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1989 – Chronologie der Wende in Europa

Institutionen - 26-10-2009 - 15:29
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Maueröffnung am Brandenburger Tor am 11. November ©BELGA_AFP_GERARD MALIE

Maueröffnung am Brandenburger Tor am 11. November

Vor zwei Jahrzehnten brachen die letzten Wochen der Nachkriegsordnung an, der Zerfall des Ostblocks und der Siegeszug der Demokratie in Mittelosteuropa und die Emanzipation der Ostblock-Staaten von der UdSSR waren nicht mehr aufzuhalten. In den nächsten Wochen werden Europa-Abgeordnete berichten wie sie den Umbruch erlebt und mitgestaltet haben, ohne den die EU in ihrer heutigen Form als Union von 27 Ländern nicht denkbar wäre.

Als Teil unserer Serie zur Wende in Mittel- und Osteuropa vor 20 Jahren werfen wir ein Blick auf die Chronologie jener Monate im Jahr '89, die Europa so grundlegend veränderten. 
 
Frühjahr & Sommer 1989
 
Februar - April: Die polnischen Kommunisten verhandeln mit der Opposition am Runden Tisch über demokratische Reformen.
 
15. März: Rund 80.000 Menschen demonstrieren in Budapest und fordern Demokratie. Auch in Ungarn entsteht ein Runder Tisch.
 
4. und 18. Juni: Die oppositionelle Solidarnosc gewinnt bei geheimen Wahlen 99 der 100 frei wählbaren Sitze im Senat und alle 161 frei wählbaren Sitze im Sejm. Ein Teil der Sitze bleiben für Kommunisten und die verbündeten Block-Parteien reserviert. 
 
27. Juni: Die Außenminister Ungarns und Österreichs durchschneiden bei Sopron symbolisch den Grenzzaun zwischen beiden Ländern.
 
19. August: Bei einen Paneuropäischen Picknick" wurde für drei Stunden ein Grenztor geöffnet. Ein Ereignis, das mehrere hundert DDR-Bürger zur Flucht in den Westen nutzten. Gleichzeitig nimmt die Zahl der DDR-Flüchtlinge zu, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag aufhalten. Am 23. August wird die Botschaft für den Publikumsverkehr geschlossen. Dennoch schwillt die Zahl der Flüchtlinge auf bis zu 4.000 an.
 
23. August: 2 Millionen Menschen in den Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen formen eine 600 Kilometer lange Menschenkette, um an den 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakts zu erinnern und ihren Willen deutlich zu machen.
 
24. August: Tadeusz Mazowiecki wird in Polen erster nicht-kommunistischer Regierungschef eines Landes des Warschauer Pakets.
 
11. September: Ungarn kündigt an, dass die rund 13.000 DDR-Flüchtlinge im Lande nicht in die DDR ausgewiesen werden, sondern über Österreich in die Bundesrepublik ausreisen können.
 
Herbst 1989
 
7. Oktober: Die KP Ungarns beschließt ihre Selbstauflösung.
 
9. Oktober: 70.000 Menschen nehmen an der Montagsdemo in Leipzig teil, obwohl manche befürchten, die DDR-Führung werde sich zur „chinesischen Lösung“ entschließen und die Proteste blutig niederschlagen. „Keine Gewalt“ und „Wir sind das Volk“ lauten die Slogans der Demonstranten.
 
18. Oktober: Erich Honecker wird von Egon Krenz als Staats- und SED-Parteichef abgelöst.
 
4. November: Über eine Millionen Menschen demonstrieren in Berlin.
 
9. November: Kurz vor 19:00 teilt Günter Schabowski, Sprecher des SED-Politbüros, in einer Pressekonferenz mit, die Partei habe beschlossen „eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen". Auf Nachfrage sagt er, dies trete „sofort“ in Kraft. Die heute-Nachrichten berichten um 19:17; die Aktuelle Kamera des DDR-Fernsehens meldet um 19.33 Uhr: „Alle DDR-Bürger dürfen kurzfristig ohne besondere Angabe von Gründen private Reisen ins Ausland unternehmen." Um 21:20 Uhr passieren die ersten DDR-Bürger die Grenzübergänge nach West-Berlin, um Mitternacht sind alle Übergänge nach West-Berlin offen.
 
17. November: Die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei ist erfolgreich, die kommunistische Regierung tritt zurück.
 
16. Dezember: Im rumänischen Timişoara (Temeschwar) spitzen sich die Proteste gegen die Zwangsumsiedlung des Dissidenten und Pfarrer László Tőkés, heute Europa-Abgeordneter und Bischof, zu. Polizei und Geheimdienst erschießen Demonstranten – die Proteste nehmen in den folgenden Tagen zu und greifen auf die Hauptstadt Bukarest über. In Rumänien kommt es in der Folge zu einer gewaltsamen Revolution. Am 25. Dezember werden Nicolae Ceausescu und seine Frau hingerichtet.
 
1990 kommt es zur Wiedervereinigung Deutschlands, die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland erklären ihre Unabhängigkeit und Lech Walesa wird zum polnischen Präsidenten gewählt. Im Dezember 1991 wird die Sowjetunion Geschichte.
 
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