EU-Abgeordnete wollen Schattenbanken transparenter machen

Jenseits des klassischen Bankensystems und seiner Regulierungssysteme hat sich eine vielfältige Parallelwelt etabliert. Sogenannten Schattenbanken bieten wichtige Finanzdienstleistungen und sorgen für mehr Konkurrenz und Effizienz. Doch die fehlende Aufsicht birgt auch Risiken für die Stabilität von Staatsfinanzen und ganzen Volkswirtschaften. Am 19. November (Abstimmung 20. November) diskutieren die EU-Abgeordneten über Vorschläge des Berichterstatters Saïd El Khadraoui (S&D).

EU-Abgeordnete verlangen mehr Transparenz für Schattenbankensystem
EU-Abgeordnete verlangen mehr Transparenz für Schattenbankensystem

Zum Schattenbankensystem werden Unternehmen wie Hedge Fonds, Structured Investment Vehicles und Geldmarktfonds, aber auch aus Finanzprodukten wie Repo-Transaktionen [Rückkaufvereinbarungen], Verbriefungen und Credit Default Swaps [Kreditderivate] gezählt.


Dieses System begünstigt die Kreditvergabe und hilft, Kreditrisiken im weltweiten Finanzsystem zu verteilen. Den Zahlen des Finanzstabilitätsrats (FSB) zu Folge belief sich das Schattenbanksystem 2011 auf rund 51 Billionen Euro. 2002 waren es nur 21 Billionen Euro.


Warum ist mehr Transparenz wichtig?


Während der Finanzkrise litten viele Banken unter ihren oft undurchsichtigen Verbindungen zum Schattenbankensystem. Die Branche wurde vom gegenseitigem Misstrauen geschwächt, da Verluste im Schattenbanksystem schwer vorherzusagen und zu kalkulieren sind. Trotz verschärfter Regulierungen fürchten die EU-Abgeordneten noch immer, dass unerkannte Risiken aus dem Schattenbankensystem normale Banken destabilisieren könnten.


Schattenbanken, so schreibt El Khadraoui in seinem nichtlegislativen Bericht, eine Reaktion auf  ein Grünbuch der EU-Kommission, kämen der Realwirtschaft nur dann zu nutze, wenn ihre Arbeit vollständig transparent ist. Daher müssten Institute aus dem Schattenbankensektor besser überwacht und reguliert werden.


Krisen erkenn und vermeiden


Einige Vorschläge der Kommission fanden bei den Abgeordneten Anklang: So könnte in Zukunft etwa eine EU-weite Datenbank, verwaltet von der Europäischen Zentralbank, alle Rückkaufvereinbarungen in allen Währungen der Union auflisten. So ließe sich das ganz Ausmaß des europäischen Repo-Marktes verstehen.  


Ein Zentralregister für alle Finanztransaktionen könnte helfen, in Echtzeit zu sehen, welche Akteure welche Produkte kaufen oder verkaufen und wie Risiken im gesamten Finanzsystem verteilt sind.  


Schärfere Aufsichtsregeln


Etliche Vorschläge im Bericht El Khadraouis zielen auch darauf ab, Risiken für das klassische Finanzsystem zu minimieren. So sollen Banken eine Obergrenze von 25 % der Eigenmittel für Großkredite an alle nicht regulierten Unternehmen einhalten. Auch sollten alle Schattenbanken, die direkt oder indirekt zu einer Bank gehören, in deren Bilanz aufgeführt werden.


Um Finanzprodukte zu vermeiden, die so komplex sind, dass vielen Marktteilnehmern Risiken nicht mehr bewusst sind, sollen Finanzprodukte nur noch begrenzt verbrieft werden dürfen. El Khadraouis-Text fordert darüber hinaus auch für Geldmarktfonds und börsengehandelter Fonds (ETFs) neue Gesetzesvorschläge. Hilfreich wäre auch die Gründung von Trennbanken, die Kunden- und Investmentgeschäft trennen.