Parlament fordert wirksamere EU-Krebsbekämpfungsstrategie 

Pressemitteilung 
 
 

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  • Stärkere Bekämpfung umwelt-, lebensstil- und arbeitsbedingter Risikofaktoren 
  • Besserer Zugang zu grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung und klinischen Studien für Krebspatienten 
  • Effizienterer Umgang mit Engpässen bei Krebsmedikamenten nötig 
Abgeordnete fordern stärkere EU-Maßnahmen zur Krebsbekämpfung © ANNE-CHRISTINE POUJOULAT / AFP  

Das Parlament hat seine endgültigen Empfehlungen für eine umfassende und koordinierte Strategie der EU zur Krebsbekämpfung angenommen.

    Der Bericht des Sonderausschusses zu Krebsbekämpfung des Parlaments wurde am Mittwoch mit 652 zu 15 Stimmen bei 27 Enthaltungen angenommen.


    Schwerpunkt auf Krebsvorsorge


    Da mehr als 40 % aller Krebserkrankungen durch „koordinierte Maßnahmen, die auf verhaltensbedingte, biologische, umweltbedingte, arbeitsbedingte, sozioökonomische und kommerzielle" Risikofaktoren abzielen, verhindert werden können, fordern die Abgeordneten wirksame Krebsvorsorgemaßnahmen auf der Ebene der Mitgliedstaaten und der EU, die auf unabhängigen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Empfohlen wird unter anderem die Finanzierung von Programmen, die dazu anregen, mit dem Rauchen aufzuhören, und die Förderung von Maßnahmen zur Verringerung und Verhinderung alkoholbedingter Schäden im Rahmen der überarbeiteten EU-Alkoholstrategie. Das Parlament fordert außerdem eine obligatorische und einheitliche EU-Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. Des Weiteren sollen Grenzwerte für die Belastung am Arbeitsplatz für mindestens 25 weitere Stoffe festgelegt werden.


    Gleichberechtigter Zugang zu Krebsbehandlungen über Grenzen hinweg


    Die Abgeordneten sind besorgt darüber, dass es für Kranke immer noch schwierig ist, Zugang zu Gesundheitsdiensten zu erhalten und an klinischen Studien in anderen EU-Staaten teilzunehmen. Sie fordern deshalb, dass der geltende Rechtsrahmen reformiert wird, um Mobilität und den Zugang zu hochspezialisierter Ausrüstung und Versorgung zu ermöglichen. Es sollte ein einheitliches Regelwerk für die Genehmigung und Erstattung der Gesundheitsversorgung über Grenzen hinweg geben. Das schließe auch das Recht auf eine Zweitmeinung ein. Auch die multinationale Zusammenarbeit und die Durchführung länderübergreifender klinischer Studien müssten wirksamer werden.


    EU-weites Konzept gegen Arzneimittelmangel


    Um Engpässen entgegenzuwirken und Krebstherapien EU-weit zugänglicher und erschwinglicher zu machen, soll nach Ansicht der Abgeordneten umfangreicher auf gemeinsame Beschaffungsverfahren zurückgegriffen werden. Das gelte insbesondere für seltene, pädiatrische und neuartige Krebsmedikamente und -therapien. Außerdem will man die Lieferkette für Krebsmedikamente diversifizieren, Engpässe genauer überwachen und einen strategischen Vorrat an kritischen Krebsmedikamenten anlegen.


    Weitere wichtige Empfehlungen des Berichts sind, dass


    • allen Patienten in der EU, deren Krebstherapie vor zehn Jahren abgeschlossen wurde (bis zu fünf Jahre bei Patienten, bei denen die Diagnose vor dem 18. Lebensjahr gestellt wurde), das „Recht auf Vergessenwerden“ garantiert wird (damit Versicherer und Banken ihre Krankengeschichte nicht berücksichtigen),
    • weitere Krebsarten (neben Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs) in das neue EU-geförderte Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen werden und
    • für ein transparenteres Arzneimittelsystem gesorgt wird, insbesondere im Hinblick auf Preisbestandteile, Erstattungskriterien und Nettopreise von Arzneimitteln in verschiedenen europäischen Ländern.

    Die Abschlussdebatte fand am Dienstag im Plenum statt - hier die Höhepunkte der Debatte und hier die vollständige Aufzeichnung.



    Zitat

    Die Berichterstatterin des Sonderausschusses zu Krebsbekämpfung, Véronique Trillet-Lenoir (Renew Europe, Frankreich), sagte: „Zwölf Jahre nach der letzten europäischen Strategie zur Krebsbekämpfung ist die heute vorgestellte Strategie von historischer Bedeutung, sowohl in Bezug auf ihren Ehrgeiz und ihre Ziele als auch in Bezug auf die Mittel, die wir bereitstellen werden. Wir werden endlich in der Lage sein, gemeinsam die gesundheitlichen Ungleichheiten in der Europäischen Union wirksam zu bekämpfen und auf die Bedürfnisse von Millionen von Europäern einzugehen, die von dieser Krankheit betroffen sind. Heute ist die Europäische Gesundheitsunion auf dem Vormarsch.“


    Hintergrundinformationen


    Der Sonderausschuss zu Krebsbekämpfung des Europäischen Parlaments wurde im Juni 2020 eingesetzt. Sein Mandat endete am 23. Dezember 2021. Im Rahmen eines Konsultationsprozesses, der seinesgleichen suchte, veranstaltete der Ausschuss zahlreiche öffentliche Anhörungen. Seine Mitglieder tauschten sich auch mit nationalen Parlamenten und mit internationalen Organisationen und Fachleuten aus. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der öffentlichen Anhörung des Sonderausschusses zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf die Krebsversorgung in der EU flossen ebenfalls in den Bericht ein.