Berichterstatterin: „Meeresabfälle sind ein bereichsübergreifendes Anliegen, das mit Blick aufs Ganze angegangen werden muss. Deren Bekämpfung beginnt nicht im Meer, sondern muss berücksichtigen, was vorher passiert, und den gesamten Lebenszyklus eines Erzeugnisses einschließen. Jedes Stück Müll, das im Meer landet, ist ein Stück Ware, das aus dem Kreislauf der Wirtschaft herausgefallen ist. Um die Meeresverschmutzung zu bekämpfen, müssen wir weiterhin positive oder ambitionierte Geschäftsmodelle fördern und neue Sektoren wie Fischerei und Aquakultur in diese globalen Bemühungen integrieren. Es gibt keine nachhaltige Fischerei ohne einen gesunden Ozean."

Hintergrundinformationen


Nur 1 % des Kunststoffes im Meer schwimmt an der Oberfläche, während der größte Teil auf dem Meeresboden landet. Jeden Tag werden 730 Tonnen Abfälle in das Mittelmeer gekippt und jedes Jahr finden laut World Wildlife Fund weitere 11 200 Tonnen Kunststoff, die in der Umwelt freigesetzt werden, ihren Weg ins Mittelmeer, heißt es in der Entschließung.