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Plenardebatten
Mittwoch, 12. Februar 2003 - Straßburg Ausgabe im ABl.

Reproduktive und sexuelle Gesundheit in den Entwicklungsländern
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  Montfort (NI ).(FR) Herr Präsident, der Bericht von Frau Sandbæk über die Unterstützung, welche die Europäische Union im Bereich der reproduktiven und sexuellen Gesundheit und der damit verbundenen Rechte in den Entwicklungsländern leisten kann, entspringt einer guten Absicht.

Wir europäischen Frauen haben in der Tat das Glück, eine Schwangerschaft austragen zu können, Zugang zu Informationen zu haben und familiäres sowie berufliches Leben miteinander vereinen zu können. Wie könnten wir hinnehmen, dass so viele Frauen mit Schwierigkeiten konfrontiert sind, die uns hier in Europa erspart bleiben? Dennoch müssen wir uns davor hüten, unsere Hilfe an unsere Vorstellungen von Familienplanung zu knüpfen. Es wäre absurd, diesen Frauen ein Modell, unser Modell, aufzuzwingen. Es ist unerlässlich, diesen Frauen dabei zu helfen, ihre Gesellschaft und ihr Leben als Frau und Mutter in Abhängigkeit von ihren Traditionen, ihren Werten und ihrer Kultur zu organisieren.

Darüber hinaus darf man die Fragen der Rechte der Frauen nicht auf Reproduktion und Sexualität reduzieren. Diese Frauen sind die Grundpfeiler ihrer Gesellschaft. Sie müssen daher einen besseren Zugang zur Schulbildung, zur Information, zur Berufsausbildung haben und ihren Kindern all diese Errungenschaften weitergeben können, was ihren Ländern eine echte Entwicklung ermöglichen wird, in welcher der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung und zu Informationen einen gebührenden Platz einnehmen wird.

Wenngleich Schwangerschaft und Geburt die Hauptgründe für Todesfälle und Behinderungen bei den in diesen Entwicklungsländern lebenden Frauen sind, wenngleich die sexuell übertragbaren Krankheiten in diesen Ländern häufiger vorkommen, so werden wir diese Probleme gewiss nicht durch die Abschaffung der Schwangerschaft regeln. Es müssen vielmehr die Ursachen behandelt werden, und nicht nur die Folgen, und zwar durch den Zugang zu Informationen, wie bereits gesagt, und durch den Zugang zu Medikamenten, insbesondere zu Generika, wie wir am Montagabend festgestellt haben, damit die Behandlung nicht zum Luxus der industrialisierten Länder wird.

Frau Berichterstatterin, Sie führten aus, dass die Abtreibung nie ein Mittel zur Empfängnisverhütung sein wird. Um uns davon zu überzeugen, hätte Ihr Bericht genauer sein müssen. Es hätten die Änderungsvorschläge, die ich im Ausschuss eingereicht habe, berücksichtigt werden müssen, die eine Alternative zur Abtreibung beinhalteten: nämlich Aufnahmemöglichkeiten für jene Frauen, die sich trotz der Schwierigkeiten des Lebens für die Mutterschaft entscheiden. Ich danke meinem Kollegen Ribeiro, der sie aufgegriffen hat, denn die reproduktive und sexuelle Gesundheit und die damit verbundenen Rechte sind stets mit der Freiheit und der Verantwortlichkeit des Einzelnen verbunden. Daher wünsche ich mir, dass diese Frauen ihre Verantwortung in aller Freiheit und ohne die Zwänge unseres westlichen Modells ausüben können.

 
Letzte Aktualisierung: 12. August 2004Rechtlicher Hinweis