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Interview: „Lebensmittel mit dem Land verbinden, wo sie produziert werden"

Landwirtschaft - 30-03-2010 - 13:05
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Giancarlo Scottà: Ursprung und Qualität zählen

Giancarlo Scottà: Ursprung und Qualität zählen

Das Europaparlament hat in der vergangenen Woche Grundsätze formuliert, die es in Zukunft im europäischen Nahrungsmittelrecht verankert sehen möchte. Es geht darum, die Hersteller landwirtschaftlicher Produkte zu ermutigen, erstklassige Qualität zu produzieren und diese Qualität für die Verbraucher erkennbar zu machen. Für Parlamentsberichterstatter Giancarlo Scottà aus Italien steht die Qualität von Lebensmittel in engem Zusammenhang mit der Region, aus der sie kommen.

Herr Scottà, in ihrem Bericht gab es mehrere umstrittene Vorschläge, am Ende jedoch wurden alle akzeptiert. Beginnen wir doch mit der Herkunftskennzeichnung…
 
Ich komme aus der Region Venetien, wo Lebensmittel von hervorragender Qualität ein Motor für Tourismus und Gastronomie geworden sind. Es gibt bei uns einen ganzen Wirtschaftszweig, der auf Lebensmitteln basiert. Wir sind uns sicher, dass es im restlichen Europa ähnliche förderungswürdige Gegenden gibt.
 
Mit der Herkunftskennzeichnung kann man bestimmte Lebensmittel mit dem Land verbinden, wo sie produziert werden. Auf diese Weise überlässt man den Konsumenten die Wahl. 
 
Ich sage nicht, dass europäische Lebensmittel besser als andere sind. Ich denke, die Entscheidung sollte bei den Verbrauchern liegen. Ich gehe da sogar noch weiter: Ich möchte, dass die Kommission eine Konsumentenbefragung durchführt, so dass wir wissen, was die Verbraucher wirklich auf dem Etikett sehen wollen. So könnten wir aufhören, uns die Köpfe heiß zu reden und stattdessen die Leute fragen.
 

Citation

Ich möchte wissen, was die Verbraucher wirklich auf dem Etikett sehen wollen.
Giancarlo Scottà
Ein weiterer Vorschlag, der trotz starkem Widerstand angenommen wurde, ist die Schaffung eines Europäisches Qualitätssiegels"….
 
Immer wenn man etwas, das bereits funktioniert, verändern will, muss man mit starkem Widerstand rechnen. Das heißt aber nicht, dass man es nicht verändern kann. Wir haben ein Europäisches Qualitätssiegel vorgeschlagen für Produkte, die in Europa produziert und auch gänzlich hier verarbeitet wurden.
 
Das Problem sind die großen Handelsketten und Supermärkte: Sie importieren Lebensmittel aus der ganzen Welt, und dann kennzeichnen sie die Herkunft gemäß dem Verarbeitungsschritt.  Das ist für die Konsumenten nicht transparent und macht es sehr schwierig, die Herkunft rückzuverfolgen. Der Bericht beinhaltet außerdem die Forderung nach einer möglichst kurzen Vertriebskette.
 
Zum Abschluss das Thema „Lebensmittel-Piraterie“: Was kann die Europäische Union dagegen machen?
 
Sie sollten wissen, dass der „Supermarkt der Fälschungen“ über 52 Milliarden Euro im Jahr umsetzt. Das ist schmutziges Geld: Es wird durch einen Diebstahl der Kreativität und der Arbeit anderer Leute verdient. Wir sollten sehr streng sein bei Sanktionen und Strafen, sowohl inner- als auch außerhalb der EU.
 
Wir fordern die Kommission auf, bei der Welthandelsorganisation für stärkere Schutzbestimmungen einzutreten. Lebensmittel, die durch die „Geschützte Ursprungsbezeichnung“ oder durch die „Geschützte geographische Angabe“ gekennzeichnet sind, werden am häufigsten gefälscht. Sie sollten dieselben Schutzbestimmungen wie Wein erhalten.
 
REF: 20100325STO71385