Verpflichtende Umweltprüfung vor Schiefergasförderung? (Infografik)
In den USA sorgt für Schiefergas für günstige Energie. Wird die EU diesem Beispiel folgen? Kritiker bemängeln negative Folgen für Umwelt und Gesundheit. Am 9. Oktober entscheiden die EU-Abgeordneten, ob vor Probebohrungen Studien über die Folgen für Natur und Anwohner notwendig sind. Unsere Infografik erläutert Funktionsweise und potenzielle Vorkommen.
Warum Schiefergas?
Der Schiefergasboom in den USA hat zu rapide sinkenden Erdgaspreisen geführt. Zwar ist auch Erdgas ein fossiler Brennstoff, verbrennt aber wesentlich sauberer als Kohle oder Öl. Berichtend er Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge, sanken die CO2-Emissionen aus der Energieerzeugung in den vergangenen fünf Jahren nirgendwo weltweit so schnell wie in den USA. Hauptgrund für den Rückgang sei der vermehrte Einsatz von Schiefergas.
Ließe sich diese Entwicklung in Europa wiederholen, sänke auch die Abhängigkeit vieler EU-Staaten von Gasimporten. Energiepreise würden weltweit weiter fallen, was sich positiv auf die wirtschaftliche Erholung auswirken dürfte. Auch schafft die Gasförderung neue Arbeitsplätze in Europa und hilft, die Energieversorgung auf Jahrzehnte zu sichern.
Was spricht dagegen?
Um Schiefergas zu fördern, muss Wasser unter sehr hohem Druck in mehrere hundert Meter tiefe Bohrlöcher gepresst werden. Allein für die Bohrung werden rund 2,3 bis 4 Millionen Liter Wasser benötigt. Die anschließende Gasförderung schlägt mit weiteren 8 bis 14 Millionen Litern Wasser zu Buche.
Da dem Bohrwasser Chemikalien zugesetzt werden, kann dabei auch Grundwasser verschmutzt werden. Misslingt das Abpumpen des Bohrwasser könnten auch anliegenden Seen und Flüsse verschmutzt werden. Wie bei Erdwärmebohrungen kann es auch zu lokalen Erdbeben kommen.
Welche Position nimmt das Europäische Parlament ein?
Um sowohl wirtschaftliche Aspekte als auch Fragen des Umweltschutz einzubeziehen, arbeiten Abgeordnete des Wirtschafts- und des Umweltausschusses am Standpunkt des Parlaments zur Schiefergasförderung.
Der Industrieausschuss verabschiedete am 18. September einen ersten Bericht zum Thema, der auf die Vorteile der Schiefergasförderung und ihre Bedeutung für Energiesicherheit in Europa hinweist (siehe Link rechts dieses Texts).
Wirtschaftlichkeit umstritten
Der Bericht des Umweltausschusses vom 19. September (siehe Link) verweist auf die positive Klimabilanz von Erdgas und fordert Kommission und staatliche Behörden auf, mögliche Gefahren der Schiefergasförderung genau zu prüfen. Es lägen bisher aber keine offiziellen Quellen vor, die einen "systematischen Zusammenhang zwischen der Förderung von Schiefergas und Schieferöl und gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Mensch oder Tier" nachweisen würden.
Ob sich Schiefergas in der EU tatsächlich zu wirtschaftlich sinnvollen Preisen fördern lässt, ist noch unklar. Einige EU-Staaten - Polen, Österreich, Deutschland, Schweden, Großbritannien - haben aber bereits Probebohrungen bewilligt. Andere Staaten wie Frankreich und Bulgarien haben sich jedoch gegen den Abbau von Schiefergas ausgesprochen.
Am 21. November 2012 verabschiedete das Europaparlament bereits zwei nicht-bindende Entschließungen zu den Auswirkungen der Schiefergasförderung auf Umwelt, Industrie und Energiewirtschaft.