Ilham Tohti

Träger des Sacharow-Preises 2019

Oleh Senzow, Sacharow-Preisträger 2018

© AP Images / Andy WONG

Ilham Tohti ist ein angesehener uigurischer Menschenrechtsverfechter und Wirtschaftsprofessor, der für die Rechte der uigurischen Minderheit in China eintritt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt er sich unermüdlich dafür ein, den Dialog und die Verständigung zwischen Uiguren und Han-Chinesen zu fördern. Wegen seine Engagements wurde er im September 2014 nach einem zweitägigen Schauprozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Trotz allem, was ihm widerfahren ist, spricht er sich nach wie vor für Mäßigung und Versöhnung aus.

Ilham Tohti ist für seine Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen Uiguren und Han-Chinesen bekannt und setzt sich nachdrücklich für die Umsetzung der Gesetze über die regionale Autonomie in China ein. Außerdem betrieb er die Website „Uyghur Online", auf der uigurische Themen erörtert wurden. Dort bemängelte Ilham Tohti regelmäßig, dass die uigurische Bevölkerung nicht am Aufschwung Chinas teilhabe, und forderte, stärker dafür zu sensibilisieren, welchen Status die Gemeinschaft der Uiguren in der Gesellschaft Chinas hat und wie die Gesellschaft Chinas mit der Gemeinschaft der Uiguren umgeht. Aufgrund dessen erklärte die Staatsmacht Ilham Tohti zum „Separatisten" und ließ ihn schließlich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilen.

Für seinen Einsatz unter diesen schwierigen Umständen erhielt er 2014 die Auszeichnung „PEN/Barbara Goldsmith Freedom to Write Award", 2016 den Martin-Ennals-Menschenrechtspreis und 2017 den „Prize for Freedom" der Liberalen Internationalen. Zudem wurde er 2019 für den Friedensnobelpreis nominiert.

Die uigurische Bevölkerung wird seit etlichen Jahren aufgrund ihrer ethnischen Identität und ihres Glaubens von der chinesischen Staatsmacht in beispiellosem Maße unterdrückt. Seit April 2017 wurden über eine Million unschuldiger Uiguren willkürlich festgenommen und in netzartig strukturierte Internierungslager verbracht. Dort müssen sie sich von ihrer ethnischen Identität und ihrem Glauben lossagen und dem chinesischen Staat Treue schwören.

Der Fall Ilham Tohti betrifft grundlegende internationale Fragen und Menschenrechtsanliegen: den Einsatz für Mäßigung angesichts staatlich gelenkter Unterdrückung religiöser Minderheiten, Anstrengungen zur Aufnahme eines Dialogs zwischen einer muslimischen Minderheit und der Mehrheitsbevölkerung, die nicht muslimischen Glaubens ist, und die Unterdrückung gewaltfreien Protests durch einen autoritären Staat.

Jewher Ilham, die im Exil in den USA lebt, nahm den Preis im Rahmen der Feierstunde in Straßburg für ihren Vater entgegen. In dem bis auf den letzten Platz gefüllten Plenarsaal machte sie sich für die Anliegen der Uiguren stark: „Für ihn [Ilham Tohti] war die Problemlage klar: den Arbeitern wurden grundlegende Rechte verweigert, das Recht, an den Gott zu glauben, an den wir glauben, das Recht, unseren Glauben so zu leben, wie wir ihn leben wollen, das Recht auf selbstständiges Denken. [...] Hier geht es nicht darum, China zu bekämpfen, sondern darum, die Menschenrechte zu schützen."

Wie fördert das Europäische Parlament die Menschenrechte?

Ergänzend zum Sacharow-Preis unterstützt das Europäische Parlament die Menschenrechte auch durch konkrete politische und legislative Maßnahmen.

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Sacharow-Preis 2019