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EU-Gesundheitspolitiker mahnen zur Vorsicht in Sachen Nano-Food

Verbraucher - 22-03-2009 - 12:17
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Novel Food: Bleibt ein Apfel ein Apfel? ©BELGA_SCIENCE

Ein roter Apfel auf einem weißen Teller

Diesen Mittwoch stehen die Europa-Abgeordneten vor einer wichtigen Entscheidung über die Zulassung sogenannter „neuartiger Lebensmittel“: Das Plenum entscheidet in erster Lesung über eine Neufassung der Novel-Food-Verordnung. Der für Lebensmittelsicherheit zuständige Umwelt-Ausschuss fordert, auf den Einsatz der Nano-Technologie in Lebensmitteln zu verzichten, bis die möglichen Folgen des Zusatzes von winzigsten Nano-Partikeln in der Nahrung besser erforscht sind.

Nano bedeutet im Griechischen Zwerg. In der Nanotechnologie geht es um den gezielten Einsatz von Teilchen, die zwischem 1  und 100 Nanometer klein sind.
 
Ein Nanometer (nm) ist ein Millionstel Millimeter oder der milliardenste Teil eines Meters. Ein Nanometer passt circa 10 Milliarden Mal in den Punkt unter diesem Ausrufezeichen!
 
Nanopartikel unterscheiden sich in ihren Eigenschaften maßgeblich von größeren Teilen der gleichen Substanz. Sie haben u.a. einen anderen Schmelzpunkt, ein andere elektrische Leitfähigkeit und sind härter oder flexibler.
 
Nanopartikel werden beispielsweise eingesetzt, um UV-Strahlen zu filtern – sei es in Verpackungen für Lebensmittel, sei es in Sonnencremes          
 
Einsatzmöglichkeiten von Nanotechnologie in Lebensmitteln
 
In Lebensmitteln selbst könnten Nanopartikel die Stabilität der Produkte erhöhen, das Aussehen, den Geschmack oder die Konsistenz verändern und die Aufnahme bestimmter Inhaltsstoffe in den Körper verbessern, verhindern oder zeitlich und örtlich steuern.
 
Der Süßigkeiten-Hersteller Mars hat in den USA ein Verfahren patentieren lassen, mit dem eine unvorstellbar dünne Schicht von Titandioxid-Partikeln über die Schokolade gezogen wird, damit sie länger ansehnlich bleibt.
 
Bei Diätlebensmitteln könnten Nanopartikel zum Einsatz kommen und den Körper überlisten, um das Hungergefühl zu unterdrücken. Auch könnte der Fettgehalt bestimmter Lebensmittel ohne Geschmacksverlust reduziert werden. 
 
Es könnten auch gänzlich neue Gerichte und Geschmacksrichtungen hergestellt werden, etwa bei Desserts und Soßen, weil im Nano-Bereich bisher nicht miteinander verbindbare Zutaten gemischt werden könnten.  
 
Nano-Food als unbekannte Größe
 
Bisher ist nicht klar, wie weit Nanopartikel tatsächlich schon bei Lebensmitteln in Europa zum Einsatz kommen. Zwar sind sie grundsätzlich entsprechend der Novel-Food-Verordnung  als sogenannte neuartige Lebensmittel zulassungsbedürftig, aber ohne, dass angegeben werden müsste, das Nanopartikel eingesetzt wurden.
 
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt an, keine Kenntnis davon zu haben, ob und wie viel „Nano Food“ in Europa auf dem Markt ist.
 
Unklar ist auch, welche Wirkung Nanopartikel im Körper entfalten können: Können sie bedrohlich werden, wenn sie Zellwände überwinden?
 
Bergen sie neue Möglichkeiten, die Verbraucher zu täuschen? Schließlich können die Veränderungen der Lebensmittel durch den Einsatz von Nanopartikel für den Verbraucher weder fühl-, riech- noch sehbar sein – sie entziehen sich unserem Erfahrungshorizont.
 
Der Umweltausschuss weist im Bericht der niederländischen Europa-Abgeordneten Kartika Tamara Liotard (Vereinigte Linke) darauf hin, dass über die „gesundheitlichen Auswirkungen von Lebensmitteln, die Nanopartikel enthalten, bisher kaum etwas bekannt ist“.
 
Vorsorgeprinzip: Nano-Food-Moratorium
 
Daher sollte „gemäß dem Vorsorgeprinzip die Verwendung von Nanopartikeln in der Lebensmittelherstellung ausgesetzt werden, bis wissenschaftliche Ergebnisse über die Auswirkungen der Verwendung vorliegen”, so der Ausschussbericht. 
 
Liotard glaubt, dass Nanopartikel bereits zum Einsatz kommen, ohne das die Verbraucher davon wissen können. Die Berichterstatterin dringt darauf, dass spezifische Vorschriften für Nano Food in die novellierte Novel-Food-Verordnung aufgenommen werden. Auch müssten Risiko-Folgenabschätzungen für solche Lebensmittel vorgeschrieben werden.
 
Das Plenum debattiert am späten Dienstagabend (24. März) über die Neufassung der Novel-Food-Verordnung. Die Abstimmung (erste Lesung) ist für Mittwochmittag vorgesehen.
 
REF: 20090316STO51830